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Die Patienten Kevin (James McAvoy) und David (Bruce Willis) sind alles andere als begeistert in Glass © The Walt Disney Company Germany

Ein Film, zwei Meinungen – Glass aus zwei Perspektiven

Seit dem 17.01.2019 ist der Abschluss der etwas anderen, von M. Night Shyamalan erschaffenen, Superhelden-Trilogie in den Lichtspielhäusern. Unser werter Kollege Stefan hat hier auch schon eine tolle und detaillierte Rezension verfasst. Wie es so oft bei Filmen ist, hat jeder seine eigene Meinung. Mittlerweile habe ich den Film auch gesehen und sehe einige Punkte anders, als Stefan. Das ist ja auch kein Problem und daher tauschen wir uns hier bei Ein Film, zwei Meinungen – Glass aus zwei Perspektiven aus.

Die Patienten Kevin (James McAvoy) und David (Bruce Willis) sind alles andere als begeistert in Glass © The Walt Disney Company Germany
Die Patienten Kevin (James McAvoy) und David (Bruce Willis) sind alles andere als begeistert in Glass © The Walt Disney Company Germany




Onnos Meinung

Der Beginn des Films gehört für mich zu den Highlights und stärksten Phasen des Films. Geschickt werden dabei die bekannten Handlungsstränge aus den beiden Vorgängern verflochten und der atmosphärische Spannungsaufbau entlädt sich in einem beeindruckenden Aufeinandertreffen der beiden übernatürlichen Kräfte. Doch dann drückt Glass ordentlich auf das Bremspedal. Sich mantramäßig wiederholende Story-Ärgernisse und Versatzstücke zur Verbindung der drei Filme kratzen ordentlich am Geduldspolster und sorgen für ungemütliches Hin- und Herrutschen im Kinosessel. Irgendwann schafft es das Drehbuch dann mit unkreativen Einfällen auf einen Showdown zuzusteuern. Das wirkt dann aber zu bemüht und gezwungen, um einen wirklichen Impact erzeugen zu können. Ein mauer und trauriger Abgang für die interessanten Figuren.

Kevin kämpft in gelbem Licht, währen Mr. Glass im lila Anzug sitzt in Glass © The Walt Disney Company Germany
Kevin kämpft in gelbem Licht, währen Mr. Glass im lila Anzug sitzt in Glass © The Walt Disney Company Germany

Nein, auf der Story- und Erzählebene überzeugt Glass nicht wirklich. Das ist schade, bietet das Universum reichlich Potential und versammelt man ein hochkarätiges Schauspielensemble. Wie schon in Split, überzeugt James McAvoy auch hier als multiple Persönlichkeit und wechselt diese gekonnt im Minutentakt. Mit einem motivierten Bruce Willis und einem unheimlichen Samuel L. Jackson generiert man so immer wieder tolle Momente. Diese sind auch hochwertig und stimmig inszeniert. Als Ganzes funktioniert das leider nicht.

Kenntnisse aus den vorherigen Filmen sind zwingend notwendig, um den Film komplett verstehen zu können.

Hier die Bewertung von Onno:

Handlung/Dramaturgie
Figuren/Schauspieler
Ausstattung/Schauplätze
Form
Hintergrund
Vergleich im Genre
Durchschnitt:

Stefans Meinung

Glass ist ein tolles Beispiel dafür, dass es keine objektive Meinung zu einem Film geben kann. Die Kritiken reichen von vernichtenden Urteilen bis hin zu Prophezeiungen einer neuen Ära des Regisseurs Shyamalan. Wahrscheinlich kommt es ganz darauf an, mit welchen Erwartungen der Zuschauer oder die Zuschauerin dem Streifen begegnet. Erwartet man einen Superheldenkracher mit treibender Handlung und einer Menge Action und Effekten, so wird man definitiv enttäuscht. Erwartet man ein intensives Charakterporträt, so wird man hier ebenfalls nicht das Richtige finden. Zwar gibt es zwei grandios inszenierte Actionszenen und tolle Charaktere, allerdings liegt das Hauptaugenmerk des Films nicht auf diesen. Shyamalan hat seine Figuren bereits in den beiden Vorgängern intensiv vorgestellt. Wozu dient ihm also dieser Abschluss der Trilogie?

Mr. Glass hat seine eigenen Pläne in Glass © The Walt Disney Company Germany
Mr. Glass hat seine eigenen Pläne in Glass © The Walt Disney Company Germany

Es geht ihm ganz klar um die Metaebene. Er will einen Kommentar zu Superheldengeschichten und deren realen Bezüge abliefern. Dadurch stellen die meisten Szenen Dialoge dar, in denen es um Superkräfte oder die Erzählstrukturen in Comics geht. Der klassische Plot ist somit in meinen Augen keineswegs uninspiriertes Drehbuchschreiben, sondern weist das Publikum auf typische Elemente solcher Superheldenfilme hin, ohne sie dabei zu parodieren. Gerade in diesem Kommentieren eines derzeit omnipräsenten Genres liegt der Reiz des Films. Auf welche Art und Weise wird Shyamalan seinen Schlusspunkt setzen? Weshalb braucht die Welt Superheldengeschichten und weshalb können sie uns begeistern? Wer also keine Lust auf ein langsames Erzähltempo und die Beschäftigung mit solchen Fragen hat, der wird keinen Spaß im Kinosessel haben und wahrscheinlich sogar gelangweilt das Lichtspielhaus verlassen. Ich allerdings fand gerade in dieser Andersartigkeit eine willkommene Abwechslung vom sonstigen Einheitsbrei der Filme von Marvel und DC.

© The Walt Disney Company Germany

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