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Reeves und Sanada sitzen auf ihren Pferden und unterhalten sich.

47 Ronin

47 Ronin von 2013 gilt als einer der größten Kinoflops der bisherigen Filmgeschichte. Ob der Film mit Keanu Reeves in der Hauptrolle auch auf filmischer Ebene ein Flop ist, erfahrt ihr hier.

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Titel47 Ronin
Jahr2013
LandUSA
RegieCarl Rinsch
DrehbuchChris Morgan, Hossein Amini
GenreAction, Drama, Fantasy
DarstellerKeanu Reeves, Hiroyuki Sanada, Ko Shibasaki, Tadanobu Asano, Rinko Kikuchi, Cary-Hiroyuki Tagawa
Länge119 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihUniversal Pictures Germany
Das 4K-Steelbook-Cover von 47 Ronin zeigt Hauptdarsteller Keanu Reeves in Aktion mit einem Samurai-Schwert. Im Hintergrund ein artifizieller Blutspritzer, im Vordergrund ein funkensprühendes Feuer.
Das Cover des neu erschienenen 4K-Steelbooks © Universal Pictures

Worum geht es in 47 Ronin?

Nach dem Tod von Fürst Asano von Ako, verlieren dessen Samurai nicht nur ihren Lehnsherr, sondern auch ihren Status als Samurai. Sie werden zu herrenlosen Kriegern, sogenannten Ronin. Durch eine Intrige des gerissenen Fürsten Kira (Tadanobu Asano) war Asano gezwungen Selbstmord zu begehen, um seine Ehre wiederherzustellen. Doch die Krieger bleiben ihrem Herren über den Tod hinaus treu und schwören Rache an Kira. Angeführt von Ōishi (Hiroyuki Sanada) und begleitet vom Halbblut Kai (Keanu Reeves) begeben sich die Ronin auf eine Reise, um Kira für den Tod ihres Oberhauptes zur Rechenschaft zu ziehen und um Mika (Ko Shibasaki), die Tochter ihres Herren, aus den Fängen des Fürsten und seiner Hexe Mizuki (Rinko Kikuchi) zu befreien.

Finanzielle Katastrophe trifft audiovisuelle Schönheit

Man kann Universal Pictures nicht vorwerfen, dass sie nicht versucht hätten, in das Thema zu investieren. Sie holten mit Keanu Reeves ein namhaftes Zugpferd an Bord und hegten sicherlich große Hoffnungen, den noch andauernden 3D-Hype von Avatar mitzunehmen. Doch das Budget von 175 Mio. US-Dollar hat 47 Ronin nicht einmal im Ansatz wieder eingespielt. Diesem Fiasko liegen unterschiedliche Faktoren zu Grunde und hier scheiden sich auch vermutlich die Geister.

Denn während manch einer bemängelt, dass der Film vor schlechten CGI-Effekten nur so strotzt, möchte ich entgegenstellen, dass mir gerade die Optik und das Sounddesign überraschend gut gefallen haben. Ich gehe sogar so weit und behaupte: 47 Ronin ist eine audiovisuelle Schönheit. Prächtige Farbspektren und einige nette Effekte, beispielsweise die verschiedenen Wandlungen der Hexe, werden garniert von einem episch anmutenden Score, der die zu sehenden Bilder wunderbar untermalt. Die Fabelwesen und die Schauplätze bieten eine ganz eigene Ästhetik, die sich sehr stimmig in die Fantasiewelt einbettet. Was die Macher aber offenkundig enorm unterschätzt haben, ist die Bedeutung der Legende für das japanische Volk.

Die Hexe Mizuki guckt mit heimtückischen Blick über ihre Schulter. Sie trägt ein grünes Seiden-Gewand und langes, schwarzes Haar.
Die Hexe Mizuki (Rinko Kikuchi) © Universal Pictures

Hollywoods Version einer japanischen Legende

Während mich die Bildgewalt abzuholen wusste, gibt es inhaltlich deutlich mehr an 47 Ronin auszusetzen. Bei der Erzählung schien es hin und wieder so als hätte man die richtige Abzweigung verpasst. So waren die Macher stellenweise mehr darauf aus, Schauwerte zu liefern, anstatt die starke Geschichte über Aufopferung und Loyalität weiterzuerzählen. Ansonsten kann man sich wunderbar auf die Erzählung einlassen, sofern einem die wahre Geschichte der 47 Ronin nicht bekannt ist. Die kennen Japaner allerdings nur zu gut. Schließlich gedenkt man deren Taten im Ursprungsland der Legende um die 47 Krieger noch heute jährlich am 14. Dezember. Gerade deswegen setzte man bei Universal Pictures große Hoffnungen in den japanischen Zuschauer, weswegen sie den Film dort sogar zuerst starten ließen. Aber er fand keinerlei Anklang und wurde sogar regelrecht abgestraft.

Weniger als eine Million US-Dollar spielte er am Startwochenende ein. Die Neuinterpretation der bereits 1994 verfilmten Legende wurde als große Beleidigung empfunden. Zwar setzte man auf größtenteils japanische Darsteller, doch die Einbettung von Fantasieelementen sowie der Versuch, jemanden in die Geschichte zu integrieren, der nicht existierte, wurden zu größeren Problemen als die Verantwortlichen bei Universal wohl dachten. Dass ausgerechnet diese Figur, die auch im Film selbst als Fremdkörper verstanden wird, den Kriegern erklären muss, was Ehre und Loyalität bedeutet, brachte das Fass wohl endgültig zum Überlaufen.

Kai (Keanu Reeves) visiert in 47 Ronin mit konzentrierten Blick ein Ziel außerhalb des Bildbereichs an. Es handelt sich um eine Großaufnahme von Reeves Gesicht, im Hintergrund ist unscharf ein Wald zu erkennen.
Keanu Reeves spielt Kai in 47 Ronin © Universal Pictures

Der falsche Zeitpunkt

Gemeint ist natürlich die Figur Kai, die mit Keanu Reeves vom namhaftesten unter den Darstellern verkörpert wird. Für die Hollywood-Produktion wollte man jemanden als Zugpferd und fand dies in Reeves. In den USA kam 47 Ronin allerdings auch nicht so gut an, da das amerikanische Publikum zum einen wenig Interesse an der japanischen Geschichte hatte. Zudem war Reeves nach den Matrix-Filmen nicht gerade ein Kassenschlager. Erst ein Jahr später sollte dessen Stern wieder langsam aufglühen als er in der Rolle des John Wick einen weiteren Rachefeldzug verfolgte. Es ist davon auszugehen, dass 47 Ronin bei einem Start gut fünf Jahre später wesentlich erfolgreicher an den Kinokassen gewesen wäre. Denn gerade durch seine Rolle in den bisher drei John Wick-Filmen, als auch sein natürliches und bodenständiges Auftreten haben seinen Starstatus deutlich gesteigert.

Insofern hätte Reeves zumindest zu einem anderen Zeitpunkt dem Film wirklich helfen können. Darstellerisch aber wirkt er hier zugegebenermaßen sehr steif und zurückhaltend. Man möchte zeitweilig glauben, dass er wenig motiviert war, was sich im Laufe der Handlung immer deutlicher zeigt, wenn er sich durch den Darsteller des wahren Protagonisten der Legende regelrecht an die Wand spielen lässt: Hiroyuki Sanada. Der weiß als Ôishi, Anführer der Ronin, mit wenigen Worten und starker Mimik so sehr zu glänzen, dass er Reeves zunehmend die Show stiehlt und ihn schon beinahe zum Statisten verkommen lässt. Gerade die Präsenz, die Sanada an den Tag legt, hinterlässt einen bleibenden Eindruck und einige kurze Gänsehaut-Momente.

Hiroyuki Sanada kniet als Ôishi in 47 Ronin zusammen mit den anderen Samurai auf steinigem Boden. Allesamt tragen sie rotfarbene Samurai-Rüstungen und sehen andächtig Richtung Boden.
Ôishi (Hiroyuki Sanada) und die Samurai © Universal Pictures

Unser Fazit zu 47 Ronin

47 Ronin mag zwar an der Kinokasse ein Flop gewesen sein, aber eine filmische Katastrophe ist er keineswegs. Im Gegenteil weiß er sogar mit vielen tollen Aufnahmen und einem stimmigen Score zu überraschen und zu überzeugen. Sofern man keine Kenntnis über die wahre Legende der Ronin besitzt und sich auf das Thema ohne zu große Erwartungen einlässt, bietet das Action-Abenteuer große Popcorn-Unterhaltung. Die märchenhafte Einleitung des Films entführt direkt in die sagenhafte Erzählung von Ehre und Treue und weiß mit einem fabelhaften Hiroyuki Sanada schnell zu beeindrucken.

Der Film ist seit dem 07.05.2020 auch im limitierten UHD-Steelbook erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

 

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© Universal Pictures

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