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Ryan Reynolds und Corey Hawkins im Gespräch

6 Underground

Wenn Regisseur Michael Bay einen Actionfilm inszeniert, dann ist schon so manches Filmset in Schutt und Asche gelegt worden. Nun präsentiert er mit 6 Underground „The Most Michael Bay Movie Ever“, wie es Hauptdarsteller Ryan Reynolds in einem Promo Video angekündigt hat und spaltet die Meinungen der Zuschauer. Ob die bis dato teuerste Netflix Produktion zu überzeugen weiß oder doch nur katastrophaler Mist ist, erfahrt ihr hier!

Titel 6 Underground
Jahr 2019
Land USA
Regie Michael Bay
Drehbuch Paul Wernick, Rhett Reese
Genre Action, Abenteuer, Komödie, Thriller
Darsteller Ryan Reynolds, Corey Hawkins, Mélanie Laurent, Manuel Garcia-Rulfo, Ben Hardy, Adria Arjona, Dave Franco
Länge 128 Minuten
FSK ab 16 Jahren freigegeben
Verleih Netflix
Ryan Reynolds und die anderen fünf Helden sind 6 Underground
Die sechs Helden sind bereit für ihre Mission © Netflix

Worum geht es in 6 Underground?

Nachdem er seinen Tod vorgetäuscht hat, rekrutiert der technisch begabte Milliardär One (Ryan Reynolds) ein Team aus internationalen Spezialisten. Die Truppe besteht aus zwei Frauen und vier Männern und operiert außerhalb von Recht und Gesetz, unabhängig von jeglichem Nachrichtendienst. Sie wissen nichts voneinander, außer den jeweiligen Spezialfähigkeiten und ihren numerischen Codenamen, mit denen sie sich untereinander ansprechen. Aus dem Untergrund heraus stürzen sie sich in eine gewagte und blutige Mission, um einen brutalen Diktator zu stürzen. Doch nicht alles läuft nach Plan …

Ein blutiges Schnittfeuerwerk

Das war es dann auch schon, was die Handlung angeht. Mehr braucht es aber auch nicht, denn 6 Underground setzt voll und ganz auf Action, Explosionen und Tempo. Gleich zu Beginn wird eine Warnung eingeblendet, dass einige Szenen stroboskopische Effekte haben, die lichtempfindliche Zuschauer beeinträchtigen können. Kaum gewarnt beginnt auch schon nach wenigen Minuten von einleitenden Worten das angekündigte Blitzlichtgewitter, welches es in sich hat. Aufgrund dieser anstrengenden Flackereffekte ist die erste halbe Minute schwer zu verfolgen. Das ist aber nur der Anfang, denn ab hier wird der nächste Gang eingelegt und zwanzig Minuten Vollgas gegeben.

Es folgen zackige Schnitte im Sekundentakt, die eine besonders hektische Dynamik vermitteln sollen. Hektik zu vermitteln gelingt 6 Underground in dieser Zeit mehr als nur gut, denn die Anfangsphase lässt kaum eine Sekunde zum Verschnaufen, und es ist wahrlich nicht einfach, den Durchblick bei dieser chaotischen Hetzjagd zu behalten. Lediglich die paar Sekunden, in denen die Action im Zeitlupentempo abläuft, verhelfen dem Zuschauer zu einer kurzen Zeit des Durchatmens. Doch nicht zu sehr, denn wenn die Konzentration zu sehr nachlässt, könnte man einige schöne Schauwerte verpassen. So beispielsweise, wenn dem Fahrer eines verfolgenden Wagens per Granatwerfer in einer Zeitlupenaufnahme erst die Nase gebrochen wird, um anschließend in die Luft zu fliegen.

Florenz wird dem Erdboden gleichgemacht in 6 Underground
Hier sprühen die Funken und fliegen die Fetzen! © Netflix

Transformers meets Deadpool

Dies ist nur ein Beispiel für die teilweise unerwartet harte und blutige Darstellung von 6 Underground. Diese liegt schon dem Drehbuch zu Grunde, welches vom selben Autoren-Duo wie bei Deadpool stammt. Paul Wernick und Rhett Reese, die ebenfalls das Drehbuch zu Zombieland schrieben, kennen sich bestens mit blutigen Auseinandersetzungen aus und sind sichtlich in ihrem Element. Eine leichte und unterhaltende Handlung mit ausufernder Gewalt sind ihre unverkennbare Handschrift. Allerdings versprüht 6 Underground nicht dasselbe Flair wie die vorherigen Werke. Doch das Hauptaugenmerk liegt ohnehin auf der Inszenierung der Action, und die ist beachtenswert.

Rasante und zackige Schnitte, knallige Farben und Action in Zeitlupe zeichnen die Arbeit von Michael Bay aus. Der Regisseur hat nichts verlernt von dem, was ihn einst zu einem großen Namen im Actiongenre machte. Bad Boys, The Rock oder Armageddon, Michael Bay führte bei einigen hochkarätigen Blockbustern der 90er Regie. Eines seiner Markenzeichen ist, dass keine Explosion gescheut und die Action zelebriert wird. Mit 6 Underground legt er aber sogar noch eine Schippe drauf und tobt sich nach Strich und Faden aus.

Während der bereits beschriebenen Verfolgungsjagd lässt er ohne Rücksicht auf Verluste – und das sind verdammt viele – einfach mal eine ganze Stadt auseinandernehmen. Für Kenner seiner Filme ist dies nichts Neues, aber sogar für einen Michael Bay Film setzt 6 Underground neue Maßstäbe an Zerstörungswut. Kein Denkmal, und auch kein Unbeteiligter, ist sicher. Während der Fluchtfahrt wird alles gnadenlos niedergemäht, wenn es zufällig im Weg ist, was schon mal als Effekt groß aufgerissene Augen zur Folge hat. Damit zeigt 6 Underground vor allem etwas, dass eher selten in Actionfilmen offenkundig dargestellt wird: Der Kollateralschaden, der bei solchen Aktionen entstehen kann. Dagegen wirken sogar die The Expendables-Filme beinahe wie ein Kindergeburtstag.

Der neue Rekordhalter von Netflix

Bei der Masse an Zerstörung verwundert es kaum, dass 6 Underground ein Budget von schätzungsweise bis zu 150 Millionen Dollar benötigt hat. Zuvor knackte bereits Martin Scorseses The Irishman den dreistelligen Betrag und toppte damit den Anfang 2018 erschienenen Bright mit Will Smith. Die Kosten sieht man 6 Underground auch über die gesamte Laufzeit an, auch wenn manche Inszenierung nicht mehr zeitgemäß scheint.

Schnitte im Sekundentakt und Action, der man nur schwer folgen kann, kamen zuletzt nicht mehr so gut beim Zuschauer an und waren schon bei Bays „Transformers“-Reihe immer mehr zum Störfaktor avanciert. So hätte sich Bay vielleicht ein wenig mehr an den von Kritiker gelobten John WickAtomic Blonde oder Mission Impossible: Fallout orientieren können, die, wenn es um dynamische Actionszenen, denen man gut folgen kann, geht, in den letzten Jahren besser vorgemacht haben.

Wiederum wäre es dann auch kein typischer Michael Bay Film mehr gewesen, und auch diese Art der Action hat seine Fans – und die kommen voll und ganz auf ihre Kosten. Ob die bereits erwähnte Verfolgungsjagd, der Kampf in einem Hochhaus, bei dem gefühlt fünf Minuten lang durchgängig der Subwoofer dröhnt, oder wenn Feinde durch den Einsatz von Magneten durch die Gegend fliegen – es gibt reichlich Hingucker und erinnerungswürdige Szenen in 6 Underground.

Die Action ist eindrucksvoll in 6 Underground
Eindrucksvolle Action gibt es in 6 Underground zuhauf © Netflix

Action alleine reicht nicht

Doch so gut die Action letzten Endes in Szene gesetzt wird, so unfassbar mangelhaft ist das Skript, und das wirkt sich vor allem auf die Charaktere aus. Grundsätzlich ist hier aus meiner Sicht ein sehr cooler Cast aufgefahren worden. Während der anfänglichen Verfolgungsjagd werden diese auch einzeln vorgestellt. Ryan Reynolds als Anführer One (oder in der deutschen Synchro „Eins“) ist zweifellos der große Name von 6 Underground. Den coolen Anführer zu mimen, ist eine Rolle, die ihm eigentlich sehr gut liegt, doch hat man es verpasst, ihm entsprechende Gags zu schreiben, für die er eigentlich ein besonderes Talent besitzt. Die Gags zünden seltener als erwartet und schmälern das Bild vom sonst gut aufgelegten Reynolds, dessen Figur als einzige im Team ein wenig Tiefe bekommt.

Die weiteren Darsteller um Corey Hawkins (Straight Outta Compton), Mélanie Laurent (Inglourious Basterds), Manuel Garcia-Rulfe (Sicario 2) oder Ben Hardy (Bohemian Rhapsody) sowie Dave Franco (The Disaster Artist) bekommen selten die Chance, mehr aus ihrer Figur zu holen. Selbst bei Rückblicken, die eigentlich ein wenig deren Motivation veranschaulichen sollen, kommt bei den meisten Teammitgliedern wenig Mitgefühl und Sympathie auf. Ob einer nun auf der Strecke bleibt oder nicht, ist einem hierbei verhältnismäßig egal und berührt den Zuschauer wenig.

Mélanie Laurent & Manuel Garcia-Rulfo in 6 Underground
Mélanie Laurent und Manuel Garcia-Rulfo in Aktion © Netflix

Unser Fazit zu 6 Underground

6 Underground ist Actionkino ohne Limit, welches weder eine nennenswerte Handlung beinhaltet, noch mit enorm witzigen Szenen zu glänzen weiß. Bei allen Fehlern weiß der Film dennoch Spaß zu machen. Wer einfach ein Actionfeuerwerk zum Ausklinken haben möchte, ist bei 6 UNDERGROUND an der richtigen Adresse.

Michael Bay lässt gefühlt mehr kaputt gehen, als in all seinen vorherigen Filmen zusammen. Auch wenn die Action keine neuen Maßstäbe setzt und in einer Zeit, in der es die John Wick-Filme gibt, überholt wirkt, weiß er dennoch zu Genüge zu unterhalten. So bietet 6 UNDERGROUND ein paar sehr coole Eyecatcher, die ansehnlich umgesetzt worden sind und in Erinnerung bleiben werden.

Unsere Wertung:

 

 

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© Netflix

Christian Willach

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