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Die Gruppe sitzt auf dem Boden der Gondel und es wirkt ausweglos

Abgerissen

Für Menschen mit Höhenangst sicher einer der schlimmsten Albträume: Der Skilift bleibt auf halber Strecken stehen und man steckt fest. Das passiert den fünf Freunden in Abgerissen von Regisseur Tigran Sahakyan. Wie sie damit umgehen und ob sie sich unbeschadet aus dieser misslichen Lage befreien können, seht ihr im Film. Ob sich das ganze lohnt anzuschauen, das lest ihr bei uns.

TitelAbgerissen (OT: Otryv)
Jahr2019
LandRussland
RegieTigran Sahakyan
DrehbuchDenis Kosyakov , Alexandr Nazarov , Olga Rud , Tigran Sahakyan
GenreThriller, Horror
DarstellerIrina Antonenko, Denis Kosyakov, Ingrid Olerinskaya, Mikhail Filippov, Andrey Nazimov, Anastasiya Grachyova, Vladimir Gusev, Aleksandr Nikitchenko
Länge85 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
Verleihcapelight pictures
Das Cover von Abgerissen
Das Cover von Abgerissen © capelight pictures

Worum geht’s in Abgerissen?

Fünf Freunde wollen einen unvergesslichen Silvesterabend verbringen. Um ungestört auf einem Berg feiern zu können, schleichen sie sich an Bord einer Gondel, davon ausgehend, dass sie pünktlich zum Jahreswechsel auf dem Gipfel ankommen. Doch dazu kommt es nicht, denn besagte Gondel bleibt auf halbem Wege stehen.




Und da niemand um das kühne Vorhaben der Gruppe weiß, sind sie in luftiger Höhe auf sich allein gestellt. Schon bald werden der enge Raum und die klirrende Kälte zu echten Gefahren und jeder kämpft für sich ums Überleben.

Die Freunde machen ein Selfie und freuen sich
Noch ist die Stimmung gut in Abgerissen © capelight pictures

Die Prämisse kenne ich doch

Wenn man nicht erst seit gestern im Horror-Genre unterwegs ist, dann könnte einem die Prämisse von Abgerissen sehr bekannt vorkommen. Im Jahr 2010 inszenierte Genre-Profi Adam Green (Regisseur von unter anderem Hatchet und Chillerama) Frozen. Und ganz im Gegensatz zu dem drei Jahre später erscheinenden Disney-Film gleichen Namens, geht es in Frozen wie in Abgerissen ums nackte Überleben. Doch es gibt zwei elementare Unterschiede zwischen Greens Variante und dem hier vorliegenden Werk von Tigran Sahakyan. Zum einen handelte es sich damals um einen Sessellift und nicht um eine Gondel. Und zum anderen ist Frozen ein guter Film. Warum Abgerissen genau das nicht ist, das beleuchten die folgenden Zeilen.

Die Gondel mit den fünf Freunden steht auf halbem Weg
In luftiger Höhe bleibt die Gondel stehen in Abgerissen © capelight pictures

Freunde fürs Leben

Dass eine Gruppe von Freunden auf einem gemeinsamen Ausflug ums Überleben kämpft, ist nun wahrlich keine neue Filmidee. Wer den zeitlosen Klassiker Beim Sterben ist jeder der Erste aus dem Jahr 1972 (im Original: Deliverance) gesehen hat, der kennt den groben Ablauf solcher Filme bereits zur Genüge. Auch Abgerissen bildet in der Hinsicht keine Ausnahme. Doch während der Klassiker von John Boorman beeindruckende Bilder und an manchen Stellen auch ordentlich Tiefgang zu bieten hatte, sucht man beides bei Abgerissen vergebens. Einer der größten Kritikpunkte ist aber die Figurenkonstellation.

Bereits nach dem ersten Drittel des Films fragt man sich als Zuschauer schon, wie diese fünf junge Erwachsene jemals Freunde werden konnten. Von Anfang an sind die Risse im Gefüge dieser Fünfergruppe tiefer als jede Gletscherspalte. Zudem entwickelt sich zu keinem der Protagonisten so etwas wie Sympathie. Vor allem bei einem Survival-Horror-Thriller ist es natürlich mehr als suboptimal, wenn einem die Figuren und somit auch deren Schicksale herzlich egal sind. Bei derart uninspiriert geschriebenen Charakteren könnte auch die beste Schauspielleistung keine Kohlen mehr aus dem Feuer holen. Und da muss man sagen, dass die in unseren Breiten gänzlich unbekannte Schauspielerriege ihre Sache zumindest okay macht.

Die Gruppe sitzt in "Abgerissen" auf dem Boden der Gondel und es wirkt ausweglos
Langsam kämpft jeder für sich in Abgerissen © capelight pictures

Das Setting in Abgerissen

Würde man Abgerissen etwas Gutes tun wollen, dann könnte man dem Film einen Kammerspiel-Charakter andichten. Ein Großteil der Handlung findet im Inneren der beengten Gondel statt, was zeitweise tatsächlich für eine klaustrophobisch-angespannte Stimmung sorgt. Zumindest so lange man nicht aus dem Fenster der Gondel schaut, denn dann fällt das bedrohliche Gebilde ob der stümperhaften Green-Screen-Aufnahmen komplett in sich zusammen. Zu keinem Zeitpunkt nimmt man dem Film ab, dass sich seine Figuren wirklich in luftiger Höhe befinden. Vor allem wenn die Handlung einen Teil der Charaktere auf das Dach der Gondel treibt, wird dies besonders deutlich.

Als i-Tüpfelchen gibt es im letzten Drittel des Films dann noch einen der schlechtesten CGI-Effekte der letzten Jahre zu bewundern.

Auf dem Bild sieht man halb die Gondel und halb Außenaufnahme
Optisch hat Abgerissen noch deutlich Luft nach oben © capelight pictures

Die Story

Dass weder Setting noch Charaktere überzeugen können, haben wir bereits geklärt. Doch wie steht es um die Story? Kann die Handlung dem Genre neue Aspekte hinzufügen? Gibt es genügend interessante Momente, um den Zuschauer bei der Stange zu halten? Auch hier lautet die Antwort leider: Nein. Nicht nur verläuft die Story größtenteils komplett überraschungsfrei und spannungsarm. Zudem sind einige der Entscheidungen innerhalb der Handlung dermaßen hanebüchen, dass auch der letzte Rest Immersion abhandenkommt. Unbenommen, in einer solch angespannten Situation, in der es um Leben oder Tod geht, kann man keine vollkommen rationalen Entscheidungen erwarten. Ein wenig mehr Nachvollziehbarkeit wäre aber durchaus wünschenswert gewesen.

Ein Eispickel sticht in "Abgerissen" in das Fenster der Gondel
Richtig brutal wird es nicht in Abgerissen © capelight pictures

Die Alternativen

In der Vergangenheit haben bereits einige Filme gezeigt, wie man die Grenzen des Survival-Horror-Thriller-Genre effektiv auslotet und den Zuschauer damit in seinen Bann zieht.

Neben dem bereits genannten Frozen, der Abgerissen in wirklich allen Facetten überlegen ist, sei da zum Beispiel Backcountry zu nennen. Dort lässt Regisseur Adam MacDonald seine zwei Protagonisten in der kanadischen Wildnis umherirren und eine unliebsame Begegnung mit einem heimischen Braunbären erleben. Eindrucksvoll bebildert und konsequent in seiner Härte sei Backcountry daher jedem Genre-Fan wärmstens ans Herz gelegt.

Wer noch ein wenig höher hinaus möchte, der darf in A Lonely Place To Die von Julian Gilbey die schottischen Highlands erkunden. In dem Survivalschocker aus dem Jahr 2011 muss sich eine Gruppe von Bergsteigern gegen skrupellos agierende Entführer erwehren. Schnörkellos inszeniert und dennoch enorm spannend.

SOS ist in "Abgerissen" an ein Fenster der Gondel gemalt
Ein Hilferuf, den man als Zuschauer auch gern absetzen würde aus Abgerissen © capelight pictures

Mein Fazit zu Abgerissen

Abgerissen funktioniert leider auf keiner Ebene. Die Figuren sind zu beliebig und unsympathisch, als dass Spannung ob ihres Überlebens aufkommen würde. Die Effekte sind zu bieder, als dass man sich in ihre Situation hineinversetzen könnte. Und die Geschichte ist zu uninspiriert und konventionell erzählt, als dass man Spaß an ihr haben könnte.

Abgerissen ist seit dem 29. November auf Blu-ray, DVD und digital erhältlich.

Unsere Wertung:

 

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© capelight pictures

Patrick Krämer

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