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Jake (Colin Farrell) und Kyra (Jodie Turner-Smith) sitzen in After Yang gemeinsam am Tisch.

After Yang

Kogonadas After Yang mit Colin Farrell lief bereits 2021 in Cannes und erschien schon im März dieses Jahres in den US-amerikanischen Kinos. Das Fantasy Filmfest 2022 bringt den Sci-Fi-Film nun auch hierzulande in die Lichtspielhäuser – und hat damit ein absolutes Highlight im Programm.

After Yang | Official Trailer | Sky Cinema

TitelAfter Yang
Jahr2021
LandUSA
RegieKogonada
DrehbuchKogonada
GenreSci-Fi, Drama
DarstellerColin Farrell, Jodie Turner-Smith, Justin H. Min, Malea Emma Tjandrawidjaja, Haley Lu Richardson, Sarita Choudhury, Clifton Collins Jr.
Länge96 Minuten
FSKnoch nicht geprüft
VerleihA24
Das Poster zu After Yang zeigt die Familienmitglieder Jake (Colin Farrell), Kyra (Jodie Turner-Smith) und Mika (Malea Emma Tjandrawidjaja) gemeinsam mit dem Androiden Yang (Justin H. Min).
Das Poster zu After Yang © A24

After Yang – Handlung

Ein Familienfoto: Teeladenbesitzer Jake (Colin Farrell), Kyra (Jodie Turner-Smith), Mika (Malea Emma Tjandrawidjaja) und Yang (Justin H. Min) schießen ein Porträt mit Selbstauslöser. Sie wirken wie eine normale, harmonische Familie – doch Yang ist Android. Die Eltern Jake und Kyra haben ihrer aus China stammenden Adoptivtochter Mika einen künstlichen Bruder an die Seite gestellt, damit sie die Verbindung zu ihren kulturellen Wurzeln nicht verliert. Der „Technosapien“, so werden die humanoiden, empfindungsfähigen Roboter im Film bezeichnet, ist nicht nur Haushaltshilfe, sondern vollständiges Familienmitglied. Bis er plötzlich den Geist aufgibt. Die Reparatur scheitert zunächst, doch es ergibt sich die Möglichkeit, in Yangs Erinnerungen zu forschen. Jake begibt sich daraufhin auf die Suche, wer Yang eigentlich war…

Verbindungen und Erinnerungen

Nach dem Schießen des Familienfotos werden wir mit einer der großartigsten Titelsequenzen der letzten Jahre in den Film eingeführt. Das ungleiche Quartett nimmt an einem Online-Dancebattle teil, ähnlich wie man es vom Wii-Spiel Just Dance kennt – in seiner Skurrilität erinnert das an Oscar Isaacs Tanzeinlage in Ex Machina. Als die Familie ausscheidet, wird prompt die Verbindung vom Server gekappt. So dreht sich in After Yang alles um Verbindungen: Yang soll eine Verbindung zwischen Mika und ihrer Kultur herstellen, bis Yangs Verbindung zum „Leben“ getrennt wird und der Weg, auf den sich Jake fortan begibt, wird zum entscheidenden Punkt bei der Wiederaufnahme der emotionalen Verbindung mit seiner Familie. Wie viele Science-Fiction-Filme vorher stellt auch dieser dabei die Frage nach der Identität: Was macht einen Menschen aus?

Fast unweigerlich stößt man bei der Beantwortung dieser Frage früher oder später auf den Gegenstand der Erinnerung. Als sich Jake auf die Reise durch Yangs künstliches Gedächtnis begibt, hören wir die Dialoge aus diesem teils zweifach. Sich überlagernd, in unterschiedlichen Tempos mit unterschiedlichen Betonungen gesprochen. Die eine als Datei aus Yangs Speicher, die andere aus dem Gedächtnis von Jake, so die Vermutung. Erinnerungen sind eben nie in Stein gemeißelt, jeder behält sie mit mindestens kleinen Unterschieden im Kopf – es sei denn als Android, dessen Erinnerungen eigentlich Aufnahmen sind.

Stilvolle Utopie

Die Visualisierung von Jakes Reise durch die Erinnerungsfetzen Yangs ist dabei bildschön gestaltet; jeder gespeicherte Rückblick sieht aus wie ein Stern in den Weiten der unendlichen Universen der digitalen Gedankenwelt. Allgemein hat Regisseur Kogonada in After Yang eine traumhaft-elegante Welt geschaffen. Von der stilvollen (Innen-)Architektur über das simple wie ansprechende Setdesign, die clever gewählten Bildausschnitte bis hin zu den geschmackvollen Klamotten und zur stylishen VR-Brille Jakes, mit der er die Vergangenheit von Yang durchforstet.

Jake (Colin Farrell) und Kyra (Jodie Turner-Smith) sitzen in After Yang gemeinsam am Tisch.
Jake und Kyra kommen sich wieder näher © A24

Gemeinsam mit der sehr organischen Welt, die die Zukunft hier auszeichnet, ruft das im Zuschauer zwangsläufig ein wohliges Gefühl hervor. Der Verkäufer in einem Laden trägt am Hemd eine Fliege aus Holz, jedes Zimmer und sogar die autonomen Fahrgelegenheiten sind üppig bepflanzt. After Yang zeichnet so eher Utopie als Dystopie – wie es die meisten Sci-Fi-Vertreter wie Blade Runner oder eben Ex Machina vor ihm taten. Mag Plot-technisch anfangs noch die Möglichkeit bestehen, wie die eben genannten in eine Film Noir- oder Thriller-Richtung abzubiegen, ignoriert der Film diese zügig und nimmt stattdessen lieber die ruhige, poetisch-persönliche Ausfahrt. After Yang ist sehr intim. Darin wie in seiner klaren, harmonischen Visualität, die konsequent durchgezogen wird, erinnert der Film so eher an Spike Jonzes Her denn die oben genannten.

Innenleben statt Außenwelt

Die Intimität wird durch Kogonadas Entscheidung, so gut wie nichts von der Außenwelt zu zeigen, nochmals verstärkt. Weder die selbstfahrenden Autos, noch die Gebäude oder sonstige Umgebungen, die von einer Zivilisation außerhalb der für die Geschichte relevanten Personen und Technosapiens zeugen würden, werden jemals wirklich von außen gezeigt. Das hat sicherlich auch ökonomische Gründe (After Yang ist kein hoch-budgetierter Film), ist aber deswegen nicht weniger eine bewusste Entscheidung. Denn es trifft auch den Kern des melancholischen Sci-Fi-Films: Es geht ums Innenleben, ob beim Menschen oder eben von Künstlicher Intelligenz.

In diesem Innenleben wird sich unweigerlich die Frage nach Vergänglichkeit gestellt. Mika, die Tochter, wird durch Yangs Ableben das erste Mal mit so etwas wie dem Tod konfrontiert und auch beide Elternteile müssen lernen, wie sie mit dem Verlust umzugehen haben. Solch existenzielle Fragen beschäftigen Kogonada bereits seit Kindstagen. Der als Video-Essayist bekannt gewordene Regisseur (seine Videos analysieren unter anderem die Werke Hitchcocks, Kubricks oder Bergmans) schafft es dabei wunderbar, gewisse Stimmungen in Bilder zu verwandeln, anstatt sie in Worten auszuerzählen. Den größten Einfluss auf ihn dürfte diesbezüglich Yasujirō Ozu gehabt haben, nach dessen oftmaligen Drehbuchautoren Kōgo Noda er sich gar benannt hat.

Unser Fazit zu After Yang

Mit der Adaption von Alexander Weinsteins Kurzgeschichte Saying Goodbye to Yang ist Regisseur und Drehbuchautor Kogonada ein wunderschöner Film geglückt. Für die Fragestellungen nach Identität und Vergänglichkeit findet er eine Visualisierung, die die schwer zu fassende, melancholische Grundstimmung auf den Zuschauer überträgt. Und erschafft so Bilder, die in Erinnerung bleiben.

After Yang läuft im September als Teil des Fantasy Filmfestes 2022 in den teilnehmenden Städten im Kino!

Unsere Wertung:

 

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