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Beitragsbild © The Walt Disney Company Germany

Aladdin

1992 verzauberte er als Zeichentrickfilm Jung und Alt und soll nun auch 2019 für leuchtende Augen sorgen. Die Realverfilmung des Disney-Klassikers Aladdin bietet mit Guy Ritchie (King Arthur: Legend Of The Sword) einen spannenden Regisseur und mit Will Smith (Bright) einen frischen Dschinni. Überzeugt der Klassiker auch im neuen Gewand?

TitelAladdin
Jahr2019
LandUSA
RegieGuy Ritchie
DrehbuchJohn August, Guy Ritchie, Vanessa Taylor
GenreAbenteuer, Romanze
DarstellerMena Massoud, Naomi Scott, Will Smith, Marwan Kenzari, Navid Negahban, Nasim Pedrad, Alan Tudyk, Billy Magnussen, Numan Acar
Länge129 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihWalt Disney Germany
Filmplakat Aladdin © The Walt Disney Company Germany
Filmplakat zu Aladdin © The Walt Disney Company Germany

Aladdin, Meister der Lampe

Der gutherzige Dieb Aladdin (Mena Massoud) lebt in der arabischen Küstenstadt Agrabah und verdingt sich dort das Leben mit seinem treuen Affen Abu. Eines Tages trifft er auf die schöne Prinzessin Jasmin (Naomi Scott), die sich verkleidet unter das Volk gemischt hat, und verliebt sich in diese. Doch ist diese Liebe für ihn unerreichbar, denn als Prinzessin kann Jasmin per Gesetz nur einen anderen Prinzen ehelichen. Da kommt das Angebot von Großwesir Dschafar (Marwan Kenzari) gerade recht, denn Aladdin soll ihm eine Lampe aus einer mysteriösen Höhle besorgen, wofür er als Belohnung die Möglichkeit bekommt, um die Hand von Jasmin anhalten zu können. Die sonderbare Lampe entpuppt sich als verwunschen und beherbergt einen Dschinni (Will Smith), welcher dem Besitzer drei Wünsche erfüllt. Mit einer List bleibt Aladdin Besitzer der Lampe und wünscht sich, ein Prinz zu werden.

Guy Ritchie mit Dienst nach Vorschrift

Live-Action, so betitelt Disney die Realverfilmungen ihrer Zeichentrick-Klassiker und verbucht damit große Erfolge an den Kinokassen. Dementsprechend umtriebig läuft die Produktionsmaschinerie und liefert mit Aladdin, nach Dumbo und vor König der Löwen, den nächsten Klassiker im neuen Gewand. Mit Guy Ritchie konnte man einen spannenden Regisseur mit erkennbarer Handschrift engagieren, der zuletzt aber an den Kinokassen nicht wirklich überzeugte. Mit King Arthur legte er sogar eine ordentliche Boxoffice-Bauchhandlung hin, von der er sich jetzt mit Hilfe von Disney erholen könnte. Die Angst vor dem nächsten Flop war demnach wohl sehr groß, denn die markante Handschrift des Briten sucht man in Aladdin vergebens. Mit ganz viel Fantasie, kann man sie in zwei oder drei Szenen erahnen, doch spürbar ist von Guy Ritchies dynamischer Kameraarbeit und Erzählstruktur gar nichts. Viel mehr gewinnt man den Eindruck einer seriösen Auftragsarbeit.

Auf der Flucht © The Walt Disney Company Germany
Aladdin (Mena Massoud) und Jasmin (Naomi Scott) auf der Flucht © The Walt Disney Company Germany

Das ist zum einen schade, gerade für Fans des Regisseurs. Zum anderen aber absolut nicht negativ auslegbar für den Film. Denn Aladdin möchte ein breites Publikum ansprechen, neue Fans gewinnen und den alten Fans wohlige Erinnerungen im neuen Glanz bieten. Zwar hätten sich, gerade auf dem Marktplatz, typische Ritchie-Elemente angeboten, doch auch so schafft man einen spannenden Spagat zwischen Klassik und Moderne.

Bunt, verspielt und ein gut aufgelegter Will Smith

Ein „Markenzeichen“ der Live-Action-Verfilmungen von Disney ist der hohe Anteil von Computereffekten zur Realisierung der fantasievollen Vorlagen. Davor macht auch Aladdin nicht halt, doch haushaltet man im Vergleich deutlich sparsamer mit den Effekten und liefert pompöse Sets und Kostüme. Diese sind bunt, verspielt und aufwändig gestaltet, wodurch sie ein fantasievolles Gefühl aus Tausendundeine Nacht vermitteln. Damit schafft man einen perfekten Rahmen für die musikalischen Gesangs- und Tanzeinlagen. In bester Musical-Manier werden bekannte Lieder aus dem Zeichentrick-Klassiker neu interpretiert und auch neue Melodien finden ihren Weg in den Gehörgang der Zuschauer. Der ehemalige Fresh Prince Will Smith gibt auch so manche Einlagen zum Besten, wodurch die bekannten Songs einen ganz eigenen und frischen Anstrich bekommen.

Dschinni © The Walt Disney Company Germany
Will Smith als Dschinni © The Walt Disney Company Germany

Einen frischen Anstrich hat auch Will Smith selbst bekommen, welcher als Dschinni einen großen Teil des Films blau gefärbt über die Leinwand flimmert. Trotz der hohen technischen Qualitäten in Aladdin ist leider genau dieser Part optisch nicht komplett gelungen. Zu deutlich ist erkennbar, dass sein Gesicht auf den animierten Körper gesetzt wurde. So wird man immer wieder aus der Illusionsblase gerissen. Das ist schade, da seine Auftritte zu den humoristischen Höhepunkten des Films zählen und Will Smith mit seiner Performance wieder an alte Zeiten anknüpft. Man könnte meinen, er sei seit den 90er Jahren kaum ein Tag gealtert, so charismatisch und nostalgisch angehaucht er seine Gesangs- und Tanzeinlagen abliefert.

Neue Gesichter in vertrauter Umgebung

Dschinni sorgt zwar für reichlich Spaß, im Fokus von Aladdin stehen aber dennoch der namensgebende Titelheld und die hübsche Prinzessin Jasmin. Verkörpert werden die beiden von den noch relativ unbekannten Jungdarstellern Mena Massoud und Naomi Scott. Eine große Bürde, die der Aladdin-Darsteller zu satteln hat, was ihm auch unweigerlich in einigen Szenen anzumerken ist. Häufig wirkt er etwas hölzern und verloren, macht dies aber mit seinem Charisma größtenteils wieder wett. Sattelfester hingegen ist Scotts Darstellung der Jasmin, welche die Rolle mit Ausstrahlung und Grazie füllt. Im Zusammenspiel ergeben die beiden ein sympathisches Paar mit überzeugender Chemie. Dem gegenüber steht mit Marwan Kenzari ein, im Vergleich zur Vorlage, junger Darsteller als Antagonist Dschafar. Zwar legt dieser einiges an Böswilligkeit in die Waagschale, erreicht aber nicht die diabolischen Züge des gezeichneten Vorbilds.

Das Paar © The Walt Disney Company Germany
Aladdin und Jasmin © The Walt Disney Company Germany

Apropos Vorbild, wie schon in den bisherigen Live-Action-Verfilmungen, hält sich Disney auch in Aladdin nicht punktgenau an die Zeichentrick-Vorlage. Neben respektvollen Hommagen und kreativen Neuinterpretation, schleichen sich hier und da immer wieder neue Story-Fragmente ein. Diese sind nicht wirklich gravierend, lenken die Geschichte aber hin und wieder in eine neue Richtung. So haben sowohl alte als auch neue Fans genügend zu entdecken.

Mein Fazit zu Aladdin

Alles neu macht die Live-Action-Verfilmung. So radikal und weitreichend sind die Realfilm-Projekte von Disney zwar nicht, doch sorgt man mit Aladdin erneut für eine frische und unterhaltsame Restaurierung eines Zeichentrickklassikers. Mit pompösen Sets und Kostümen schafft Guy Ritchie einen stimmigen Rahmen für die beliebte Geschichte aus Tausendundeine Nacht, verpasst es aber, diesem seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Dies gelingt dem ehemaligen Fresh Prince in der Rolle des liebenswerten Dschinni hingegen deutlich besser. Will Smith findet als Flaschengeist wieder zu alter Stärke, wenngleich ihm technische Ungereimtheiten einen Strich durch die Rechnung machen. Ihren eigenen Stempel müssen die beiden Jungdarsteller erst noch formen, überzeugen aber mit Charisma und Ausstrahlung als Aladdin und Jasmin. So wird aus Aladdin eine frische, vertraute und vor allem unterhaltsame Seherfahrung, wenngleich auch nicht die emotionale Tragkraft des Zeichentrickklassikers erreicht wird.

Aladdin startet am 23.05.2019 in den deutschen Kinos.

Unsere Wertung:

 

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© The Walt Disney Company Germany

Onno

Als Kind in einen Topf aus VHS-Kassetten gefallen und kann seitdem nicht mehr wegschauen.

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