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Amadeus

Kein Studio hatte Interesse, als Miloš Forman Anfang der 80er Jahre versuchte, Peter Shaffers Bühnenstück Amadeus für die große Leinwand zu adaptieren. Offensichtlich konnte man sich nicht vorstellen, dass ein Kostümfilm mit klassischer Musik bei Kritikern und Publikum ankommen würde. Am Ende wurde das Projekt jedoch mit 8 Oscars ausgezeichnet und gilt als das vielleicht beste Musikerbiopic der Filmgeschichte. Ob der Film von 1984 auch heute noch ein Meisterwerk ist, erfahrt ihr im Folgenden.

TitelAmadeus
Jahr1984
LandUSA
RegieMiloš Forman
DrehbuchPeter Shaffer
GenreBiografie, Drama, Historienfilm, Musikfilm
DarstellerF. Murray Abraham, Tom Hulce, Elizabeth Berridge, Simon Callow, Roy Dotrice, Christine Ebersole, Jeffrey Jones, Charles Kay, Patrick Hines, Roderick Cook, Nicholas Kepros, Jonathan Moore, Richard Frank, Cynthia Nixon, Barbara Bryne, Kenny Baker, Vincent Schiavelli, Kenneth McMillan
Länge160 Minuten (Directors Cut: 173 Minuten)
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihWarner Home Video

Worum geht es in Amadeus?

„Mozart, ich habe dich getötet! Vergib deinem Mörder!“, hört man es aus dem Arbeitszimmer des in die Jahre gekommenen Wiener Komponisten Antonio Salieri rufen. Entgegen der Zweifel seiner Bediensteten, scheint sich der ehemalige Hofkompositeur unter Kaiser Joseph II. dieser Angelegenheit sicher zu sein und begeht, aus schlechtem Gewissen heraus, einen Selbstmordversuch. Die Rettung scheint jedoch in letzter Sekunde zu gelingen, denn etwas später findet sich der verbitterte Musiker des ausgehenden 18. Jahrhunderts in einem Heim wieder. Dort gesellt sich ein Priester zu ihm. Er will ergründen, was die Seele des alten, stark gläubigen Mannes so schwer zu belasten scheint. Nur durch eine Beichte könne er Linderung der Pein erfahren, erklärt er Salieri.

Daraufhin beginnt dieser seine Lebensgeschichte vorzutragen: Wie er bereits als Kind für die Musik schwärmte; wie er sich nichts sehnlicher wünschte, als Musiker zu werden und wie er schließlich nach jahrelanger Arbeit und unnachgiebigem Fleiß eine Anstellung am Hofe des Kaisers erhielt. Doch trotz dieser Erfolge lässt sich die Geschichte nicht erzählen, ohne unablässig von einem anderen zu berichten. Einem Mann, der sie alle überragte: Wolfgang Amadeus Mozart.

Wolfgang Amadeus Mozart – Der Inbegriff eines Genies

Peter Shaffer, der sowohl das zugrundeliegende Bühnenstück, als auch das Drehbuch verfasst hat, verbindet äußerst geschickt die Ikone „Mozart“ mit dem normalen Menschen. Mozart wird nicht als reale Person dargestellt, sondern als Übermensch. Ein solcher Geniekult hält sich bereits hartnäckig seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, denn schließlich hinterließ Mozart innerhalb seiner nur kurzen Lebensdauer von 35 Jahren eine beträchtliche Menge an Werken, deren Qualität kaum angezweifelt werden darf. Bereits in jungen Jahren komponierte er und spielte vor den größten Herrschern Europas. Wie also soll sich ein “normaler Mensch” mit einem solchen Talent messen können? Im Film nimmt sich Salieri dieser Aufgabe an. Er hat sein Leben hingebungsvoll der Musik gewidmet. Jedoch kann er nur mit größtem Fleißaufwand erfolgreich sein. Ist es gerecht, dass jemand so leidenschaftlich für eine Sache arbeitet, und dennoch chancenlos der Begabung und dem Intellekt eines Genies unterlegen ist?

Der Neid auf das scheinbar angeborene Talent ist hiermit also Grundthema des Films. Doch schaut man unter der Oberfläche, ist eine solche Begabung jedoch keineswegs so zufällig, wie man annehmen mag. Mozarts Vater war Hofkomponist in Salzburg und führte die musikalische Ausbildung seines Sohnes mit eiserner Hand. Mozarts kindliche Albernheiten scheinen somit von einer verpassten Kindheit herzurühren. Salieri hingegen ist in ärmlichen, bildungsfernen Verhältnissen aufgewachsen. Es ist naheliegend anzunehmen, dass ein Bildungsgefälle existiert, welches auch heute aktueller denn je zu sein scheint. Doch wen kann man dafür verantwortlich machen? Worin liegt der Sinn für diese scheinbare Ungerechtigkeit der Welt? Schließlich ist der Umstand, in eine wohlhabende Familie geboren worden zu sein, wohl kaum eine eigene Leistung, die es zu belohnen gilt. Für Salieri ist die Angelegenheit klar: Es handelt sich um Gottes Plan.

Eine sinnvolle Rahmenhandlung

Ist uns allen eine bestimmte Position in der Welt durch eine höhere Macht vorgeschrieben? Und falls ja, wie können wir uns dagegen behaupten? Über solche Fragen sinniert Salieri vor den Augen des staunenden und sprachlosen Priesters. Dabei ist die Rahmenhandlung ein Geniestreich des Autoren Peter Shaffer. Nicht nur wird der alte Salieri meisterhaft nuanciert und einnehmend von F. Murray Abraham gespielt (die unglaublich authentische Maske tut ihr Übriges), es gelingt Amadeus so gut wie kaum einem anderen Film, die Haupthandlung mit einem subjektiven Kommentar zu versehen. Salieris Positionen und Ansichten werden dadurch stets menschlich und nachvollziehbar. Auch wenn wir ihm als Publikum keinen Erfolg bei seinem Plan, Mozarts Erfolg systematisch zu untergraben, wünschen, so kommt man nicht umhin, mit diesem Charakter zu sympathisieren. Außerdem erzeugt Shaffer gerade durch diese Erzählweise eine mit zunehmender Laufzeit steigende Spannung. Schließlich steht ein angeblicher Mord im Raum.

Mozarts Musik

Der Umstand, dass es sich zwar um die Lebensgeschichte von Wolfgang Amadeus Mozart handelt, jedoch aus einem anderen Blickwinkel erzählt wird, birgt überdies noch einen weiteren Vorteil. Amadeus läuft niemals Gefahr, die Werke des Komponisten zu überinterpretieren. In modernen Musikerbiopics, wie etwa Bohemian Rhapsody oder Rocketman scheint es Mode geworden zu sein, jedem Werk eines Künstlers eine tiefere Bedeutung in Bezug auf seine Biografie zu geben. Jeder Song ließe sich, falls man solchen Streifen Glauben schenkt, durch die Lebensumstände des Künstlers erklären. Dass dem, gerade in Bezug auf klassische Musik, nicht so ist und auch im Allgemeinen Kunst sich einem rationalen Erklärungsansatz verwehrt, dessen ist sich Peter Shaffer durchaus bewusst. Die Werke werden hier vielmehr als sinnliche Erfahrungen begriffen, welche durch die Kommentare des alten Salieri, versucht werden zu fassen.

Erst gegen Ende bedient sich der Streifen einerseits der Oper „Don Giovanni“ und des unvollendeten Requiems, um einen dramatischen Effekt zu erzielen. Amadeus schafft es stets einerseits Hintergründe zur musikalischen Epoche und den Werken selbst zu liefern (besonders am Beispiel von „Die Hochzeit des Figaro“ wird deutlich, wie brillant und neuartig Mozarts Musik damals war) und dadurch eine Begeisterung und ein Interesse zu wecken und andererseits fühlt sich der Streifen niemals wie ein Lehrfilm über klassische Musik an. Die klug ausgearbeiteten Figuren und fantastischen Darsteller und Darstellerinnen (besonders die Oscar-nominierten Schauspieler F. Murray Abraham und Tom Hulce sind hier hervorzuheben) sorgen dafür, dass das Publikum in eine Art Sog versetzt wird. Man kann völlig in diese längst vergangene Zeit eintauchen. Zum Glück nimmt sich der Film mit seiner Lauflänge von fast drei Stunden auch die benötigte Zeit.

Meisterhafte Regiearbeit

Regisseur Miloš Forman zeigt sich hier als Meister seines Faches. Bereits mit dem preisgekrönten Einer flog über das Kuckucksnest konnte er seine Fähigkeit, eine einfache Geschichte und ihre Figuren eindrucksvoll in Szene zu setzen, unter Beweis stellen. In Amadeus gelingt ihm das vermeintlich sogar noch besser. Besonders elegant ist dabei die Verwendung von Mozarts Musik, welche nahezu ausschließlich als Soundtrack des Streifens dient. Immer wieder ist man überrascht, wie wirkungsvoll die Verbindung aus Handlung, Bildern und Musik ausgearbeitet worden ist. Selbst die Verschränkung der Sprache Salieris mit den Klängen einer Sinfonie lassen einen mit offenem Mund und einer Gänsehaut zurück. Die verschiedenen künstlerischen Komponenten, welche bei der Erstellung eines Films eine Rolle spielen, ergeben sich hier so geschmeidig zu einem großen Ganzen, wie es selten zu sehen ist.

War das alles wirklich so?

Immer wieder stellt man sich nach Amadeus die Frage, wie viel dieser unglaublichen Geschichte tatsächlich war ist. Ehrlicherweise muss man allerdings sagen: nicht viel. Alle Hintergründe über die Zeit und die Musik an sich sind sehr gut recherchiert und wirken ausgesprochen authentisch. Die gesamte Rahmenhandlung über die feindselige Beziehung zwischen Mozart und Salieri ist allerdings zugunsten einer spannenden und aussagekräftigen Handlung zusammengestellt worden. Doch dies ist keineswegs ein Manko. Peter Shaffer macht vor, wie man es richtig macht: Wahre Begebenheiten dienen als Inspiration und Ausgangspunkt von Kunst, jedoch muss sich das Endprodukt keineswegs mehr an einer Originaltreue messen. Gerade durch die Eigeninterpretation wird Amadeus zu eben jenem ästhetischen Erlebnis, welchem man sich unbedingt hingeben sollte.

Fazit zu Amadeus

Was bleibt also abschließend zu sagen? Amadeus ist und bleibt ein überaus beeindruckender Kostümfilm und definitiv eines der besten Musikbiopics, die es jemals gegeben hat. Miloš Forman lässt einen in eine längst vergangene Zeit eintauchen und setzt dem Genie Mozart und seiner Musik ein gelungenes Denkmal, an dem sowohl Freunde der klassischen Musik Gefallen finden, als auch Personen, die sich mit dieser Musikrichtung noch nicht besonders auskennen. Musikkennern wird es eventuell etwas übel aufstoßen, dass viele der gespielten Werke in englischer Sprache gesungen werden, statt in der Originalsprache, doch über diese minimale Unzulänglichkeit kann man anhand der geschickten Handlung, den interessanten Figuren und dem großartigen Cast getrost hinwegsehen. Die Lauflänge des Films, sein Alter und das Thema sollten also niemanden davon abschrecken, diesen Film einmal zu sehen, denn es lohnt sich in jedem Falle, falls man in der Lage ist, sich darauf einzulassen. Ein absolutes Must-See!

Unsere Wertung:

 

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