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American Horror Story: Coven

American Horror Story: Coven verfolgt einen Hexen-Zirkel im 21. Jahrhundert. Dieser muss sich nicht nur gegen Hexenjäger und andere Clans verteidigen, sondern auch interne Intrigen überstehen. Wie sich die dritte Staffel der Anthologie-Serie schlägt, erfahrt ihr hier.

TitelAmerican Horror Story: Coven
Jahr2013
LandUSA
RegieAlfonso Gomez-Rejon, Michael Uppendahl, Howard Deutch, Michael Rymer, Jeremy Podeswa, Douglas Petrie, Bradley Buecker
DrehbuchRyan Murphy, Brad Falchuk, Tim Minear, James Wong, Jennifer Salt, Jessica Sharzer, Douglas Petrie
GenreHorror, Fantasy
DarstellerSarah Paulson, Taissa Farmiga, Frances Conroy, Evan Peters, Lily Rabe, Emma Roberts, Denis O’Hare, Kathy Bates, Jessica LangeJamie Brewer, Gabourey Sidibe
Länge560 Minuten: 13 Episoden à 42-53min
FSKab 18 Jahren freigegeben
Verleih 20th Century Fox

American Horror Story: Coven – Moderne Hexen

In American Horror Story: Coven wird Zoe (Taissa Farmiga) nach einem ungewöhnlichen wie verhängnisvollen Vorfall auf eine besondere Akademie geschickt. Die Jugendliche erfährt dort, dass sie von den Hexen von Salem abstammt und über Zauberkräfte verfügt. Gemeinsam mit der arroganten wie verzogenen Madison (Emma Roberts), der menschlichen Voodoo-Puppe Queenie (Gabourey Sidibe) und der hellsehenden Nan (Jamie Brewer) wird sie von der Leiterin der Akademie, Cordelia (Sarah Paulson), betreut und unterrichtet. Cordelia ist zugleich die Tochter der Obersten des Zirkels, Fiona (Jessica Lange). Diese frönt jedoch lieber ihrem extravaganten Lebensstil außerhalb des Internats, anstatt ihren traditionellen Pflichten und Verantwortungen als mächtigste Hexe des Zirkels nachzukommen.

Auf der anderen Seite der Stadt hat sich derweil ein weiterer Hexen-Clan sesshaft gemacht und widmet sich den Künsten der Voodoo-Zauber. Die beiden Zirkel trennt eine jahrhundertelange Feindschaft. Die vereinbarte Waffenruhe wird allerdings jäh gestört, als Fiona eine Feindin des Voodoo-Clans aus ihrer Verbannung befreit. Während sich nun sämtliche Gemüter erhitzen, hat es ein Bund aus Hexenjägern auf den Zirkel abgesehen.

Eine eingespielte Crew

Wie schon in den vorherigen beiden und auch in den folgenden Staffeln wirkt wieder der gleiche, große Pool an Regisseuren und Autoren rund um Alfonso Gomez-Rejon (The Current War), Bradley Buecker (Glee), Jennifer Salt (Eat Pray Love) oder auch James Wong (Final Destination) hinter den Kulissen. Bei sechs verschiedenen Regisseuren und sieben Autoren erhält jede einzelne Folge zwar ihre eigene Note und Nuancierung, doch der rote Faden und das Gesamtkonzept ist bei den insgesamt 13 Folgen stets deutlich erkennbar. An dieser Stelle leistete das große Team gute Arbeit bei der Abstimmung.

Nun sind verschiedene Regisseure und Autoren innerhalb einer Staffel nicht ungewöhnlich. Das interessante Konzept der Anthologie-Serie lebt sicher auch von der Prämisse, den aus vorherigen Staffeln bekannten Schauspielern neue Rollen zu geben. Und das funktioniert erstaunlich gut. Der bekannte American Horror Story-Cast um Taissa Farmiga, Evan Peters, Sarah Paulson oder die großartige Jessica Lange wird um hochkarätige Gesichter wie Kathy Bates (Misery), Emma Roberts (Nerve), Angela Bassett (Black Panther) oder besondere Gastauftritte ergänzt.

Eine verhängnisvolle Auferweckung

American Horror Story: Coven arbeitet dabei zunächst mit wenigen Zeitsprüngen und erzählt die Vorgeschichte der Madame Delphine LaLaurie. Die Figur ist dabei eine Adaption der gleichnamigen Massenmörderin aus New Orleans, die im 19. Jahrhundert etliche Sklaven in ihrem Haus folterte und tötete. In der Serie wird die Figur von Kathy Bates gespielt, welche ihr nicht nur genügend Wahnsinn, sondern auch eine gewisse bemitleidenswerte, weil fehlgeleitete Menschlichkeit verleiht, sodass LaLaurie zu einem Angelpunkt in der Geschichte wird. In der Vorgeschichte wird nun zunächst das grausame Treiben gezeigt, wie die Dame von hohem Stand auf ihrem Dachboden Sklaven in Käfigen gefangen hält und foltert, um mit dem Blut Schönheitspflege zu betreiben.

Ihr wird jedoch durch eine List von einer schwarzen Hexe das Handwerk gelegt. Mit der Unsterblichkeit verflucht, wird sie lebendig begraben. Etliche Jahrzehnte später wird sie darauf von Fiona befreit, da die Oberste sich von LaLaurie Informationen verspricht. Die schwarze Hexe, welche durch einen Pakt mit einer dunklen Gestalt ebenfalls unsterblich ist, ist nun der Kopf des Voodoo-Clans und sieht die Befreiung und Beherbergung von ihrer Erzfeindin und der Rassistin LaLaurie als Kriegserklärung seitens des Zirkels von Fiona.

Der Kampf um den Thron

Die Hexen von Salem müssen sich dabei aber nicht nur gegen den zu eskalieren drohenden Krieg gegen den verfeindeten Clan und die lauernden Hexenjäger stellen. Der eigentliche – und auch interessantere – Kampf findet innerhalb der Akademie statt. Fiona ist dabei die Oberste des Zirkels. Obgleich sie die damit verbundenen Pflichten eher vernachlässigt, ist sie die Anführerin und verfügt über die größte Kraft. Es gilt jedoch, dass eine aufstrebende Hexe, die sich würdig erweist, allmählich die Kräfte der Obersten übernimmt, ehe sie das Amt schließlich antritt. Die Gruppe Junghexen um Zoe, Madison, Queenie und Nan trachten allesamt nach dem Platz der Anführerin. Gleichsam versucht Fiona herauszufinden, wer die würdige Nachfolgerin ist. Denn wenn Fiona diese tötet, übernimmt sie wiederum die Kräfte der Junghexe. Für die schwächelnde und kranke Fiona ist dies der einzige Weg, zu überleben.

Das verspricht nicht nur jede Menge Manipulationen, undurchsichtige Intrigen und Machtkämpfe, sondern auch eine Jessica Lange in Doppelrolle. So darf sie einerseits die allmächtige Ober-Hexe spielen, die gnadenlos ihre eigenen Interessen verfolgt und munter manipulativ sämtliche Figuren gegeneinander ausspielt. Andererseits ist sie aber auch eine eigentlich unantastbare, aber alternde Anführerin, die sich ihrer Sterblichkeit bewusst wird. So wandelt Jessica Lange mit dem Mut zur Hässlichkeit in einigen Szenen gar fast wie eine Untote am Rande des Zerfalls umher, ehe sie sich wieder dank eines Opfers in voller Pracht zeigen darf. Die Schauspielerin verleiht der Figur dabei zugleich eine unwahrscheinliche Würde, allmächtig scheinende Kraft, aber auch eine rührende Zerbrechlichkeit. Die Ambivalenz aus der unerfüllten Leere und Taubheit ihres Lebens auf der einen und der gleichsam Todesangst wie -sehnsucht auf der anderen lässt Fiona zur interessantesten und tragenden Figur werden.

American Horror Story: Coven – Von Rassismus und Feminismus?

Im Kampf der beiden verfeindeten Clans der elitären, weißen Akademie-Hexen von Salem und den am Stadtrand eher dürftig lebenden, dunkelhäutigen Voodo-Zauberinnen und in der Figur der Delphine LaLaurie sollen freilich Rassismus-Thematiken und -problematiken verhandelt werden. In der Inszenierung des Voodoo-Clans mit seinen uralten Bräuchen und Mythen sowie dem beidseitigen Krieg um den Anspruch auf “das wahre Hexenvolk” kommen gar Vergleiche zur Kolonialgeschichte und den damit verbundenen Kriegen in den Sinn. Ohne großartig zu spoilern, kann festgehalten werden, dass dies nicht gelingen mag. Die Serie ergreift, leider, letztlich viel zu sehr Partei, um diese Themen fair aufgreifen zu können. Vor allem die immer wieder aufkeimende Rassismuskritik rund um die Figuren LaLaurie und Queenie, der einzigen schwarzen Hexe im Salem-Zirkel, funktioniert längst nicht wie gewollt. Bei näherer Betrachtung ist dies oftmals sogar eher ein Schuss nach hinten, Queenie bleibt etwa stets ein Fremdkörper.

“Wenn Hexen nicht kämpfen, brennen sie”

Auch als Feminismus-Analogie, wofür sich das Motiv der Hexen in der Neuzeit sicher anbietet, ist das Ganze viel zu dünn umgesetzt. Immer wieder blitzen einzelne Ansätze auf, doch viel mehr als die reine Thematik wird dabei nicht wirklich geboten. Die Gesellschaftskritik bleibt insgesamt zu undurchdacht, oberflächlich und zu sehr nach Holzhammermethode. Am besten ist die Serie sowieso, wenn sie sich auf ihre Stärken in der Inszenierung von Schaurigem, Horror und Rätselhaftem besinnt.

Jede Menge Blut und Humor

Dies funktioniert auch hier wieder einwandfrei, wenn auch American Horror Story: Coven deutlich heller und freundlicher daherkommt und sich noch eine gute Portion Humor und Zynismus dazu gesellt. Nichtsdestoweniger hat auch die dritte Staffel einige sehr gelungene düstere Momente zu bieten. Dabei wird auch an einigen Stellen nicht an der Darstellung expliziter Gewalt gespart. Nicht nur in den Rückblicken auf Madame LaLauries Machenschaften darf jede Menge Blut fließen. Vor allem der kurze Kampf mit Kettensäge gegen Zombies dürfte die Herzen geneigter Fans höher schlagen lassen. Die FSK-18-Freigabe ist also nicht aus der Luft gegriffen. Dennoch sind diese auch dank toller Masken und Effekte gefälligen Szenen eher ergänzend als das Hauptaugenmerk. Insgesamt gelingt hier eine gute Mischung aus Story, Suspense, Humor und Gewaltausbrüchen.

Leider vermag es auch die dritte Staffel nicht ganz, die Spannung bis zum Schluss konsequent hochzuhalten. Trotz vieler Einfälle und spannenden Handlungssträngen, die nicht unbedingt einer klaren Hauptfigur folgen, schwächelt die Season zwischendurch immer wieder mit dem Pacing und findet abermals leicht verfrüht ihren Höhenpunkt. Das Finale ist zwar zweifelsohne immer noch sehenswert, wirkt aber eher leicht zusätzlich ‘on top’ gesetzt, denn wie ein Kul­mi­na­ti­ons­punkt.

Auch hier wird wieder fleißig Genrevertretern gehuldigt, sodass an allen Ecken und Enden Referenzen grüßen. Seien es Zombie-Klassiker, Harry Potter oder das humorvolle Einspielen des Theremins als liebevolle Hommage an schaurige, alte Gruselfilme. Subtil ist das selten und American Horror Story: Coven krankt öfters auch an einer gewissen Überstilisierung am Rande des Eigenlobs, doch wirklich meckern mag man da nicht, weil das auch einfach oft genug verdammt gut funktioniert.

Unser Fazit zu American Horror Story: Coven

Die dritte Staffel der Horror-Anthologie-Serie ist unterm Strich definitiv gelungen. Abseits leichter, und der Serie nicht neuen, Probleme mit dem Pacing und der eher dürftigen Umsetzung von der sich durchziehenden, aber nie wirklich konsequent verhandelten Gesellschaftskritik gibt es wenig zu beanstanden. Auch American Horror Story: Coven bietet ein tolles Setting und eine vielversprechende Prämisse, die auch mit vielen einfallsreichen wie abgefahrenen Ideen ausgeschöpft wird. Ein hervorragender Cast um Jessica Lange und Kathy Bates darf sich hier gänzlich in einer gelungenen Mischung aus Horror, Wahnsinn, Grusel und Humor austoben. Auch in der dritten Staffel kann man sich wieder wohlig schaurig unterhalten lassen. Für die oberste Liga fehlt es dann aber doch etwas an Substanz.

Unsere Wertung:

 

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