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Christian Bale zieht sich als Patrick Bateman eine Schönheitsmaske vom Gesicht.

American Psycho

Die Verfilmung des skandalträchtigen Kultromans American Psycho von Mary Harron spaltete seinerzeit Fans und Kritiker. Was zu kritisieren ist und warum der Film trotzdem gelungen ist, versuchen wir in der folgenden Besprechung zu ergründen!

American Psycho - Trailer

TitelAmerican Psycho
Jahr2000
LandUSA
RegieMary Harron
DrehbuchMary Harron, Guinevere Turner
GenreThriller
DarstellerChristian Bale, Willem Dafoe, Jared Leto, Josh Lucas, Samantha Mathis, Justin Theroux, Reese Witherspoon, Bill Sage, Matt Ross, Chloë Sevigny, Cara Seymour
Länge101 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Patrick Bateman steht auf dem Cover von American Psycho mit einer Säge. Dies ist die neue 4 Disc Collector's Limited Edition von American Psycho.
American Psycho gibt es jetzt als 4 Disc Limited Collector’s Edition © Koch Films

American Psycho – Handlung

Das Leben des New Yorker Investmentbanker Patrick Bateman (Christian Bale) ist bestimmt von Oberflächlichkeiten: Er wohnt in einem Luxusappartement, trägt schicke Anzüge, feiert in angesagten Clubs und hat ein Auge für schöne Frauen mit perfektem Körper. Auch beruflich ist sein Blick ganz gen Aufstieg fixiert. Hinter dieser glatt polierten Fassade tun sich allerdings Abgründe auf. Der Karrierist hegt grauenerregende Gewaltfantasien und einen Hass gegen Konkurrenten um seiner erhofften Aufstieg in der Firma. Als sein Kollege Paul Allen (Jared Leto) dann noch versammelter Belegschaft eine Visitenkarte präsentiert, die das Design seiner eigenen übertrifft, kippt in ihm ein Schalter um. Er tötet kurz darauf Allen nach einer durchfeierten Nach in seiner Wohnung und lässt die zerstückelte Leiche verschwinden.

Durch seinen exzessiven Lebenswandel bestimmt das Bedürfnis nach Befriedigung dieser düsteren Triebe zunehmend Batemans Alltag. Er kann seinen inneren Drang kaum bändigen und droht psychisch abzudriften. Außerdem verwickelt ihn der Ermittler Kimball (Willem Dafoe), der das Verschwinden Paul Allens untersucht, immer wieder in Widersprüche. Vor dem Erfolgsmenschen tut sich ein großer Abgrund auf, der von Paranoia, Selbstzweifeln und Kurzschlusshandlungen geprägt ist…

Die Faszination für den Bösewicht

Christian Bales Leistung als Patrick Bateman, einem schwer-narzisstischen und von Gewaltfantasien geplagten Investmentbanker aus New York, bedeutete obgleich den endgültigen Durchbruch des Schauspielers auf der großen Bühne Hollywood. Während sich Bateman tagsüber mit seinen ebenso oberflächlichen Broker-Kollegen abgibt und sie sich darüber streiten, wessen Visitenkarte denn nun aus dem teuersten Material gefertigt ist, überkommen ihn Nachts nach und nach dunkle und krankhafte Gedanken, die ihn schließlich zum Serienmörder avancieren lassen.

„Wenn Bateman heute hier wäre, würde er wahrscheinlich als Präsident kandidieren“, sagte Bale 2020 in einem Interview mit GQ über seine Figur. Und das macht den Film folglich auch in der Gegenwart aktueller denn je. Narzisstische Alphamännchen, die für ihren Erfolg regelrecht über Leichen gehen würden: Gerade im Zuge der seit 2017 aufkommenden #MeToo-Debatte fühlt sich diese ganz besondere Spezies der Männer wieder ungefragt dazu aufgerufen, ganz besonders laut zu sein. Nur zu gut kann man sich deswegen einen Patrick Bateman vorstellen, wie er heute in einer Talkshow sitzt und versucht wahlweise gegen das Klima, die Frauenbewegungen oder die aufkommenden Flüchtlingsströme zu argumentieren. Und genau diese Zeitlosigkeit macht American Psycho deswegen zu einem Klassiker der Filmgeschichte.

Bloß keine Sympathien entwickeln

Regisseurin Mary Harron stand mit American Psycho indes fast vor einer unmöglichen Herausforderung. Die kontroverse und in Deutschland lange Zeit indizierte Romanvorlage bot überdies etliche Stolperfallen. An erster Stelle galt es nämlich, die Figur von Bateman so zu zeichnen, dass die Zuschauer und Zuschauerinnen keinerlei Mitgefühl für ihn aufbringen konnten. Eine Herkulesaufgabe. Ob Michael Myers in der Halloween-Reihe oder Hannibal Lecter in Das Schweigen der Lämmer – gewisse Sympathien für die Bösewichte sind gewiss nicht von der Hand zu weisen. Im Falle von Bateman würde jeder Funke von Sympathie allerdings die Kritik an der Toxizität, die von Bateman ausgeht, untergraben. Harron und natürlich auch Bale schaffen es jedoch tatsächlich, diese Aufgabe zu meistern.

Patrick Bateman hat sich einen Maleranzug übergezogen und schaut begeistert auf seine Act. Gleich wird er seinen Arbeitskollegen (Jared Leto) umbringen.
Patrick Bateman (Christian Bale, links) avanciert zum Serienmörder © Koch Films

Die funktionale Ästhetik der Gewalt in Buch & Film

Auch die in der Romanvorlage angesprochene explizite Gewalt, stellte Harron entsprechend vor ein großes Problem. Wie kann man es schaffen, Gewaltexzesse auf die Leinwand zu bringen, ohne über mögliche Verluste von großen Zielgruppen oder sogar mögliche Indizierungen nachzudenken? Harron entschied sich dabei für die völlige Überspitzung. Nicht nur das prachtvolle und glänzende Luxusleben wird komplett überinszeniert, auch die finsteren und eigentlich hässlichen Momente, in denen Bateman mal wieder ausrastet, sind ebenso in ihrer Ästhetik kaum zu überbieten und anziehend. Jeder Blutspritzer wirkt hier wie ein eigenes Kunstwerk.

Durch die übertriebene Darstellung verliert der Film dementsprechend mehr und mehr seinen Bezug zur Realität. Und genau hier kommt dann der Punkt auf, den man an American Psycho kritisieren kann: Die Gesellschaftskritik versteckt sich unter der gewaltigen und zweifellos beeindruckenden Lyrik, die diesen Film ummantelt. Nicht jeder Zuschauer wird American Psycho als das greifen können, was er ist. Und genau damit tut er paradoxerweise genau das, was er eigentlich kritisiert: Er ist auf sein Art und Weise nur für eine gewisse Zuschauerschaft, für ein gewisses Metier zu verstehen und könnte beim – ganz plump gesagt – einfachen Filmkonsumenten dazu führen, dass er American Psycho als „heftigen Psychothriller mit Twist am Ende“ sieht. Der Anspruch an sich selbst steht American Psycho somit hier und da im Weg.

Unser Fazit zu American Psycho

Nichtsdestotrotz ist dem Film – wie zu Beginn schon erwähnt – in seiner Popularität natürlich kaum was entgegen zu setzen. Egal, ob die Menschen die Muße haben, sich tiefer in die komplexen Gedankenwelten von Bateman und den beispielsweise damit verbundenen psychoanalytischen Werken von Sigmund Freud einzulesen, oder sich eben einfach nur wiederholt am Kettensägen-Kill erfreuen: American Psycho hat seinen Platz an der Sonne verdient.

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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