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Diego Luna als Cassian Andor auf einem belebten Platz im Vordergrund. Die Personen hinten im Bild sind unscharf.

Erster Eindruck zu Andor

Rogue One war die Vorgeschichte zu Eine neue Hoffnung und nun kommt die Serie, die wiederum die Vorgeschichte einer der Hauptfiguren erzählt. Andor widmet sich dem Charakter von Diego Luna und der Zeit vor dem Spin-Off. Nur ein weiterer Lückenfüller oder „eine neue Hoffnung“ für Star-Wars-Fans?

STAR WARS: ANDOR Trailer German Deutsch (2022) Disney+

TitelAndor
Jahr2022
LandUSA
RegieToby Haynes, Susanna White, Benjamin Caron
DrehbuchTony Gilroy
GenreSerien
DarstellerDiego Luna, Genevieve O’Reilly, Stellan Skarsgård, Adria Arjona, Denise Gough
Länge12 Folgen jeweils ca. 30-40 Minuten (Staffel 2 mit nochmal 12 Folgen schon in Arbeit)
Altersempfehlungab 12 Jahren freigegeben
StreamingdienstDisney+
Das Poster zu Andor zeigt die Hauptfiguren in verschiedener Größe und einen angedeuteten Sonnenaufgang.
Das Poster zur neuen Serie aus dem Star-Wars-Universum © 2022 Lucasfilm Ltd. & ™. All Rights Reserved.

Andor  – Die offizielle Handlungsangabe

Die Serie Andor erkundet die Star Wars-Galaxie aus einer neuen Perspektive und konzentriert sich auf Cassian Andors Reise, die ihn entdecken lässt, was er bewirken kann. Sie erzählt die Geschichte der aufkeimenden Rebellion gegen das Imperium und wie Menschen und Planeten darin verwickelt wurden. Es ist eine Ära voller Gefahren, Täuschungen und Intrigen, in der Cassian den Weg einschlägt, der ihn zum Rebellenhelden machen soll.

Erster Eindruck zu Andor

Dieser Beitrag beschäftigt sich ausschließlich mit den ersten drei Folgen der Serie, die zusammen am Starttag veröffentlicht wurden. Dementsprechend ist die Kritik auch nur auf den Auftakt bezogen und soll dazu dienen, den Lesern eine Hilfestellung bei der Entscheidung zu geben, ob sich auf Basis der ersten Eindrücke ein Blick rentiert.

!!! Kleine Spoilerwarnung!!!

Es wird in diesem Artikel marginal auf konkrete Handlungen der ersten drei Folgen eingegangen. Wer diesen Beitrag also liest bevor er die Episoden selbst gesehen hat, der sei an dieser Stelle vor Spoilern hierzu gewarnt!!! 

Weniger Sand, weniger StageCraft, weniger Star Wars?

Mehrere Dinge hatten die bisherigen (Realfilm-)Serien, die das Star-Wars-Universum bei Disney+ immer weiter ergründen, gemein. Zum einen spielten viele der Szenen auf dem Wüstenplaneten Tatooine, dessen selbst hartgesottene Fans inzwischen überdrüßig geworden sein dürften. Zum anderen fand die von Industrial Light & Magic entwickelte Green-Screen-Alternative „StageCraft“ seit The Mandalorian ihren Einzug in die Produktionsroutine. Während darin zwar ein deutlicher Fortschritt im CGI vor allem für die Postproduktion nicht wegzudiskutieren ist, stach einigen Zuschauer:innen aber trotzdem irgendwann auch hier wieder eine gewisse künstliche Anmutung zu deutlich heraus. Dementsprechend dürfen diejenigen, die inzwischen vom „neuen“ Einheitslook etwas abgestoßen waren, zumindest schon mal froh darüber sein, dass Andor vermehrt sowohl auf reale Drehorte als auch auf Locations ohne Sand setzt.

Da man aber bis auf die Hauptfigur keine bekannten Charaktere in den ersten Folgen präsentiert bekommt und weder groß vom Imperium noch von den Jedi die Rede ist, stellt man sich doch zwangsläufig irgendwann in den ersten Episoden die Frage: Ist das noch Star Wars? Allein die Auftaktszene ist ein eindeutiges Statement, dass man hier tatsächlich für das Franchise neue Wege beschreiten will. Denn wie diese erste Sequenz samt nächtlichem Stadtpanorama, leichtem Cyberpunk-Charme und Film-Noir-artigem Bargespräch fast schon frech auf Blade Runner 2049  anspielt, ist nach Obi-Wan fast schon ein Kulturschock.

Die richtige Dosis des Altbekannten

Doch an dieser Stelle kann direkt die Entwarnung folgen: Es gibt in Andor genug klassische Star-Wars-Komponenten, um zumindest die eindeutige Platzierung in der Welt der Sternenkriegssaga nicht von der Hand weisen zu können. So gibt es auch in der neueste Ergänzung des Universums liebevoll entworfene Droiden, die ad hoc zu Publikumslieblingen werden. Es gibt fantastisch designte Raumschiffe und tolle Außerirdische, für deren Maske erneut ein dickes Lob auszusprechen ist. Ein noch größeres Ausrufezeichen setzt man sogar noch mit den sensationell ausgestatteten Settings. Allein das Gewusel auf dem Planeten Ferrix zeugt vom außerordentlichen Produktionsaufwand und verleiht dieser Welt einen wahnsinnig lebendigen Anstrich.

Außerdem gibt es – auch wenn die Parteien lange nicht eindeutig benannt werden – sehr schnell wieder die klare Abgrenzung Gut-Böse, die aus allen Filmen und Serien bekannt ist. Was man glücklicherweise hier aber deutlich zurückgedreht hat, ist die Anzahl an kleinen Gags. Diese gehören zwar auch ganz fest zu Star Wars, aber vor allem in Obi Wan oder in der Sequel-Trilogie hat man mit zu vielen ironischen Brechungen vielen Situationen ihre emotionale Tragweite geraubt. Untermalt wird das Ganze vom Score von Nicholas Britell, der in erster Linie für Succession bekannt ist. Die vordergründigen Streicherklänge und ein immer wieder sich nach vorne spielendes Schlagzeug sind für Star Wars etwas erfrischend neues. Der Score bleibt sofort im Ohr und passt perfekt zum Look and Feel der Story. Erneut hat man für eine Star-Wars-Serie genau den richtigen Komponisten gefunden.

Die Serienmacher halten ihr Versprechen – zumindest Stand jetzt

Andor war von Beginn an von den Machern als Kontrastprogramm zu den anderen Serienprojekten angekündigt worden. Damit hat man – zumindest der Eindruck nach drei Folgen der ersten Staffel – nicht übertrieben. Natürlich ist auch diese Serie kein Science-Fiction-Thriller nur für Erwachsene geworden, aber neben dem Verzicht auf die Überdosis Humor spricht auch allein die Konsequenz in der Auftaktszene dafür, dass man hier eine reifere Geschichte erzählen wird.

Drei Folgen, gefühlt ein einziger Auftakt

Nach besagter Charaktereinführung von Cassian Andor, der somit eindeutig auch dunkle Züge zugeschrieben bekommt, nimmt die Serie erstmal gewaltig das Tempo raus und stellt in den ersten beiden Folgen vornehmlich die „Guten“ und die „Bösen“ vor. Parallel zu den beiden Handlungsorten, zwischen den hin und her gewechselt wird, gibt es in den ersten drei Folgen noch einen dritten Strang, der auf einem Dschungelplaneten spielt. Dort werden einige Kinder begleitet, die auf ein abgestürztes Raumschiff stoßen. Schnell wird klar, dass es sich hierbei um einen Rückblick in die Kindheit Cassians handelt. Die Vorgeschichte erklärt einerseits, wie er zu seiner Adoptivmutter kam und andererseits wird daraus ersichtlich, was sein Antrieb ist.

Durch die dreigeteilte Geschichte und die vielen einzuführenden Figuren ziehen sich die ersten Folgen schon etwas in die Länge, obwohl sie jeweils ohne Abspann keine 40 Minuten lang sind. Es war definitiv die richtige Entscheidung am Starttag en bloc die ersten drei Episoden zu veröffentlichen, denn zusammengenommen fühlen diese sich wie ein einziger Pilotfilm an, an dessen Ende erst die eigentliche Handlung beginnen kann. Aus dramaturgischer Sicht fragt man sich lediglich: Warum dann nicht gleich als eine überlange Folge herausbringen? Denn die einzelnen Episodenenden sind keine guten Cliffhanger und bremsen die ohnehin schon gemächliche Handlung nur nochmals aus.

Viele offene Fragen, aber der Trend stimmt

Zum Glück zieht aber ab der dritten Folge dann doch das Tempo merklich an. Der dreiteilige Auftakt endet mit einem ersten Aufeinandertreffen der Antagonisten in einer stark bebilderten Schlachtszene, die zwischen schweren Maschinen und reichlich Dreck auf einem minenartigen Gelände stattfindet. Auch da merkt man nochmal den ernsthafteren Ton von Andor und dass man tatsächlich hier ein Spionage-Drama mit kompromissloser Action im Star-Wars-Pelz kreiert hat. Folge 3 endet mit einer Parallelmontage, die den Status Quo aller wichtigen Figuren nochmal verdeutlich und klar macht, dass nun die Segel gesetzt sind und es richtig losgehen kann.

Trotz des verheißungsvollen Beginns mit leicht ausuferndem Anlauf, bleiben etliche Fragen ungeklärt, sodass es sogar schwierig ist, an diesem Punkt schon ein vorläufiges Urteil zu Fällen. Bleibt man der düsteren Tonalität treu und schafft man es die Figuren noch mit weiteren Hintergrundinformationen zu vielschichtigen Charakteren aufzubauen, dann kann aus Andor tatsächlich die bis dato beste Serie unter der Star-Wars-Marke bei Disney+ werden.

Die Darsteller wachsen in die Rollen rein

Die zentrale Frage könnte dabei sein, wie ambivalent und vor allem überhaupt interessant im Laufe der zwei Staffeln die Titelfigur wird. Die Neugier, mehr über ihn zu erfahren, ist zwar geweckt, aber auch die Gefahr, dass Cassian letztlich in der eigenen Serie hinter vermeintlichen Nebenfiguren zurückstecken muss, ist nicht gebannt. Denn die Riege an namhaften Schauspielenden bis in die Nebenrollen ist groß. Schon mit dem ersten Auftauchen von Adria Arjona als Bix Caleen möchte man fast mehr über sie erfahren, als über den Protagonisten. Durch sein Mitwirken in Rogue One ist sein Weg doch deutlich vorgezeichnet. Und auch Stellan Skarsgård zieht mit seinem ersten Auftritt sofort die volle Aufmerksamkeit des Publikums auf sich.

Der Fluch eines Prequels kann auch zum Fluch für Andor werden. Es haben auch immer wieder Vorgeschichten zu Charakteren geschafft, das man ein vollkommeneres Bild von ihnen bekommt und nicht nur eine Form der Entmystifizierung. Wo sich diese Produktion einordnen wird, muss sich noch zeigen.

Nurchi (Raymond Anum), Cassian Andor (Diego Luna) und Vetch (Ian Whyte) vor einem Trödelladen.
Nurchi (Raymond Anum), Cassian Andor (Diego Luna) und Vetch (Ian Whyte) © 2022 Lucasfilm Ltd. & TM. All Rights Reserved.

Unser Fazit zum Auftakt von Andor

Andor wird insgesamt 24 Folgen haben, aufgeteilt auf zwei Staffeln, und dann in den Handlungen von Rogue One münden. Der Plan ist also eindeutig vorgezeichnet. Ob er so aufgeht, wie sich Tony Gilroy und seine Kollegen das denken, wird sich zeigen. Die Anfänge sind vielversprechend, aber auch noch in vielen Punkten von Fallstricken begleitet. Über den Produktionswert braucht man ebensowenig besorgt sein wie über die darstellerische Güte. Schon in den ersten Folgen gibt es Bilder, die man als Poster an die Wand hängen könnte. Und der Score tut sein übriges, damit man sich gerne in diese Welt entführen lässt.

Fraglich ist hingegen, ob es gelingt, ein Tempo aufzubauen, bei dem man später mal nicht das Fazit ziehen muss, dass es die Hälfte der Folgen auch getan hätten. Da der Optimismus und das Vertrauen in die Macher nach dem Beginn überwiegen, gibt es auch – mit Vorbehalt – eine mehr als überdurchschnittliche Wertung.

Andor startet am 21. September mit den ersten drei Folgen bei Disney+ gestartet. Danach geht es jeweils am Mittwoch mit einer neuen Folge weiter!

Unsere Wertung:

 

 

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