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Ant-Man and the Wasp: Quantumania

Mit dem zweiten Black-Panther-Abenteuer ging die vierte Phase im großen Marvel-Plan emotional zu Ende. Nun startet man mit der Einführung des Thanos Nachfolgers Kang in Ant-Man and the Wasp: Quantumania in die nächste Stufe. Nicht jeder Fan war mit der teilweise unfokussiert wirkenden Phase 4 glücklich. Legt der Auftakt zu Phase 5 des MCU bereits den Schalter um?

ANT-MAN AND THE WASP: QUANTUMANIA Teaser Trailer German Deutsch (2022)

TitelAnt-Man and the Wasp: Quantumania
Jahr2023
LandUSA
RegiePeyton Reed
DrehbuchPeyton Reed
GenreAction, Abenteuer, Sci-Fi/Fantasy
DarstellerPaul Rudd, Evangeline Lilly, Jonathan Majors, Kathryn Newton, Bill Murray, Michelle Pfeiffer, Michael Douglas
Länge129 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihDisney
Das Poster zur neuen Comicverfilmung zeigt die Protagonisten und den Titel von Ant-Man and the Wasp: Quantumania.
Das Poster zur neuen Comicverfilmung © 2022 MARVEL

Ant-Man and the Wasp: Quantumania – Die offizielle Inhaltsangabe

In Ant-Man and the Wasp: Quantumania kehren die Superhelden-Partner Scott Lang (Paul Rudd) und Hope Van Dyne (Evangeline Lilly) zurück, um ihre Abenteuer fortzusetzen. Gemeinsam mit Hopes Eltern Hank Pym (Michael Douglas) und Janet Van Dyne (Michelle Pfeiffer) erforschen Sie die Tiefen des Quantenreichs und stoßen dabei auf allerlei seltsame neue Kreaturen. Auf sie wartet ein episches Abenteuer, das alle Grenzen sprengt, die sie bisher für möglich hielten, und sie schließlich zu Kang (Jonathan Majors) führt.

! Spoilerfreie Kritik !

Diese Rezension soll ohne Spoiler auskommen, weil die Beurteilung von Ant-Man and the Wasp: Quantumania auch davon abhängt, wie man etwaige Wendungen aufnimmt. Bei diesem Beitrag steht nur im Zentrum, was bereits aus den Trailern heraus bekannt war. 

Einordnung ins Marveluniversum…

Black Panther: Wakanda Forever war der letzte Part innerhalb der vierten Phase des Marvel Cinematic Universe, die insgesamt nach dem großen, aber doch nur vorläufigen Finale Avengers: Endgame ganz der Neuausrichtung und Staffelübergabe gewidmet war. Viele der Helden, die von Beginn an das Projekt mit prägten, wurden im Zuge einer breitangelegten Verjüngungsoffensive ersetzt, zahlreiche neue Figuren wurden in den Serien und Filmen als Nachfolger eingeführt, aber ein großes Bild, wie es seinerzeit recht schnell mit den Infinite-Steinen gab, wollte sich in der Post-Endgame-Zeit noch nicht einstellen. Wie sollen die jungen Heldenfiguren zusammenkommen, welche Gruppierungen wird man künftig innerhalb der Filmwelt vorfinden, was will man eigentlich mit recht losgelösten Geschichten, wie The Eternals und Moon Knight und den dort eingeführten Superhelden anfangen und wie war nochmal das Ding mit diesem Multiversum?

Fragen über Fragen. Wenige Antworten. Dazu einige Anzeichen, dass man auch hinter den Kulissen noch gar keinen langfristigen Plan zu haben scheint: wie gedenkt man beispielsweise mit den durch die Fox-Übernahme erworbenen Figurenrechte an den X-Men und Co. umzugehen? Wird man also vielleicht gar keine weiteren Auftritte der Eternals erleben, bleibt es beim einzigen Abenteuer von Oscar Isaac als Moon Knight, obgleich man allein in diesen beiden Projekten jeweils schon mit Post-Credit-Szene wieder künftige Weiterführungen andeutete? Zumindest etwas Licht ins Dunkel kam bei der letztjährigen D23-Konferenz, als die Chronologie der 5. und 6. MCU-Phase (im vorläufigen Zustand) präsentiert wurde.

… Phase 5: here we go!

Fortan ist klar, dass die neue, übergreifende Geschichte vom Kampf gegen den Antagonisten Kang zusammengehalten wird. Comic-Kennern hat man mit den Plänen, die Secret-Wars-Storyline in den Adaptionen anzupacken, das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. In Loki bekam man bereits eine andere Variante des Schurken zu Gesicht, aber die richtige Einführung findet nun in Ant-Man and the Wasp: Quantumania statt. Der Startschuss für Phase 5 ist also gefallen. Wie gelungen ist der Neustart?

Paul Rudd Paul Rudd als Scott Lang/Ant-Man und Kathryn Newton als Cassandra "Cassie" Lang stehen auf einer wüstengleichen Planetenoberfläche während im Hintergrund viele Personen stehen und augenscheinlich warten.
Paul Rudd als Scott Lang/Ant-Man und Kathryn Newton als Cassandra „Cassie“ Lang © 2023 MARVEL

Drehbuchlücken, One-Liner und andere Katastrophen

Waren die beiden Ant-Man-Filme bislang eher unter den eher „klein“-gehaltenen Geschichten des MCU, so schickt sich Regisseur Reed mit seinem dritten Teil nun an, komplett neue Welten zu etablieren, abermals die Grenzen der Marvel-immanenten Physik zu definieren und auszuloten und die neue Phase mit einem optischen Overkill vom Stapel zu lassen. Man kann es direkt an den Anfang dieser Kritik packen: In nahezu allen Belangen ist man teils krachend gescheitert.

Denn bei all den hehren Absichten hat Reed schlicht die Basics vollkommen vernachlässigt: Tonal halbgar fühlt sich vor allem der Antagonist in seiner Seriosität wie ein Fremdkörper an, die Story hat mehr Logiklöcher als Scott Lang (wer Quantumania gesehen hat, versteht diese Anspielung) und deus ex machina hat man auch gleich noch auf ein neues Niveau gehoben. Die Geschichte soll Komplexität und Fallhöhe suggerieren, ist aber nur das deutlichste Zeichen der schlichten Überforderung Reeds hier als Durchlauferhitzer auf dem Weg zu den nächsten großen Helden-Meet-Ups zu fungieren.

Vergleicht man die MCU-internen Reihen, dann fällt insbesondere gegenüber den Guardians of the Galaxy oder Thor auf, dass dort die Autoren wesentlich mehr Fingerspitzengefühl für markige Sprüche und pointierte Gags haben. In Ant-Man and the Wasp: Quantumania verpufft nahezu jeder Witz, teilweise haben die vermeintlich lustigen Ideen gar Fremdscham-Potenzial. Die Sidekicks hier sollen als Pendant zu Korg und Co. bei Waititis Thor dienen, leisten aber dem emotionalen Kern durch ihre Deplatziertheit nur einen weiteren Bärendienst.

Wo ist der Ant-Man-Charme geblieben

Was Ant-Man so beliebt gemacht hat, waren in erster Linie drei Dinge: der Familienfilm-Anstrich, die grandiosen Einfälle mit dem Groß-Klein-Gimmick und Sympathieträger Paul Rudd. Ersteres hat man nun noch etwas auf die Spitze treiben wollen, indem man zwei bzw. drei Generationen von Ameisen und Wespen zusammen auf ein Abenteuer schickt, dass im Kern eine Mischung aus Liebling ich habe die Kinder geschrumpft und Der Zauberer von Oz ist. Eigentlich gar keine schlechte Prämisse für einen dritten Teil. Nur ist ein MCU-Film eben kein dritter Teil im herkömmlichen Sinne sondern Teil in einem großen Puzzle, das sich derzeit noch nicht so richtig erschließen will. Und nach Ratlosigkeit und Sinnsuche fühlt sich dieser Film dann eben auch über weite Strecken an.

Das fängt schon beim sehr seltsam zusammengeklauten Look der Quanten-Welt aus. Eine Mischung aus Valerian und Star Wars Episode 2 – leider auch effekttechnisch teilweise sehr nah an Letztgenanntem dran. Viel zu viele Kreaturendesigns, die auf das Publikum losgelassen werden, aber denen man kaum genug Zeit gibt, damit man sie sich überhaupt mal en detail ansehen kann. Hier ist dann plötzlich ein Bill Murray mit einer seiner schlechtesten Leistungen in einer absolut überflüssigen Rolle, da sind seltsame Schleimfahrzeuge und dort sind Wesen mit Laser-Köpfen. Zu viel, zu unübersichtlich, zu heterogen. Die ganze computergenerierte Quantenebene funktioniert als Schauplatz nur bedingt, da das ganze Konzept so schwammig vorgetragen wird, dass im einen Moment ALLES möglich ist und im nächsten doch Regeln definiert werden. Selbst wenn man sich auf die Optik einlassen kann, wirkt hier einiges einfach nicht zu Ende gedacht.

Ein (!) Kang gleicht wenig aus

Der Lichtblick des ganzen Films ist ohne jedes Wenn und Aber Jonathan Majors als Kang der Eroberer. Die Physis ist schlicht perfekt für einen so übermächtigen Antagonisten. Seine Präsenz, der auch immer etwas nachdenklich-melancholisches innewohnt, schlägt wirklich jeden der ohnehin häufig kritisierten Marvel-Schurken. Auch wenn auch bei seiner Charakterisierung im Skript einige Lücken nicht wegzudiskutieren sind – vor allem im Hinblick auf Machtverhältnisse und konkrete Kräfte – glaubt man dem neuen Oberschurken, dass er eine gewaltige Bedrohung ist. Der finale Kampf hat zwar durchaus gute Momente und auch die besten Ideen im Bezug auf die eigentlichen Kräfte von Ant-Man, aber im Gedächtnis bleiben wird davon hauptsächlich die brachiale Wucht, wenn Jonathan Majors zuschlägt und nicht mit Lasergeschossen seine Gegner ausschaltet. Die Mid-Credit-Szene – ohne zu viel zu verraten – deutet an, wohin die Reise nun mit ihm gehen wird (und was Comicleser eh schon mit dem Auftritt von Kang antizipiert hatten).

Jonathan Majors als Kang © 2023 MARVEL

Und dennoch ist der Ausblick auf Phase 5 kaum getrübt

Ja, der Auftakt von Phase 5 ist mit Ant-Man and the Wasp: Quantumania misslungen. Doch der Film ist insgesamt so belanglos, dass man nur das Wesentliche überhaupt in Erinnerung behalten wird. Und das ist nun mal die Einführung des Bösewichts – und die ist zumindest halbwegs als gelungen zu bewerten. Darüber hinaus kann man im Bezug auf die Staffelstab-Übergabe der Ant-Men sagen, dass Kathryn Newton als Cassie Lang und damit Nachfolgerin ihres Vaters als Ameisen-Dompteur und Schrumpf-Kämpfer einen guten Job macht und einige Sympathie-Punkte sammeln kann. Sie springt damit in die Bresche für Wasp Evangeline Lilly, die im dritten Teil der Reihe sehr wenig zu tun bekommt. Paul Rudd ist zwar weiterhin grundsympathisch, aber ganz so frisch wirkt sein Ant-Man inzwischen nicht mehr. Abnutzungserscheinungen sind nicht klein zu reden.

Und abschließend: selbst wenn man die Alt-Stars Michael Douglas und Michelle Pfeiffer hier mit sehr viel screentime würdigt, so ist auch hier nicht unter den Teppich zu kehren, dass die beiden nicht mehr wirklich in den Rollen funktionieren. Die Geheimniskrämerei von Janet spielt Pfeiffer extrem überdramatisch und damit fast schon unglaubwürdig und Michael Douglas fehlt leider inzwischen schlicht die körperliche Fitness, um in solchen Actionfilmen noch ernst genommen werden zu können.

Unser Fazit zu Ant-Man and the Wasp: Quantumania

Ant-Man and the Wasp: Quantumania ist der Auftakt der nächsten MCU-Phase und direkt ein Schuss in den Ofen. Fans werden sicherlich ihren Spaß haben. Doch selbst die, die alles aus der Comic-Schmiede irgendwie schön reden können, werden hier das schwache Drehbuch, die furchtbaren Dialoge und die unstimmige Quanten-Welt nicht übersehen. Ein bisschen gleicht der starke Jonathan Majors die Defizite zwar aus und kann eine Totalkatastrophe verhindern. Doch die Ernüchterung dürfte bei vielen groß sein. Das Positive jedoch: Nach She Hulk und diesem Film sollte die Talsohle des Marvel Cinematic Universe durchschritten sein.

Ant-Man and the Wasp: Quantumania ist seit dem 15. Februar 2022 in den deutschen Kinos zu sehen und wird voraussichtlich im Mai bei Disney+ im Streamingangebot auftauchen!

Unsere Wertung:

 

 

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Zuletzt aktualisiert am 10. November 2022 um 19:59 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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Zuletzt aktualisiert am 2. Februar 2023 um 16:48 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

© 2023 MARVEL

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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