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Arrietty – Die wundersame Welt der Borger

In dem Ghibli-Film Arrietty – Die wundersame Welt der Borger widmet sich Hiromasa Yonebayashi einem winzigen Volk, das unbemerkt unter den Menschen lebt. Ob die kleinen Borger unser Herz erobern können und wie sich der Film im Ghibli-Vergleich schlägt, erfahrt ihr hier.

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TitelArrietty – Die wundersame Welt der Borger (OT: Kari-gurashi no Arietti)
Jahr2010
LandJapan
RegieHiromasa Yonebayashi
DrehbuchHayao Miyazaki
GenreAnimation, Fantasy, Abenteuer
DarstellerMirai Shida, Tatsuya Fujiwara, Ryûnosuke Kamiki, Keiko Takeshita, Kirin Kiki, Shinobu Ōtake, Tomokazu Miura
Länge94 Minuten
FSKab 0 Jahren freigegeben
VerleihUniversum Film

Worum geht’s in Arrietty – Die wundersame Welt der Borger?

Der junge Shō zieht aufgrund seiner Herzkrankheit in ein abgeschiedenes Haus mit großem Garten. Begleitet wird er dabei nicht von seinen Eltern, sondern nur von einer kauzigen Haushaltshilfe. Bereits bei der Ankunft entdeckt er ein kleines Wesen, das sich im Gras versteckt. So lebt in Shōs neuem Zuhause auch die Heranwachsende Arrietty mit ihren Eltern – eine Borger-Familie. Borger sind winzige, menschenähnliche Wesen von nur wenigen Zentimetern Größe, die sich vor Menschen unbemerkt in Häusern verstecken und sich nur das Nötigste zum Überleben von diesen borgen.

Für die titelgebende Arrietty und ihre Familie werden die neuen Bewohner schnell zu einem großen Problem. So bedeutet es für Borger, sowieso schon ein aussterbendes Volk, in der Regel nichts Gutes, von Menschen entdeckt zu werden. Sie stehen vor der Wahl, den Neuankömmlingen ihr Leben – und damit vielleicht sogar den Fortbestand der gesamten Gattung – anzuvertrauen oder ihr geliebtes Heim zurückzulassen und vor den Menschen zu fliehen.

Ein klassischer Ghibli

Im Grunde erzählt Arrietty eine Geschichte, wie man sie aus dem Hause Ghibli gewohnt ist: Zwei verschiedene Spezies, denen eine Koexistenz oder gar ein symbiotisches Miteinander nicht vergönnt ist. Das kleine Volk der Borger, das zwar in ihrer Lebensweise auch vom Menschen profitiert, durch das Borgen sogar auf ihn angewiesen ist, will eigentlich einfach nur in Ruhe gelassen werden.

Eingebettet in das kleine Ökosystem des Gartens mit hohen Gräsern, einem kleinen Fluss und dem angrenzenden Wald bleibt die Geschichte zwar fast ein Kammerspiel, reißt jedoch die richtigen universalen Themen an. Dass die Entdeckung durch den Menschen eine unmittelbare Lebensgefahr für andere Wesen darstellt, ist eine klare Positionierung des Films. Die Thematisierung von durch Menschenhand verursachte Auslöschungen von Gattungen und Lebensräumen könnte aktueller kaum sein. Dass sich Arrietty thematisch in die Ghibli-Welt einreiht, ist kein Zufall, so war niemand Geringeres als Hayao Miyazaki für das Drehbuch zuständig,

Eine neue Perspektive

Besonders gelungen zeigt sich der Film in der ersten Hälfte, wenn Yonebayashi mit viel Liebe und dem Blick für Details die Welt der kleinen Borger präsentiert. Wenn diese durch den Garten streifen, Blätter und Grashalme zur Seite schieben und kleine Regentröpfchen herunterkullern, hört man förmlich den Ruf der Natur, sodass man am liebsten selbst direkt auf Erkundungsreise gehen möchte. Entsprechend hochwertig zeigt sich auch die Animation. Begleitet wird dies mal mit ruhigen, fast schon meditativen Tönen, teils aber auch mit für das Studio eher untypischen keltischen Klängen, die Arriettys Abenteuerlust und Neugier aber gut unterstreichen. Das Hauptthema schaffte es gar in die japanischen Charts.

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Der Großteil des Charmes liegt im Wechselspiel der Perspektiven zwischen Mensch und Borger. Wenn der Zuschauer die Winzlinge beim Borgen begleitet, wird ein kurzer Gang in die Küche ein wagehalsiges Abenteuer. Ein Stück Zucker wird zu einer wertvollen Beute, übliche Alltagsgegenstände offenbaren so entweder Gefahren oder eine neue Nutzbarkeit. Die perspektivische Entfremdung sorgt in diesen Momenten mal für Spannung und lässt mal die Borger auch einfach nur ziemlich niedlich erscheinen.

Auch bei dem Zusammenspiel von Borgern und Tieren entstehen neue Perspektiven. Ein Krähenangriff zeigt die gewaltige Wucht des Tieres auf der einen und die Zerbrechlich- wie Hilflosigkeit Arriettys auf der anderen Seite. Die Figur der Katze, die eigentlich eher lustlos in der Nähe liegt, Arrietty aber jederzeit den Garaus machen könnte, kehrt die gewohnte Perspektive um und reflektiert die Macht- und Vertrauensverhältnisse, innerhalb derer sich der Mensch zu seiner Umwelt und anderen Lebewesen wie selbstverständlich verhält. So wirkt es auf der anderen Seite grotesk, wenn aus menschlicher Perspektive gezeigt wird, wie die Borger ihr klitzekleines Heim liebevoll und aufwendig dekoriert und gestaltet haben, ähnlich einem Puppenhaus.

Mit kleinen Fehlern

Im Fortlauf der Geschichte konzentriert sich Yonebayashi bei seinem Erstlingswerk vor allem auf die Interaktion zwischen Arrietty und Shō. Zwar wird Arrietty und ihrer Familie deutlich mehr Raum zugestanden, letztlich bleibt die große Charakterentwicklung aber aus und die Figuren nur Teil einer märchenhaften Erzählung. Das ist nicht weiter schlimm, dennoch wäre sowohl bei den Borgern als auch bei dem einsamen herzkranken Jungen mehr Potenzial für eine Ausstaffierung da gewesen. So sympathisiert man zwar durchaus gerade mit der kleinen Heldin; es macht sich aber im Finale bemerkbar, dass die ganz große Bindung in der Gesamtheit fehlt.

Das wird auch dadurch unterstrichen, dass sich der Film doch etwas holprig auf die Zielgerade zubewegt. So wird nach dem gelungenen Beginn und einem Mittelteil, der sich vor allem den bereits besprochenen Fragen und Thematiken widmet, ein letztes Drittel eingeleitet, das sich dramaturgisch fast wie Pflichtbewusstsein anfühlt und in seiner Vorhersehbarkeit und Generik wenig beeindruckt. Zwar bleibt die Geschichte stets wunderbar kurzweilig, eine noch kürzere Laufzeit, bei der auf die fast gewissenhaft eingefügten Genreversatzstücke verzichtet wird, oder noch mehr Substanz für eine längere Erzählung hätten aber wohl für ein runderes Seherlebnis gesorgt.

Unser Fazit zu Arrietty – Die wundersame Welt der Borger

Arrietty – Die wundersame Welt der Borger erzählt eine klassische Ghibli-Geschichte auf ganz kleinem Raum. Die Story um die Welt der winzigen Borger, deren ruhiges Leben von der Ankunft des Menschen gestört und bedroht wird, ist zwar fast zu einfach gestrickt, berührt aber auch gerade dank dieser Klarheit.

Letztlich reicht es bei Arrietty nicht ganz für die oberste Liga des Studios. Dass dem so ist, zeugt aber vielmehr von der extrem hohen Qualität der Studiowerke. Denn es bleibt ein verdammt niedlicher, kleiner Film mit großem Herz, der die richtigen Themen anreißt, sich aber seine Leichtigkeit auch dadurch erkauft, diese nicht in der Tiefe zu behandeln, wie man es etwa von einem Meister wie Miyazaki gewohnt ist. Einen Blick wert ist das kleine Abenteuer aber allemal.

Unsere Wertung:

 

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