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Artiks Hände werkeln mit Foltergeschirr über dem geknebelten Kopf Holtons

Artik: Serial Killer

In Artik: Serial Killer ist ein böser Foltermeister und Comicfan auf der Suche nach einem neuen Superhelden. Ob es mit dem Film eine Independent-Perle zu entdecken gibt oder man lieber wegsehen sollte, erfahrt ihr in unserer Review!

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TitelArtik: Serial Killer (OT: Artik)
Jahr2019
LandUSA
RegieTom Botchii Skowronski
DrehbuchTom Botchii Skowronski
GenreHorror, Thriller
DarstellerJerry G. Angelo, Gavin White, Chase Williamson, Matt Mercer, Lauren Ashley Carter
Länge78 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihTiberius Film
Der bärtige Bösewicht legt Hand an an einen geknebelten Mann auf dem Cover zu Artik: Serial Killer
Das BD-Cover von Artik: Serial Killer © Tiberius Film

Worum geht’s bei Artik: Serial Killer?

Der Junge Adam (Gavin White) wächst bei seinem Ziehvater Artik (Jerry G. Angelo) und dessen Frau Flin (Lauren Ashley Carter) auf. Artik gebärdet sich zwar wie ein eigenbrötlerischer Hinterwäldler, ist aber ein großer Comic-Fan. Die Liebe zu den gezeichneten Superhelden-Geschichten geht bei ihm so weit, dass Realität und Fiktion für ihn wahnhaft verschmelzen. Nachts zieht er mit Adam aus, um sich Männer zu suchen, die sie entführen und in einem Schuppen einer mörderischen Probe unterziehen. Hier foltert Artik seine Opfer, denn er glaubt, auf diese Weise irgendwann in jemandem einen neuen Superhelden zu erwecken.

Der wortkarge Adam verarbeitet dies in seinen eigenen Zeichnungen und in Graffitis, die er in der nahe gelegenen Kleinstadt sprüht. Dort lernt er Holton (Chase Williamson) kennen, einen ehemaligen Alkoholiker, der sich des Jungen annimmt. Als Adam ihm einige Zeichnungen schenkt, auf denen er die allnächtlichen Folterungen Artiks festhält, zeigt Holton sie seinem Sponsor Kar (Matt Mercer). Der sozial engagierte Mann stattet daraufhin der Farm von Artik und Flin einen Besuch ab, und das Unglück nimmt seinen Lauf…

Der bärtige Artik steht im Zwielicht an der Wand seines dreckigen Schuppens
Artik ist kein netter Zeitgenosse © Tiberius Film

Eine nette Idee macht noch keinen guten Film

Ein wahnhafter Hinterwäldler fühlt sich berufen, durch Folter in einem scheinbaren Normalo einen Superhelden zu wecken. Die Idee las sich auf dem Papier wahrscheinlich recht gut, wenngleich sie dennoch nicht sehr originell ist. Denn wie Samuel L. Jackson am Ende von Unbreakable ist sich Foltermeister Artik durchaus bewusst, dass er ein böser Mann ist. Er sieht sich als notwendiges Übel, als einen Gegenpol, den es bedingt, damit der Superheld auf dieser Welt eine Existenzberechtigung hat. Diese Ausführungen von mir sind dabei schon recht hoch gegriffen, denn der Film selbst impliziert dies in wenigen Augenblicken, indem er dem Zuschauer immer mal wieder einen Brocken hinwirft. Regisseur und Drehbuchautor Tom Botchii Skowronski greift das nie richtig auf und entwickelt es in irgendeiner Weise weiter. Dafür waren wohl Budget und vielleicht auch sein Talent etwas zu sehr limitiert.

Artik: Serial Killer ist sehr einfach strukturiert und handelt die Abfolge seiner dramaturgischen Eckpfeiler zumindest folgerichtig ab. Allerdings offenbart er deutliche Defizite im Spannungsaufbau und der Charakterzeichnung. Zwar ist die Anzahl der handelnden Personen recht übersichtlich begrenzt, und die Gewichtung, die das Skript ihnen zukommen lässt, sicherlich nachvollziehbar, jedoch erfahren wir eigentlich nur sehr wenig über jeden einzelnen von ihnen. Das führt dazu, dass sie nicht mehr als eine Funktion ausfüllen und uns doch fremd bleiben. So ist es wenig verwunderlich, dass sich die Gewalttaten Artiks als zentrale Szenen präsentieren. Doch auch hier beschränkt sich Tom Botchii Skowronski auf ganze zwei Folterszenen, die in der deutschen Fassung deutlich Federn lassen mussten, sowie ein, zwei brutale Szenen im Finale. Das ist nicht viel, zumal es entweder bei Nacht oder im dunklen Schuppen stattfindet.

Der kleine Adam schaut betreten zum Boden in Artik: Serial Killer
Der kleine Adam muss dem Folterer helfen © Tiberius Film

Es ist nicht alles schlecht, nur schlicht zu wenig

Mit seinem düster-dreckigen Look und seiner grimmigen Grundidee hatte Artik: Serial Killer tatsächlich Potenzial. Tom Botchii Slowronski hatte als Regisseur zuvor mit einigen Kurzfilmen für Aufsehen gesorgt. Mit Blick auf sein Langfilm-Debüt beschleicht einen der Verdacht, dass der erste Skript-Entwurf hierzu eigentlich auch in diese Kerbe schlagen sollte. Genauso spricht auch die Laufzeit dafür, dass hier etwas mit Gewalt auf Spielfilm getrimmt wurde. Nach 67 Minuten schon verabschiedet man sich in den Abspann.

Viele Handlungsszenen wirken überflüssig, da sie nichts die Motivationen der Figuren Erhellendes beitragen können. Die Figur des Sponsors Kar scheint aus dem einzigen Grund zu bestehen, damit der Film sich noch eine zweite Folterszene gönnen kann. Und ausgerechnet die hat der Macher dann zum Höhepunkt auserkoren, augenscheinlich um wenigstens die Gorehounds ködern zu können. Dabei erweist sich Kar als für den Fortschritt der Handlung vollkommen überflüssig. Ohne seine Szenen würde die Geschichte an sich noch immer funktionieren, sogar weit flüssiger, aber Artik: Serial Killer wäre mit einem Mal seines primären Verkaufsarguments wie auch seines Status als abendfüllenden Spielfilm verlustig geworden.

Handwerklich kann man Tom Botchii Skowronski kaum einen Vorwurf machen. Der Look ist stimmig, die Geschichte halbwegs schlüssig. Man merkt auch, dass er es eigentlich gar nicht darauf anlegt, einen fiesen Torture Porn zu inszenieren. Dafür sind die Szenen selbst in der ungeschnittenen Fassung noch viel zu zahm ausgefallen und durch schnelle Gegenschnitte realisiert, anstatt auf lange Einstellungen zu setzen, die die Grausamkeiten zelebrieren. Auch der Cast zieht sich achtbar aus der Affäre. Jerry G. Angelo gibt einen guten Psychopathen ab, der junge Gavin White überzeugt mit wenig Text und Chase Williamson hat Charisma. Es ist schon ärgerlich, das man hier auf Krampf unbedingt einen Langfilm machen wollte.

Holton steht an einer Autotür, schaut betroffen drein, hinter ihm der weite Himmel in Artik: Serial Killer
Holton erweist sich als Freund in der Not © Tiberius Film

Unser Fazit zu Artik: Serial Killer

Auf einigen kleinen Horror-Festivals wurde Tom Botchii Skowronskis Langfilm-Debüt sehr gut aufgenommen, und als Midnight Movie Häppchen ist der nur knapp mehr als eine Stunde lange Film für eine erschöpfte Meute von Gorehounds sicherlich gut goutierbar. Doch an und für sich betrachtet erweist sich Artik: Serial Killer selbst mit seinen 78 Minuten, von denen knapp 11 auf den Abspann abfallen, als viel zu lang. Er versucht sich zudem als Torture Porn zu verkaufen, um ein entsprechendes unkritisches Publikum anzulocken. Das ist aus wirtschaftlicher Sicht nachvollziehbar, bricht dem Film künstlerisch jedoch endgültig das Genick.

Darüber hinaus machte die FSK dem auch noch einen Strich durch die Rechnung und lehnte eine Freigabe der ungeschnittenen Fassung ab. Tiberius Film ging darauf mit der Heckenschere auf den Film los, um mit insgesamt 15 Schnitten, gleichbedeutend mit fast 100 Sekunden, in jedem Fall eine Freigabe zu sichern. Es reichte immer noch für den angestrebten 18er-Flatschen, doch machen sich einige Schnitte leider durch Sprünge auf der Tonspur unschön bemerkbar.

Artik: Serial Killer ist seit dem 23. April 2020 digital und seit dem 5. Mai als Blu-ray und DVD erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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© Tiberius Film

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