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Atlas

In The Mother betrat Jennifer Lopez die Action-Bühne bei Netflix, in Atlas kommt nun noch die Sci-Fi-Komponente hinzu. Reicht dies nun, um sich in Verbindung mit einem abermals namhaften Cast diesmal eine Empfehlung zu verdienen?

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TitelAtlas
Jahr2024
LandUSA
RegieBrad Peyton
DrehbuchLeo Sardarian, Aron Eli Coleite
GenreThriller, Action
DarstellerJennifer Lopez, Simu Liu, Sterling K. Brown, Gregory James Cohan, Abraham Popoola, Lana Parilla, Mark Strong
Länge121 Minuten
Altersempfehlungab 12 Jahren
VerleihNetflix
Die Charakterposter zu Atlas mit den drei Protagonisten © Netflix

Darum geht’s in Atlas

Die brillante, aber griesgrämige Datenanalystin Atlas Shepherd (Jennifer Lopez), die künstlicher Intelligenz misstraut, schließt sich der Jagd auf einen abtrünnigen Roboter an, mit dem sie eine geheimnisvolle Vergangenheit hat. Doch als die Mission aus dem Ruder läuft, muss sie sich auf ihn verlassen, um die Zukunft der Menschheit vor der KI zu retten.

Als würde sich KI mit KI beschäftigen

Man könnte natürlich nun wieder auf Netflix allein schon deswegen einprügeln, weil ein weiterer mutmaßlich sehr kostspieliger Sci-Fi-Kracher ohne jedwede eigene Identität daherkommt und Atlas trotz namhafter Besetzer nicht länger als fünf Minuten nach Abspann im Gedächtnis verbleibt. Jedoch ist es schon bemerkenswert, ja nahezu paradox, dass dieser Film bei genauerer Betrachtung doch irgendwie „Sinn ergibt“. Denn in der neuesten Arbeit von Regisseur Brad Peyton geht es um momentan auch in unserer Realität heißdiskutierte Fragen zum Thema Künstliche Intelligenz. Verpackt wird das natürlich hier in einen extrem generischen, nicht gerade gut aussehenden und allenfalls mittelmäßig bis bemüht gespielten Actionfilm, der sich in Klischees und Genre-Tropes nur so suhlt.

Doch – auch wenn es sicher nicht das Anliegen des Autorenteams und des Regisseurs war, sagt der Film womöglich auf einer Deutungsebene wesentlich mehr über den Status Quo der KI als ihnen lieb ist. Denn nahezu alles im Skript wirkt hier tatsächlich so, als ob es bereits unter Zuhilfenahme von ChatGPT und Co. konzipiert wurde. Die Story ist ziemlicher Murks, kommt aber bedeutungsschwanger und mit Dutzenden One Linern, die diese Schwere unterstreichen sollen daher. Dabei weiß man aber nie, ob es wirklich ernst gemeint ist, als Anspielung auf den Fundus von Klassikern, aus dem man sich kreativ bedient hat, gemeint war oder, ob man sich des melodramatischen Nonsens, den die Figuren von sich geben müssen, bewusst war.

Sollte letzteres der Fall sein, dann wäre es nahezu ein Geniestreich. Denn dann wäre der Film ironischerweise der beste Beweis dafür, dass man sich Stand jetzt noch nicht wirklich Sorgen machen muss, dass durch Künstliche Intelligenz tatsächlich originelle, eigenständige, konsequent-logische und geistreiche Skripte entstehen könnten. Atlas ist eine Melange aus bekannten (zusammengeklauten) Sci-Fi-Motiven, extrem vorhersehbar und auch in seiner Umsetzung weit hinter dem, was die wirklich herausragenden Macher in Hollywood auf die Leinwand zu zaubern vermögen.

Zwei Stunden Gaming-Szenario ohne echten Aussagen

Atlas beginnt mit Exposition über Nachrichtenfernsehen, bereitet dann die Mission mit etlichen „Tschechovs Gun“-like Momenten, in denen nahezu mit dem Brecheisen bereits alles vorbereitet wird, was später nochmal wichtig werden könnte. Das ist aber so plump, dass man schon das Gefühl hat, Netflix blende aus, dass sein Publikum womöglich schon mal Filme dieser Art gesehen haben könnte. Das würde dann auch erklären, warum man so auffällig Designs, Storyelemente und teils sogar Gags von Sci-Fi-Klassikern zweckentfremdet und es dreist als eigene Ideen verkauft. Die Exoskelette sind eine Mischung aus denen aus der Alien-Reihe und Matrix, mehrfach wird man sich an Terminator erinnert fühlen und die ganze Geschichte auf dem erdähnlichen Planeten ist nicht mehr als eine aufgeblasene Mission, die aus einem Teil der Halo-Videospielreihe stammen könnte.

Man könnte endlos so weitermachen, denn wahlweise ist die KI, die das Skript mit verfasst hat, mit ziemlich viel Sci-Fi-Film-Background gefüttert worden oder die Autoren haben selbst ein buntes Potpourri aus ihren eigenen Lieblingsmedien des Genre zusammenstellt.

Das alles könnte durchaus für einen lockerleichten Actionfilmabend genügen, würde nicht auf Gedeih und Verderb über die komplette, zu lange Laufzeit versucht werden, zu suggerieren, dass man tatsächlich etwas zum Thema Umgang mit KI zu sagen hat. Denn das ist nicht der Fall. Ja, wir müssen die Warnungen ernst nehmen und dürfen die Risiken von lernenden Maschinen nicht außer Acht lassen. Ja, am Ende ist es die menschliche Schwäche, Gier und Profitstreben, die das Einfallstor sein wird, diese Gefahren auszublenden. Und ja, eine friedliche Koexistenz, ein Zusammenarbeiten und wahrhafter Nutzen durch KI sind möglich. Ist vermutlich wahr, aber hat man doch alles schon gehört und wird nicht greifbarer, wenn es ausgerechnet Jennifer Lopez in einem Science-Fiction-Film einem einzutrichtern versucht, der aussieht, als habe man bei der Realisierung die letzten 15 Jahre der CGI-Effekt-Weiterentwicklung verpennt.

Maues Schauspiel, …

Schon in The Mother wurden Kritiker der Schauspiel-Diva bestätigt, die ihr mangelndes Talent vor der Kamera zuschreiben. Und auch hier wird dies leider weiter zementiert. Denn Lopez drückt in den wichtigen Momenten immer zu dick auf, sodass diese emotionalen Szenen unfreiwillig komisch wirken. Das ist umso verheerender, da ein Großteil von Atlas innerhalb eines Roboters spielt während man in diesem engen Raum nur mit Lopez, ihren Gesichtsausdrücken und ihren zu gewollten Versuchen, witzig zu sein, alleingelassen wird. Augenscheinlich hat sich die Schauspielerin bei ihrer Performance an Sigourney Weavers Ripley aus der Alien-Reihe orientiert, doch schafft es nicht ansatzweise diesem Vergleich gerecht zu werden. Selbst Sympathieträger Sterling K. Brown kann hier einmal nichts retten, Simu Liu als Antagonist bleibt (vermutlich sogar gewollt) blass und Mark Strong spielt in den wenigen Szenen, in denen er auftaucht, so als hätte er direkt gemerkt, für was ein belangloses Machwerk er hier unterschrieben hat.

…miese Optik

Hätten die Stars etwas mehr Spaß oder Mut zur Selbstironie bewiesen, dann würde der Funke vielleicht aufs Publikum überspringen. Doch zum mittelmäßigen Schauspiel kommt dann noch ein Look, der wirklich soweit von dem weg ist, was zuletzt beispielsweise The Creator für ein mutmaßlich geringeres Budget dargestellt hat. Das World Building sowohl auf der futuristischen Erde als auch auf dem fernen Planeten misslingt, man wähnt sich maximal in einem Computerspiel, nie jedoch in einem lebendigen Szenario. Die Szenen im All sind dann auch maximal auf Niveau von Star Trek in den 90ern und der Action fehlt es an allen Ecken und Enden an Wucht. Zudem sind alle inhärenten Regeln in Bezug auf die physikalischen Gesetze reine Behauptung und werden nach Belieben des Drehbuchs gedehnt und gestaucht. Logik: Fehlanzeige.

Allenfalls wer auch sämtlichen Wissenschaftshumbug ausblenden kann, also beispielsweise auch Lucy mit Scarlett Johansson für seine „Ideen“ mochte und nicht zu tief über den Gehalt dahinter sinnierte, wird hier die eigentliche inhaltliche Leere ausblenden und sich an den okayen Action-Momenten noch erfreuen können.

Sterling K. Brown als Colonel Banks © Netflix

Unser Fazit zu Atlas

Zu lang, zu unoriginell, zu haarsträubend quatschig. Atlas will einen Beitrag zu KI-Debatte liefern, verzettelt sich aber bei der Suche nach einer wirklichen Aussage im Klein-Klein und kann mangels Schauspielqualität nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier die nächste Netflix-Luftnummer auf die Abonnenten losgelassen wird, über die auch in wenigen Wochen schon wieder kein Mensch mehr sprechen wird.

Atlas ist ab dem 24. Mai 2024 bei Netflix abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

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© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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