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Powers Boothe packt Nick Nolte an der Schulter, während hinter ihm seine Bodyguards auf ihn achten in Ausgelöscht

Ausgelöscht

Walter Hills Neo-Western Ausgelöscht wird oft mit den Filmen von Sam Peckinpah verglichen. Ob der Vergleich sich als zutreffend und der Film als immer noch sehenswert erweist, erfahrt ihr in unserer Review!

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TitelAusgelöscht (OT: Extreme Prejudice)
Jahr1987
LandUSA
RegieWalter Hill
DrehbuchJohn Milius, Fred Rexer, Deric Washburn, Harry Kleiner
GenreAction, Thriller
DarstellerNick Nolte, Powers Boothe, Michael Ironside, Maria Conchita Alonso, Rip Torn, William Forsythe, Clancy Brown
Länge104 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
VerleihKoch Media
Nick Nolte legt mit dem Schrotgewehr auf uns an auf dem Cover von Ausgelöscht
Das Mediabook Cover A © Koch Media

Was läuft in Ausgelöscht?

Major Paul Hackett (Michael Ironside) befehligt eine Elite-Einheit, die sich aus Spezialisten rekrutiert, die eigentlich als tot gelten. Sie brechen zu einer geheimen Operation in ein texanisches Grenzkaff auf. Dort sorgen Texas Ranger Jack Benteen (Nick Nolte) und Sheriff Hank Pearson (Rip Torn) für Ordnung. Das ist kein leichter Job. Denn hier sind nicht nur die Sitten rau und der Schnaps hochprozentig, dazu hat noch Drogenbaron Cash Bailey (Powers Boothe) von der mexikanischen Seite der Grenze seine Hand auf der Stadt. Benteen und Bailey waren als Jugendliche die besten Freunde, entwickelten sich jedoch in entgegengesetzte Richtungen. Jetzt verbindet sie nur noch die Liebe zu der selben Frau – Sarita Cisneros (Maria Conchita Alonso), die sich inzwischen für ein Leben an der Seite des mürrischen Gesetzeshüters entschieden hat.

Während seine Männer in der Stadt Aufklärung betreiben, hat Hackett ein Auge auf Benteen. Doch schielt er auch mit einem Auge auf den Mann hinter der Grenze. Als Bailey dann Sarita in sein Reich geleitet, scheint ein letztes Aufeinandertreffen der alten Freunde unausweichlich. Am Unabhängigkeitstag will der Texas Ranger die Sache in Mexiko zu Ende bringen. Damit haben er und Hacketts Einheit an diesem Tag den selben Weg…

Powers Boothe packt Nick Nolte an der Schulter, während hinter ihm seine Bodyguards auf ihn achten in Ausgelöscht
Die Freundschaft zwischen Nolte und Boothe ist nicht mehr so wirklich herzlich © Koch Media

Duell dreier Männer

Walter Hill verfolgt in Ausgelöscht zwei sich überkreuzende Handlungsstränge. Nominell steht dabei die nur noch rudimentär vorhandene Freundschaft von Nick Noltes Benteen und des von Powers Boothe verkörperten Bailey im Mittelpunkt. Es ist die klassische Western-Paarung zweier Freunde, zwischen denen Gesetz und in Persona Maria Conchita Alonsos auch noch eine Frau steht. So etwas muss unumgänglich in einem Showdown enden. Der andere Teil der Geschichte mutet dagegen ungleich moderner an: Eine geheime, autonom arbeitende Elite-Einheit ist auf einer Mission, um belastende Dokumente sicherzustellen und einen fiesen Drogenschmuggler zu töten. Allerdings agiert Michael Ironside mit seinen Männern weit abseits von Recht und Gesetz, führt sich auf wie eine Bande von althergebrachten Outlaws, was mitunter an Filme wie Sam Peckinpahs The Wild Bunch (1969) erinnert. Und genau wie dort erwartet einen am Ende von Ausgelöscht eine wüste Schießerei.

Michael Ironside verprügelt einen Banditen in Westernmanier in Ausgelöscht
Michael Ironside langt hin © Koch Media

Auch wenn der Film mit reichlich Action gespickt ist, legt Walter Hill den Schwerpunkt auf die Interaktion seiner Charaktere. Gerade Nick Nolte und Michael Ironside zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Charaktere Benteen und Hackett lieber Befehle geben als Dialoge zu führen. Ersterer will nicht mit Bailey reden und sich erst recht nicht mit Sarita streiten, sein bevorzugter Ansprechpartner ist Rip Torns Sheriff Pearson. Letzterer gibt sich zumeist undurchsichtig, verschleiert seine Identität gegenüber Benteen und seine Absichten gegenüber seinen Männern, von denen Clancy Brown als seine rechte Hand McRose langsam argwöhnt.

Powers Boothe sitzt als Cash Bailey in Mexiko fest. Er respektiert Saritas Entscheidung für Benteen und würde gerne die alte Freundschaft wieder befeuern, was jener jedoch kategorisch ausschließt. Deswegen legt er es darauf an, die Dinge zwischen ihnen ein für alle Mal zu klären, und stellt Sarita symbolisch zwischen sie.

Maria Conchita Alonso und Nick Nolte sitzen still nebeneinander in Ausgelöscht
Sie haben sich nicht mehr viel zu sagen © Koch Media

Kürzungen, Erweiterungen… und wieder Kürzungen

Man merkt teils recht deutlich, dass Walter Hill alle Mühe hatte, die beiden Handlungsstränge in Ausgelöscht in der Waage zu halten. Gerade der Konflikt zwischen den alten Freunden auf verschiedenen Seiten der Grenze scheint manchmal etwas ins Hintertreffen zu geraten, und mit ihm Powers Boothe, der von den Stars die kürzeste Screentime erhält. Und eigentlich wäre es auch so gewesen, dass sich gerade dieser Handlungsstrang nur am Rande abgespielt hätte, weil das Skript von John Milius sich weit mehr für die Phantom-Einheit und ihre Verstrickungen zwischen Verbrechen und Geheimdiensten interessiert hatte. Der erste Schnitt von Walter Hill beinhaltete daher noch 30 Minuten Material, in dem Andrew Robinson (Hellraiser, Chucky 3) als CIA-Verbindungsmann von Hackett zu sehen gewesen war. Aus Gründen der Straffung und Gewichtung fielen schließlich alle seiner Szenen der Schere zum Opfer.

Das Finale von Ausgelöscht, was sehr oft mit dem von The Wild Bunch verglichen wurde, sollte auf Geheiß des Studios noch etwas epischer und blutiger ausfallen. Es wurden Nachdrehs anberaumt und die letzten Minuten noch einmal komplett neu geschnitten. Doch Walter Hill war unzufrieden mit den Änderungen, es war ihm zu protzig und lenkte zu sehr vom sich anbahnenden Showdown zwischen Nick Nolte und Powers Boothe ab. Also setzte er sich auf Grundlage des neuen Finales noch einmal an den Schneidetisch, um es ein wenig zurechtzustutzen. Nur leider entstanden dadurch einige kleine, aber störende Anschlussfehler, wie auch der Rhythmus in diesen Szenen ein wenig ins Stocken gerät.

Nick Nolte zielt mit seiner Pistole, im Hintergrund Kampfgetümmel in Ausgelöscht
Mit der Waffe in der Hand macht Nolte eine gute Figur © Koch Media

Unser Fazit zu Ausgelöscht

Gemessen an der Produktionsgeschichte, die wohl anderen Filmen komplett das Genick gebrochen hätte, erweist sich Ausgelöscht als gut konsumierbar. Es ist an manchen Stellen als Flickwerk erkennbar, wird aber von Nick Noltes trockener Darstellung, die man am besten im O-Ton genießen sollte, immer zusammengehalten. Sowieso profitiert dieser Neo-Western von seinem tollen Ensemble, selbst in Nebenrollen glänzen u.a. Rip Torn, William Forsythe und Clancy Brown. Dazu serviert Hill noch so manche blutige Actionszene, die ihn als Meister seines Fachs ausweisen. Schade ist nur, dass immer mal wieder durchschimmert, hier die Chance auf einen noch besseren Film vertan zu haben. 80s-Fans und Action-Liebhaber werden aber auch so ihre Freude haben.

Das Mediabook von Koch Media bietet den Film auf Blu-ray und DVD, hält als Extras neben Making-of Featurette und Trailer auch noch ein ausführliches Interview mit Walter Hill und die Vollbild-Fassung bereit. Im Booklet-Teil findet sich Interessantes rund um den Film von Peter Osteried.

Seit dem 8. August 2019 im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Media

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