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Bad Boys: Ride or Die

Will Smith und Martin Lawrence haben beide schon bessere Zeiten erlebt und trotzdem dürfen die beiden ein weiteres Mal die Bad Boys mimen. Die Story verspricht, dass Jäger zu Gejagten werden, was in Anbetracht des aktuellen Images von Smith nicht ein gewissen Ironie entbehrt. Spielt Bad Boys: Ride or Die nun damit oder wiederholt sich nur ein weiteres Mal die sinnarme Action-Orgie mit dem inzwischen gealterten Duo?


BAD BOYS 4: RIDE OR DIE Trailer German Deutsch (2024) @FilmtoastDE

TitelBad Boys: Ride or Die
Jahr2024
LandUSA
RegieAdil El Arbi, Bilall Fallah
DrehbuchChris Bremner
GenreAction, Thriller
DarstellerWill Smith, Martin Lawrence, Vanessa Hudgens, Alexander Ludwig, Joe Pantoliano, Paola Nuñez, Eric Dane, Ioan Gruffudd, Jacob Scipio, Melanie Liburd, Tasha Smith, Tiffany Haddish
Länge Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
VerleihSony Pictures
Das Poster zum vierten Teil der Reihe Bad Boys: Ride or Die
Das Poster zum vierten Teil der Reihe © 2024 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Worum geht es in Bad Boys: Ride or Die?

Das Duo Mike Lowrey (Will Smith) und Marcus Burnett (Martin Lawrence) kommt einem Korruptionsskandal auf die Spur, der sie geradewegs ins Herz der Polizei von Miami führt. Auf die Schliche kommen sie dem Ganzen durch ihren verstorbenen Captain Howard (Joe Pantoliano), der den beiden Cops posthum einen Hinweis hinterlässt. Doch schon bald werden sie durch eine Intrige zu Ausgestoßenen und befinden sich auf der Flucht. Um den Fall zu lösen, müssen sie außerhalb des Gesetzes nach eigenen Regeln arbeiten.

Noch frisch nach fast 30 Jahren

Es mag sich für viele nicht so anfühlen, aber tatsächlich ist der erste Teil der Reihe von 1995 – und hat damit im kommenden Jahr 30 Jahre auf dem Buckel. War damals vor allem Smith der große Aufsteiger in Hollywood und der Film noch im Fahrwasser von Lethal Weapon und Co. auserkoren die Buddy-Cop-Action einer Frischzellenkur zu unterziehen und mit jugendlicher Dynamik eine neue Generation von Actionfilm-Fans abzufischen, so war der dritte Teil vor etwa vier Jahren dann schon durchzogen von Selbstironie im Bezug auf das fortgeschrittene Alter der Protagonisten und die sich wiederum weiterentwickelten Mechanismen des Genres. Das hat stellenweise gut funktioniert – aber eben auch eigentlich den Abgesang auf diese Generation endgültig besiegelt.

Anstatt aber nun eine sanfte Staffelstabübergabe vorzunehmen und den eingeführten Nebenfiguren aus For Life die Bühne zu überlassen, entspricht es dem Selbstbild von Will Smith und auch Martin Lawrence weiterhin das große Scheinwerferlicht für sie selbst zu beanspruchen. Das mag einerseits nicht verwundern, ist Bad Boys doch ihre Reihe, ihr Vermächtnis, sind Burnett und Lowry doch ihre Alter-Egos, die im Gegensatz zu zig anderen Rollen nun fast 30 Jahre in Hollywood überdauert haben. Andererseits aber hat sich das Rad speziell im Actionfilm so rasant weitergedreht, dass das Hauptmerkmal, nämlich die Wow-Action der ersten beiden Filme, schon in Teil drei hinter der großen Konkurrenz im Genre zurückstecken musste und die beiden inzwischen hüftsteifen Recken sichtlich mit dem Tempo zu kämpfen hatten.

Digitaltechnik kann vieles kaschieren, aber die Coolness der ersten Auftritte konnte For Life nicht annähernd reproduzieren. Einige Gags auf Kosten des Alters haben dann zwar funktioniert, aber die Story und die Inszenierung waren abgesehen von der noch vorhandenen Chemie von Smith und Lawrence eher blutleer, austauschbar und mitunter gar enttäuschend lapidar. Und nun also ein weiterer Fall für das Duo, das schon vor vier Jahren merklich über dem Zenit war? Hat man sich dafür nun etwas Neues einfallen lassen oder beobachten wir die finale Entzauberung zweier 90er-Jahre-Ikonen?

Eine überraschende Trendwende

Im Grunde genommen besteht das Grundrezept guter Action-Comedy aus drei Teilen: Starke Action-Szenen und -Choreografien, zündenden Gags und flotten Sprüchen – und dann aus einer stimmigen Balance zwischen den beiden ersten Komponenten. Und diesen Balanceakt meister Bad Boys: Ride or Die wesentlich besser als der Vorgänger. Denn von Beginn an macht dieser Film klar, dass diesmal die Comedy-Elemente noch mehr in den Vordergrund rücken, zudem das Herz mehr Gewichtung bekommt und die Story wirklich nur ein recht belangloses Transportmittel für einzelne inszenatorische Teilstücke und kreative Ideen ist. Die Dichte der funktionierenden Witze ist höher als in For Life, unter den One Linern gibt es weniger Rohrkrepierer – auch wenn hier erneut manche Zote nach hinten losgeht – und die Running Gags, die bereits im Vorgängerfilm angelegt wurden, klappen hier nun nochmals besser.

Darüber hinaus merkt man dann bei der Action, dass sich die beiden Regisseure noch mehr austoben durften und ihrem Spieltrieb nahezu freien Lauf lassen durften: Man merkt die deutliche Videospiel-Verwandtschaft und man muss anerkennen, dass es Arbi/Fallah gelingt einige wirklich innovative Kameraspielereien einigermaßen sinnvoll in die Handlung zu integrieren, sodass diese nicht nur Gimmick-Spielereien sind. Auch hier geht nicht jedes Experiment auf und manchmal reißt der Schnitt wieder ein, was die Kameraarbeit zuvor mühevoll eingefangen hat. Aber im Großen und Ganzen überwiegt die Freude darüber, wie hier Action anders gedacht wird und zwei Visionären die Möglichkeiten gegeben wurden, in dieser Riesenproduktion aus dem Vollen zu schöpfen.

Story: naja, vorhanden.

Ein bisschen ärgerlich ist dann, dass die Szenenübergänge streckenweise sehr ungelenk passieren, wodurch noch mehr der Eindruck verfestigt wird, dass man teils Einzelkapitel wahllos aneinanderreiht und nicht einem roten Erzählfaden folgt. Das wäre jedoch bei einem wirklich ausgefeilten Skript ein echtes Ärgernis, während man es hier fast als Stilmittel verstehen kann, mit dem versucht wird, die offenkundigen erzählerischen Schwächen und die unzähligen Logiklöcher zu kaschieren. Die Geschichte ist extremst vorhersehbar, jede Enthüllung erahnt man schon meilenweit gegen den Wind und das Foreshadowing könnte kaum platter ausfallen. Das Storytelling war nie das Steckenpferd der Reihe, aber hier ist es schon nahe an der Arbeitsverweigerung, was man als Kriminalfall zu verkaufen versucht…

Ausgeglichen wird aber sehr viel, was zurecht zu kritisieren ist, von der ehrlichen Dynamik zwischen Smith und Lawrence einerseits, aber auch von der Integration der „Guten“ andererseits. Ja, es sind inzwischen fast zu viele Nebenfiguren, um allen noch genug Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, aber trotz teils kurzer Auftritte darf jeder im Schatten der beiden Protagonisten mal glänzen. Jacob Scipio funktioniert dabei als „Überwechsler“ gut, Alexander Ludwig untermauert nochmal seine Scene-Steeler-Qualitäten und die Schauspielerinnen im Ensemble machen auch allesamt einen starken Eindruck, wobei Better-Call-Saul-Fans sich insbesondere freuen werden, dass Rhea Seahorn hier endlich mal auch einen starken und eindrücklichen Kinoauftritt bekommt. Im positiven Sinne geht die Reihe quasi den Fast-and-Furious-Weg und setzt mit Erfolg auf die Familienkarte.

Gute Arbeitsteilung

Die Schurkenfiguren sind dann zwar plump angelegt und gespielt, aber trotzdem darf man honorieren, dass Eric Dane sichtlich Spaß am Bösesein hatte. Wie gesagt, braucht man in dieser Kritik wirklich kaum ein Wort über die tatsächliche Story verlieren, denn die ist hanebüchener Quatsch. Doch manchmal ist es genau dieser Quatsch, der einem ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und so ist es bei Bad Boys: Ride or Die: Zwei alternde Stars beweisen hier, dass sie endlich bereit sind, die Action den jungen Leuten zu überlassen und sich auf ihre Comedy-Talent zu konzentrieren. Die Mischung, die hier am Ende herausgekommen ist, ist kein Material für die Award-Season, aber es ist deutlich besser als das, was Netflix und Co. mit hochkarätigem Cast und exorbitantem Budget im Actionfilm-Segment so verzapfen.

Will Smith und Martin Lawrence vor einem Porsche 911 vor einem Gefängnis
Will Smith und Martin Lawrence zum vierten Mal als Duo © 2024 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Fazit zu Bad Boys: Ride or Die

Der vierte Teil ist überraschenderweise besser als der dritte und wahrscheinlich sogar als der zweite. Bad Boys: Ride or Die macht Laune und ist angenehm kurzweilig. Will Smith rehabilitiert sich ein Stück weit vor seinen Fans, indem er sich auf seine Sympathieträgerqualitäten und sein Comedy-Talent zurückbesinnt. Der „unsterbliche“ Martin Lawrence hält aber locker Schritt mit seinem langjährigen Partner und auch wenn seine Art ab und an schon nervig werden kann, kann man es ihm kaum verübeln, bei dem sichtlichen Spaß den er hier hatte. Actionmäßig kommt man auch auf seine Kosten und somit ist dieser Sommer-Blockbuster ein guter Start in den Kinosommer 2024: Leicht bekömmliche Berieselung mit rundum bestens aufgelegtem Cast und schöner Handschrift in der Visualisierung.

Bad Boys: Ride or Die ist ab dem 5. Juni 2024 im Kino zu sehen!

Unsere Wertung:

 

 

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Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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