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Arminius schaut mitten im Schlachtgetümmel von Barbaren überrascht und angestrengt, mit rot-schwarzer Kriegsbemalung im Gesicht. Um ihn herum bekämpfen sich etliche Krieger.

10 Reasons Why (Not): Barbaren

Mit Dark hat die deutsche Serienlandschaft auf Netflix international für Aufsehen sorgen können. Nun kommt eine neue Produktion aus Deutschland zum Streaming-Riesen. Mit Barbaren wagt man sich in die Gefilde der Historienactionserien vor. Erfahrt in dieser Ausgabe von 10 Reasons Why (Not), ob man erneut eine Serie von internationalem Niveau geschaffen hat.

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TitelBarbaren
Jahr2020
LandDeutschland
RegieBarbara Eder, Steve Saint Leger
DrehbuchAndreas Heckmann, Arne Nolting, Jan Martin Scharf
GenreSerien
DarstellerLaurence Rupp, Jeanne Goursaud, David Schütter, Bernhard Schütz, Sophie Rois, Gaetano Aronica
Länge6 Folgen jeweils ca. 50 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihNetflix
Das Plakat von Barbaren zeigt eine Detailaufnahme eines Schwertes mit Adlergriff. Außerdem kann man den Titel und das Startdatum 23. Oktober lesen.
Ein Titelmotiv der Netflix-Serie © Netflix

Barbaren – die Handlung

Im Jahre 9 nach Christus vereinigen sich mehrere germanische Stämme, um in einer legendären Schlacht die nahezu unbesiegbaren römischen Legionen herauszufordern: Die Schlacht im Teutoburger Wald wird die Geschichte Europas verändern. Im Mittelpunkt dieses blutigen Zusammenstoßes stehen drei Kindheitsfreunde, die durch ein tragisches Schicksal miteinander verbunden sind. Sie werden zur alles entscheidenden Kraft im Kampf gegen die römische Übermacht. Ihr Weg ist geprägt von Loyalität und Verrat, Liebe und Hass – und erweist sich schließlich als dramatische Prüfung einer Freundschaft zwischen drei jungen Menschen.

Die cheruskische Fürstentochter Thusnelda (Jeanne Goursaud) und der einfache Krieger Folkwin (David Schütter) sind im Geheimen ein Paar. Doch schon bald werden die beiden auf ganz andere Art herausgefordert: Die römischen Besatzer unter Statthalter Varus (Gaetano Aronica) erpressen erdrückende Tribute von den germanischen Stämmen, die untereinander zu verfeindet sind, um sich gemeinsam zu wehren. Thusnelda und Folkwin beschließen, auf eigene Faust zu handeln und das Imperium in einer verwegenen Nacht-und-Nebel-Aktion zu demütigen.

Um die Schande zu rächen, sendet Varus seinen Ziehsohn aus. Doch der junge römischer Offizier (Laurence Rupp) hat ein Geheimnis, das ihn eng mit Thusnelda und Folkwin verbindet. Zerrissen zwischen den zwei Herzen, die in seiner Brust schlagen, muss sich der junge Mann für eine Seite entscheiden – und die andere verraten. Die drei werden die treibende Kraft hinter dem Aufstand, der die zerstrittenen Stämme zu einem Heer vereint. Gemeinsam liefern sie der überlegenen römischen Supermacht eine letzte Schlacht, die auch das Leben der drei Freunde für immer verändern wird.

Ein Germane (Ronald Zehrfeld) mit Blut im Gesicht kämpft in Barbaren energisch mit Arminius (Laurence Rupp).
Eine handfeste Auseinandersetzung zwischen einem Germanen und Arminius nach dessen Rückkehr © Netflix

10 Reasons Why (Not)

(In unserem Kritikformat werden wir die Argumente, die für oder gegen einen Serienmarathon sprechen, ohne große Spoiler auf 10 Punkte kompakt bündeln. Abschließend gibt es eine Pro-Kontra-Gegenüberstellung mit einem kurzen Fazit. Dabei geht es uns nicht um eine folgenweise Analyse, sondern darum, auf gute Serien Appetit zu machen und vor schlechten Serien zu warnen, um für etwas Überblick im Serien-Dschungel zu sorgen.)

1. Barbaren ist eine Geschichtsstunde, die Spaß macht

Wenn man im Geschichtsunterricht oder in Lateinstunden über die Varusschlacht spricht, dann wird es wohl den wenigsten Lehrkräften gelingen, die Schüler mit diesem Mythos unterhalten zu können. Auch, wenn später noch auf einige Schwächen eingegangen werden muss, so kann man Barbaren jedoch ohne Wimpernzucken attestieren, dass die Serie Interesse weckt, sich tiefer mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen. Einige Aspekte werden so geschichtstreu wiedergegeben, dass man durchaus schon beim Schauen etwas dazulernen kann.

Ein römischer Legionär mit Federhelm sitzt mit erhobener Hand auf einem schwarzen Pferd. Im Hintergrund sieht man verschwommen weitere Legionäre.
Die Römer in Barbaren erkennt man an der ikonischen Rüstung © Netflix

2. Die echte Geschichte wird geschickt ergänzt

Viele Figuren entsprechen historischen Vorbildern und auch die überlieferten Begebenheiten werden zum Teil nah an der Faktenlage belassen. Aus dramaturgischer Sicht ergibt die engere Verbindung von Arminius und Varus genauso Sinn, wie das Aufbauen eines Beziehungskonflikts durch die Erfindung der Folkwin-Figur. Rein durch diese Ergänzungen entsteht noch kein Gefühl von Anachronismus. Dass die Umsetzung hiervon nicht überzeugt, wird weiter unten noch erläutert.

3. Optisch kann Barbaren international mithalten

Erste Trailer haben schnell Hoffnung gemacht, dass man mit Barbaren tatsächlich eine Art deutsches Vikings bekommen könnte. Und auch, wenn die Wikingerserie schon einige Staffeln Vorsprung hat und dadurch den ikonischen Look festigen konnte, kann man der deutschen Produktion durchaus ordentliche Schauwerte bescheinigen. Die Kostüme sind fantastisch, die Maske auf Topniveau und die technischen Aspekte auf Spielfilmlevel. Inhaltlich kann man den deutschen Neuling noch nicht wirklich fair mit den etablierten Historienserien ähnlichen Looks vergleichen. Rein vom Produktionswert her ist Barbaren jedoch ein Fingerzeig aus Deutschland.

4. Eine gut gewählte Länge für die erste Staffel

Keine fünf Stunden Gesamtlaufzeit verteilen sich auf die ersten sechs Folgen der Serie. Diese Länge ist für den Einstieg in die Welt der germanischen Volksstämme angemessen. Doch auch, um mit den überschaubaren Handlungssträngen nicht Gefahr zu laufen, an unnötigen Längen zu kranken, ist Barbaren noch kompakt genug. Die Weichen werden gen Ende dann Richtung Fortsetzung gestellt und man kann sich gut vorstellen, dass man in ähnlicher Länge auch eine zweite oder dritte Staffel wieder kurzweilig füllen kann.

5. Die Leistung von Thusnelda ist überragend, …

Auf dem Papier deutet der Cast darstellerisch auf ein hohes Niveau hin. Ohne Zweifel den hohen Ansprüchen gerecht wird Jeanne Goursaud in der Rolle der Thusnelda. Die erst 24-jährige Schauspielerin glänzt als mutige und willensstarke Kriegerin. Sie schafft es, nicht nur die verfeindeten germanischen Stämme durch ihre Überzeugungskraft zu einen, sondern auch den Zuschauer mit ihren pathetischen Ansprachen mitzureißen. Auch den inneren Konflikt, den ihre Dreiecksbeziehung mit Ari und Folkwin mit sich bringt, nimmt man ihr voll ab. Goursaud hat eine Amazone mit einer verletzlichen Seite kreiert, von der man mehr sehen will.

Thusnelda (Jeanne Goursaud) ist komplett mit Blut und schwarzer Farbe überzogen. Sie blickt mit ernster Miene für den Betrachter nach rechts. Ihr rechtes Auge ist dabei blutunterlaufen.
Thusnelda (Jeanne Goursaud) kurz vor der finalen Schlacht © Netflix

6. … aber nicht der ganze Cast hält mit

Leider gelingt es nicht allen Schauspielern so zu überzeugen. Viele der Darstellungen überschreiten die Schwelle zum Overacting und sorgen so für unfreiwillige Komik. Die Römer wirken teils wie ihre Pendants aus Asterix und Obelix und auch die zentralen Figuren erinnern mit ihren pathosschwangeren Reden oftmals mehr ans Shakespearesche Theater als an die Filme, die man sich augenscheinlich eigentlich zum Vorbild genommen hat. Im Gegensatz zu beispielsweise Gladiator wirkt hier vieles zu aufgesetzt und nicht organisch in den einzelnen Situationen passend betont und vorgetragen.

7. Die finale Schlacht in Barbaren ist packend inszeniert, …

Das Event, auf das die gesamte erste Staffel hinsteuert, ist selbstverständlich die Schlacht zwischen den vereinten Germanenstämmen und den Römern im Teutoburger Wald. Und was man Barbaren hoch anrechnen kann, ist, dass man es geschafft hat, eine immersive Erfahrung für die Zuschauer zu schaffen. Die Kämpfe sind toll choreografiert und durch die Kameraführung fühlt der Zuschauer sich, als wär er mittendrin im Schlachtgetümmel. Auch die visuellen Effekte bis hin zum CGI-Feuer sind wirklich gelungen und machen die Varusschlacht zu einem optischen wie atmosphärischen Highlight, das sich nicht vor großen Namen wie Game of Thrones oder Vikings verstecken muss.

8. … aber leider doch etwas kurz

Wie aus Geschichtsbüchern hervorgeht, war die historische Schlacht jedoch weitaus zermürbender und länger als es in der Serienversion rüberkommt. Die angeblich tagelangen Kämpfen wirken auf etwa 20 Minuten in der letzten Episode zusammengekürzt. Die totale Erschöpfung, mit der die Soldaten wohl zusätzlich zu kämpfen hatten, kann deswegen kaum nachvollzogen werden. Der Kampf in Barbaren wirkt überfallartig und nicht wie eine Auseinandersetzung, bei der auch Ausdauer zu den entscheidenden Faktoren gezählt hat. Natürlich ist dies nicht nur dem Skript, sondern auch den verfügbaren Mitteln geschuldet. Wegen dem verhältnismäßig überschaubaren Budget hat man sich entschieden, mehr auf Klasse als Masse zu setzen und die wenigen Minuten Kampfszenario dafür überzeugend abzubilden. Vielleicht bekommt man mit etwas mehr finanziellem Spielraum in der angekündigten zweiten Staffel dann auch etwas längere Schlachten präsentiert, die das Gefühl tagelanger Kämpfe besser transportieren können.

Segemir (Nicki von Tempelhoff) steht in Barbaren mit Schwert und Standarte in den Händen vor seinen Stammesgenossen und stößt mit offenem Mund einen Schlachtruf aus.
Segemir (Nicki von Tempelhoff) ist kampfbereit © Netflix

9. Teils ist die Dramaturgie doch nah an einer Seifenoper

Alles, was mit dem Konflikt Germanen gegen Römer zu tun hat, ist nachvollziehbar inszeniert und trotz kreativer Freiheiten plausibel. Mit der Entscheidung, dieses Kriegsepos mit persönlichen Dramen, Liebesgeschichten und einem Hauch von Mystik anzureichern, haben sich die Macher jedoch keinen Gefallen getan. In den Szenen, die sich hauptsächlich mit der Dreieckskonstellation der Jugendfreunde oder mit der übernatürlichen Veranlagung der Thusnelda beschäftigen, wirken die Dialoge sehr soapig. Damit unterstreicht man leider mehrmals das immer noch vorherrschende Vorteil gegenüber deutschen Filmen und Serien, das einen starken Hang zum theaterhaften Schauspiel unterstellt.

10. Ob die Germanen wirklich wie in Barbaren kommuniziert haben, ist fraglich

Für das ein oder andere Schmunzeln sorgen die Dialoge auf Seiten der Germanen. Natürlich kann man heute schlecht eins zu eins den Umgangston von vor circa 2000 Jahren reproduzieren. Irgendwie kann man sich jedoch schwer vorstellen, dass man schon vor so langer Zeit so miteinander gesprochen hat, wie uns Barbaren vorgaukelt. Die Wortwahl ist insgesamt deutlich näher an unserer Alltagssprache, als an der wahrscheinlichen historischen Akkuranz. Viele Historiendramen vernachlässigen diesen Aspekt, um für heutige Maßstäbe zeitgemäßer zu unterhalten. Jedoch hat diese Serie einen gewissen Anspruch nah an der Realität der damaligen Zeit zu sein, was man unter anderem an den lateinisch sprechenden Römern sieht. Der Kontrast zwischen den beiden Völkern hierbei fällt leider negativ ins Gewicht.

Pro: 6 Contra: 4

Unser Fazit zu Barbaren

Barbaren ist eine Bereicherung des deutschen Serienkatalogs bei Netflix, das aufgrund einiger Unausgewogenheiten nicht annähernd sein Potenzial ausschöpft. Optisch kann die Produktion mit Schwergewichten wie The Last Kingdom und Vikings stellenweise mithalten. Vor allem die zentrale Schlacht im Teutoburger Wald ist ein Highlight. Leider schmälern die anachronistischen Dialoge und der Hang zu übertriebener Theatralik den positiven Eindruck und zerstören die einnehmende Atmosphäre, die durchaus anklingt.

Insgesamt ist Barbaren vor allem auch eine filmische Anregung, sich mit der Geschichte dahinter auseinanderzusetzen. Denn auch wenn man sich einige Freiheiten kreativer Art bei der Umsetzung zugesprochen hat, so bleibt die Essenz der Bedeutung dieser historischen Episode spürbar.

Barbaren kann seit dem 23. Oktober komplett bei Netflix gestreamt werden.

Unsere Wertung:

 

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