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Die Kämper stehen in Reih und Glied

Battle Royale II

Mit Battle Royale II setzte Kinji Fukasaku seinen Erfolgsfilm nach drei Jahren fort. Doch da er noch vor Beendigung der Dreharbeiten verstarb, musste sein Sohn Kenta übernehmen. Ob er dem Erbe seines Vaters gerecht wird, erfahrt ihr hier.

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Titel Battle Royale II (OT: Batoru rowaiaru II: Chinkonka)
Jahr 2003
Land Japan
Regie Kinji Fukasaku, Kenta Fukasaku
Drehbuch Kenta Fukasaku
Genre Action, Science-Fiction
Darsteller Tatsuya Fujiwara, Shûgo Oshinari, Ai Maeda, Ayana Sakai, Haruka Suenaga, Yûma Ishigaki, Miyuki Kanbe, Aki Maeda, Riki Takeuchi
Länge 133 Minuten (Requiem Cut) / 152 Minuten (Revenge Cut)
FSK ab 18 Jahren freigegeben (uncut)
Verleih Capelight Pictures
Die verschiedenen Cover des Releases. | BATTLE ROYALE II © capelight pictures

Das dystopische Japan in Battle Royale II

Das Japan der 90er Jahre litt unter massivem wirtschaftlichen Druck: Das Platzen der Bubble Economy führte entsprechend zu gesellschaftlichem Zündstoff. Arbeits- und Aussichtslosigkeit führten unter der jungen Bevölkerung zu Unmut steigender Gewaltbereitschaft. Tatsächlich sah sich Japan dem Problem enormer Jugendkriminalität ausgesetzt.

Diesem Problem nahm sich im Jahr 2000 der der japanische Actionfilm Battle Royale an und reicherte die, reale, brisante Mixtur mit einer gehörigen Portion Dystopie an. Denn dort bringt der Staat ein Bildungsgesetz auf den Weg, welches die Jugend wieder zu Tugendhaftigkeit und Gehorsam erziehen soll. Jährlich wird so eine Klasse zufällig ausgewählt, deren Schülerinnen und Schüler für drei Tage auf einer abgelegenen Insel isoliert werden. Ausgerüstet mit verschiedensten Waffen sind die Schüler gezwungen, sich bis auf einen letzten Überlebenden zu bekämpfen. Zusätzlich sind die Kontrahenten mittels elektronischer Halsbänder für die Obrigkeit permanent lokalisierbar. Zu allem Überfluss können die Halsbänder auf Knopfdruck detonieren – was spätestens dann der Fall ist, sollte nach Ablauf der 72 Stunden kein „Sieger“ feststehen.

Battle Royale II setzt drei Jahre nach dem ersten „Spiel“ an. Die siegreichen Überlebenden der letzten Veranstaltungen haben sich zusammengetan und die Wild Seven gegründet – eine Gruppe, die der Regierung den Kampf ansagt und mit Terroranschlägen versucht, das System zu überwinden. Um sich nicht selbst die Finger schmutzig zu machen, schicken die Regierenden kurzerhand die nächste Battle Royale-Gruppe los, um die Wild Seven zu eliminieren…

Die Schulklasse eingepfercht in einem Militärlager
Schon die Belehrung über das „Spiel“ hat verheerende Folgen… | BATTLE ROYALE II © capelight pictures

Bigger, but better?

Erneut hat sich das Vater-Sohn-Gespann Fukasaku zusammengefunden, um den zweiten Film des Battle Royale-Universums zu realisieren. Die Aufgabenteilung sollte ursprünglich identisch zum Vorgänger sein. Kinji Fukasaku fürhte erneut Regie, während Sohn Kenta das Drehbuch auf Grundlage der gleichnamigen Romanvorlage und des Vorgängers schrieb. Der gesundheitliche Zustand des Vaters ließ es leider nicht zu, dass dieser seine Regiearbeit beenden konnte. Sohn Kenta übernahm den Regieposten des Vaters nach dessen Tod und beendete damit dessen letztes Werk.

Kinji Fukasaku wollte auf das Gerüst des ersten Teils bauen, aber nun alles eine Nummer größer präsentieren. Der Kampf beschränkt sich nun nicht mehr auf das Battle Royale an sich, sondern zieht mit den terroristischen Anschlägen und Taten der Wild Seven die gesamte japanische Nation in den Konflikt hinein. Folgerichtig ist hier nicht mehr die Sprache von einem bloßen Überlebenskampf, sondern es wird klar und deutlich artikuliert: Die Schüler sollen in den Krieg ziehen.

Um dem neuen Szenario gerecht zu werden, finden sich größer angelegte Kämpfe als die eher intimen Auseinandersetzungen im Vorgänger. Ging es dort im Kampf oft auf Tuchfühlung, verglühen in Battle Royale II innerhalb von Sekunden dutzende Schüler in Explosionen. Die gesamte Landungssequenz erinnert dabei auffällig an Der Soldat James Ryan (später wird auch The Rock – Fels der Entscheidung zitiert), erreicht dessen Intensität aber zu keiner Zeit. Die (auffällig miesen) CGI-Effekte wirken an diesen Stellen übertrieben und entschärfen die angedachte Drastik mehr, als dass sie diese steigern. Trotz mauer Computer-Effekten sitzt die Action: Es kracht und wummert an jeder Ecke und das generelle Tempo ist ausgesprochen hoch. Der Bodycount wurde im Vergleich zum Vorgänger extrem gesteigert – bis zur direkten Konfrontation der Schüler und Wild Seven sind schon gut die Hälfte der Angreifer dem Erdboden gleichgemacht.

Ai Maeda als Shiori mit ihrem filmischen Vater Kitano, gespielt von Takeshi Kitano, gemeinsam im Kinderzimmer in Battle Royale II
Shiori (Ai Maeda) schwelgt in wenig erfreulichen Erinnerungen. | BATTLE ROYALE II © capelight pictures

Getöse mit Tiefgang?

Battle Royale erstickte noch nicht im Dauerrauch der ständigen Geschosse und Explosionen, sondern zeigte Interesse an einzelnen Teilnehmern, wodurch sich teilweise ganz interessante gruppendynamische Prozesse etablieren konnten. In Anbetracht der eingangs erwähnten wirtschaftlichen Krise lieferte Battle Royale einen kritischen Kommentar zur verrohenden Jugend ab (wie beispielsweise auch die ungleich exploitativere All Night Long-Reihe).

Battle Royale II hebt sich in dieser Hinsicht stark von seinem Vorgänger ab – ob hauptsächliches Verschulden bei Vater oder Sohn liegt, lässt sich schwerlich sagen. Vermuten ließe sich, dass eher Kenta Fukasaku schuldtragend ist, da dieser sich ja alleinig für das Drehbuch verantwortlich zeigt. Die Kritik hat hier nicht mehr nur die japanische Jugendkultur im Fokus, sondern schießt gen den Vereinigten Staaten von Amerika. Deren außenpolitisches Gebaren konnte man zur damaligen Zeit (und heutigen wohl noch deutlich notwendiger) argwöhnisch betrachten.

Spätestens wenn Raketen eines im Film namentlich nicht erwähnten Landes auf der Insel einschlagen; jenes ominöse Land auch noch Forderungen stellt und die lächerlich pathetische Kind=Japan und Erwachsener=USA Allegorie aufgestellt wird, driftet Battle Royale II in inhaltlichen Nonsens ab. In Sachen Amerika-Bashing bleibt sich der Film bis zur letzten Sekunde treu und versucht allen Ernstes in der letzten Stunde seiner zweieinhalb stündigen Laufzeit die Charakterisierung seiner Figuren voranzutreiben. Diese kommen zum großen Teil jedoch nicht über die Bedeutsamkeit von Abziehbildern hinaus. Das liegt zum Einen daran, dass viel zu viele gesichtslose Personen verheizt werden und zum Anderen am grotesken Overacting vereinzelter Akteure. Besonders schauerliches Beispielt ist hierbei Lehrer Riki, dessen Filmrolle sich zu einem unfreiwillig komischen Kaspertheater entwickelt.

Battle Royale II begräbt die subtile Note des Vorgängers unter Tonnen von Schutt, Staub und Patronenhülsen. Als tosender Actionfetzer brauchbar – aber bitte den plakativ politischen Unterton überhören.

Zwei Schüler in Kampfuniform und bewaffnet im Überlebenskampf in Battle Royale II
Waffenstarrend ausgerüstet: Die Schüler im Battle Royale Survival Program. | BATTLE ROYALE II © capelight pictures

Veröffentlichung der beiden Fassungen

Der Vorgänger hatte lange Zeit seine Probleme mit den deutschen Freigabebehörden: Indiziert auf Liste A und B, dann sogar beschlagnahmt, letztendlich von Capelight von der Liste böser Filme befreit und letzten Endes 2017 endlich ungeschnitten mit höchster FSK-Freigabe auf deutschem Boden veröffentlicht.

Der Nachfolger wurde vorerst in seiner Kinofassung, auch Requiem Cut genannt, ungeschnitten als DVD, Blu-ray und natürlich im Mediabook mit FSK-Freigabe auf den Markt gebracht. 2015 folgte dann auch endlich die Veröffentlichung des sogenannten Revenge Cuts, den nun Capelight am 13.12.2019 erstmals in HD auf den Markt bringt. Dabei denkt das Label wieder an die Sammler und bringt neben der Doppel-DVD mit Requiem Cut und Revenge Cut auch entsprechende Collector’s Editions an den Mann. Passend zu den Releases des Vorgängers gibt es von Capelight ein Steelbook und ein Mediabook mit jeweils drei Blu-rays: Jeweils eine Disc für Requiem Cut, Revenge Cut und Extras.

Unser Fazit zu Battle Royale II

Zwingend zu empfehlen ist dabei der Revenge Cut, der satte 20 Minuten länger läuft als der Requiem Cut. Dieser bietet mehr Hintergrundinformationen für die dennoch ziemlich flach bleibenden Charaktere, teils besseren Schnitt und aufgepeppte Actionszenen, auch wenn deren computeranimierter Unterbau ein zweischneidiges Schwert darstellt. Insgesamt macht der Revenge Cut aus Battle Royale II den runderen Film, fordert dafür aber auch mehr Sitzfleisch vom Interessenten ein als der Requiem Cut. In beiden Fassungen sind die Actionpassagen aber noch immer ein wahres Fest für Shaky-Cam-Allergiker.

Wer weder Vorgänger noch Battle Royale II kennt oder sein Eigen nennt, kann sich alternativ mit einem weiteren Mediabook von Capelight ausrüsten, welches beide Teile in ihren beiden relevanten Schnittfassungen enthält.

Unsere Wertung:

 

 

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© Capelight Pictures

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