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Becoming Karl Lagerfeld

Er war einer der berühmtesten Deutschen, als Marke überlebte er sein irdisches Dasein und trotz aller Bekanntheit rankten sich um die Person hinter der stilprägenden Sonnenbrille auch immer jede Menge Mythen. Becoming Karl Lagerfeld geht den Spuren nach. Wird das Modegenie entzaubert oder angemessen mit sechs Folgen geehrt?

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TitelBecoming Karl Lagerfeld
Jahr2024
LandFrankreich
RegieJérôme Salle, Audrey Estrougo
DrehbuchIsaure Pisani-Ferry, Dominique Baumard, Jennifer Have, Nathalie Hertzberg
GenreSerien (Historiendrama)
DarstellerDaniel Brühl, Théodore Pellerin, Arnaud Valois, Alex Lutz, Agnès Jaoui
Länge6 Folgen mit je ca. 40 Minuten
Altersempfehlungab 12 Jahren freigegeben
StreamingdienstDisney+
Becoming Karl Lagerfeld - Das deutsche Key-Art zur Serie
Das deutsche Key-Art zur Serie © 2023 Disney und seine verbundenen Unternehmen

Becoming Karl Lagerfeld – Die offizielle Handlungsangabe

Becoming Karl Lagerfeld taucht ein in das Paris, Monaco und Rom der 70er-Jahre und folgt der beeindruckenden Entwicklung Lagerfelds zu einer komplexen und ikonischen Persönlichkeit der Pariser Couture, der bereits von dem Ehrgeiz gepackt ist, Kaiser der Mode zu werden. Zwischen Glamour und Konflikten großer Egos, ausschweifenden Partys und destruktiven Leidenschaften, entdeckt das Publikum jetzt die Geschichte von Karl, bevor er zu dem weltweit bekannten Karl Lagerfeld wurde.

Die Anfänge eines umstrittenen Genies

Die meisten haben bei Karl Lagerfeld direkt den strengen Mann mit dem grauen Pferdeschwanz und der schweren, dunklen Sonnenbrille vor dem geistigen Auge. Dementsprechend waren die Verwunderung und das Kopfschütteln nicht gerade gering, als ausgerechnet Daniel Brühl für die Rolle in dieser Serie besetzt wurde. Doch um eines gleich zu markieren: Ganz im Sinne des Titels Becoming widmet sich die Miniserie nicht dem später Lagerfeld, der irgendwann über allem Zeitgeist der Modebranche zu schweben begann, sondern dessen Anfängen in den pulsierenden Modemetropolen der 1970er-Jahre. Es ist also  eine Art Origin-Story, aber auch ein Ausflug in die Vergangenheit und so nicht nur für Leute, die sich über die Persönlichkeit informieren wollen, sondern auch für das Publikum, das gern in vergangene Epochen eintaucht, gemacht.

Im Prinzip ist es damit das perfekte Fortsetzungsprogramm für diejenigen, die vor wenigen Wochen das Pendant über Christian Dior und Coco Chanel in The New Look bei Apple TV+ gesehen und genoßen haben. Denn in etwa dort wo die Apple-TV+-Show ausstieg, beginnt die Reise von Lagerfeld – ebenfalls in Paris und ebenfalls im Dunstkreis der Modehäuser, die bereits in The New Look begleitet wurden.

Konkurrenzkampf, Liebe, Gottkomplex

Von Beginn an skizziert Becoming Karl Lagerfeld in der Darstellung durch Daniel Brühl einen exzentrischen, sich selbst seiner Talente bewussten Designer, der jedoch auf sozialer Ebene und vor allem in Sachen Beziehungsführung dafür seine Schwierigkeiten hat. Er wirkt stocksteif, emotionslos, bedacht nach außen, aber in vereinzelten Gesprächen kehrt er doch seine Gefühlswelt ein Stück weit heraus. Es untermauert dabei aber das ohnehin vorherrschende Bild eines Mannes, der in erster Linie das Ziel verfolgte Herr über sein eigenes mediales Bild zu sein – ein Könner der Inszenierung durch und durch. Hat er seine Sonnenbrille wie eine emotionenverbergende Maske auf, ist er kühl und distanziert, ohne dieses Utensil kommt ein ausgewählter Personenkreis an ihn heran.

Das Kalkül seiner Aktionen, um sich gegen die Konkurrenz zu behaupten, gleicht Strategien eines Kriegsherren, und Brühl verkörpert diese Attitüde mit einer Inbrunst, die einmal mehr verdeutlicht, dass es wohl kaum einen versierteren deutschen Star gibt. Sicher in der französischen Sprache, stilecht in den extravaganten Outfits und überzeugend schlagfertig, wie man Lagerfeld eben kannte. Lagerfeld  manövrierte sich durch die abgesteckten Claims der Modewelt und schaffte es durch seine sture, aber gleichzeitig smarte und kreative Art eine ganze Industrie in ihren bornierten Strukturen aufzurütteln und den Status Quo zu hinterfragen. Nach Niki Lauda in Rush spielt Brühl nun also eine weitere Ikone, bei der es schnell hätte zu einer Parodie werden können, doch dies gelingt es dem Darsteller, allzeit zu vermeiden.

Ausstattungskino der reduzierten Emotionen,…

Leider (oder Gott sei Dank) ist die Serienumsetzung der Lagerfeld-Biografie Kaiser Karl dem Charakter entsprechend auch eher ein kühler Ritt durch ein Jahrzehnt Modegeschichte mit einem Protagonisten, der weiterhin Charakterzüge an den Tag legen darf, die fürs Publikum verstörend-faszinierend, eigenbrötlerisch und gleichzeitig zutiefst rätselhaft bleiben. Becoming Karl Lagerfeld ist eben keine Dekonstruktion eines Ikonenmythos, sondern ein Ehrerweisung mit Zügen einer sanften Annäherung.

Wie The New Look hat auch diese Geschichte dramatische Anteile, sogar Thriller-Aspekte, bedingt durch die Intrigen zwischen den Konkurrenten. Auf der anderen Seite ist das Treiben hinter den Kulissen der Schauen, in den Ateliers, auf den Vernissagen in hektisch-packende Bilder verpackt, sodass man sagen könnte, es hat Züge von The Bear im Modezirkus. Doch im Gegensatz zum Küchen-Thriller mit Carmy und Co. als absolut menschlich nahbare Identifikationsfiguren fehlt es hier qua Persona an menschlicher Wärme, wodurch dem ein oder anderen das Mitfiebern erschwert werden dürfte.

… aber auch der wirksamen Momente der Intimität

Hervorgehoben muss neben Brühls tadelloser Interpretation des titelgebenden Genies und die über jeden Zweifel erhabenen Ensemble-Leistung einerseits noch, dass es hier wirklich gute Darstellungen von realen Persönlichkeiten gibt, von denen wirklich keine dem Vorbild nicht gerecht wird geschweige denn schadet. Andererseits ist der Look dank einer sensationell detailreichen Ausstattung definitiv so gelungen, dass selbst Perfektionist Lagerfeld selbst dem Ganzen wohl sein Okay gegeben hätte. Bei all der aufrechterhaltenen Fassade des Modemachers gibt es aber eingestreute Momente der Intimität. Diese wirken zwar bewusst wie ein Fremdkörper auf den ersten Blick, doch um der Person näher zu kommen, waren sie unabdingbar. Auch in diesen Szenen spielt Brühl genau mit dem Fingerspitzengefühl, das es bedurfte, um einer Figur wie Lagerfeld, die im späteren Lebensalter nahezu etwas asexuelles ausstrahlte, diesen zutiefst menschlichen Aspekt zuzugestehen.

Daniel Brühl als junger Karl Lagerfeld
Daniel Brühl als junger Karl Lagerfeld © 2023 Disney und seine verbundenen Unternehmen

Wer sollte sich Becoming Karl Lagerfeld nicht entgehen lassen?

Im Gegensatz zu House of Gucci wird hier kein Klamauk serviert, der einer Marke mehr schadet als ihr Vermächtnis zu untermauern. Dementsprechend, wie bereits geschrieben, reiht sich dieses Modebranchen-Drama nahtlos bei The New Look ein. Es dürfen aber auch alle Modemuffel einschalten, die einfach gern Daniel Brühl sehen, der hier wieder groß aufspielen darf. Und Fans von Biopic-/ Entstehungsgeschichten-Formaten wie Welcome to Chippendales werden hier aufgrund des zeitlich ähnlichen Zeitraums ebenfalls gut reinfinden-

Unser Fazit zu Becoming Karl Lagerfeld

Ein Stück weit wird die Ikone Karl Lagerfeld hier geerdet, bekommt eine Suche nach sexueller Identität zugestanden und darf auch Gefühle zeigen. Trotzdem spiegelt sich in Becoming Karl Lagerfeld die unterkühlt-distanzierte Aura des Modezaren wider. Dass man dem ganzen mit Genuss beiwohnt, liegt an den tollen Sets, den starken Dialoge, den aufwendigen Outfits und zu allervorderst an Daniel Brühl, der hier eine preisverdächtige Leistung abliefert, da er vermeidet aus den Manierismen Lagerfelds einen Parodiecharakter zu machen.

Becoming Karl Lagerfeld läuft am 7. Juni 2024 bei Disney+ an. 

Unsere Wertung:

 

 

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Zuletzt aktualisiert am 27. April 2024 um 14:43 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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© 2023 Disney und seine verbundenen Unternehmen

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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