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BEEF

Im Filmbereich ist A24 als Qualitätsmarke etabliert. Nur wenige haben jedoch auf dem Schirm, dass die Produktionsstätte auch Serien von hoher Güte schafft. Nun kommt die Miniserie BEEF zu Netflix und wir verraten euch, ob man tatsächlich A24-Niveau erwarten darf.

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TitelBEEF
Jahr2023
LandUSA
RegieLee Sung Jin, Jake Schreier, Hikaru
DrehbuchLee Sung Jin
GenreSerien (Comedy)
DarstellerAli Wong, Steven Yeun, Joseph Lee, Young Mazino, David Choe, Remy Holt, Patti Yasutake, Maria Bello, Mia Serafino, Ashley Park
Länge10 Folgen mit je ca. 30 Minuten
Altersempfehlungab 16 Jahren freigegeben
StreamingserviceNetflix
Das Plakat von BEEF
Das Plakat zur schwarzhumorigen Comedy-Show © Netflix

BEEF – Die offizielle Handlungsangabe

In BEEF geraten Aggressionen im Straßenverkehr außer Kontrolle – und zwei Fremde aneinander. In der zutiefst bewegenden, schwarzhumorigen Serie steigern sich Danny Cho (Steven Yeun), ein erfolgloser Handwerker mit Komplexen, und Amy Lau (Ali Wong), eine Selfmade-Unternehmerin mit dem perfekten Leben, immer mehr in ihre Raserei hinein. Wenn sie nicht auf die Bremse treten, drohen sie ihr Leben und ihre Beziehungen zu zerstören.

Die Vögel singen nicht, sie kreischen vor Schmerz

Die Prämisse ist einfach, vielleicht sogar schon mal bespielt worden. Doch aus dem vermeintlich simplen Ausgangsszenario lässt sich extrem viel rausholen. Voraussetzung dafür ist es, dass die Parameter, die die Varianz in die Geschichte bringen, richtig eingestellt werden: Parameter Nummer 1 sind die Milieus, die im Konflikt aufeinanderprallen. Hier befinden wir uns zwischen zwei parallel existierenden Mikrokosmen in Los Angeles/Kalifornien, die für sich genommen schon vielversprechend sind, in ihrem Clash jedoch eine wahnsinnig explosive Mischung ergeben: Danny ist koreanischer Abstammung, wohnt mit seinem Bruder zusammen und scheint vom Pech verfolgt zu werden. Steven Yeun spielt ihn als einen Charakter, der von einem Chaos ins nächste stolpert, aber da wir uns in einer A24-Produktion befinden, ist das selbstverständlich nicht plump vorgetragen, sondern mit viel Botschaft zwischen den Zeilen gespickt. Beobachtungen bezüglich der gesellschaftlichen Stellung spielen nämlich sowohl bei Danny als auch bei seiner Gegnerin Amy eine sehr wichtige Rolle in BEEF.

Wut ist nur ein vorübergehender Bewusstseinszustand.

Amy selbst scheint von Außen betrachtet ein Traumleben zu führen, wohnhaft in einem Traumhaus, verheiratet mit einem Traummann und kurz davor schon in jungen Jahren ihren Karrieretraum zu vollenden. Doch schon in den ersten Szenen mit ihr wird deutlich, dass sie mit der Gesamtsituation hadert: Ist es eine frühe Midlife-Krise, oder ist ihr Leben schlicht zu perfekt? Der Stein des Anstoßes, der den Streit zwischen ihr und Danny initiiert – so scheint es – scheint ihr irgendwie ganz gelegen zu kommen, um ihrem Leben Schwung zu verleihen. Diese Ambivalenz, der Deutungsspielraum, die Mehrdimensionalität ist von Beginn an präsent. Das Kunststück, das dem Skript zuzuschreiben ist, ist es, wie zwanglos die unzähligen Ebenen an Interpretationsmöglichkeiten hier mitschwingen, man aber auch einfach nur Spaß mit der sich hochschaukelnden Eskalation haben kann.

David Choe als Isaac.
David Choe als Isaac © Netflix

Schwarzer Humor auf dem absoluten Höhepunkt

Parameter Nummer 2 ist nämlich die Gangart der Story, hier der Humor. Und der ist ein absoluter Volltreffer – vor allem für Fans des schwarzen Humors. Die Pointen sitzen, sind stellenweise aber auch bitterböse, sodass man mehr nachdenken als Lachen könnte. Situationskomik kombiniert mit Wortgefechten, die man direkt zurückspulen und nochmal hören möchte und vollendet vom sensationellen Timing der Darstellenden. Ja, in BEEF steckt mehr als eine Comedy-Show, aber auch als solche ist die Miniserie ein Hit.

Ist mir scheißegal was du denkst. Du bist auf Bewährung!

Doch es wäre keine A24-Produktion, hätte man nicht auf ein paar künstlerische Aspekte eingewoben, die den Indie-Charme in der Produktion nochmals unterstreichen. So ist Parameter Nummer 3 für das Funktionieren dieser klassischen Streit-Rache-Story die Handschrift der Macher und ihr Gespür Kleinigkeiten Bedeutung zu verleihen. Das fängt bei den Episodentiteln an, die allesamt Zitate von Berühmten sind:

“The Birds Don’t Sing, They Screech In Pain” (Werner Herzog)
“The Rapture of Being Alive” (Joseph Campbell)
“I Am a Cage” (Franz Kafka)
“Just Not All At the Same Time” (Betty Freidan)
“Such Inward Secret Creatures” (Iris Murdoch)
“We Draw a Magic Circle” (Karin, from 1961’s Through a Glass Darkly)
“I Am Inhibited by a Cry” (Sylvia Plath)
“The Drama of Original Choice” (Simone de Beauvoir)
“The Great Fabricator” (Simone Weil)
“Figures of Light” (Carl Jung)

Ein weiteres dieser Details ist, dass die title card jeweils von einem Kunstwerk hinterlegt ist. Diese Gemälde stammen in den Folgen 2 – 10 von einem Nebendarsteller der Miniserie, von David Choe. Und das letzte dieser Stilmittel ist, wie in so vielen Produktionen des Studios, dass die Musikauswahl hier nicht willkürlich platziert wurde, sondern ganz bewusst zu den Situationen passend gewählt wurde. Es ist eine Comedy-Show, aber eben eine vom Indie-Label.

Weniger ist (wie fast immer) mehr…

… das gilt in BEEF im Hinblick auf die Größe des Cast. Neben Yeun und Wong gibt es noch eine Handvoll von Figuren, die relevant sind, exzellent besetzt wurden und jede für sich Momente bekommt, in denen sie sich auch mal in Vordergrund spielen darf. Paul, der Bruder von Danny, gespielt von Young Mazino, schafft es am Anfang wie eine Klischeefigur anzumuten, aber im Verlauf doch sehr viele Graustufen zu entwickeln. So auch Joseph Lee als Amys Partner. Maria Bello und David Choe in ihren Nebenrollen sind ebenfalls eine Bereicherung im Cast.

Doch stehen und fallen tut die Show mit Ali Wong und Steven Yeun, die beide extrem vom Skript gefordert werden – und abliefern. Denn die Gefahr, dass die Figuren auf einzelne Eigenschaften reduziert werden, schwingt in diesem Szenario immer mit. Doch den beiden gelingt es, dass man als Zuschauer:in eigentlich nie eindeutig Partei ergreift, sondern immer zwischen den Stühlen hängen gelassen wird. Die emotionalen Momenten überzeugen genauso wie das Timing in den absurden Situationen.

Steven Yeun links und Ali Wong rechts in einem Wohnraum. BEEF
Steven Yeun als Danny, Ali Wong als Amy © Netflix

Wer sollte sich BEEF nicht entgehen lassen?

Wie nun schon ausführlich erwähnt, ist die Grundvoraussetzung, um mit der Serie warm zu werden, ein Faible für feingeistigen, dunklen Humor, der auch über die Subebene erzählt wird. Damit reiht sich BEEF ein in die Reihe von Comedy-Shows bei Netflix, die es ausnahmsweise mal gewagt haben den Mainstream-Geschmack in den Hintergrund zu rücken und das anspruchsvollere Publikum primär anzusprechen. Das gilt beispielsweise auch für Die Professorin mit Sandra Oh, die Ricky Gervais Show After Life oder die ebenfalls von A24 kreierte Culture-Clash-Serie Mo. Auch Fans von Dead to Me werden sicherlich schnell hier Anklang finden.

Abseits von der Dienst-internen Genre-Konkurrenz fallen im Humor auch tonale Überschneidungen mit Bad Sisters bei Apple TV+ auf. Und wer sich wegen des Ausgangsszenarios an den Die Wutprobe erinnert fühlt, der sollte auch einen Blick wagen. Nur wer auf Basis der Prämisse eine plumpe Gewaltkaskade wie im Russell Crowe Film Unhinged erwartet, der wird nicht bekommen, was er sucht.

Unser Fazit zu BEEF

Zehn Folgen mit gut 30 Minuten, aber vollgepackt mit Beobachtungen, feingeistigen Humor-Spitzen und Absurditäten: BEEF ist ein kleiner Volltreffer und unterstreicht einmal mehr die Ausnahmestellung, die A24 inzwischen hat. Bei den Hauptdarstellern hat man den Jackpot geknackt und auch die Nebenfiguren bekommen viel Raum zum Glänzen. Die Richtung, die der Plot im Verlauf immer wieder wechselt, birgt zudem auch überraschende Wendungen und WTF-Momente. Aufgrund der Kürze ist die Miniserie ein exzellenter Binge, aber vergessen wird sie nicht gar so schnell haben. Wut ist nur ein vorübergehender Bewusstseinszustand, aber das positive Gefühl, das bleibt hängen.

BEEF ist ab dem 6. April 2023 bei Netflix abrufbar sein!

Unsere Wertung:

 

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© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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