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Besser wird’s nicht

Australier drehen das Remake eines isländischen Überraschungshits? Kann das gut gehen? In Besser wird’s nicht zeigt Sam Neill jedenfalls, dass Schafe zählen eine Menge Mühe macht. Zum einschlafen? Das erfahrt Ihr in unserer Rezension.

Besser wird's nicht (Deutscher Trailer) - Sam Neill, Miranda Richardson, Asher Keddie, Michael Caton

TitelBesser wird’s nicht (OT: Rams)
Jahr2020
LandAustralien
RegieJeremy Sims
DrehbuchJules Duncan
GenreKomödie, Drama
DarstellerSam Neill, Michael Caton, Miranda Richardson, Wayne Blair, Kipan Rothbury, Travis McMahon
Länge118 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Das Plakat von Besser wird's nicht zeigt Colin, gespielt von Sam Neill, und Les, gespielt von Michael Caton, vor einem preiswürdigen Bock.
Das Plakat von Besser wird’s nicht. © Koch Films

Darum geht’s in Besser wird’s nicht

Die zerstrittenen Brüder Colin (Sam Neill) und Les (Michael Caton) haben in Besser wird’s nicht seit 40 Jahren kein Wort miteinander gesprochen. Beide sind Schafzüchter und stolz auf ihre preiswürdigen Böcke. Doch im Wettkampf kann es nur einen Sieger geben. Und so zieht Colin gegenüber Les den Kürzeren. Dumm nur, dass Les‘ Siegesbock an Paratuberkulose leidet, einer hochgradig ansteckenden Krankheit. Auch dass es ausgerechnet der unterlegene Colin ist, der diese auch Johnesche Krankheit genannte Seuche an dem Konkurrenz-Widder entdeckt, ist wenig hilfreich.

Doch als sich der Verdacht bestätigt, schalten sich die Behörden ein. Obwohl nur 20 infizierte Tiere auf zwei Höfen entdeckt werden, müssen alle Schafe in dem kleinen Tal in der westaustralischen Provinz getötet werden. Die Einwohner fürchten um ihre Existenz. Viele sind dabei, aufzugeben und wegzuziehen. Besser wird’s nicht. Doch Colin überlässt das Töten nicht den Amtstierärzten und erledigt das selbst. Mit Tränen in den Augen, denn die Bindung der Züchter an ihre Tiere ist eine Herzensangelegenheit. Doch Colin will den Behörden ein Schnippchen schlagen: Seine Lieblingstiere versteckt er bei sich im Haus. Als die mit ihm befreundete Tierärztin Kat (Miranda Richardson) davon Wind bekommt, muss sie es melden. Während in der Umgebung ein verheerender Waldbrand um sich greift, spitzt sich die Situation zu – und die Brüder finden wieder zueinander.

Da rammt sich was ins Bild

Der Film des australischen Regisseurs Jeremy Sims ist das Remake des isländischen Überraschungserfolgs Sture Böcke von 2015. Der Titel bezog sich durchaus nicht nur auf die Schafe, denn auch die beiden Brüder zeichnen sich im Original wie im Remake durch ihre Sturheit aus. So wird einmal mehr der englische Originaltitel Rams dem Thema gerechter als das an die alte Jack-Nicholson-Komödie Besser geht’s nicht erinnernde Besser wird’s nicht. Besser geht’s immer, möchte man da den deutschen Verleihern zurufen. Was natürlich vergeblich wäre.

Colin, gespielt von Sam Neill, trägt ein gefundenes Lamm über die Weide zu seinem Bruder.
Der Retter: Colin hat ein Lamm neben dem toten Mutterschaf gefunden. © Koch Films

Zum Glück blieb im Vorspann der Schriftzug des Originaltitels erhalten, was seinen Sinn hat. Denn nach ersten schmucken, von folkloristischer Musik unterlegten Bildern australischer Landschaften rammt sich zusammen mit dem Wörtchen „Rams“ formatfüllend ein Widderkopf in Großaufnahme ins Bild. Effektvoller lässt sich ein Titel kaum illustrieren und gleichermaßen ins Thema einführen.

„Aber Du bist die Schönste“

Überhaupt ist es vor allem die gelungene Bildsprache, die den in der Grundstimmung eher melancholischen Film zur Komödie werden lässt. Gleich in der ersten Sequenz führen uns Sims und sein Autor Jules Duncan in die Grundthematik von Besser wird’s nicht ein. Mit nur wenigen Bildern sagen sie alles aus – und das fast ganz ohne Dialog.

Colin sitzt in Besser wird's nicht mit verzweifelter Miene und einer Pistole in einem Stuhl, nachdem er seine Schafe getötet hat.
Verzweifelt: Colin hat seine Schafe selbst getötet. © Koch Films

Zunächst steht Colin auf der Weide vor seiner Herde, zeigt nacheinander auf seine Lieblingsschafe und sagt: „Du bist wunderschön. Du bist wunderschön. Aber Du bist die Schönste.“ Dann steht er vor einem Zaun, der die Bildmitte teilt. Rechts davon liegt die Farm seines Bruders. Von dort hört er ein Lamm blöken. Er klettert über die Barrikade und findet das Kleine hinter einem Steinhaufen neben der toten Mutter. Dann trägt er das Lamm zum Haus seines Bruders und geht weg. Les öffnet und sieht Colin verschwinden, der, ohne sich umzudrehen, mit dem Zeigefinger auf den Fundort weist. Das ist wahre Bruderliebe.

Subtile Situationskomik in Besser wird’s nicht 

Groteske Bilder verbunden mit den verschrobenen Charakteren ergeben herrliche Situationskomik. Mit leicht naturalistischem Anstrich, wenn die Züchter die Hoden der Böcke inspizieren, was angesichts anwesender Kinder peinlich berührte Blicke auslöst. Oder wenn die geretteten Schafe in ihrem Badezimmer-Exil in Colins Haus aus Badewanne und Kloschüssel trinken. Oder der Hausherr zusehen muss, wie er den Kot vor neugierigen Blicken verstecken kann.

Die Brüder treiben auf der Flucht ihre letzten Schafe über einen Strand.
Auf der Flucht: Die Brüder bringen ihre letzten Schäfchen ins Trockene. © Koch Films

Wenn Colin wie ein Peter Pan auf Speed mit der Spraydose durch die Wohnung flitzt, um bei Besuchen den Tiergeruch zu überdecken, ist das schon fast Slapstick. Doch der Witz von Besser wird’s nicht liegt glücklicherweise nicht in Klamauk und überspannten Wortgefechten, sondern fast ausschließlich auf der Ebene der Bildsprache. Und ist entsprechend wohltuend subtil.

Die hervorragenden Schauspieler tragen das Ihre zur gelungenen Dramödie bei. Sam Neill (Das Piano, Jurassic Park) zeigt als Schafzüchter mit Herzblut die ganze Gefühlspalette des leicht introvertierten Eigenbrötlers. Mal sorgenvoll, mal verletzlich, mal gewitzt. Und der bei uns nur durch einige TV-Serien wie Die Chaosfamilie eher wenig bekannte Michael Caton gibt einen wunderbar knorrig-störrischen Bruder. Der bei aller Verstocktheit aber ebenso große emotionale Tiefe besitzt. Miranda Richardson als britische Tierärztin steht den Beiden indes in nichts nach. Auch der übrige Cast ist passend besetzt. Die dörfliche Solidargemeinschaft kommt realitätsnah rüber, und selbst die Gags könnten vom wirklichen Leben geschrieben worden sein. Die gelungene Musik, die sich den jeweiligen Situationen thematisch perfekt anpasst, rundet das filmische Paket ab.

Colin und die Tierärztin Kate, gespielt von Miranda Richardson, stehen sich Besser wird's nicht in einem ernsten Gespräch gegenüber.
Nicht nur Freunde: Colin und die Tierärztin Kate (Miranda Richardson) geraten über die Schafsrettung in einen Konflikt. © Koch Films

Mein Fazit zu Besser wird’s nicht

Komödien sind oft Geschmackssache. Und wenn sie sich nur auf Schenkelklopferklamauk verlassen, geht das meist nach hinten los. Besser wird’s nicht ist da auf angenehme Weise ganz anders. Was auch an dem eigentlich gar nicht witzigen Thema liegt. Entsprechend melancholisch ist die Grundstimmung, aber ohne dabei auf den Magen zu schlagen. So erinnert der Film mit seiner subtilen Komik manchmal auch an die Sozialdramödien eines Ken Loach. Allerdings ohne deren analytische Tiefe zu erreichen. Angesichts der fast zweistündigen Laufzeit kommt mitunter etwas Leerlauf ins Spiel, aber das lässt sich verschmerzen. Besser wird’s nicht ist ein Feelgood-Movie der gehobenen Klasse – und nicht nur für Australienfans empfehlenswert. Das Bonusmaterial der Blu-ray bietet neben einigen knappen aber recht interessanten Kurzfeatures ein neunminütiges Interview mit Sam Neill. Darin verrät der Schauspieler nicht nur, dass er tatsächlich Schafe hält, sondern zeigt auch eine gute Portion ziemlich trockenen Humors.

Besser wird’s nicht ist am 22. April 2021 auf DVD, Blu-ray und digital erschienen. 

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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