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Beverly Hills Cop: Axel F

Jahrelang wurde über dieses Comeback spekuliert, dann machte Netflix das Rennen: Axel Foley ist zurück und damit Eddie Murphy in seiner Paraderolle. Kann das aber nach so vielen Jahren tatsächlich nochmal funktionieren?

Beverly Hills Cop: Axel F | Offizieller Trailer | Netflix

TitelBeverly Hills Cop: Axel F
Jahr2024
LandUSA
RegieMark Molloy
DrehbuchWill Beall, Tom Gormican, Kevin Etten
GenreKomödie, Action
DarstellerEddie Murphy, Joseph Gordon-Levitt, Taylour Paige, Judge Reinhold, John Ashton, Paul Reiser, Bronson Pinchot, Kevin Bacon
Länge118 Minuten
Altersempfehlungab 12 Jahren
VerleihNetflix
Poster zum neuen Teil der Reihe © Netflix

Darum geht’s in Beverly Hills Cop: Axel F

Detective Axel Foley (Eddie Murphy) meldet sich wieder in Beverly Hills zum Dienst. Als das Leben seiner Tochter (Taylour Paige) bedroht wird, tun sich die beiden mit einem neuen Partner (Joseph Gordon-Levitt) und Foleys alten Freunden Billy Rosewood (Judge Reinhold) und John Taggart (John Ashton) zusammen, um eine Verschwörung aufzudecken.

So muss Nostalgie!

Immer wieder wird versucht, nach etlichen Jahren in Form von Legacy-Sequels, richtigen Fortsetzungen oder Reboots erkaltete Fanherzen neu zu erwärmen. In seltenen Fällen gelingt dies. Nehmen wir beispielsweise Indiana Jones: schon zweimal kehrte Harrison Ford aus dem Abenteurer-Altenteil zurück, zweimal gelang es nicht ansatzweise an die Magie der zeitlosen Klassiker heranzukommen. Schlicht hat man hier seitens der Macher etwas verkannt, was tatsächlich die Trilogie ausgemacht hat – und dass dies mit einem gealterten, nicht mehr glaubhaft agilen Titelhelden nicht vereinbar ist. Zumindest hat man mit dem letztjährigen Teil  den Schaden in Grenzen gehalten, aber im Nachhinein bleibt doch ein leicht bitterer Beigeschmack betrachtet man die Reihe rückblickend als Ganzes.

Ähnlich verhält es sich mit Ghostbusters, wo der passenderweise Legacy betitelte Teil sogar die Essenz und das Herz des Originals in die Neuzeit transportieren konnte, ehe Frozen Empire uns schmerzhaft daran erinnerte, dass in den meisten Fällen rein die wirtschaftlichen Motive bei Wiederauflagen ursächlich sind.

Ob es nun im Fall von Axel F auch etwas mit dem schnöden Geld zu tun hatte, dass Eddie Murphy nach fast genau 30 Jahren in seine Paraderolle zurückgekehrt ist, sei dahingestellt. Wichtig ist, dass das Resultat, dass Netflix nun seinen Abonnenten serviert, ein weiterer Ausnahmefall ist, der die Regel bestätigt. Denn der vierte Teil der Cop-Comedy schafft es tatsächlich genau die richtige Balance zu treffen aus dem Erzeugen von Nostalgie-Gefühlen und einer glaubhaften Rechtfertigung dafür, dass es dieses Comeback irgendwie gebraucht zu haben scheint.

Meine filmische Sozialisierung mit Eddie Murphy

Vielleicht ist an dieser Stelle ein kleiner Disclaimer noch hilfreich: Als Kind (Jahrgang 1993) war ich ein gigantischer Fan von Eddie Murphy, Dr. Dolittle war einer meiner ersten Kinofilme, Der verrückte Professor hat mich als Kind etliche Lachanfälle gekostet und selbst die etwas älteren Filme mit dem dynamischen Großmaul, also auch die Beverly Hills Cop-Trilogie, hab ich bereits in jungen Jahren bei TV-Ausstrahlung rauf und runter geschaut. Erst ab einem gewissen Alter fiel mir dabei auf, wie schlecht tatsächlich der dritte Beverly Hills Cop objektiv betrachtet ist, aber selbst heute kann ich dem Teil noch etwas abgewinnen. Ich liebe Murphys Humor, sowohl die Wortgewandtheit als auch speziell seine Art sich in jeder Situation wie ein aufgeputschter Gockel aufzuspielen und so immer wieder den Tag zu retten.

Natürlich war auch mir dann schmerzhaft um die Jahrtausendwende herum schon aufgefallen, dass der Comedian immer seltsamere Karriereentscheidung traf, sich in unsäglichen Projekten wie Norbit oder Pluto Nash nicht nur unter Wert verkaufte, sondern gar riskierte seine ganze Reputation zu ruinieren. Ich hatte meinen Glauben fast verloren, doch dank Dreamgirls und einige Jahre später Dolomite is my Name gab es immer wieder zarte Erinnerungen an das herausragende Talent, das eben nicht rein die Komik sondern auch die Schauspielerei betrifft. Nichtsdestotrotz hatte ich lange Zeit ein mulmiges Bauchgefühl während des alljährlichen Rewatches der Beverly Hills Cop-Reihe im Bezug auf das seit Jahrzehnte herumgeisternde Sequel-Gespenst. Die Trailer waren dann auch noch keine Brustlöser, aber bereits die ersten 20 Minuten von Axel F genügten, um mein Retro-Herz voll zu erwecken und sämtliche Skepsis wegzublasen.

Murphy ist zu alt für den Scheiß, aber weiß das zum Glück auch.

Was macht nun also Axel F anders beziehungsweise besser als so viele Rückkehrer? Nun in erster Linie ist es das Gefühl, das die Ur-Filme ausgemacht hat, das in der späten Fortführung durch den Gebrauch der exzellent konservierten Ingredienzien wiederaufleben darf – bei gleichzeitigem respektvollem Umgang mit den veränderten Umständen seit dem letzten Part. So ist Axel F nun eben kein weiterer reiner Nostalgietrip, der rein auf das „Weißt du noch?“ setzt, sondern wird durch die fantastisch funktionierende Einführung junger Figuren in der Interaktion mit den Altbekannten zu einem eigenständigen Werk.

Eddie Murphy weiß, dass er nicht mehr glaubwürdig in Handgemenge und Zu-Fuß-Verfolgungsjagden agieren kann, die Action ist dann dementsprechend auf die Agilität des Protagonisten angepasst worden. Die Auto-, Schneepflug-, Lastwagen-, Heli-Verfolgungsjagden sind zwar nicht der absolute Action-Bombast, aber dass man hier viel praktisch gedreht hat, sorgt für eine leider immer seltener werdende Form der Immersion.

Überhaupt fühlt sich hier vieles irgendwie auf die gute Art und Weise anachronistisch an: Die Musik wird genauso eingesetzt wie schon in den Achtzigern, die Action-Choreografie könnte ebenfalls aus den Neunzigern stammen und der ein oder andere Gag ist auch eigentlich nicht mehr taufrisch – passt aber gerade deswegen so gut in das Gesamtkonzept dieses Film. Dreh- und Angelpunkt ist selbstverständlich Eddie Murphy als Sprücheklopfer in einer Collegejacke, mit der er nur allzu deutlich markiert, dass er sich vor dem Altern fürchtet. Doch der Film nimmt sich zwischen all den gelungen lustigen Szenen und dem soliden, wenn auch extrem vorhersehbaren Fall, immer wieder kurze Momente heraus, um auf emotional funktionierende Weise zu zeigen, dass auch an einem Axel Foley das Alter nicht spurlos vorübergeht.

Anspielungen, Chemie und Teamwork

Es ist wirklich ein hoher Verdienst der Produktion, hier nicht nur Murphy sondern quasi die ganze alte Crew zurückholen konnte, inklusive Bronson Pinchot als Serge. Klar kann man es als überkonstruiert bezeichnen, wie die Charaktere hier wieder zusammengeführt werden, aber wie gesagt, ist es nicht die Originalität oder Raffinesse im Skript, die den Film empfehlenswert macht. Es ist dann zum Beispiel das wirklich starke Zusammenspiel zwischen Murphy und seiner entfremdeten Filmtochter, gespielt von Taylour Paige, die man beiden vollkommen abkauft. Wenn tatsächlich auch der nimmer-Mund-müde Foley irgendwann mal nur noch schweigt, dann muss man als Fan der Reihe und der Figur schon mal kurz schlucken.

Doch nicht nur die Rolle von Jane ist stark geschrieben, auch Kevin Bacon als bewusst platter Antagonist macht Spaß. Und dass das Trio aus Murphy-Reinhold-Ashton durch das fortschreitende Alter nochmal eine neue Facette bei gleichzeitig zeitloser Chemie bekommt, dürfte auch niemanden überraschen. Last but not least ist es dann aber als i-Tüpfelchen der respektvolle Umgang mit dem ikonischen Theme, das immer wieder fantastisch eingebaut, in einer entscheidenden Szene dann sogar geremixed wird, der diesen Retro-Trip fast perfekt macht. „Fast“, weil das Ende dann doch eher etwas unterwältigend daherkommt und das Finale nicht wirklich Fallhöhe und Wucht hat. Doch das ist bei der Liebe, mit der alle Beteiligten bei der Sache waren zu verschmerzen.

Und nebenbei…

… gelingt es Axel F sogar in kleinen Szenen auf unerwartet smarte Weise den Californian-Way-of Life in seiner Absurdität zu entlarven und die Scheinwelt der Reichen und Schönen ein Stück weit zu entmystifizieren. Es ist nicht on the nose, was man hier in Sachen Meta-Kommentierung betreibt und es bricht zum Glück auch nicht mit der alles in allem ernst gemeinten Story. Dennoch muss man beispielsweise permanent schmunzeln, wenn Axel nach etlichen Jahren wieder in Beverly Hills aufschlägt und die ein oder andere Eigenart und Skurrilität entdeckt und auf seine unnachahmliche Weise reagiert.

Das Trio infernale wiedervereint © Netflix

Unser Fazit zu Axel F

Das fieseste Kompliment, das man dem Film wohl machen kann: Axel F ist wahrscheinlich der beste Netflix-Film des Jahres bisher und das gerade weil er absolut nicht wie ein Netflix-Film daherkommt, sondern wie aus einer Zeitkapsel, die im Jahr 1998 vergraben und im Jahr 2024 wieder ausgebuddelt wurde. Natürlich muss man die Reihe mögen, sonst wird auch hier der Humor Murphys eher nur die Augen verdrehen lassen. Aber dieses Legacy-Sequel hat das Herz am rechten Fleck, macht Spaß und ist weit davon entfernt, das Vermächtnis einer Reihe zu beschmutzen.

Axel F ist ab dem 3. Juli 2024 bei Netflix abrufbar.

Unsere Wertung:

 

 

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© Netflix

Jan Werner

Daheim in Oberfranken und in nahezu allen Film- und Serienfranchises, schaut Jan mehr als noch als gesund bezeichnet werden kann. Gäbe es nicht schon den Begriff Serienjunkie, er hätte bei über 200 Staffeln im Jahr für ihn erfunden werden müssen.

Doch nicht nur das reine Konsumieren macht ihm Spaß, das Schreiben und Sprechen über das Gesehene ist mindestens eine genauso große Passion. Und so ist er inzwischen knapp fünf Jahre bei Filmtoast an Bord und darf hier seine Sucht, ähm Leidenschaft, ausleben. Die wird insbesondere von hochwertigen HBO- und Apple-Serien immer wieder aufs Neue angefacht und jeder Kinobesuch hält die Flamme am Lodern.

Es fällt Jan, wie ihr euch bestimmt wegen der Masse an Geschautem vorstellen könnt, schwer, Lieblingsfilme, -serien oder auch nur Genres einzugrenzen. Er ist und bleibt offen für alles, von A wie Anime bis Z wie Zack Snyder.

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