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Christina Ochoa als Grace steht in "Blood Drive" blutbespritzt und in einem blauen Kleid über der Leiche eines Mannes. Sie hält einen spitzen Metallstab in der Hand und im Hintergrund ist ihr rotes Auto zu sehen.

Blood Drive (Staffel 1)

Seit kurzem ist die 2017 nach nur einer Staffel eingestampfte Retro-Grindhouse-Serie Blood Drive hierzulande im Heimkino erhältlich. Ob mangelnde Qualität für die Absetzung verantwortlich war, werde ich im Folgenden ergründen.

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TitelBlood Drive
Jahr2017
LandUSA
RegieDavid Straiton, James Roday, Roel Reiné, Lin Oeding, Meera Menon, Gregg Simon
DrehbuchJames Roland, Marc Halsey, Nina Fiore, John Herrera, Harrison Weinfeld, Daniel Zucker, Ben Wolf, John Hlavin, Alex Ebel
GenreSerie, Sci-Fi, Horror, Action, Thriller
DarstellerAlan Ritchson, Christina Ochoa, Thomas Dominique, Marama Corlett, Colin Cunningham, Natalie Mendoza, Andrew Hall, Alex McGregor, Darren Kent, Sean Cameron Michael, Craig Jackson, Jenny Stead, Brandon Auret, Hlubi Mboya, Martyn Ford
Länge13 Folgen zu je 43 Minuten
FSKab 18 Jahren freigegeben
Verleihjustbridge entertainment
Das Cover der Blu-Ray von "Blood Drive" mit den Protagonisten im Zentrum des Bildes und einem Auto in einer postapokalyptischen Landschaft.
Das Blu-ray-Cover von “Blood Drive – Staffel 1”. © justbridge entertainment

Die Handlung von Blood Drive

Wir schreiben die Zukunft des Jahres 1999: die USA wurden durch einen durch Fracking verursachten Riss in zwei Hälften geteilt. Wasser und Benzin sind zu knappen Gütern geworden. In diesem immer weiter auseinanderfallenden Land geht die Polizei mit zunehmender Brutalität gegen die Bürger vor. Eine Ausnahme stellt der gutmütige LAPD-Beamte Arthur Bailey (Alan Ritchson) dar, der mit seinem Partner Christopher Carpenter (Thomas Dominique) die Spur einer neuartigen Droge verfolgt. Als beide ein vorgeblich verlassenes Lagerhaus durchsuchen, wird Arthur von einer Gang überwältigt und gezwungen, beim dort startenden Blood Drive teilzunehmen; einem Autorennen quer durch die USA. Das Besondere: die Wagen werden dabei nicht mit Benzin, sondern menschlichem Blut angetrieben. Arthur ist nun der unfreiwillige Mitfahrer der Teilnehmerin Grace d’Argento (Christina Ochoa), die mit dem Preisgeld ihre Schwester Karma (Alex McGregor) aus einer Psychiatrie holen will.

Da man allen Teilnehmern des Rennens Chips in den Hinterkopf injiziert hat, die ihnen Elektroschocks verpassen, wenn sich zwei Partner zu weit voneinander entfernen, ist eine Flucht unmöglich. Arthur und Grace raufen sich zusammen und müssen unterwegs u.a. gegen Kannibalen, lichtscheue Mutanten, die wild gewordenen Insassen einer Irrenanstalt und kampflustige Amazonen antreten. Gleichzeitig versucht Julian Slink (Colin Cunningham), der Schöpfer des Blood Drive, dieses der Chefetage des Konzerns Heart Enterprises als Fernsehshow schmackhaft zu machen. Christopher unterwandert derweil diese übermächtige Organisation, indem er als Sicherheitsmann anheuert und verliebt sich dabei in den weiblichen Sexroboter Aki (Marama Corlett).

Blood Drive – eine blutige Grindhouse-Hommage

Blood Drive versteht sich vor allem als Hommage an die sogenannten Grindhouse-Kinos der späten 60er und der 70er und 80er Jahre, in denen billig runtergekurbelte, sexuell zeigefreudige und äußerst blutige Exploitationfilme sehr erfolgreich liefen. 2007 hatten Robert Rodriguez und Quentin Tarantino mit ihrem Double-Feature, bestehend aus Planet Terror und Death Proof, bereits eine Verbeugung vor diesem Filmzweig in die Kinos gebracht. Serienschöpfer James Roland, der auch die Purge-Serie produzierte, entwickelte für den amerikanischen Sender SyFy ein Konzept, das viel von der von Roger Corman begründeten DeathRace-Reihe übernimmt. Es geht um ein Hochgeschwindigkeits-Rennen, bei dem keinerlei Rücksicht auf Passanten und die Umgebung genommen wird. Gleichzeitig ist jede Folge im Stil eines anderen typischen Exploitation-Subgenres gehalten.

Christina Ochoa als Grace d'Argento, die auf dem Beifahrersitz eines Autos sitzt und einen Lolli in der Hand hält, blickt Alan Ritchson als Arthur Bailey an, der neben ihr sitzt und auf die Straße schaut in "Blood Drive".
Grace d’Argento (Christina Ochoa) und Arthur Bailey (Alan Ritchson) sind Partner wider Willen. © justbridge entertainment

So treffen die Protagonisten in der zweiten Episode beispielsweise auf Kannibalen, die ihren nichtsahnenden Gästen Menschenfleisch servieren, ganz ähnlich wie im Texas Chainsaw Massacre oder Blood Diner. In der dritten Episode sind die Gegner vampirähnliche Mutanten in einer postapokalyptischen Stadt, die an die verschiedenen Verfilmungen von Richard Mathesons Roman I Am Legend erinnern. Eine Psychiatrie, die von ihren Patienten übernommen wurde, wie in Folge 4 tauchte so auch häufiger in psychologischen Horrorfilmen und Thrillern der 70er Jahre auf. Leicht bekleidete Amazonen, Sex-Zombies ähnlich denen aus David Cronenbergs Shivers und tödliche Cyborgs verweisen auf weitere typische Sujets des Exploitationkinos.

Eine Serie voller Anspielungen

Dazu gibt es, über die ganze Serie verteilt, immer wieder Anspielungen auf einschlägige Klassiker des Action-, Horror- und Science-Fiction-Genres wie Mad Max oder Terminator. Einzelne Episoden brechen zudem auch aus dem Inszenierungsschema der Serie aus. So ist Folge 8 beispielsweise im Stil eines Italowesterns gehalten und die darauf folgende Episode besteht fast vollständig aus einem psychedelischen Trip, der deutlich von Alejandro Jodorowskys Kultfilm El Topo inspiriert ist. Auch die Pre-Credits-Sequenzen heben sich voneinander und vom Rest der Serie ab. So kommt der Anfang von Folge 4 als satirischer Werbespot über extrem süchtig machende Schokoriegel daher. Und Episode 5 beginnt als Parodie auf Schwarzweiß-Sitcoms der 60er Jahre, um dann plötzlich einen Schwenk zu Zombiefilmen wie George A. Romeros Die Nacht der lebenden Toten zu vollziehen.

Ansonsten sind sich die meisten Folgen von Blood Drive stilistisch allzu ähnlich. Eine oft ins Bräunliche gehende Farbpalette, sterile, grünliche Sets in den Szenen im Heart-Enterprises-Tower und häufige, abrupte Schnitte, die Werbepausen signalisieren sollen, sorgen für Kontinuität. Mit künstlich erzeugtem Filmkorn wird dazu versucht, eine überzeugende Grindhouse-Atmosphäre zu transportieren. Darin sind die Macher allerdings weniger erfolgreich. Letztlich ist Blood Drive zu sehr von einer digitalen Hochglanzoptik geprägt, als dass die Serie als authentische Produktion aus der Zeit durchgehen könnte, der sie Tribut zollt. Woran auch die eindeutig als solche erkennbaren CGI-Animationen ihren Anteil haben, die häufig für Stadt- und Landschaftsansichten verwendet werden. Immerhin sind Make-Up, Kunstblut und Gore-Effekte löblicherweise handgemacht.

Christina Ochoa als Grace steht in "Blood Drive" blutbespritzt und in einem blauen Kleid über der Leiche eines Mannes. Sie hält einen spitzen Metallstab in der Hand und im Hintergrund ist ihr rotes Auto zu sehen.
Grace betankt ihr Auto mit dem Blutunglücklicher Passanten. © justbridge entertainment

Probleme: kein wirklich originelles Konzept und eine kaum spannende Handlung

Ihrem Titel wird Blood Drive eindeutig gerecht: hier geht es sehr blutig zu. Allerdings mangelt es an wirklich einfallsreichen Elementen. Die Idee eines Autos, das nicht mit Benzin sondern Blut betrieben wird, ist beispielsweise kein bisschen neu. Ein solches tauchte schon 1986 in der tschechischen Horror-Satire Der Autovampir auf. Ein ähnliches Konzept verwendeten auch die schwarze Komödie Blood Car aus dem Jahr 2008 und der australische Horrorfilm Road Kill. Auch die den Rennteilnehmern unter die Haut gepflanzten Elektroden, die verhindern sollen, dass sich Partner zu weit voneinander entfernen und den Kopf des Verlierers zum Platzen bringen, erinnern doch sehr an die explodierenden Halsbänder aus Wedlock mit Rutger Hauer.

Hinzu kommt, dass die Story nicht über die komplette Laufzeit der Serie zu fesseln vermag. Die beginnende Romanze zwischen den beiden gegensätzlichen Protagonisten, die sich anfangs noch verachten, wird zwar glaubwürdig, aber vorhersehbar erzählt. Bei den Nachforschungen des Charakters Christopher tritt die Handlung dazu viel zu lange auf der Stelle. Zwar hält jede Folge einigermaßen gelungene Gags bereit, aber die Geschichte an sich will einfach keinen richtigen Reiz entwickeln. Wenn man am Ball bleibt, dann eher wegen der schrägen Geschehnisse, derben Action und detailreichen dystopischen Welt.

Colin Cunningham steht als Julian Slink in "Blood Drive" in Frack und mit Zylinder auf dem Kopf grinsend vor einem Haus und hebt die Hand.
Der zwielichtige Julian Slink (Colin Cunningham) zieht im Hintergrund die Fäden. © justbridge entertainment

Eine illustre, aber nicht durchgängig überzeugende Besetzung…

Auch der Cast hinterlässt einen eher durchwachsenen Eindruck. Alan Ritchson, der zuvor die Smallville-Version von Aquaman darstellte, ist als aufrechter Hauptcharakter leider ziemlich blass. Auch Newcomerin Christina Ochoa als anfangs rücksichtslose Kämpferin ist leider zu profillos, als dass ihre Figur im Verlauf der Serie interessant wird. Colin Cunningham, bekannt aus Stargate und Falling Skies, spielt hingegen richtig auf. Seine Rolle des durchtriebenen Julian Slink dominiert jede Szene, in der er auftritt. Dieser diabolische Trickster-Charakter, der in immer anderer Verkleidung auftritt, ist definitiv die interessanteste Figur von Blood Drive. Und Marama Corlett, die zuvor kleinere Rollen in Maleficent und Guardians Of The Galaxy hatte, kann als Maschine mit Herz ebenfalls auftrumpfen. Wogegen der kaum bekannte Thomas Dominique als Polizist, der zum Cyborg wird, unscheinbar bleibt.

Die Darsteller der restlichen Rennteilnehmer und ihre Figuren bekommen leider zu wenig Raum zugewiesen. Im Gedächtnis bleibt zumindest der südafrikanische Schauspieler Brandon Auret als Nemesis von Arthur Bailey. Ebenso wie der britische Theaterdarsteller Andrew Hall als aalglatter “Gentleman” und Darren Kent als dessen von ihm ausgenutzter Gehilfe. Die originellsten Rollen verkörpern wohl Craig Jackson und Jenny Stead. Diese sind als psychopathisches Serienkiller-Ehepaar zu sehen. Ansonsten ist bei den meisten Figuren nur wenig Abwechslungsreichtum vorhanden. Zumal die restlichen Fahrer oft nur für wenige Sekunden vor die Kamera treten.

Brandon Auret als "Rib Bone" hält Christina Ochoa als Grace d'Argento in "Blood Drive" im Würgegriff.
Der brutale “Rib Bone” (Brandon Auret) bringt Grace in seine Gewalt. © justbridge entertainment

…mit einigermaßen prominenten Gästen

Ansonsten haben andere, mehr oder weniger bekannte, Akteure ebenfalls Auftritte in Blood Drive. Den rücksichtslosen CEO von Heart Enterprises stellt beispielsweise der häufig in Nebenrollen anzutreffende südafrikanische Darsteller Sean Cameron Michael dar. Dieser war passenderweise im zweiten Sequel zum 2008er Remake von Death Race zu sehen. Diese Fortsetzung wurde von Roel Reiné inszeniert, der auch bei einigen Folgen von Blood Drive Regie führte. Der Bodybuilder und MMA-Kämpfer Martyn Ford hat in Folge 7 einen Auftritt als blutrünstiger Dämon. Hlubi Mboya, eine weitere Darstellerin aus dem dritten Death Race-Film, ist in der vorherigen Episode als Anführerin der Amazonen zu sehen. Und in drei Episoden tritt außerdem die aus The Descent bekannte Natalie Mendoza als schnippische Ressortleiterin des Konzerns auf. Leider wird ihre Figur aber entfernt, bevor sie richtig interessant werden kann.

Meta-Spielereien, Zensur und Musik in Blood Drive

Und das ist auch das Hauptproblem der Serie: sie hat viele gute Ansätze, vertieft diese aber nicht. Sie ist so vollgestopft mit Querverweisen und Zitaten, dass darüber das funktionierende Ganze aus dem Blick verloren wurde. Als Beispiel dafür sei eine nur halbherzig umgesetzte Meta-Ebene genannt. Dadurch, dass der Charakter des Julian Slink sein Rennen auch innerhalb der Handlung zu einer Fernsehshow machen will, kommentiert sich die Serie praktisch selbst. Er und die Chefetage des Konzerns streiten sich fortwährend über die Figuren, auf denen der Hauptfokus liegen soll und den Fortgang der Handlung. Diese selbstironische Spielerei wird jedoch nach wenigen Folgen fallen gelassen.

Der muskelbepackte, kahlköpfige Dämon Denali (Martyn Ford) steht in "Blood Drive" vor einem Zelt und hält ein abgetrenntes Bein in den Händen.
Die Teilnehmer des “Blood Drive” bekommen es auch mit dem Dämon Denali (Martyn Ford) zu tun. © justbridge entertainment

Eine eher fragwürdige Entscheidung der Macher war es zudem, in Szenen mit Nacktheit die eindeutigen Körperpartien durch schwarze Balken zu zensieren. Ob dies möglicherweise vom produzierenden Sender veranlasst wurde, lässt sich nicht sagen. Jedenfalls ist diese wohl absichtlich plumpe Zensur anfangs noch ganz lustig, im weiteren Verlauf läuft sich dieser Gag jedoch tot. Der Soundtrack von Blood Drive macht immerhin ordentlich Laune. So ist eine Verfolgungsjagd zu Beginn der sechsten Episode beispielsweise mit dem Hard-Rock-Klassiker “Bad Reputation” von Joan Jett unterlegt. In mehreren Szenen, in denen Showmaster Julian Slink vor sein Publikum tritt, ertönen hingegen verschiedene Lieder von Marilyn Manson. Freunde der härteren Musik kommen so eindeutig auf ihre Kosten.

Funktioniert Blood Drive als Hommage an das Exploitationkino?

Insgesamt bleibt bei Blood Drive ein zwiespältiger Eindruck. Das Konzept an sich ist vielversprechend und das bei jeder Folge wechselnde Motto sorgt für Abwechslung. Aber die Geschichte kann einfach keinen Sog entwickeln und endet eher unbefriedigend. Dies dürfte mit ein Grund dafür gewesen sein, dass SyFy die Serie nach nur einer Staffel absetzte. Das Finale lässt immerhin nicht allzu viele offene Fragen und kann als passender Abschluss gelten. Allerdings fragt man sich am Ende auch, ob nicht ein einziger 90-minütiger Film mit der gleichen Prämisse viel unterhaltsamer gewesen wäre. Zumal sich wegen der Digitaloptik nur selten eine richtige Grindhouse-Atmosphäre einstellen will.

Marama Corlett als Aki steht in einem blau beleuchteten Raum mit Metallwänden zwischen zwei leblosen Männern, die auf Eisenstangen liegen und an von der Decke herabreichenden Schläuchen hängen. Im selben Raum steht Thomas Dominique als Christopher Carpenter in "Blood Drive" und blickt sie an.
Arthurs Kollege Christopher (Thomas Dominique) gerät in den Bann der mysteriösen Androidin Aki (Marama Corlett). © justbridge entertainment

Wesentlich überzeugender in seinem Rückgriff auf 80er-Jahre-Exploitation-Ästhetik war beispielsweise Turbo Kid mit Michael Ironside. Selbiger verwendete ebenfalls den Gag, dass die Handlung in einer, zur Entstehungszeit der meisten Grindhouse-Filme, noch fernen Zukunft zu Beginn des neuen Jahrtausends angesiedelt ist. Wer eine spaßige Grindhouse-Hommage mit nostalgischem Retro-Charme sehen will, ist mit diesem Film und dem ähnlichen Bounty Killer besser bedient. Oder man schaut sich gleich das Tarantino/Rodriguez-Double-Feature, Rodriguez’ Machete und Jason Eiseners Hobo with a Shotgun an. Blood Drive hat zwar wie diese Filme auch sehr witzige Momente zu bieten, ist letztlich aber zu lang und zu unausgegoren.

Blood Drive ist seit dem 14. August 2020 auf DVD und Blu-ray von justbridge entertainment erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

 

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