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Bewaffnete Mädchen posieren vor rotem Hintergrund

Book Of Monsters

Regisseur Stewart Sparke liefert mit Book Of Monsters einen Film ab, der die Tradition klassischer Splatterkomödien aufleben lassen möchte.

Titel Book Of Monsters
Jahr 2018
Land Großbritannien
Regie Stewart Sparke
Drehbuch Paul Butler
Genre Horror, Komödie
Darsteller Lyndsey Craine, Michaela Longden, Lizzie Aaryn-Stanton, Daniel Thrace, Rose Muirhead, Anna Dawson, Steph Mossman, Dave Jameson
Länge 84 Minuten
FSK ab 16 Jahren freigegeben
Verleih Tiberius Film
Bewaffnete Mädchen posieren vor rotem Hintergrund und vor dem Schriftzug Book Of Monsters
Das Cover der deutschen Blu-ray. | BOOK OF MONSTERS © Tiberius Film

Splatterfilme schockieren das Publikum schon seit vielen Jahren: Angefangen mit Herschell Gordon Lewis’ Blood Feast von 1963 über exzessive Gewalteskapaden eines Lucio Fulci in den 80er Jahren hin zu gegenwärtigeren Regisseuren wie Olaf Ittenbach oder dem im vergangenen Jahr verstorbenen Ryan Nicholson.

Dabei hat sich der reine Splatterfilm zu einem Nischenprodukt entwickelt, welches seine Brutalitäten in Subgenres wie Torture Porn oder Sickos versucht, noch weiter zu steigern. Allgemeinverträglicher sind da schon eher die Filme des Funsplatter-Untergenres. Mittels komödiantischer Darstellung ist die gezeigte Gewalt nur noch ein grotesk übersteigerter Witz, der das Publikum durch Lach- und weniger Kotzkrämpfe in seinen Bann zieht.

König dieser Disziplin bleibt wohl auf alle Zeit Peter Jacksons Frühwerk Braindead. Publikumslieblinge wie Shaun Of The Dead oder die norwegischen Hits um Dead Snow erfreuen den geneigten Fan aber auch im neuen Jahrtausend mit literweise Kunstblut und humoristischem Touch. Kurioserweise findet sich eine Vielzahl der Vertreter im Milieu der wandelnden Untoten wieder. Doch auch in anderem thematischen Umfeld wird mit Spaß gesplattert, wie beispielsweise die japanischen Grotesken Noboru Iguchis (The Machine Girl oder Tokyo Gore Police) beweisen.

Das Book Of Monsters

Schon Ash und seine Bande an Freunden haben 1981 bei Tanz der Teufel gelernt: Aus okkulten Büchern in fremder Sprache liest man besser nicht, wenn einem das Leben lieb ist. Eine ungeschriebene Regel des Horrorkinos besagt aber nun einmal, dass irgendein Dussel die Beschwörungsformel verliest und damit das Unheil über der Welt niedergeht. Im Falle von Sophies (Lyndsay Craine)) 18. Geburtstagsfeier ist das ein eh schon bösartiges Ding – vorerst in verführerischer Menschengestalt -, was mittels monströser Kameraden die arme Sophie unter die Erde bringen möchte…

Independent in der Finanzierung

Not, bei Künstlern insbesondere die finanzielle, macht bekanntlich erfinderisch. Das hat vor nicht allzu langer Zeit bereits Dave Made A Maze eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Auch Book Of Monsters musste durch vergleichsweise kleines Budget, von etwa 150.000 britischen Pfund (davon ein knappes Drittel über Kickstarter finanziert) ist die Rede, mit Einschränkungen kämpfen. Stichwort Kickstarter-Kampagne: Die Backer konnten über diverse Gegebenheiten abstimmen, beispielsweise welches Erscheinungsbild die Monster besitzen sollen oder den Todesumstand eines Partygastes.

Die Schauplätze fallen begrenzt und wenig überraschend aus. Ein bisschen Wald, ein bisschen Schule und viel Wohnhaus, fertig sind die gängigen Umgebungen für eine Story rund um junge Erwachsene. Dafür fackelt der zweite Langfilm von Regisseur Sparke nicht lang und dem ersten Partygast wird schon nach knappen zwanzig Minuten der Ober- vom Unterkörper gerissen. Die Effekte präsentieren sich dabei ehrlich handgemacht, schwanken in ihrer Qualität aber doch sehr stark. Wenn prostethics deutlich nach Faschingsladen aussehen, schmälert das doch etwas den blutigen Spaß. Andererseits sorgten die offensichtlichen SFX sicherlich für die Jugendfreigabe seitens der FSK.

Dennoch: Pappmaché und Kunstblut sorgen für heiteren nostalgischen Charme, auch wenn die gebotenen Enthauptungen, Entweidungen und sonstige Martyrien, dem (Amateur)Splatter gestärkten Publikum wenig Neues zu bieten zu haben. Es lassen sich, neben dem titelgebenden Buch, allerlei Reminiszenzen an Klassiker des Genres erblicken. Gartenzwerge, hier in besonders grantiger Form, erinnern beispielsweise an Peter Jacksons Garten- und Rasenmäherdrama. Das „Nest“ im Badezimmer bietet Parallelen an die Speisekammern und Brutstätten der Xenomorphen der Alien-Reihe. Einzig der zu glatte, saubere Look trübt die nostalgische Verklärung. Ein bisschen mehr Korn, ein bisschen mehr Rauschen hätte noch deutlicher an „die gute alte Zeit“ erinnert. Allerdings ist Book Of Monsters kein ironiebefreiter Horrorschocker, sondern leicht verdaulicher Partyspaß, dem die helle Optik gut zu Gesicht steht.

…und im Schauspiel

Entsprechend vorhersehbar gestalten sich die Figuren, die vor Klischees übergehen. Die Pseudo-Coolen, die Introvertierten, die Extrovertierten, die Jungfrau – alles schon einmal da gewesen und so auch auf Sophies Party. Nennenswerter Unterschied dabei: Sparkes wählt eine weiblich Sichtweise. Das Haupt-Trio besteht ausnahmslos aus Damen, wohingegen die auftretenden Kerle entweder prompt zu Monsterfutter degradiert werden, notgeil oder einfach nur dämlich-unsympathisch sind. Es obliegt somit der holden Weiblichkeit, für Zunft und Ordnung zu sorgen und die monsterhafte Brut wieder dorthin zu prügeln, wo sie herkam.

Doch ganz egal, ob Mann oder Frau. Die Schicksale der Protagonisten könnten egaler nicht sein. Zwischen den Attacken der Monster stehen Dialoge zwischen den Figuren an, die nicht gerade vor Originalität  und Einfallsreichtum strotzen. Die Schauspieler vollbringen ihre Darbietungen routiniert, aber auch nicht mehr. In Erinnerung bleibt nach dem Abspann keiner der Recken. Die Wehrhaftigkeit der Heldentruppe bewährt sich Richtung Finale zusehends – wenn mit Kettensäge und Feueraxt den Monstern zu schleimigen oder insektoiden Leibe gerückt wird, bereitet das durchaus Spaß. In der Summe präsentiert sich das Finale selbst aber wenig dramatisch oder spektakulär. Passend zum flotten Einstieg fackelt der Film auch im weiteren Verlauf nicht lange. Mit knappen 80 Minuten Nettolaufzeit ist der Spaß im steten Fluss und langweilt nicht.

Zu einer Horror- oder Splatterkomödie sollte neben dem obligatorischen Blutzoll natürlich auch der Humor nicht zu kurz kommen. Dieser ist, wie so vieles im Leben, natürlich Geschmackssache. Wer sich bei Book Of Monsters dank britischer Herkunft Lacher der Klasse Monthy Python erhofft, wird leider enttäuscht. Hier kommt dieser oft zu flach daher, wird aber sicherlich dem ein oder anderen dennoch einen Schmunzler entlocken.

Mehr vom Gleichen, aber sympathisch: Book Of Monsters

Book Of Monsters ist seit Ende Dezember des letzten Jahres schon digital verfügbar, auf Scheibe hat es der Streifen mit einer Woche Verzögerung ab dem 02.01.2020 geschafft. Außer Trailern findet sich hier leider nichts bei den Extras, wobei Einblicke in die Kostüme und Make-Ups sicherlich interessant gewesen wären.

Wer ein Freund der eingangs erwähnten Filmen ist, kann sicherlich einen Blick riskieren. Man muss sich jedoch damit abfinden, dass Book Of Monsters das Splatterrad nicht neu erfindet. Dafür besticht seine altmodische Ader hinsichtlich der Masken und Effekten und lässt insgesamt einen sympathischen Eindruck zurück. Wer sich also nostalgisch unterhalten möchte, kann seine Durststrecke hiermit überbrücken – denn Funsplatter kann es eigentlich nie genügend geben.

Unsere Wertung:

 

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© Tiberius Film

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