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Vore und Tina stehen sich gegenüber in Border © capelight pictures

Border

Im skandinavischen Film Border muss die Zollbeamtin Tina erkennen, dass sie sich selbst am wenigsten zu kennen scheint. Regisseur Ali Abbasi erzählt ein märchenhaftes Drama über Liebe, Selbstfindung und Geschlechterrollen.

TitelBorder (OT: Gräns)
Jahr2018
LandSchweden, Dänemark
RegieAli Abbasi
DrehbuchAli Abbasi, Isabella Eklöf, John Ajvide Lindqvist
GenreFantasy, Romanze, Drama
DarstellerEva Melander, Eero Milonoff, Jorgen Thorsson, Ann Petrén,
Sten Ljunggren
Länge110 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihCapelight
Eva Melander mit einem Fuchs auf einer Lichtung © capelight pictures
Das offizielle Plakat zu Border © capelight pictures

Wer bin ich? Die Hauptfigur von Border

Das Drehbuch zu Border stammt ursprünglich wie So finster die Nacht aus der Feder des Schriftstellers John Ajvide Lindqvist, ehe es Regisseur Ali Abbasi sowie Isabella Eklöf weiter ausarbeiteten. Dabei erzählt dieser Film ebenso wie der Vampirhorrorhit, der 2008 erschien und mit Let Me In auch ein US-Remake erhielt, von einer Außenseiterin am Rande der Gesellschaft. Die Protagonistin Tina (Eva Melander) empfindet sich aufgrund ihrer ungewöhnlichen Gesichtspartie als missgebildet und hässlich. Kontakte zu anderen pflegt sie kaum, sie lebt zwar zusammen mit Roland (Jörgen Thorsson) in einem eigenen Haus, doch erfährt kaum Beachtung. Auch ihre Beziehung zu ihrem Vater, der in einem Pflegeheim betreut werden muss, ist nicht die beste. Wirkliche Freunde und Vertrauenspersonen hat sie im Endeffekt nicht an ihrer Seite.




Ihren Lebensunterhalt verdient sich Tina beim Zoll im Hafen, wo sie täglich Einreisende von der Schiffsfähre in Augenschein nimmt. Hier zeigt sie besonderes Gespür für illegale Schmuggelversuche, denn sie kann, so sagt sie selbst, die Gefühle der Personen wie Angst, Scham, Schuld oder Aufregung riechen. Tatsächlich ist jeder, den sie aus dem Verkehr zieht und zu einer gründlichen Untersuchung bittet, auf die eine oder andere Weise schuldig – seien es zu viele Flaschen Alkohol im Gepäck oder sogar Kinderpornos auf einem Datenträger.

Tina in Uniform beim Zoll in Border© capelight pictures
In Border arbeitet die ungewöhnlich aussehende Protagonistin Tina beim Zoll © capelight pictures

Doch eines Tages trifft sie bei einer Kontrolle auf Vore (Eero Milonoff), der für sie verdächtig erscheint und dem sie dennoch nichts nachweisen kann. Gleichzeitig fühlt sie sich zu dem unbekannten Mann so sehr hingezogen, dass sie ihn nach mehrmaligen Begegnungen in die Hütte neben ihrem Haus einziehen lässt. In den Gesprächen und Unternehmungen merkt Tina schnell, dass sie ihr bisheriges Leben und sich selbst überdenken muss. Denn dass sie sich als unverstandene, fremdartige Außenseiterin in der Gesellschaft fühlt, hat einen guten Grund.

Ein unerwarteter Genremix

Border kombiniert Regisseur Ali Abbasi verschiedene Genres zu einem ungewöhnlichen und stellenweise irritierenden Gesamtwerk. Vor allem die Fantasy-Komponente ist ein Kernelement des Films, da sie die wahre Identität von Tina und einige wichtige Plotelemente umfasst. Ihren Ursprung haben die dargestellten Motive in der skandinavischen Mythologie, auf die aus Spoilergründen hier nicht genauer eingegangen werden soll. Grundsätzlich dominiert in Border das Drama einer einsamen, nicht so recht in die Gesellschaft passenden Frau, die sehr unter ihrem unansehnlichen Erscheinungsbild leidet. Eine gewisse Eintönigkeit und Hoffnungslosigkeit liegt in Tinas Pendeln zwischen Job und Zuhause, die sich ebenso auf den Zuschauer übertragen.

Gleichzeitig sorgt ihre besondere Begabung mit dem Geruchssinn für etwas Spannung. Eine der Zollkontrollen entwickelt sich sogar zur polizeilichen Fahndung nach einem Kinderpornoring, bei dem Tina als Trumpf der Ermittler ausgespielt wird. Diese immer wieder eingestreute Polizeiarbeit erscheint lange Zeit, wie auch Tinas auffällige Liebe für die Natur, undurchsichtig und vor allem in seinem Zweck unklar. Erst mit der Annäherung von Tina und Vore, woraus eine echte Romanze entsteht, führt Border einige Fäden zusammen. Diese Beziehung entwickelt sich für Tina zu einem regelrechten Erweckungserlebnis, das sie nicht nur Liebe und Leidenschaft spüren lässt. Fortan sieht sie sich selbst mit anderen Augen und beginnt, vieles zu hinterfragen, was ihre persönliche Lebensgeschichte anbelangt.

Vore und Tina stehen sich gegenüber in Border © capelight pictures
Tina fühlt sich zu Vore seltsam hingezogen © capelight pictures

Border kreist im Wesentlichen um das politisch aktuelle Thema der Identität und Zugehörigkeit zu einer Gruppe. So wird Tina erkennen, dass sie eine falsche Identität gelebt und in gewissem Maße auch anerzogen bekommen hat. Die sexuelle Erfahrung mit Vore ist dabei ein Baustein von Tinas Umorientierung und neuen Ausrichtung. Dabei wirft der Film vor allem im Schlussabschnitt schwerwiegende moralische Fragen auf, welche Identität nun gut oder schlecht, welches Handeln angemessen oder doch verwerflich ist.

Das Fazit zu Border

Ali Abbasi präsentiert mit Border eine eigenwillige Mischung aus Fantasy, Romanze und Drama, die teilweise provoziert und abstößt, um dann wieder zum Mitfühlen und kritischen Denken anzuregen. Dabei kommt diese dänisch-schwedische Coproduktion allerdings recht schwerfällig und erst gegen Ende wirklich schlüssig daher. Border ist daher nicht zuletzt künstlerisches Kino ohne Zugeständnisse an leichte Unterhaltung und einfache Erklärungen.

Der Film ist am 16.08.2019 über Capelight Pictures auf Bluray & DVD erschienen.

Unsere Wertung:

 

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© capelight pictures

Simon Eultgen

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