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Burning

Burning wurde bereits vorab mit Lorbeeren überhäuft. Wir haben uns das südkoreanische Psycho-Drama angeschaut und im Folgenden könnt ihr nun erfahren, ob der mysteriöse Streifen all sein Lob auch verdient.

TitelBurning (Originaltitel: Beoning)
Jahr2019
LandSüdkorea
RegieChang-dong Lee
DrehbuchChang-dong Lee, Jung-mi Oh, Haruki Murakami
Genre Thriller, Drama
DarstellerSteven Yeun, Ah-in Yoo, Jong-seo Jun, Bong-ryeon Lee, Soo-Kyung Kim, Seung-ho Choi, Soo-Jeong Lee, Seong-kun Mun, Bok-gi Min, Wonhyeong Jang, Seok-Chan Jeon, Ja-Yeon Ok, Hye-ra Ban, Mi-Kyung Cha
Länge148 Minuten
FSKan 16 Jahren freigegeben
VerleihCapelight Pictures
Das offizielle Poster von Burning. © Capelight Pictures
Das offizielle Poster von Burning. © Capelight Pictures

Darum geht’s in Burning

Jong-soo (Ah-in Yoo) trifft eines Tages auf der Straße auf Hae-mi (Jong-seo Jeon). Die junge Frau, die versucht, ihrer Geldnot mit einfachen Jobs entgegenzuwirken, erkennt ihn dabei als alten Klassenkameraden. Nachdem sich die beiden etwas näher kommen und einander kennenlernen, bittet Hae-mi Jong-soo um etwas. Er soll die Katze in ihrer Wohnung füttern, während sie auf einer Reise nach Afrika ist. Jong-soo willigt ein und befolgt die Bitte, auch wenn er die Katze währenddessen nicht ein einziges Mal zu Gesicht bekommt. Als Hae-mi dann jedoch von ihrer Reise zurückkehrt, ist sie nicht alleine.

Sie stellt Jong-soo den geheimnisvollen Ben (Steven Yeun) vor. Ihre Urlaubsbekanntschaft wirkt auf den ersten Blick freundlich, zuvorkommend und scheint, im Gegensatz zu Jong-soo, äußerst wohlhabend zu sein. Ben und Hae-mi verstehen sich offenbar sehr gut und schon bald kommt sich Jong-soo wie das fünfte Rad am Wagen vor. Noch verwirrt darüber, wie er mit der neuen Situation umgehen soll, erzählt Ben ihm eines Tages von seinem geheimnisvollen Hobby: Dem Abbrennen von Gewächshäusern.

Lee Jong-soo (Ah-in Yoo) auf seiner verzweifelten Suche im ländlichen Paju in Burning.
Lee Jong-soo (Ah-in Yoo) auf seiner verzweifelten Suche im ländlichen Paju in Burning. © Capelight Pictures

Wieder einmal großartiges Genre-Kino aus Südkorea

Südkorea dürfte für Filmliebhaber und Cineasten kein unbeschriebenes Herkunftsland für allerlei wirklich starke Filmbeiträge sein. Der am 17. Oktober 2019 startende und heiß erwartete Parasite, The Gangster, The Cop, The Devil und Train to Busan sind da nur einige von einer Vielzahl erstklassiger Streifen. Auch Burning von Chang-dong Lee (Poetry) reiht sich nun dort ein. Das mysteriöse Psychodrama ist einzigartig, intim und schon fast unangenehm authentisch. Lee scheint sein Fable für weite Landschaftspanoramen auch in Burning ausgelebt zu haben und erzählt schon nur mit seinen unkommentierten, ausschweifenden Kameraeinstellungen eine Geschichte, die in ihrer Gesamtheit aber stets ungreifbar bleibt. Wundervoll bebildert thematisiert er Leitmotive wie unerfüllte Sehnsucht, Scheitern, Sinn und Zugehörigkeit auf Lee Jong-soos ewig erscheinender Suche.

Ein Junge steht vor einem brennenden Gewächshaus in Burning.
Ein brennendes Gewächshaus in Burning. © Capelight Pictures

Undurchschaubar bis zuletzt – Die ewige Suche

Ich würde genauso verschwinden wie das Sonnenlicht am Horizont. Genauso möchte ich auch einmal gehen. So als hätte ich niemals existiert und keiner auf dieser Welt würde es mitkriegen.

Jeder vielsagende, taxierende Blick und jeder doppelte Boden unter den Dialogen entzieht sich jedweder eindeutigen Zuordnung. Surreal, vielschichtig und mysteriös kommt Burning daher und entpuppt sich als ein eigenwilliges Monstrum von Psychodrama. Ein Monstrum, das weder zu zähmen noch richtig einzuordnen ist. Gerade das erste Drittel entzieht sich jeglichem Versuch des Zuschauers, auch nur annähernd hinter den Vorhang schauen zu können. Immer, wenn man glaubt, etwas richtig zu deuten, folgt eine neue rätselhafte Szene, die noch mehr Fragezeichen hinterlässt. Die exzellent konzipierte Dreiecksbeziehung zwischen Jong-soo, Hae-mi und Ben wird zu einer hintergründigen Charakterstudie, die bannt und den Zuschauer, ebenso wie Hauptfigur Jong-soo, am Ende sprachlos zurücklässt.

Lee Jong-soo (Ah-in Yoo), Shin Hae-mi (Jong-seo Jun) und Ben (Steven Yeun) beobachten nebeneinander sitzend einen Sonnenuntergang in Burning. © Capelight Pictures
Lee Jong-soo (Ah-in Yoo), Shin Hae-mi (Jong-seo Jun) und Ben (Steven Yeun) beobachten einen Sonnenuntergang in Burning. © Capelight Pictures

Brodelnde, einnehmende Ruhe

Burning wohnen eine Ruhe und Behäbigkeit inne, die den Betrachter vor lauter Emotionen und unausgesprochenem Wort förmlich anschreien. Jeder auch noch so kleine Akzent in der Mimik der drei Protagonisten, jedes flüchtige Lächeln und jeder Atemzug sprechen hier wahre Bände. Diese brodelnde Ruhe zieht sich durch die gesamte Laufzeit und wird durch einen unaufgeregten Score, der durch seine spitzen Akzente am Nervenkostüm nagt, umso mehr befeuert. Melancholisch, melodramatisch und fortdauernd undurchsichtig vor sich hin rumorend entfaltet der Streifen eine Art von Suspense, die man einfach nur als einzigartig beschreiben kann.

Mein Fazit zu Burning

Mit Vieldeutigkeit und Komplexität geht Regisseur Chang-dong Lee gegen das Mainstream-Kino an und hinterlässt mit Burning einen wunderschönen, grotesken und vor allem bleibenden Eindruck. Dieses undurchschaubare Psychodrama ist ein Labyrinth, in dem der Weg das Ziel ist. Die ewige Suche des Hauptcharakters bleibt, ebenso wie für den Zuschauer, lediglich eine Suche, ohne dabei wirklich zu einem Finden zu werden. Ja, die zweieinhalb Stunden Laufzeit merkt man Burning auf jeden Fall an. Aber die Vorschusslorbeeren, die dem südkoreanischen Psychodrama entgegengebracht wurden, sind in jedem Aspekt absolut verdient.

Unsere Wertung:

 

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© Capelight Pictures

FilmFreund

Ein Tag ohne einen Film ist wie ein Sommer ohne Sonne. :)
Filme sind für mich mehr als nur einfacher Eskapismus oder psychedelischer Zeitvertreib; Was jetzt nicht bedeuten soll, dass ich mich mit der Möglichkeit via Filmen andere Leben zu (er)leben nicht auch gerne mitunter vordergründig hingebe.
Ich bin offen für jedes einzelne Genre und lasse mich eigentlich gerne positiv überraschen, greife aber eher zum hundertelfzigsten mal zu einem bekannten Film, statt mich sofort ins "Neuland" zu stürzen.
Mit FilmToast habe ich eine tolle Plattform gefunden, meine Gedanken ansprechend niederzuschreiben und ich freue mich stets über regen Austausch unter Gleichgesinnten, aber ebenso unter Ungleichgesinnten.
Und jedem, der so weit gelesen hat, wünsche ich noch einen tollen Tag.
(^-^)/

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