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Eine Frau mit einer rosa Sonnenbrille blickt auf einen Tennisplatz. In ihren Sonnenbrillen-Gläsern sieht man die Spiegelung zweier junger männlicher Tennisspieler. Ein Bild des Kinoposters zum Film Challengers - Rivalen.

Challengers – Rivalen

Luca Guadagninos Challengers – Rivalen zeigt Euphoria-Star Zendaya als Ex-Tennis-Wunderkind Tashi Duncan. Als Coach ihres Mannes Art lenkt sie dessen erfolgreiche, aber ins Stottern geratene Karriere. Wir haben uns den Film angesehen und verraten euch, ob es am Ende Spiel, Satz und Sieg für Guadagnino heißt.

CHALLENGERS - RIVALEN Trailer German Deutsch (2024) @FilmtoastDE

TitelChallengers – Rivalen (OT: Challengers)
Jahr2024
LandUSA
RegieLuca Guadagnino
DrehbuchJustin Kuritzkes
GenreDrama, Sportfilm
DarstellerZendaya, Mike Faist, Josh O’Connor, Darnell Appling, Bryan Doo, Shane T Harris , Nada Despotovich
Länge130 Minuten
FSKFreigegeben ab 12 Jahren
VerleihWarner Bros.
Eine Frau mit einer rosa Sonnenbrille blickt auf einen Tennisplatz. In ihren Sonnenbrillen-Gläsern sieht man die Spiegelung zweier junger männlicher Tennisspieler. Ein Bild des Kinoposters zum Film Challengers - Rivalen.
Game, Set and Match? Ein Motiv des Kinoposters zu Challengers – Rivalen © Warner Bros.

Die Story von Challengers – Rivalen

Einst als das kommende Tennis-Phänomen gefeiert, arbeitet Tashi Duncan (Zendaya) jetzt erfolgreich als Trainerin. Dabei hat sie ihren Ehemann Art (Mike Faist) zum erfolgreichen Profi gecoacht. Allerdings schlägt sich dieser mit Verletzungssorgen und einer Formkrise herum. Daher meldet ihn Tashi bei einem Challenger-Turnier an, um Selbstvertrauen gegen eher schwächere Gegner zu tanken. Doch der angepeilte Comeback-Turniersieg bekommt eine zusätzliche Herausforderung, denn der ehemalige Weggefährte Patrick (Josh O‘ Connor) meldet ebenfalls für das Turnier. Mit ihm verbinden nicht nur Art und Tashi, eine durchaus bewegte Vergangenheit…

Schläger, Schweiß und Schwänze

Gute Sportfilme sind selten, da sie entweder für ein Publikum gemacht werden, welches Interesse für den Sport aufweist, oder sie diesen in den Hintergrund drängt, um ein menschliches Schicksal zu erzählen. Regisseur Luca Guadagnino wählt für seinen Challengers – Rivalen einen anderen Weg. Denn er versucht, die in Rückblenden erzählte sportliche und persönliche menage a trois in den Mittelpunkt zu stellen, während er ansatzweise authentisch den Tennissport skizziert. Doch sein Ansatz, den Tennissport als Metapher für Sex zu setzen, wirkt lediglich interessant und mutig, ist aber nicht erschöpfend genug auserzählt, als dass sie die mehr als zwei Stunden Laufzeit rechtfertigt. Lust, Begierde, Obsession – all die Themen Guadagninos sind da, doch nur bei Zendayas Figur Tashi spürt man diese Obsession für den Sport in jeder ihrer Szenen. Währenddessen manifestiert sich diese bei Art und Patrick eher auf Tashi als auf den Sport.

Die Verlagerung auf den Court, auf dem Begierde, Leidenschaft und Sex als Spiel betrachtet wird, wirkt allerdings bemüht und wenig schlüssig, auch wenn es Guadagnino schafft, fast jede Szene dermaßen erotisch aufzuladen, dass man die Intensität spüren kann. Den Vibe, den Challengers – Rivalen ausstrahlt, muss man fühlen oder nicht. Kurz gesagt: wir hatten größere Schwierigkeiten, diesen zu spüren, weil der Film Momente zelebriert und in der x-ten Rückblende versucht, eine Stimmung zu erzeugen, anstatt erzählerisch auch etwas mehr zu tun, als schönen Menschen beim manipulativen Spiel und Schachern um die Gunst des anderen zuzusehen. Denn dadurch erhält weder die Freundschaft (oder ist es doch mehr als das?) von Art und Patrick mehr Fleisch, noch taucht Guadagnino in das Seelenleben seiner Figuren ein.

Links ein junger Mann in Boxershorts, in der Mitte ein junges Mädchen mit bräunlicher Haut und langen, lockigen Haaren und rechts ein ebenfalls junger Mann, den Kopf deutlich in Richtung des Kopfes des Mädchens bewegt. Eine Szene mit Zendaya, Mike Faist und Josh'O Connor aus dem Film Challengers - Rivalen
Aus den Trailern bekann: Es wird (ein bisschen) heiß in Challengers – Rivalen © Warner Bros.

Die interessantere Geschichte wird nicht erzählt

Und so lässt er Potenzial ungenutzt, was ärgerlich ist. Denn was könnte über Tashi, ihre Verletzung und deren Folgen erzählt werden, um eine Zendaya mit all ihrem schauspielerischen Talent als gebrochene, ihrem Traum von der Tennis-Karriere beraubte Figur zu zeigen?! Stattdessen überspringt der Film diesen Part und gaukelt uns vor, Tashi sei jetzt Ehefrau sowie Mutter einer Tochter, für die sie sich kaum zu interessieren scheint. Damit es nicht falsch verstanden wird: Keineswegs wird verlangt, dass aus Tashi nur noch die treu sorgende Mutter wird, weil es das veraltete Rollenbild verlangt. Doch ihre Begierde für den Tennisport erscheint einfach zu groß, als dass sich eine junge Frau wie Tashi von den Begleiterscheinungen des Elternseins ablenken und ihr Ziel aus den Augen zu verlieren.

Dass dieses nach Sportinvalidität neu gesetzt werden muss und im Coaching zu größtmöglichen Erfolgen des dann Ehemannes Art besteht, mag sich im Vibe schlüssig anfühlen, wird allerdings ebenfalls nicht als Figurenentwicklung gezeigt. Stattdessen hat sich Drehbuchautor Justin Kuritzkes entschieden, dies müsse in der Konstellation so sein. So wirkt diese wie eine von mehreren eher realitätsfernen Drehbuchentscheidungen. Denn die Prämisse, dass ein mehrmaliger Grand Slam-Champ an einem Challenger-Turnier teilnimmt, um sein Selbstvertrauen wiederzugewinnen, wird Sportskenner:innen, wie unser Autor einer ist, ein ungläubiges Kopfschütteln entlocken. Dies verwundert, da Challengers -Rivalen abseits der Tennis-Szenen durchaus eine gewisse Authentizität behauptet. Die zahlreichen Marken, seien es auf Schlägertaschen oder den Outfits von Art und Tashi, unterstützen diese Wirkung.

Rechts im Bild eine junge Frau in einem weißen T-Shirt, links neben ihr mit dem Rücken zum Betrachter ein Mann mit schwarzem Tank-Top. Es sind Zendaya und Josh'O Connor aus dem Film Challengers - Rivalen.
Es knistert bei Patrick (Josh’O Connor) und Tashi (Zendaya) ©Warner Bros.

Style over substance

Apropos Tennis-Szenen: Inszenatorisch gelingen Guadagnino und seinem Kameramann Sayombhu Mukdeeprom beeindruckende Momente, etwa eine Point-of-view-Sequenz aus Sicht des Balls oder elegante Kamerafahrten während der Tennis-Matches. Ohnehin liegen die Stärken der Inszenierung darin, den Sport und seine Dynamik realistisch und mitreißend einzufangen, auch wenn hier und da erkennbar ist, dass ein digitaler Ball zum Einsatz kam und nachträglich hinzugefügt wurde. Bei den drei Hauptfiguren wirkt vor allem Zendayas Performance so, als hätte sie selbst ihr Leben lang den Schläger in der Hand gehabt, ohne dass dies der Fall ist. Bei den Ballwechseln zwischen Josh’O Connor und Mike Faist ist zwar ein wenig Ungläubigkeit dabei, wie mit ihrer Beinarbeit auch nur eine Rallye mehr als zehn Sekunden andauern könnte, aber das ist zugegebenermaßen ein zu verschmerzendes Element.

Schauspielerisch gelingt es allen drei Hauptdarsteller:innen, ihre Figuren zu treffen. Während der schmierig-dandyhafte Patrick leidenschaftlich spielt und dadurch (zu) ungeduldig war und zu früh auf die Profi-Tour wechselte, erscheint der eher rational denkende Art erst dank der Hilfe von Tashi, den Schritt zu großen Erfolgen geschafft zu haben. Mike Faist schafft es, diesen angedeuteten Weg gut darzustellen. Neben dem Cast und der Inszenierung ist auch der Score von Trent Reznor und Atticus Ross ein filmisches Element, welches heraussticht. Die meist treibenden Elektrobeats wirken allerdings etwas deplatziert, erinnern an Italo-Pop aus den 90ern und sorgen dafür, dass die Immersion der angedeuteten Tennis-Szenen nicht vollends wirken kann.

Unser Fazit zu Challengers – Rivalen

Als Sportfilm getarnt, macht Luca Guadagnino genau das, was er kann. Er zeigt die Begierde und Obsession seiner Figuren, inszeniert lüstern und schweißtreibend, auf und neben dem Tennis-Court. Dass er letztlich eine große Bromance im Tennis-Business zeigen möchte, allerdings keinen Wert auf den eigentlichen Sport zu legen scheint, verwundert eigentlich nur wenig. Ob es für das, was der Film zu erzählen hat, auch die 130 Minuten Laufzeit benötigt, ist angesichts der doch recht platten Auflösung zweifelhaft. Übrigens: Besonders überraschend ist an Challengers – Rivalen auch nicht viel. Denn wenn sich während der Pressevorführung innerhalb von 15 Sekunden beide Sitznachbarn zu einem lehnen und eine spezielle Handbewegung (Stichwort: Schlägergriff) korrekt prognostizieren, fühlt man sich wie Zendaya, nur eben nicht zwischen den beiden Tennis-Buddies Art und Patrick.

Wenn auch die Inszenierung ihre Highlights hat und sich redlich Mühe gibt, die Schwächen des Skripts zu kaschieren, erweckt sie letztlich den Eindruck der Belanglosigkeit ob des platten Ausgangs.  Denn auch, wenn uns die, ähnlich des Häutens einer Zwiebel, Schicht für Schicht in Rückblenden offengelegte Dreiecksbeziehung in Ansätzen gefallen hat, fühlt sich das Erzählte doch banal und nicht sonderlich substanzreich an.

Challengers – Rivalen ist seit dem 25. April 2024 in den deutschen Kinos.

Unsere Wertung:

 

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