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Colette

Colette ist ein biographisches Drama über das Leben der gleichnamigen Schriftstellerin. Als erfolgreichste Literatin Frankreichs und erste Frau, die ein Staatsbegräbnis erhielt, wurde sie nun von Wash Westmoreland im Kino verewigt. Ob ihr Leinwandbildnis ihrem Wirken in künstlerischer Hinsicht gerecht werden kann, erfahrt ihr im Folgenden.

TitelColette
Jahr2019
ProduktionslandGroßbritannien, USA
RegieWash Westmoreland
DrehbuchRichard Glatzer, Rebecca Lenkiewicz, Wash Westmoreland
GenreBiographie, Drama, Historienfilm
DarstellerKeira Knightley, Dominic West, Fiona Shaw, Robert Pugh, Sloan Thompson, Arabella Weir, Máté Haumann, Tay Panthaki, Al Weaver, Virág Bárány, Dickie Beau, Kylie Watt, Janine Harouni, Jake Graf, Joe Geary
Länge111 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihDCM Film Distribution
Das Filmplakat zu Colette ©DCM Film Distribution
Das Filmplakat zu Colette ©DCM Film Distribution

Ein bewegtes Leben als Handlung von Colette

Der Film handelt von Colette, die nach ihrer Hochzeit mit einem als “Willy” bekannten Schriftsteller ihre Familie und ihr bisheriges Leben auf dem Land zurücklässt. Sie zieht mit ihrem Ehemann nach Paris, um dort ein neues Dasein zwischen Prunk und Glanz zu beschreiten. Colette möchte sich innerhalb dieser Kreise profilieren und verspürt den Drang zur Selbstverwirklichung, woraufhin sie selbst anfängt zu schreiben.




Eine eigenständige Karriere bleibt ihr doch zunächst verwehrt, weshalb “Willy” sie als Ghostwriter für ihn schreiben lässt. Sie verfasst semi-autobiographische Romane über eine Frau namens Claudine und verhilft ihrem Mann somit zu neuem Ruhm. Daraufhin werden er und Colette zum Pariser Stadtgespräch und eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen Ruhm, Macht und ehelichen Intrigen beginnt…

v.l.n.r. Adèle Eugénie Sidonie (Fiona Shaw), Jules-Joseph Colette (Robert Pugh), Sidonie-Gabrielle Claudine Colette (Keira Knightley) und Henry Gauthier-Villars (Dominic West) auf der Hochzeit von Colette und "Willy" ©DCM Film Distribution
v.l.n.r. Adèle Eugénie Sidonie (Fiona Shaw), Jules-Joseph Colette (Robert Pugh), Sidonie-Gabrielle Claudine Colette (Keira Knightley) und Henry Gauthier-Villars (Dominic West) auf der Hochzeit von Colette und “Willy” ©DCM Film Distribution

Ein Leben, ein Name, eine Frau – Colette

Sidonie-Gabrielle Claudine Colette erblickte 1873 das Licht der Welt und gilt als eine der bedeutendsten Schriftstellerinnen Frankreichs. Des Weiteren war sie Zeit ihres Lebens eine Varietékünstlerin und Journalistin, die als erste Frau Frankreichs im Jahre 1954 ein Staatsbegräbnis erhielt.

Der Film Colette behandelt einen Ausschnitt ihres Lebens im Rahmen von 20 Jahren. Die Handlung setzt damit ein, wie sie Henry Gauthier-Villars, alias “Willy”, kennenlernt und endet mit ihrer Zeit im Pariser Varieté “Moulin Rouge”. Colettes Leben nach 1909 wird nicht weiter beleuchtet und ihr letztendlicher, literarischer Durchbruch bleibt im Dunkeln des Drehbuchs verborgen.

Colette ist nicht der erste Film, der das Leben der gleichnamigen Autorin behandelt. Bereits 1915 (Minne) und 1918 (La Vagabonda) wurde Colettes Leben im Stummfilm festgehalten. In den 1950er und den 1970er Jahren folgten eine handvoll Verfilmungen, unter anderem die Leinwanddebüts ihres Roman-Alter Egos “Claudine” (Claudine in der Schule, Claudine geht, Claudines Eheleben, Claudine in Paris) von Regisseur Édouard Molinaro. Nach der Filmbiographie Colette von Nadine Trintignant aus dem Jahre 2003 hat sich nun Wash Westmoreland ihres Lebens angenommen.

Die richtige Dosis Leben

Zusammen mit Richard Glatzer und Rebecca Lenkiewicz schrieb Westmoreland das Drehbuch zu Colette. Hierfür haben sie sich besagten Abschnitt ihres Lebens herausgesucht und für die Kinoleinwand umgesetzt. Die 20 Jahre von Colettes Leben sind handlungstechnisch geschickt gewählt und eignen sich perfekt für eine fast zweistündige Biographie. Diese spannende Phase ihres Lebens scheint wie für das Kino gemacht, da sie die “Voraussetzungen” für das moderne, biographische Drama erfüllt.

Ein Leben für das Kino des 21. Jahrhunderts

Colette ist ein Film, der viele Aspekte eines Lebens anspricht. Das Drehbuch handelt von einer Frau, die sich in einem von Männern dominierten Metier durchzusetzen und im Laufe ihres Lebens ihre Sexualität zu ergründen versucht. Dieses cineastische Werk behandelt Themen wie Liebe, Ehe, Erfolg, Identität, Sexualität und Emanzipation.

Colette erzählt eine Geschichte, die dem Zuschauer die zweckmäßige Seite einer Ehe vor Augen führt. Aber dabei dennoch nicht die Liebe aus dem Blickfeld verliert. Colette und “Willy” sind bereit einander zu hassen und die Leben des Partners zu beeinflussen. Aber sie wissen auch, dass sie nicht voneinander lassen können, weil sie sich (vorerst) gegenseitig für den Erfolg brauchen und weil sie sich lieben.

Colette (Keira Knightley) und "Willy" (Dominic West) in Paris ©DCM Film Distribution
Colette (Keira Knightley) und “Willy” (Dominic West) in Paris ©DCM Film Distribution

Des Weiteren erzählt der Film die Geschichte einer Suche nach der eigenen Identität. Die Frage “Wer bin ich?” wird im Laufe der Handlung zu einem zentralen Thema des Films. Durch die im Ansatz autobiographische Literatur Colettes fangen die Identitäten ihres Selbst und ihrer Romanfigur an zu verschwimmen. Wie ein aus Papier und Worten geformter Golem erwacht Claudine zum Leben und wirft Fragen darüber auf, wer Colette ist. Diese Identitätskrise wird dadurch verstärkt, dass sich die Protagonistin nicht über ihre Sexualität im Klaren ist. Zu wem fühlt sie sich hingezogen? Und zu wem kann bzw. darf sie sich hingezogen fühlen? Denn die Geschichte Colettes ist auch eine Geschichte der Emanzipation der Frau.

Colette ist somit ein Film, der viele wichtige Aspekte des öffentlichen und sozialen Lebens abdeckt. Situationen, mit denen sich die meisten Zuschauer bereits selbst einmal auseinander gesetzt haben, thematisiert der Film im Spiegel des Lebens einer Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts. Auch in unserer Zeit haben Themen wie krisenbehaftete Identitäten, sexuelle Akzeptanz und gesellschaftliche Emanzipation weder an individueller noch cineastischer Bedeutung verloren.

Die kunstlose Kunst

Colette (Keira Knightley) auf der Suche nach sich selbst ©DCM Film Distribution
Colette (Keira Knightley) auf der Suche nach sich selbst ©DCM Film Distribution

Colette macht als filmisch künstlerisches Werk grundlegendes richtig. Das Drehbuch ist dramaturgisch gut geschrieben und überspannt keinesfalls den Bogen eines biographischen Films. Als Drama wirkt dieser stimmig und auch die Laufzeit (im Rahmen des ausgewählten Lebensabschnitts) durchdacht. Der Cast, allen voran Keira Knightley und Dominic West, spielt überzeugend und fährt schauspielerisches Können auf, um den porträtierten Figuren erneut Leben einzuhauchen. Dies geschieht ebenso durch die Kostüme und die Maske des Films, für die Andrea Flesch und Ivana Primorac verantwortlich sind und zusammen bereits mehrere Nominierungen für diverse Filmpreise erhalten haben.

Colette (Keira Knightley) lässt sich als Varietékünstlerin feiern ©DCM Film Distribution
Colette (Keira Knightley) lässt sich als Varietékünstlerin feiern ©DCM Film Distribution

Doch von einer ästhetischen Ebene aus gesehen, hätte diese Biographie mehr Potenzial gehabt: Film ist Kunst. Literatur ist Kunst. Da sich dieser Film nun mit Literatur befasst, hätte man eben jene weitaus künstlerischer in Szene setzen können. Die Momente, in denen Colette die Schreibfeder in der Hand hält und diese über das Papier führt, sind ansatzweise stilvoll von der Kamera eingefangen.

Doch hier wäre mehr möglich gewesen. Vor allem in Kombination mit der Musik Thomas Adès’ hätte man diese Szenen ausgiebiger und langwieriger über die Leinwand laufen lassen können. Der Zuschauer sollte sich von den Worten und der schwingenden Feder einfangen lassen. Währenddessen könne er den Klängen Adès lauschen und sich dabei zwischen den Zeilen und der Tinte verlieren, nur um nächsten Moment wieder in die fiktive Realität des Ateliers zurückgeführt zu werden. Solch Momente hätten etwas fantastisches und literarisch-imaginäres an sich gehabt, die dem Zuschauer die Vermischung der Realitäten Colettes cineastisch hätte vor Augen führen können. So sind diese Momente in ihrer Wirkkraft leider vergeben und das Potenzial der Ästhetik verschenkt.

Colette (Keira Knightley) beginnt mit dem Schreiben ©DCM Film Distribution
Colette (Keira Knightley) beginnt mit dem Schreiben ©DCM Film Distribution

Mein Fazit zu Colette

Colette ist ein biographischer Film, der aus cineastischer Sicht vieles richtig macht. Ein gut durchdachtes Drehbuch trifft auf einen schauspielerisch überzeugenden Cast. Die Kostüme, die Maske und die Musik sorgen für dramatische Authentizität, während die Kamera auf der ästhetischen Ebene mehr Möglichkeiten gehabt hätte. Zu großen Teilen ist es das Leben Colettes selbst, das für die Spannung dieses Films sorgt. Die 20 beleuchteten Jahren vermögen es, den Zuschauer zu fesseln und ihn die 111 Minuten über zu unterhalten.

Des Weiteren regt Colette dazu an, sich weiter mit ihrer Persönlichkeit auseinanderzusetzen. Ein Mensch, der scheinbar ein bewegtes Leben geführt hat. Vor allem, da diese Biographie nicht als einzig wahres Zeugnis ihres Wirkens genommen werden darf. Ein Film ist ein Kunstwerk und nicht der Spiegel des Lebens einer historischen Person. Allenfalls ist es das Abbild dessen, was wir in dieser Persönlichkeit sehen und wie wir sie uns vorstellen.

Wenn man sich darüber im Klaren ist und Colette als eine künstlerische Biographie einer Figur betrachtet, in die man sich auch heute noch hineinversetzen kann, dann wird man große Freude an diesem Film haben. Colette regt zum Nachdenken und Weiterlesen an und kann als eigenes Kunstwerk in den musealen Hallen cineastischer Biographien bestehen.

Der Film ist hierzulande ab dem 03.01.2019 in ausgewählten Kinos zu sehen!

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© DCM Film Distribution

Christopher Hanek

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