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Beitragsbild Convoy © Weltkino

Convoy – Nichts kann sie stoppen!

Convoy, der vorletzte Film von Kultregisseur Sam Peckinpah, war dessen größter Erfolg an den Kinokassen. Doch hinter den Kulissen galt er als gescheitert. Wie der Film nach inzwischen mehr als 40 Jahren den Zahn der Zeit überstanden hat? Das erfahren sie im folgenden Review…

TitelConvoy
Jahr1978
ProduktionslandUSA
RegieSam Peckinpah
DrehbuchBill Norton
GenreAction, Drama
DarstellerKris Kristofferson, Ali MacGraw, Ernest Borgnine, Burt Young, Seymour Cassel
Länge111 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihWeltkino
Convoy BluRay Cover © Weltkino
Die Blu-ray zu Convoy © Weltkino

Ein Protestmarsch auf Rädern

Während die ganze Branche allmählich in Gewerkschaften organisiert wird, kurvt Trucker Martin Penwald, genannt Rubber Duck, als einer der letzten freien seiner Zunft über die Highways der USA. Mitten im Nirgendwo Arizonas gehen er und ein paar Kollegen dem gefürchteten Sheriff „Dirty Lyle“ Wallace auf dem Leim. Der arbeitet gerne in die eigene Tasche und nutzt seine Position, um die Trucker auszunehmen. Widerwillig drücken die Fahrer das erpresste Bußgeld ab. Doch schon auf der nächsten Raststätte kommt es zum Eklat. Gerade als es sich Rubber Duck mit seiner Freundin auf seinem Bock gemütlich gemacht hat, sorgt Lyle für Stunk. Er will den Farbigen Spider Mike, dem er gerade erst seine letzten Kohlen abgeknöpft hat, wegen Landstreicherei verhaften. Diese Willkür des rassistischen Sheriffs bringt das Fass zum überlaufen und es gipfelt in einer Kneipenschlägerei. Die Jungs ergreifen darauf die Flucht Richtung Staatsgrenze und es entbrennt eine wilde Verfolgungsjagd.

Dabei vermag die Staatsgewalt den Kolossen der Landstraße nicht mit Fahrzeugen und auch nicht Straßensperren beizukommen. Es entwickelt sich nun ein Katz-und-Maus-Spiel zwischen der Polizei und den Truckern. Unter der Führung von Rubber Duck schließen sich immer mehr Fahrer dem so entstandenen Convoy an. Die meisten wollen hierdurch ihre Unzufriedenheit über Polizei-Willkür und steigende Spritpreise in die Öffentlichkeit tragen. Eigenbrötler Penwald sieht sich deshalb den politischen Dimensionen ihres Protestes ausgesetzt. Ihm zur Seite steht die junge, intelligente Fotografin Melissa, die eher unfreiwillig nach der Schlägerei in die Sache verwickelt wurde. Da man sich gerade in einem Wahljahr befindet, sucht der Gouverneur nach einer friedlichen Lösung. Er will die Sache außerdem für sich ausschlachten und versucht, Martin auf seine Seite zu ziehen. Aber auch der unerbittliche Sheriff Lyle lauert noch auf seine Chance, Rache an Duck zu nehmen…

Screenshot 01 zu Convoy © Weltkino
Der rassistische Lyle provoziert Ärger in Convoy © Weltkino

Convoy – Straßenwestern mit zeitaktuellem Bezug

Basierend auf dem gleichnamigen Country-Hit von C.W. McCall von 1976 beschreibt der Film einen Protestzug der Könige der Landstraße. Aus dramaturgischen Gründen, quasi als zweite Seite einer Medaille, wurde dafür die Figur des fiesen Sheriff Lyle hinzugefügt. Der dient damit unseren Helden Rubber Duck als Antagonist und verleiht der ganzen Geschichte eine persönliche Ebene. Er sorgt zudem dafür, dass sich der Film mehr wie ein moderner Straßen-Western anfühlt. Der Convoy ist dabei das Äquivalent zu einem Trekk, aus Kutschen wurden die behangenen schweren Maschinen. Statt durch die Steppe werden die Protagonisten jetzt über die Landstraßen gejagt, statt Schießereien gibt es Blechlawinen. Und das alles mündet schließlich in einem großen Showdown bei einem Standoff auf einer Grenzbrücke.

Andererseits ist das Anliegen der Trucker ein seinerzeit höchst aktuelles. Das 1973 wegen der Ölkrise eingeführte Tempo-Limit und die steigenden Benzinpreise kosteten viele Fahrer fast ihre Existenz. Daraufhin schlossen sie sich in einer Gewerkschaft zusammen, um sich gegen die Ausbeutung, die teils mit ihnen betrieben wurde, zur Wehr zu setzen. Unser Held Rubber Duck steht eigentlich außerhalb dieses Zusammenschlusses. Er setzt sich mit einigen Kollegen anfangs nur gegen die Willkür des korrupten Sheriffs zur Wehr. Lyle seinerseits hält auch nichts von Gewerkschaften, ist ein Einzelgänger. Erst als er sich seiner Kollegen des Staatsapparates bedienen muss, um die Flüchtenden aufzuhalten, verselbständigt sich die ganze Situation. Denn je mehr Trucker sich darauf dem Convoy anschließen, desto schneller wird der Zug zum Politikum. Und an der Front fährt der stolze, eigentlich unabhängige Martin Penwalt, der unfreiwillig zum Rädelsführer und Gallionsfigur der Bewegung avanciert.

Screenshot 02 zu Convoy © Weltkino
Der Convoy © Weltkino

“Es gibt nicht mehr viele von uns.”

Mit Dirty Lyle und Rubber Duck stehen sich in Convoy zwei Relikte vergangener Zeiten gegenüber. Dabei ist ihre Fehde, der Kampf des einsamen Wolfs gegen den korrupten Sheriff, über weite Strecken die dramaturgische Triebfeder des Films. Der Konflikt bringt die Geschehnisse in Gang und führt sie genauso zu ihrem Ende. Der obige Satz trifft aber nicht nur auf unsere beiden Kontrahenten zu. Auch Regisseur Sam Peckinpah wusste nur zu gut, was dies bedeutete. Trotz der Erfolge seiner als Meisterwerke gefeierten Klassiker Getaway (1972) oder Pat Garrett jagt Billy the Kid (1973) war es schwer für ihn, Arbeit zu finden. Denn der drogen- wie alkoholsüchtige Peckinpah galt als stur, eigensinnig und überzog immer wieder den Drehplan und das Budget. Und obwohl noch 1983 der Thriller Das Osterman Weekend folgen sollte, war wohl Convoy die Produktion, die die Karriere des 1984 verstorbenen Regisseurs zu Grabe getragen hat.

Screenshot 03 zu Convoy © Weltkino
Ein Haufen Blechschaden gibt es in Convoy © Weltkino

Nach Ansicht der Rohschnittfassung feuerte das Studio EMI den Regisseur und seinen Cutter Garth Craven. Man heuerte darauf John Wright (Jagd auf Roter Oktober, Speed) an, um das Material glattzubügeln und in eine marktkompatible Form zu bringen. Convoy traf den Nerv der Zeit und lief weltweit mit großem Erfolg in den Kinos. Doch tatsächlich ist der Film merklich eher “Peckinpah Light”, hat nur noch wenig von dem zu bieten, was dessen Filme sonst ausmachten. Der Gegensatz aus der Freiheit der Landstraße und den Widrigkeiten des Alltags in Wirtschaft, Gesellschaft und Politik tritt zu sehr in den Hintergrund. Der Film ist durchaus gefällig und bietet einige nette Karambolagen und Verfolgungsjagden, dümpelt daneben aber eher profillos vor sich hin.

Mein persönliches Fazit zu Convoy

Mir persönlich fällt es schwer, etwas Schlechtes über den Film zu sagen. Denn er zählt zu den ersten Filmen meiner Kindheit, an die ich mich noch zurückerinnern kann. Als Kind jedenfalls, es war 1984, habe ich den Film geliebt. Er ist keinesfalls langweilig, dafür ist er zu flott inszeniert und auf einen fettfreien Unterhaltungsfilm zurechtgestutzt. Die Darsteller machen ihre Sache gut, gerade die Peckinpah-Regulars Kris Kristofferson (Pat Garett jagt Billy the Kid), Ali McGraw (Getaway) und Ernest Borgnine (The Wild Bunch) wissen in ihren Rollen zu überzeugen. Doch in Kenntnis des übrigen Schaffens des streitbaren Regisseurs lässt einen das Gefühl nicht los, dass man sich hier eigentlich etwas mehr von erwartet hätte. Er tendiert damit eher in Richtung anderer guter Auftragsarbeiten wie Die Killer-Elite (1975), kann sich mit seinen Klassikern aber nicht messen.

Screenshot 04 zu Convoy © Weltkino
Ali McGraw und Kris Kristofferson in Convoy © Weltkino

Die Veröffentlichung

Die am 25. Januar 2019 erschienene Neuauflage von Weltkino auf Blu-ray beinhaltet die bereits erhältliche Scheibe von StudioCanal. Das HD-Bild von Convoy, der jahrelang eher stiefmütterlich behandelt wurde, ist dabei, bis auf wenige Szenen, recht ordentlich. Auch die in HD gemasterte Tonspur ist der heutigen Zeit angemessen. Außerordentlich empfehlenswert gestaltet sich hierbei das Bonusmaterial. Die Dokumentation Passion & Poesie – Sams Trucker-Film von Mike Siegel erlaubt einen interessanten Blick auf die Produktionsgeschichte des Films. Hier kommen nicht nur die Darsteller zu Wort, sondern auch Produzent Michael Deeley, der ganz eigene Ansichten zu dem Ganzen hegt.  Überdies ist auch Sam Peckinpah in einigen Audio-Clips zu hören. Insgesamt also immer noch eine runde Angelegenheit, die vor allem Peckinpah-Fans einiges zu bieten hat. Es ist zudem eine inhaltsgleiche DVD des Films erhältlich.

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© Weltkino

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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