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Die Belegschaft eines Modehauses steht aufgereiht vor einer Neonleuchte. Alle tragen dunkle Kleidung und auffällige Frisuren.

Das blutrote Kleid

Dass Gegenstände sich gegen ihre Besitzer wenden, ist im Horrorfilm ein gern verwendetes Motiv. Was Peter Strickland jedoch in Das blutrote Kleid aus dieser Prämisse herausholt, treibt es in Sachen Skurrilität und Verrücktheit auf die Spitze. Erfahrt in der Kritik, für welches Publikum dieser Psychothriller die hellste Freude sein dürfte.

DAS BLUTROTE KLEID Trailer German Deutsch (2021)

TitelDas blutrote Kleid (OT: In Fabric)
Jahr2018
LandUSA
RegiePeter Strickland
DrehbuchPeter Strickland
GenreHorror, Thriller
DarstellerSidse Babett Knudsen, Marianne Jean-Baptiste, Hayley Squires, Leo Bill, Julian Barratt, Steve Oram, Fatma Mohamed, Jaygann Ayeh, Richard Bremmer, Gwendoline Christie
Länge118 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Auf dem Plakat zu Das blutrote Kleid sieht man gezeichnet eine Frau mit dem roten Kleid von hinten und im Hintergrund einige Glasscherben, die verschiedene Szenen andeuten.
Das Poster von Das blutrote Kleid © Koch Films

Das blutrote Kleid –  Ein verhängnisvoller Kauf

Sheila (Marianne Jean-Baptiste) hat sich gerade von ihrem Mann getrennt und lebt nun mit ihrem etwas faulen Sohn Vince (Jaygann Ayeh) zusammen. Um bei einem Date möglichst den besten Eindruck zu machen gönnt sie sich in einem großen Kaufhaus im Schlussverkauf ein rotes Kleid. Doch das Gewand hat nicht nur eine auffällige Farbe, sondern auch eine Vergangenheit und ein Eigenleben.

Ein Mikrokosmos rund um ein Traditionskaufhaus

Von Beginn an wirkt die Welt, die uns in Das blutrote Kleid dargeboten wird, wie ein kleines Paralleluniversum. Dass man sich hier in den frühen Neunzigern befindet, erkennt man schnell an der Bekleidung, aber da man fast ausschließlich Szenen innerhalb von Gebäuden sieht, lässt sich kaum etwas über die Größe der fiktiven Stadt sagen. Dreh- und Angelpunkt ist das Nobelkaufhaus „Dentley & Soper’s“, von dessen Belegschaft eine seltsam schauderhafte Aura ausgeht. Innerhalb kürzester Zeit gelingt es Strickland hier einen Mikrokosmos aufzubauen, in dem man alles, was hier an Seltsamkeiten vor sich geht, zu akzeptieren bereit ist.

Und an Skurrilität ist Das blutrote Kleid kaum zu überbieten. Angefangen beim sektenartigen Personal des Modehauses, über die Personalgespräche in der Bank bis hin zu den Situationen in einem griechischen Restaurant. Nahezu in jeder Szene würde man sich eigentlich verdutzt die Augen reiben oder ungläubig den Kopf schütteln, wenn diese Welt nicht in ihrer Gesamtheit so stimmig wirken würde.

Sensationelle Atmosphäre

Der große Pluspunkt von Das blutrote Kleid ist der strudelhafte Sog, den die Geschichte hier aufbauen kann. Das gelingt durch die sagenhafte audiovisuelle Gestaltung, die beim Zuschauen fast hypnotische Wirkung entfaltet. Im Psychothriller wechselt man immer wieder das Tempo. Mal werden Bilder quälend lang stehen gelassen oder man wird ganz gemächlich durch einen Zoom ins Bild hereingezogen. Dann wiederum werden aber auch schnell die Sehnerven durch stakkatoartige Detailaufnahmen gefordert. Immer dominant dabei ist die Farbe rot, wodurch die permanente Anwesenheit des titelgebenden Kleidungsstücks wie ein Damoklesschwert Szene für Szene mitschwingt. Womöglich mag man die visuelle Reizüberflutung als anstrengend empfinden, aber wenn man sich darauf einlassen kann, fühlt man sich beim Zuschauen unmittelbar involviert.

Sheila (Marianne Jean-Baptiste) steht in einem Raum voller Spiegel und trägt das blutrote Kleid.
Sheila mit dem roten Kleid in der Umkleide © Koch Films

Zusätzlich zur Optik entfaltet sich die Atmosphäre in Gänze durch die extrem eindringliche musikalische Gestaltung. Mal sind es rasante Cembaloklänge, mal ein treibender Synthesizer-Sound, die hier das hypnotische Flair mit Nachdruck unterstützen. Das Tempo, das durch die manchmal gemäldeartigen Bilder verschleppt wird, wird akustisch stets hochgehalten. Dadurch behält Das blutrote Kleid seine Eigenwilligkeit auch beim Pacing bei, wird aber definitiv nicht langatmig.

Das blutrote Kleid ist ein Potpourri des Obszönen

Nicht jeder wird mit Das blutrote Kleid etwas anfangen können. Peter Strickland verweigert sich mit seinem Film den aktuellen Konventionen und sucht die Flucht nach vorn in einer Hommage an die Enfant terribles des Genres. Die Atmosphäre erinnert stark an die Werke des Horror-Großmeisters Dario Argento. Bei der okkulten Sekte, die sich hier hinter der Fassade der Kaufhausbelegschaft versteckt, werden höchstwahrscheinlich Assoziationen an Suspiria geweckt. Das Ganze wird dann noch veredelt durch die Idee des mörderischen Kleidungsstücks, mit der zuletzt Quentin Dupieux in Monsieur Killerstyle etwas ganz eigenes gezaubert hat. Hier jedoch driftet Strickland im Gegensatz zu Dupieux nicht vollends ins Groteske ab, sondern bleibt beharrlich im Horrorsegment. Eine makabere Qualität erreicht die Produktion durch ein perfektes Spiel mit der Erwartungshaltung des gemeinen Slasher-Fans und einen eigenwilligen Humor (Stichwort: Waschmaschinen-Mechaniker).

Eine Frau in weißem Gewand mit weißer Haube und Mundschutz hält eine Puppe voller Blut in ihren Händen.
Der Schauer lauert in jeder Szene © Koch Films

Auch David-Lynch-Fans kommen hier voll auf ihre Kosten, denn Strickland verzichtet wie der Mind-Fuck-Meister auf Erläuterungen und überlässt den Großteil der Interpretation dem Zuschauenden. Auch Traummotive spielen wie bei Lynch hier eine wichtige Rolle. Im Ensemble finden sich zwar keine ganz großen Namen, aber dafür Schauspieler, die sich mit ihrer Aura perfekt in die skurrile Welt einfügen. Das einschüchternden Verkaufspersonal, insbesondere die Figuren, die durch Richard Bremmer und Fatma Mohamed gespielt werden, können einen möglicherweise bis in die Träume verfolgen.

Unser Fazit zu Das blutrote Kleid

Das blutrote Kleid ist ein Fest für Fans des Skurrilen. Wer mit Lynch und Dupieux warm wird und den Charme des 80er-Jahre Horrorkinos in heutigen Produktionen vermisst, der wird hier voll auf seine Kosten kommen. Wer hingegen stets das Schema F im Genrefilm bevorzugt, den wird die herausragende, hypnotische audiovisuelle Inszenierung wahrscheinlich eher vor den Kopf stoßen.

Das blutrote Kleid ist ab 27. Mai als DVD, Blu-Ray und digital erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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