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Die Kinder stehen im Halbdunkel beieinander, ihre Augen leuchten rot auf - Das Dorf der Verdammten.

Das Dorf der Verdammten

John Carpenters Remake Das Dorf der Verdammten konnte seinerzeit weder Kritiker noch Zuschauer überzeugen. Ob ein erneuter Blick auf den Sci-Fi-Horror um außerirdische Kuckuckskinder dennoch lohnt, erfahrt ihr in unserer Review!

Village of the Damned (1995) John Carpenter - Official Trailer (HD)

TitelDas Dorf der Verdammten (OT: Village of the Damned)
Jahr1995
LandUSA
RegieJohn Carpenter
DrehbuchDavid Himmelstein, Steven Siebert, Larry Sulkis, Sterling Silliphant, Wolf Rilla, Ronald Kinnoch, John Wyndham
GenreHorror, Sci-Fi
DarstellerChristopher Reeves, Kirsty Alley, Linda Kozlowski, Mark Hamill, Michael Paré, Meredith Salenger, Karen Kahn, Thomas Dekker, Lindsay Haun
Länge99 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Eine bläulich gehaltene Zeichnung der Kinder mit weißen Haaren und glühenden Augen im Zentrum, sowie Hauptdarsteller Christopher Reeves und Linda Kozlowski kleiner davor sowie einem brennenden Haus finden sich auf dem Cover von Das Dorf der Verdammten.
Das Steelbook Cover von Das Dorf der Verdammten © Koch Films

Das Dorf der Verdammten – Handlung

Im beschaulichen Midwhich fallen alle Einwohner während Vorbereitungen auf eine Feierlichkeit ohne ersichtlichen Grund in Ohnmacht. Da dieses Phänomen örtlich begrenzt scheint, ruft dies die Polizei und die National Science Foundation NSF auf den Plan. Kurz darauf stellt der Arzt Dr. Alan Chaffee (Christopher Reeves) bei zehn Frauen eine Schwangerschaft fest. Die Empörung im Ort ist groß, denn darunter befindet sich auch die eigentlich noch jungfräuliche Teenagerin Melanie Roberts (Meredith Salenger). Allerdings kann Dr. Susan Verner (Kirsty Alley) von der NSF alle werdenden Mütter dazu bewegen, das Kind auszutragen, indem alle Kosten übernommen werden und eine großzügige staatliche Unterstützung gewährt wird.

Neun Monate später bringen die Frauen gesunde Babies zur Welt, nur Melanie erlebt eine Totgeburt. Die Kinder haben alle blaue Augen und weiße Haare. Sie entwickeln sich unheimlich schnell und verfügen über übersinnliche Fähigkeiten, die sie dazu einsetzen, ihre Umgebung zu kontrollieren. So stürzt sich Alans Frau Barbara (Karen Kahn) unter dem Einfluss ihrer Tochter Mara von einer Klippe. Mara (Lindsay Haun) ist es dann auch, die als Sprachrohr der Kinder ihrem Vater und der Gemeinde gegenüber fungiert. Nur der Sohn von Jill McGowan (Linda Kozlowski), deren Mann Frank (Michael Paré) bei dem Blackout in seinem Wagen tödlich verunglückte, findet keinen Anschluss zu ihnen. David (Thomas Dekker) scheint anders zu sein und ist sogar bemüht, seine Mutter und ihre Gefühle nachzuvollziehen. Doch der Unmut in der Bevölkerung wächst, angestachelt durch Tiraden des Reverend George (Mark Hamill), der in seinen Predigten aggressiv gegen die Kinder wettert. Eine Katastrophe kündigt sich an…

Dr. Alan unterhält sich mit einem Polizisten, hinter ihnen stehen Fahrzeuge und weitere Einsatzkräfte auf der Straße - Das Dorf der Verdammten.
Alan rätselt mit den Behörden, was in Midwhich passiert ist © Koch Films

Verwässerte Modernisierung

Im Großen und Ganzen orientiert sich das Skript von Das Dorf der Verdammten sehr eng an dem Original von 1960, welches auf dem Roman Kuckuckskinder (1957) von John Wyndham basierte. Den Schauplatz verlegt die US-Produktion aus der englischen Provinz an die amerikanische Westküste. Im gleichen Zug werden Umstände und Gegebenheiten, aber auch Namen und Zusammensetzung der Gemeinde angepasst. Während der Exildeutsche Wolf Rilla in seinem Film durch eine sachliche, fast schon dokumentarische Erzählweise bedrückende Spannung erzeugt, zieht John Carpenter das Remake nach den Regeln des Genrefilms auf. Man sollte annehmen, dass ein verdienter Horror-Regisseur wie er damit eigentlich nichts falsch machen kann. Leider in diesem Fall ein Irrtum.

Denn anstatt sich auf die unterschwellige Angst, die der Terror der Kinder stetig verbreitet, zu fokussieren, eröffnet die Neuverfilmung gleich mehrere Nebenhandlungen. Diese Einzelschicksale sollen die emotionale Bindung zum Zuschauer stärken, ihn ins Geschehen ziehen. Doch stattdessen verwässert dies die aufkommende Bedrohung, da die entsprechenden Charaktere und Beziehungen viel zu platt daherkommen. Protagonist Alan beispielsweise bleibt über weite Strecken viel zu passiv, obwohl er später den einzigen menschlichen Bezugspunkt für seine Tochter und die anderen Kinder darstellt. Der Umstand, dass David keinen Anschluss an seine „Geschwister“ findet, hört sich interessant an, wird aber dramaturgisch nur halbherzig genutzt.

Sowieso finden sich die besten Szenen in Verbindung mit Dr. Verner und dem NSF. Dabei gewinnt man immer wieder kurzzeitig einen Blick auf ein größeres Ganzes, auf Zusammenhänge, die über den Mikrokosmos von Midwhich hinausgehen. In der Folge wird wirklich eine Bedrohung durch die Kinder spürbar, viel besser als in den einzelnen Szenen, die ihre gefährlichen Fähigkeiten illustrieren. Demgegenüber verpuffen auch die Auftritte des Reverends, der sie kontinuierlich als seelenlose Kreaturen bezeichnet und entgegen seines Auftrags als Hüter der Herde selbst gegen sie tätig wird, beinahe wirkungslos.

Die Kinder mit ihren weißen Haaren und blauen Augen, in weiß-blau gekleidet, stehen zusammen - Das Dorf der Verdammten.
Die Kinder werden zur Gefahr… © Koch Films

Verpasste Chance für eine Remake-Reihe

Eigentlich sollte Das Dorf der Verdammten nur der Auftakt einer Reihe von Horror-Remakes sein, die Universal Pictures in die Kinos bringen wollte. Im Anschluss war eine Neuverfilmung von Der Schrecken vom Amazonas (1955) durch John Carpenter angedacht. Die schlechten Kritiken und der Flop an den Kinokassen ließen diese Pläne schnell wieder verschwinden. Und auch der nächste Versuch, die eigenen Horror-Classics um Dracula, Frankensteins Monster, dem Werwolf und dem Unsichtbaren in einem eigenen Kino-Universum zu vereinen sollte fehlschlagen.

Schon die Produktion stand unter keinem guten Stern. Zwar war John Carpenter ein großer Fan des originalen Das Dorf der Verdammten, bezeichnete das Remake aber in späteren Interviews als eine reine Auftragsarbeit. Er filmte damals quasi im eigenen Hinterhof in Inverness, Kalifornien, doch ein Teil der Gemeinde war über den Dreh vor Ort gar nicht erfreut. So wird von häufigen Störungen und Vandalismus berichtet. Viele der Probleme des Films finden sich schon in den Änderungen der Figurenkonstellation im Drehbuch. Auch die Inszenierung Carpenters erinnert nur noch fern an ein anderes, besseres Küstenstadt-Porträt in seinem eigenen, auch hier entstandenen, The Fog – Nebel des Grauens (1979). Sogar der Score, den er mit The Kinks-Gitarrist Dave Davies komponierte, klingt blutleer und lustlos.

Der Cast dagegen präsentiert sich größtenteils solide. Christopher Reeves, der hier zum letzten Mal vor seinem schwerwiegenden Reitunfall zu sehen ist, spielt in der Hauptrolle tapfer gegen seine schlecht geschriebene Rolle an. Auch Kirsty Alley überzeugt als Wissenschaftlerin Dr. Verner, die ja auch den einzig wirklich funktionierenden Storystrang auf ihrer Seite hat. Nur Mark Hamill bleibt, mit Ausnahme seiner letzten Szene, ziemlich blass.

Eine Frau schreit, hinter ihr laufen andere Bewohner herbei - Das Dorf der Verdammten.
… und die Einwohner geraten in Panik © Koch Films

Unser Fazit zu Das Dorf der Verdammten

Man kann nicht sagen, dass Das Dorf der Verdammten nun ein komplett schlechter Film ist. Er hat durchaus seine Momente, verpasst es aber, durchgehend Spannung aufzubauen und die Bedrohung durch die Kinder nachhaltig zu etablieren. Damit reiht der Film sich in die schwächeren Werke des Ausnahmeregisseurs John Carpenter ein, der erst kurz davor mit Die Mächte des Wahnsinns (1994) einen erneuten Höhenflug verzeichnen konnte.

Für Fans des Films jedoch stellt die Neuveröffentlichung im schicken Steelbook durch Koch Films ein lohnenswertes Release dar. Denn neben der Blu-ray des Films findet sich neues Bonusmaterial auf einer zusätzlichen DVD.

Das Dorf der Verdammten ist ab dem 18. November 2021 im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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