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Cop Roenick schaut durch ein zerschossenes Fenster in Das Ende - Assault on Precinct 13

Das Ende – Assault on Precinct 13

Mit Das Ende – Assault on Precinct 13 wagte man 2005 das Remake des gleichnamigen Klassikers von John Carpenter und bewegte sich weg vom Horror zum reinen Action-Thriller. Ob der Film dem Vorbild trotzdem gerecht wird, erfahrt ihr hier!

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TitelDas Ende – Assault on Precinct 13
JahrUSA, Frankreich
Land2005
RegieJean-François Richet
DrehbuchJames DeMonaco, John Carpenter
GenreAction, Thriller
DarstellerEthan Hawke, Laurence Fishburne, Brian Dennehy, Drea DeMatteo, Gabriel Byrne, Maria Bello, John Leguizamo, Ja Rule
Länge109 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Laurence Fishburne und Ethan Hawke auf dem Cover von Das Ende - Assault on Precinct 13
Das Cover von Das Ende – Assault on Precinct 13 © Koch Films

Das Ende – Assault on Precinct 13

Weil sich im neuen Jahr die Pforten des 13. Reviers für immer schließen sollen, schiebt nur eine Minimalbesetzung am Silvesterabend dort Dienst. Die Leitung hat der ehemalige Undercover-Cop Sgt. Roenick (Ethan Hawke), daneben halten noch der alternde Det. O’Shea (Brian Dennehy) und Sekretärin Iris (Drea DeMatteo) die Stellung. Wegen des einsetzenden Schneefalls sucht am späten Abend ein Gefangenentransporter hier Unterschlupf, an Bord befinden sich drei Kleinkriminelle und der gefürchtete Gangsterboss und Polizistenmörder Bishop (Laurence Fishburne). Kurz vor Mitternacht findet sich dann auch noch die Psychologin Dr. Sabian (Maria Bello) ein, die zuvor schon den mit Komplexen beladenen und alkoholkranken Roenick einen Besuch abstattete und nun mit ihrem Wagen im Schnee stecken geblieben ist.

Als bewaffnete Männer in den Zellentrakt eindringen, glauben die Polizisten zuerst an einen Befreiungsversuch von Bishops Leuten. Doch es ist ein Sonderkommando der Polizei, korrupte Beamte unter der Führung von Marcus Duvall (Gabriel Byrne), die ihre Chance nutzen wollen, um Bishop zu eliminieren, bevor dieser sie vor Gericht belasten kann. Während Scharfschützen das Revier ins Visier nehmen, fordert Duvall den befehlshabenden Roenick auf, ihm Bishop auszuliefern. Ansonsten drohen sie, das Gebäude zu stürmen und alle zu töten. Doch entgegen dem Rat seines älteren Kollegen O’Shea denkt Roenick gar nicht daran, seine Grundsätze über Bord zu werfen. Er ist fest entschlossen, sein Revier gegen die Übermacht der Angreifer zu verteidigen…

Cop Roenick schaut durch ein zerschossenes Fenster in Das Ende - Assault on Precinct 13
Die Belagerten geraten unter Beschuss © Koch Films

Ein “Remake vom Remake”

1976 bediente sich der spätere Kult-Regisseur John Carpenter bei einem seiner Lieblingsfilme, dem Western Rio Bravo von Howard Hawks, um auf dessen Grundlage das Drehbuch für seine erste professionelle Regie-Arbeit Assault – Anschlag bei Nacht zu schreiben. Im Klassiker von 1958 verschanzen sich John Wayne, Dean Martin und Ricky Nelson in einem Gefängnis, um sich der Angriffe eines Großgrundbesitzers zu erwehren, der seinen inhaftierten Sohn befreien will.

Carpenter übertrug den Belagerungszustand dann sinngemäß auf ein Polizeirevier in Los Angeles, das kurz vor der Schließung steht. Die gesichtslosen Angreifer rekrutieren sich dabei aus einer Bande von Jugendlichen, die den Tod eines Mitglieds rächen wollen. In Wellen fallen die gesichtslosen Gangbanger während der Nacht über das Revier her, was der Dramaturgie einen starken Horroranstrich verleiht. Die zweite Besonderheit des Films ist die Zweckgemeinschaft, die Cop und Gangster auf Augenhöhe kooperieren ließ.

Das Drehbuch für die 2005er-Version Das Ende – Assault on Precinct 13 schrieb James DeMonaco (The Purge), der zunächst einmal sämtliche Horror-Elemente weg ließ und stattdessen eine Geschichte um korrupte Cops ersann, um dem Ganzen einen zeitgemäßen Rahmen zu geben. Den Handlungsort verlegte er vom Hitze-geplagten L.A. ins verschneite Detroit.

Bishop schaut finster drein, mit Waffe in der Hand in Das Ende - Assault on Precint 13
Bishop hat eine Waffe, er will überleben © Koch Films

Original vs Remake

Während John Carpenter seinen minimalistischen Reißer als Low Bugdet Produktion realisieren musste, konnte Regisseur Jean-François Richet für das Remake auf einen namhaften Cast zurückgreifen. Dementsprechend verpasst die Geschichte den Hauptfiguren einen Hintergrund, ein Profil, durch das die Darsteller sie mit Leben füllen. Damit geht Das Ende – Assault on Precinct 13 teils gänzlich andere Wege als sein Vorbild. Wo Carpenter durch lange Einstellungen und die Kunst des Auslassens zusammen mit seinem einnehmenden Synthie-Score eine bedrohliche Kulisse erschuf, versucht das Script von DeMonaco durch die Interaktion der verschiedenen Charaktere Spannung zu erzeugen.

Doch dies gelingt nur bedingt, da die Charakterisierungen in Ansätzen stecken bleiben. So ist Roenick der mit sich hadernde, aber aufrechte Cop, der sein Trauma überwinden muss. Und Bishop stellt den zwar skrupellosen, aber eher pragmatischen Gangster dar, der sich nur durch seine “Berufsbezeichnung” von seinen Partnern um Marcus Duvall unterscheidet. Ethan Hawke und Laurence Fishburne tun ihr Bestes, können dennnoch nicht verhindern, dass die beiden gegensätzlichen Protagonisten kaum bis gar nicht über Stereotype hinauskommen.

Letztlich erweist sich die Neuauflage dann doch in den Momenten am spannendsten, wenn das Geschehen sich von den Protagonisten entfernt, stimmungsvolle Bilder des eingeschneiten Reviers gezeigt werden oder in stummen Momenten Scharfschützen in Stellung gehen oder die wortlosen Schergen Duvalls die Belagerten angreifen. Das, was der Film an Action aufbietet, ist gewiss nicht besonders spektakulär, aber sehr ansprechend gefilmt und montiert. Unterm Strich kommt dann auch ein durchaus solider Action-Thriller bei rum, der jedoch kaum zum nächsten Klassiker taugt und im Vergleich zum Original klar den Kürzeren zieht.

Cast & Crew

Der Franzose Jean-François Richet kehrte nach diesem Hollywood-Debüt wieder nach Frankreich zurück, wo er mit dem Zweiteiler Public Enemy No. 1 (2008) für Furore sorgte. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass sich schon sein Landsmann Florent-Emilio Siri für seinen Action-Thriller Das tödliche Wespennest (2002) an Motiven des Carpenter-Klassikers bediente, was ihm mit Hostage – Entführt (2005) ein ebenfalls nur kurzes Hollywood-Gastspiel einbrachte. Der Film von Siri entfernt sich noch ein Stück weiter vom Original, kann die Prämisse, die dort in ein Lagerhaus verlegt wird, aber auch weit gewinnbringender einsetzen.

Der Cast von Das Ende – Assault on Precinct 13 kann sich, wie schon erwähnt, sehen lassen. Neben Ethan Hawke (Training Day, Die glorreichen Sieben) und Laurence Fishburne (Apocalypse Now, John Wick: Kapitel 3) agieren auch in den Nebenrollen routinierte Darsteller. Als Boss der korrupten Cops ist Gabriel Byrne (Die üblichen Verdächtigen, Hereditary) zu sehen, den alternden Cop O’Shea gibt Brian Dennehy (Rambo, Bestseller) und unter den Gefangenen tummelt sich auch der Rapper Ja Rule (The Fast & the Furious, Halbtot). In der prägnanten weiblichen Rolle der mit bösen Jungs flirtenden Sekretärin kann Drea DeMatteo (Die Sopranos, Sons of Anarchy) überzeugen, während Maria Bello (A History of Violence, Navy CIS) als Psychologin leider ziemlich blass bleibt.

Sekretärin Iris raucht eine Zigarette in Das Ende - Assault on Precinct 13
Iris ist der Ruhepol des Reviers, trotz ihres Faibles für böse Jungs © Koch Films

Unser Fazit zu Das Ende – Assault on Precinct 13

Als Remake geht Das Ende – Assault on Precinct 13 einen eigenen Weg, was zu begrüßen ist. Denn wer hätte schon eine identische Neuauflage von Carpenters Film gebraucht, der in der heutigen Zeit wohl auch kaum auf die gleiche Weise funktioniert hätte? Alles in allem liefert die Produktion einen soliden Action-Thriller, dessen Stärken sicherlich in der Fotografie und im Schnitt liegen. Dafür, dass man sich mehr auf die Charaktere und ihr Verhalten in dieser Extremsituation konzentrierte, kommt erstaunlich wenig Charakterdrama dabei herum, was an dem wohl eher schwachen Drehbuch liegt. Insgesamt ist es ein Film, der niemanden weh tut und durchaus unterhalten kann, ohne jedoch dem großen Namen, den er trägt, gerecht zu werden.

Eine Blu-ray des Films war längst überfällig, der Grund eine Fehleinschätzung des Verleihers Universal Pictures. Die brachten den Film 2006 schon auf einer HD-DVD, dem Medium, das den Kampf gegen die Blu-ray schließlich verlor. Also kann man sich jetzt freuen, den Film endlich in Deutschland in HD vorliegen zu haben. Und da dem Mediabook von Koch Films das Original als Bonus beiliegt, lädt dies sicherlich zu einem direkten Vergleich ein. Hier kann man die größeren und vor allem vielen kleineren Änderungen entdecken und dann jeder für sich entscheiden, welche Version ihm besser gefällt. Und alleine diese Tatsache macht diese Veröffentlichung zu einer dicken Empfehlung.

Das Mediabook ist am 10. Dezember 2020 erschienen!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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