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Das Haus der Vergessenen Beitragsbild © Koch Films

Das Haus der Vergessenen

Der kleine Fool sollte mit seinen 13 Jahren noch die letzte Zeit seiner Kindheit genießen. Doch bei drohender Obdachlosigkeit und Verarmung muss er bei einem Einbruch gezwungenermaßen seinen Mann stehen. Und er muss feststellen, dass alles Schlimme, das man sich über Das Haus der Vergessenen erzählt, wahr ist…

TitelDas Haus der Vergessenen
Jahr1991
ProduktionslandUSA
RegieWes Craven
DrehbuchWes Craven
GenreHorror, Komödie
DarstellerEverett McGill, Wendy Robie, Brandon Quinton Adams
Länge102 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Das Haus der Vergessenen MB Cover © Koch Films
Das Haus der Vergessenen im Mediabook © Koch Films

Ein junger Fool betritt Das Haus der Vergessenen

Der junge Afro-Amerikaner Poindexter, den alle nur Fool nennen, ist gerade 13 Jahre alt geworden. Jedoch ist ihm nicht zum Feiern zumute. Seine Mutter ist krank und ihnen wurde soeben die Wohnung wegen ausstehender Miete gekündigt. Deswegen kann er das Angebot von Leroy nicht ausschlagen, sich bei einem Bruch zu beteiligen. Als Opfer haben er und sein Kumpane Spenser das Ehepaar Robeson ausgemacht. Sie besitzen viele Immobilien in der Gegend, die sie immer mehr verkommen lassen, um die alten Mieter zu vertreiben. Dabei ist es ihr Plan, die Häuser an ein neues Großprojekt gewinnbringend zu veräußern. Außerdem heißt es, dass sie irgendwo im Haus eine nicht unerhebliche Menge an Goldmünzen horten.

Das Haus der Vergessenen Screen 01 © Koch Films
Mommy heißt uns willkommen in Das Haus der Vergessenen © Koch Films

Der Plan sieht vor, dass Fool sich als Pfandfinder verkleidet Zugang zum Haus verschafft, um es auszukundschaften. Doch “Mommy” Robeson verweigert ihm hartnäckig Einlass, selbst als er vorgibt, dringend aufs Klo zu müssen. Darauf versucht es Spenser, der es, als Gasmann verkleidet, sogar ins Haus schafft. Allerdings kommt er nicht wieder heraus. Folglich sieht Leroy seine Felle davon schwimmen, weil er denkt, dass Spenser den Coup alleine durchzieht. Also bricht er mit Fool in das schwer gesicherte Haus ein. Das Heim der Robesons entpuppt sich als Festung, in der sie die kleine Alice von der Außenwelt abkanzeln. Hinter den Wänden lebt der verwahrloste Roach, den Mommy und Daddy Robeson gerne tot sehen würden. Und auch der düstere Keller mit seinem Verlies hält ein schreckliches Geheimnis bereit…

Cravens Universal-Horror-Triple

Das Haus der Vergessenen war Anfang der 90er-Jahre der letzte von drei Filmen, die Craven für Universal drehte. Dabei spielte der Film, der in seiner ersten Woche auf Platz 1 die Kino-Charts anführte, insgesamt mehr als 30 Millionen Dollar weltweit ein. Damit war er beinahe so erfolgreich wie die vorangegangenen Die Schlange im Regenbogen und Shocker zusammen. Bei allen drei Projekten hatte sich der Horror-Regisseur, der mit Nightmare – Mörderische Träume (1984) seinen ersten großen Hit landen konnte, die vollkommene kreative Freiheit zusichern lassen. Etwas, dass der Qualität der Filme, die allesamt keineswegs zum Mainstream des immer mehr auf Jugendliche zugeschnittenen Genres zu zählen waren, sicherlich massiv zugute kam.

Zuerst stand die Verfilmung des nicht unumstrittenen Buches von Wade Davis über die Zombifizierung im Voodoo wegen politischer Unruhen in Haiti unter keinem guten Stern. Danach scheiterte Craven beim Versuch, einen eigenen geistigen Nachfolger zu seinem großen Erfolg mit der Horrorfigur Freddy Krüger zu erschaffen. Bei Das Haus der Vergessenen geriet der Regisseur schon unter Druck seitens des Studios, auch wenn keiner der anderen Filme wirklich floppte. Trotzdem ließ er sich nicht beirren und lieferte eine seiner kreativsten Arbeiten ab. Das Drehbuch eint Horror-Märchen mit Sozial-Satire, hat sein Herz bei der Sympathie für den Underdog am rechten Fleck. Obgleich die Produktion einige heftige Effekte aus dem Hause KNB aufbietet, verkommt er nie zur Splatter-Show. Ganz im Gegenteil, der Film tänzelt geradezu leichtfüßig durch seine Geschichte.

Das Haus der Vergessenen Screen 02 © Koch Films
Klein Alice muss mit anpacken in Das Haus der Vergessenen © Koch Films

Ghetto-Drama trifft auf politisiertes Märchen

Die Idee für den Film entnahm Wes Craven einem wahren Fall aus dem Jahre 1978. Damals wurde durch einen Einbruch zweier Diebe ein Geschwisterpaar, das über Jahre im Elternhaus weggeschlossen wurde, entdeckt. In seinem Film machte er aus den Eltern ein verschrobenes Paar konservativer Kapitalisten, die hinter ihren Mauern schreckliche Dinge verbergen. Das Abenteuer des kleinen Jungen Fool legte er in der Art eines Märchens, frei nach Hänsel & Gretel, an. Das Heim der Robesons gleicht außen einer Festung, innen einem mittelalterlichen Schloss mit Geheimgängen und Verlies. Aber mit seinen psychotischen Bewohnern und dem obligatorischen Ofen taugt es genauso zum Hexenhaus. Dabei sind es hier nicht nur die Kinder, eines gehegt, das andere gejagt, die Das Haus der Vergessenen eigentlich nie mehr verlassen sollen.

Ein Besetzungs-Coup ist den Produzenten mit Everett McGill und Wendy Robie geglückt. Denn sie spielten schon in David Lynchs Kult-Serie zu der Zeit ein problembelastetes Ehepaar. Auch hier stimmt die Chemie zwischen den beiden, sodass man ihnen ihre Rollen als Mommy und Daddy, trotz aller Absurditäten, abnimmt. Sie wurden von der zeitgenössischen Kritik gerne mit Ronald und Nancy Reagan verglichen. Dementsprechend praktizieren sie mit ihrem Plan, die Gegend für Großinvestoren zu öffnen, auch die Reagonomics der vergangenen Jahre. Aber auch der junge Brandon Quinton Adams (Moonwalker) und A.J. Langer als Alice ergänzen sich prima. Als Kleinkrimineller Leroy, der Fool für den Bruch einspannt, ist Ving Rhames (E.R., Pulp Fiction) zu sehen. Eine der großen Stärken des Films ist das Design des Hauses. Bryan Jones arbeitete schon bei Michael Jacksons Moonwalker und wusste auch Das Haus der Vergessenen mit vielen dunklen Ecken und schrägen Winkeln auszustatten.

Das Haus der Vergessenen Screen 03 © Koch Films
Daddy hat sich schick gemacht in Das Haus der Vergessenen © Koch Films

Ein Haus, alles andere als vergessenswert

In der Hand eines weniger versierten Regisseurs und Autors wie Wes Craven wäre solch ein Film Gefahr gelaufen, sich in den vielen Thematiken zu verheddern. Sicherlich hätte andere Filmemacher dieser Zeit und dieses Genres daraus eher eine oberflächliche Splatter-Show kreiert. Craven allerdings gelingt dieser Drahtseilakt zwischen satirischen Spitzen und wohl dosierten Schocks. Obwohl manche Thematik eher am Rande vorkommt und sich die Aussage etwas mit dem Ausgang des bösen Märchens beißt, greifen die Rädchen der Dramaturgie durchgehend ineinander. Unter dem Strich ist Das Haus der Vergessenen damit nicht Cravens spannendster oder gruseligster Film, aber einer seiner ambitioniertesten und sympathischsten. Gerade das Thema des Mietwuchers und der Wohnungsnot sowie der ausufernde Klassenkampf haben in unserer Zeit leider wieder an Aktualität gewonnen. Nur wenige Jahre später sollte er ja mit der Scream-Reihe einen Megahit landen.

Das Haus der Vergessenen Screen 04 © Koch Films
Mommy ist ungehalten in Das Haus der Vergessenen © Koch Films

Nachdem der Film bereits 2014, damals noch indiziert, über Österreich in der Reihe Koch Kaputt erschienen war, packte man die Scheiben jetzt in ein hübsches Mediabook. Der Film selbst ist inzwischen vom Index gestrichen und neu geprüft worden. Zeitgemäß wurde er jetzt auch für ein jugendliches Publikum freigegeben. Technisch ist an der Wiederveröffentlichung nichts auszusetzen, doch in Sachen Extras sieht es immer noch schmal aus. Mehr als die Audiokommentare der damals jungen Hauptdarsteller, ein Making-of, das seinen Namen kaum verdient, sowie Bildergalerie und Trailer sind nicht drin. Wer den Film jedoch nicht sein eigen nennt, kann, auch mangels Alternativen, hier bedenkenlos zugreifen.

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16 Bewertungen
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Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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