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Billy Zane alias Das Phantom reitet auf einem weißen Pferd, hinter ihm sitzt Kristy Swanson in einem beigefarbenen Abenteureroutfit und schulterlangen rotbraunen Haaren. Im Hintergrund ist der Dschungel zu sehen.

Das Phantom

Comicverfilmungen haben wohl die Filmgeschichte der letzten 20 Jahre geprägt wie kein anderes Genre. Doch reale Schauspieler in fiktiven Ganzkörperstramplern gab es schon vor Iron Man & Co. Mit Das Phantom erweckte Regisseur Simon Wincer 1996 einen der dienstältesten Comic-Helden zum Leben. Wieso der maskierte Revolverheld sich auch heute noch gegen seine übermenschlich starken Kollegen behaupten kann, erfahrt Ihr in unserem Review.

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TitelDas Phantom
Jahr1996
LandUSA
RegieSimon Wincer
DrehbuchJeffrey Boam, Lee Falk
GenreAbenteuer, Action
DarstellerBilly Zane, Kristy Swanson, Treat Williams, Catherine-Zeta Jones
Länge100 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
VerleihUniversal Pictures
Auf dem Blu-ray-Cover von Das Phantom sieht man Billy Zane im lila Kostüm des Phantoms, mit einer schwarzen Augenmaske und einem Totenkopfgürtel. Der Hintergrund ist lila und mit Totenköpfen geschmückt
Das Blu-ray-Cover von Das Phantom © Universal Pictures

Worum geht es in Das Phantom?

1938: Der skrupellose Geschäftsmann Xander Drax (Treat Williams) kontrolliert einen millionenschweren Großkonzern mit globalem Einfluss. Doch Drax will noch mehr: Nicht weniger als die Weltherrschaft soll es sein. Um diese zu erlangen, lässt er zwielichtige Kriminelle weltweit nach den drei sagenumwobenen Schädeln von Toganda suchen, einer uralten Waffe mit unbegrenzter Zerstörungskraft. Als ein Expeditionstrupp im Urwald des afrikanischen Inselstaates Bengalla auf den ersten Schädel stößt, ruft das den Beschützer des Dschungels auf den Plan: Das Phantom (Billy Zane), einen jahrhundertealten Hüter des Friedens. Kann der wandelnde Geist die Welt vor der Zerstörung durch die Schädel bewahren?

Das Phantom – Der Erste seiner Art

Noch bevor Superman das erste Mal sein rotes Cape überstreifte oder Batman seiner ersten Verbrecherspur folgte, sorgte Kit Walker aka Das Phantom bereits für Recht und Ordnung in der modernen Welt. Eine Maske wie Zorro, bewaffnet und beritten wie Revolverhelden aus dem Wilden Westen oder eine Piratendynastie als Erzfeind: Autor Lee Falk vereinigte in dem Beschützer von Bengalla eine Vielzahl von Heldenmotiven, die bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts weltweit Kinder in Geschichten und Filmen begeisterten. Seit Jahrhunderten beschützt er den Dschungel eines einheimischen Pygmäenstammes, die ihn ehrerbietig „Wandelnder Geist“ nennen. Diesen Beinamen verdiente sich der Mann in Lila durch seine scheinbare Unsterblichkeit, die jedoch einer ganz rationalen Tatsache entspringt: Das erste Phantom war ein auf Bengalla gestrandeter Junge im 16. Jahrhundert, dessen Schiff von der berüchtigten Singh-Piratenbande versenkt wurde. Gerettet und aufgezogen von den Einheimischen, verschwor er sich und seine Nachfahren dem ewigen Schutz. Und das ganz ohne Superkräfte.

Billy Zane als Das Phantom steht mit Kristy Swanson auf dem Flügel eines roten Kleinflugzeugs. Beide wirken angespannt und bereit zum Sprung.
Das Phantom und Diana warten auf den richtigen Moment zum Absprung. © Universal Pictures

Das Abenteuer beginnt

Falks Abenteuercomic wurde seit seiner Erstveröffentlichung 1936 mehrfach adaptiert, die bekannteste Umsetzung ist wohl das 15-teilige Kinoserial von 1943 mit Westerndarsteller Tom Tyler als Phantom. Angestoßen durch den erneuten Comic-Hype der Burtonschen Batman-Verfilmungen, sicherte sich Paramount Pictures die Rechte an den Abenteuern des violetten Wahlbengallesen. Man betraute mit dem Projekt den australischen Filmemacher Simon Wincer sowie Autor Jeffrey Boam, u.a. mitverantwortlich für das Skript zu Indiana Jones und der letzte Kreuzzug – zwei Kenner des klassischen Abenteuerfilms. Dieser ungewöhnliche Ansatz für einen Superheldenfilm schwebt jedoch wie ein Damoklesschwert über Das Phantom. Lobenswert ist die kindgerechte Handlung, die auch Erwachsene gut unterhält. Boams Drehbuch liefert jedoch mehr Bekanntes als Revolutionäres: Rettungsaktionen von einstürzenden Hängebrücken, motorisierte Verfolgungsjagden durch den Dschungel und Faustkämpfe auf einem Frachter sorgen für kurzweilige Unterhaltung mit sehenswerten Stunteinlagen. Allen voran wohl eine Flugzeugnotlandung, bei der sich das Phantom und seine Begleiterin Diana auf den Rücken seines Reittieres retten können.

Indiana Jones lässt grüßen

Regisseur Wincer inszeniert gekonnt und spendiert dem fiktiven Bengalla einige wunderschöne Landschaftsaufnahmen. Auch das Production Design wirkt detailverliebt und lässt z.B. die Totenkopfhöhle des Phantoms noch mystischer wirken. In Sachen Figurenzeichnung hat Das Phantom jedoch mit Problemen zu kämpfen: Stereotypen ziehen sich durch die gesamte Handlung, von den kleingeistigen Kriminellen bis zur scheinunabhängigen Hobby-Abenteurerin Diana (Kristy Swanson). Treat Williams als Oberbösewicht Xander Drax strahlt nur bedingt Bedrohlichkeit aus, auch wenn er Speere und Laserstrahlen aus seiner Schädelwunderwaffe auf Freund wie Feind abfeuert. Setting und Charaktere wirken oft als seien sie einem unfertigen Indiana Jones-Skript entsprungen. Das ist nicht schlecht, aber auf Dauer zu generisch. Wo der Autor jedoch wiederum punkten kann, sind die Dialoge. Gerade Catherine-Zeta Jones als Drax´ Handlangerin und der Obermotz selbst dürfen mit frech-provokanten Wortgefechten glänzen. In der deutschen Fassung wirkt Drax´ größenwahnsinnige Art durch Kultsprecher Arne Elsholtz noch wahnsinniger und sorgt für einige unerwartete Lacher.

Treat Williams spielt den Bösewicht Xander Drax in Das Phantom. Er trägt einen schwarzen Anzug mit Krawatte, kurze Haare und einen Schnauzbart. In den Händen hält er einen silbernen und schwarzen Totenkopf aus Metall, im Hintergrund sind alte Rüstungen in einem Museum zu sehen.
Bösewicht Xander Drax (Treat Williams) fehlt nur noch der dritte Schädel von Toganda. © Universal Pictures

Der wandelnde Geist

Das klingt ja soweit nach einem soliden Abenteuerfilm. Aber funktioniert das auch für Superhelden-Fans? Definitiv! Da das Phantom ohne Superkräfte auskommen muss und sich so lediglich auf Fähigkeiten wie Verstand, Charme und Athletik verlassen kann, bildet sich hier eine unterhaltsame Symbiose. Und vor allem Billy Zane, bekannt als unsympathischer Verlobter aus Titanic, lässt seinen Charme spielen und weiß sowohl im zivilen Trenchcoat als auch lila Heldenmontur zu überzeugen. Bemerkenswert sind vor allem die Muskelpakete, die er sich für die Rolle innerhalb eines Jahres antrainiert hat und dem Phantom so in Kampfszenen einen ordentlichen Bumms verleiht. Das vorlagengetreue Kostümdesign ist farblich mehr als gewagt, wirkt aber nie lächerlich. Was man jedoch nicht vergessen darf: Das Phantom ist ganz klar für die Jüngeren gemacht und verzichtet daher auch unnötige gewaltverherrlichende oder sexualisierte Motive. So hat der Film kaum Ecken und Kanten, läuft jedoch rund wie eine gut geölte Achterbahn auf dem Rummel.

Billy Zane alias Das Phantom steht oberkörperfrei in seinem Höhlenunterschlupf, die nur von Kerzenlicht beleuchtet ist. Er wirkt verschwitzt und redet gerade mit einem älteren Mann.
Kit Walker ist in körperlicher Bestform für den nächsten Einsatz. © Universal Pictures

Unser Fazit zu Das Phantom:

Das Phantom beweist, dass Superhelden auch ohne übermenschliche Kräfte die Welt retten können: Ein Abenteuer-Setting mit viel Indiana Jones-Flair liefert unterhaltsame, aber leider auch oft stereotypische Filmmomente. Vieles wirkt zu rund geschrieben, was jedoch der Ausrichtung auf eine junge Zielgruppe geschuldet ist. Billy Zane als wandelnder Geist trägt diesen Film mit viel Charme und Körpereinsatz – und das lila Heldendress steht ihm unerwartet gut. Ein Highlight von Wincers Comicadaption ist die Optik: Ein anschauliches Production Design und wunderschöne Landschaftsaufnahmen werten den Film merklich auf und relativieren einige der Handlungsschwächen. Das Phantom bietet kurzweilige Unterhaltung mit viel Comic-Nostalgie, die in Zeiten von omnipräsentem CGI-Superhelden-Bombast angenehm entschleunigend wirkt.

Das Phantom erschien am 05. November 2020 auf Blu-ray.

Unsere Wertung:

 

 

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