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Screenshot 01 von Das Testament des Dr. Mabuse© Atlas Film

Das Testament des Dr. Mabuse

Fritz Langs Das Testament des Dr. Mabuse wurde seinerzeit unter den Nazis verboten. Erst 1951 erfolgte, leicht gekürzt, die Premiere auf deutschen Boden. 2006 wurde der Film wieder vervollständigt und aufwändig restauriert. 2019 sehen wir nun der HD-Auswertung entgegen. Aber lohnt sich das Gesamtpaket?

TitelDas Testament des Dr. Mabuse
Jahr1933
ProduktionslandDeutschland
RegieFritz Lang
DrehbuchThea von Harbou
GenreKrimi, Mystery, Thriller
DarstellerRudolf Klein-Rogge, Otto Wernicke, Oscar Beregi Sr., Gustav Diessl, Wera Liessem
Länge115 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihAtlas Film
MB Cover Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film
Mediabook von Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film

Üble Burschen und schwere Zeiten

Anfang der 30er-Jahre leidet auch Deutschland unter der Weltwirtschaftskrise. Folglich wächst das Heer der Arbeitslosen an, wie auch die Kriminalitätsrate steigt. Gerade Berlin wird von einer aufsehenerregenden Welle besonders brutaler, scheinbar sinnloser Verbrechen heimgesucht. Nebenbei erhält Kommissar Lohmann Anrufe des Kleinkriminellen Hofmeister, der zu wissen behauptet, wer hinter den Verbrechen steckt. Als er ihn in der Nervenklinik des Professor Baum ausfindig macht, ist er jedoch nicht mehr ansprechbar. Aber hier erfährt Lohmann von Dr. Mabuse, einem Genie des Verbrechens. Dieser hatte das Nachkriegsdeutschland vor 10 Jahren in Atem gehalten. Im Folgenden vegetiert der dem Wahnsinn verfallene Superverbrecher in seiner Zelle. Dort schreibt er manisch Tag und Nacht an Plänen für neue Untaten.

Der Kommissar richtet infolgedessen sein Augenmerk auf Mabuse und seine Schriften. Allerdings stirbt dieser kurz darauf. Licht ins Dunkel bringen könnte dabei der Gangster Thomas Kent. Denn er gehört zu genau der Bande, die die Stadt mit Verbrechen überzieht. Er ist nun seiner Freundin Anna zuliebe bereit auszusteigen. Sie hatte ihm einst ein Darlehen gegeben, als er arbeits- und hoffnungslos das Amt verließ. Statt sich eine geregelte Arbeit zu suchen, schloss er sich darauf der Bande an. Diese bekommt ihre Anweisungen von einem Unbekannten, der sich hinter einem Vorhang verbirgt. Er verliest ihnen Das Testament des Dr. Mabuse. Und als bekannt wird, dass Thomas aussteigen will, befinden sich die Liebenden in Lebensgefahr. Schon bald sind ihnen die fanatischen Anhänger des Syndikats auf der Spur. Schließlich werden sie in eine tödliche Falle gelockt und ihre Lage scheint aussichtslos…

Screenshot 03 zu Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film
Der Kleinkriminelle Hofmeister ist dem Wahnsinn nahe in Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film

Der Film gewinnt Ton, während Mabuse verstummt

Bereits 1922 verfilmte Fritz Lang den Erfolgsroman Dr. Mabuse, der Spieler von Norbert Jaques. Der zweiteilige Stummfilm, der vier Stunden läuft, wird ein großer Erfolg. Regisseur Lang verstand ihn als Zeitbild der Weimarer Republik, wo das Laster und der Hedonismus überhand nahmen. Das Verbrecher-Genie Dr. Mabuse bewegt sich, meist verkleidet, in der Schattenwelt der Republik. Dabei nimmt er in den Casinos von Berlin durch seine Hypnosekunst reiche Mitspieler aus. Außerdem errichtet er im Untergrund eine Verbrecherorganisation, die den Staat unterwandert. Am Ende verfällt der in die Enge getriebene Mabuse schließlich dem Wahnsinn.

Das Testament des Dr. Mabuse setzt nun 10 Jahre später an. Jedoch tritt das kriminelle Genie hier in den Hintergrund, stirbt gar zur Hälfte des Films. Und während der Tonfilm seinen Darstellern Stimme verleiht, bleibt der Doktor selbst stumm. Er sitzt apathisch in der Zelle, Seiten um Seiten schreibend, und spricht nur durch das Oberhaupt der kriminellen Bande. Erst zum Ende, als der Verbrecher gestellt und verfolgt wird, vernimmt man ein bedrohliches Flüstern. Mabuses Nachfolger, der eigentlich auch nur eine Marionette war, ereilt dasselbe Schicksal wie ihn selbst.

Screenshot 02 zu Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film
Alle Hinweise führen zu Mabuse in Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film

Auch wenn das Mystery für den Krimi-Fan schnell entschlüsselt ist, weiß der Film von Fritz Lang durchaus zu fesseln. Zwar ist das Erzähltempo zumeist gemächlich, doch durch einen ständigen Wechsel der Perspektiven gelingt es ihm, das Interesse hoch zu halten. Als Zuschauer werden wir hierbei abwechselnd Zeuge der Ermittlungen wie auch der Geschichte von Thomas und Anna. Dazu gewährt uns Lang auch immer wieder einen Blick auf die Nervenklinik sowie die Verbrecherbande. Aufgelockert wird das ganze durch eingestreute Action-Szenen, wobei der Spannungsbogen letztendlich in der Explosion einer Chemie-Fabrik und einer anschließenden wilden Verfolgungsjagd gipfelt.

Deutschland zwischen zwei Weltkriegen

Während Dr. Mabuse, der Spieler also Langs Sicht auf die Weimarer Republik Anfang der 20er Jahre darstellte, entstand Das Testament des Dr. Mabuse unter dem Eindruck des Aufstiegs der Nationalsozialisten. Sein Status als antifaschistisches Pamphlet, den auch der Meister-Regisseur im us-amerikanischen Exil gerne befeuerte, gilt heute allerdings als umstritten. Gewiss entstand die Roman-Vorlage von Norbert Jaques unter dem Eindruck des Terrors der Nazi-Milizen, auch die Parallelen zwischen der Entstehung der Schriften Mabuses und Adolf Hitlers Mein Kampf während dessen Festungshaft 1924 sind wohl kaum von der Hand zu weisen. Darüber hinaus legte Lang in den Dialogen den Verbrechern einige auch in der NSDAP gebräuchliche Phrasen in den Mund. Und tatsächlich wurde der eigentlich schon freigegebene Film vom Propaganda-Ministerium unter Joseph Goebbels verboten. Daraufhin musste die Premiere des Films in Rumänien stattfinden, und eine Kopie wurde nach Österreich-Ungarn geschmuggelt.

Der Grund für das Verbot lag jedoch nicht in den subtil eingebrachten Parallelen zum aufkommenden National-Sozialismus. Propaganda-Minister Goebbels, der ein großer Bewunderer Langs, vor allem seines Klassikers Metropolis, war, sah daran eine Anleitung zum Verbrechen. Auch störte er sich daran, dass der Verbrecher am Ende nicht durch die von ihm geschädigte Gemeinschaft zum Sturz gebracht wurde. Hinzu kam, dass Fritz Lang im Nachhinein dazu neigte, seine Aussagen in Bezug auf den Film, dessen Verbot und seine Emigration in die USA stark auszuschmücken und übermäßig zu dramatisieren. Zudem galt seine damalige Ehefrau Thea von Harbou, mit der er das Script des Films verfasste, als regimetreu. Sie übernahm unter den Nazis sogar den Vorsitz des Verbandes deutscher Tonfilmautoren und war an einer Reihe von Propaganda-Produktionen beteiligt. Dessen ungeachtet betätigte sie sich zum Ende des Krieges als Flüchtlingshelferin und nach dessen Ende als Aufbauhelferin, als sogenannte “Trümmerfrau”.

Screenshot 04 zu Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film
Beseelt vom Bösen in Das Testament des Dr. Mabuse © Atlas Film

Das Testament des Dr. Mabuse & seine Erben

Seine deutsche Erstaufführung erlebte der Film erst 1951, doch damit war die Geschichte des Superverbrechers noch lange nicht beendet. Die Namensrechte hatte sich inzwischen der Produzent Artur Brauner gesichert. Als der Edgar-Wallace-Film Der Frosch mit der Maske 1959 ein großer Erfolg wurde, sah er die Zeit neuer Mabuse-Kriminalfilme für gekommen. Brauner trat also an Fritz Lang heran, der schon für ihn Der Tiger von Eschnapur und Das indische Grabmal inszeniert hatte. Lang inszenierte 1960 mit Die 1000 Augen des Dr. Mabuse seinen letzten, eigenen Langfilm. Im Schatten des legendären Superverbrechers hegt ein Bewunderer nun Allmachtsphantasien, die er durch hypnotisierte Handlanger umzusetzen sucht. Es ist der Auftakt zu einer Reihe von sechs Filmen, worunter sich 1962 auch ein Remake zu Langs Das Testament des Dr. Mabuse findet.

Der Veröffentlichung des Films von Atlas Film stehe ich, ehrlich gesagt, mit gemischten Gefühlen gegenüber. Klassiker der deutschen Filmgeschichte haben auf dem heimischen Markt zugegebenermaßen einen schweren Stand. Nimmt man dabei nur die Qualität des Films in Bild und Ton als Gradmesser, ist die HD-gemasterte Fassung sicherlich ein sinnvolles Upgrade zu bisherigen DVD-Veröffentlichungen. Es stellt sich überdies nur die Frage, für wen? Da die Scheiben selbst ohne irgendwelche Extras daherkommen, haben darin die Veröffentlichungen von Eureka! aus England und Criterion aus den USA demgegenüber meilenweit die Nase vorn. Das Mediabook ist zwar hübsch aufgemacht, gerade das Booklet offenbart viel Liebe zum Detail und ist lesenswert. Jedoch dürfte das, hingegen zu den vorigen Mediabooks der Reihe, auf der Front aufgedruckte FSK-Zeichen für Sammler ein KO-Kriterium sein.

Update

Inzwischen hat sich Atlas Film bezüglich des aufgedruckten FSK-Logos zu Wort gemeldet. Es handle sich hierbei um einen bedauerlichen Produktionsfehler. Dieser sei erst aufgefallen, als die erste Auslieferung an die Händler schon unterwegs gewesen wäre. Käufer des Mediabooks können sich nun unter info@atlas-film.de kostenfrei einen O-Card Schuber bestellen. Dieser enthält dann das Cover-Motiv ohne das störende FSK-Logo.

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© Atlas Film

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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