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Ein halb verwandelter Werwolf schaut mit gefletschten Zähnen in die Kamera

Das Tier (The Howling)

40 Jahre sind vergangen, seit Horror-Kult-Regisseur Joe Dante mit Das Tier (OT: The Howling) den Werwolf-Mythos erfolgreich auf die große Leinwand brachte. Jetzt erscheint der Horrorfilm erstmals in 4K. Zeit für eine Neubetrachtung!

THE HOWLING - DAS TIER Trailer German Deutsch (1981)

TitelDas Tier (OT: The Howling)
Jahr1981
LandUSA
RegieJoe Dante
DrehbuchJohn Sayles, Terence H. Winkless
GenreHorror
DarstellerDee Wallace, Patrick Macnee, Dennis Dugan, Christopher Stone, Belinda Balaski, Kevin McCarthy, John Carradine, Slim Pickens, Elisabeth Brooks
Länge91 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihStudioCanal
Packshot der neuen UHD-Edition von Das Tier, The Howling
Die neue UHD-Edition von StudioCanal © StudioCanal

Die Handlung von Das Tier (The Howling)

Der Serienmörder Eddie Quist (Robert Picardo) hat es auf die TV-Journalistin Karen West (Dee Wallace) abgesehen und nimmt daher mit ihr Kontakt auf. Um ihn endlich dingfest zu machen, stellt Karen ihm in Zusammenarbeit mit der Polizei von Los Angeles eine Falle. Ins Porno-Kino gelockt trifft Eddie auf den blonden Lockvogel und wird schließlich von den einsatzbereiten Polizisten erschossen, als die Lage zu eskalieren droht.

Der Vorfall traumatisiert Karen so schwer, dass sie auf Rat des Psychologen Dr. George Waggner (Patrick Macnee) zu seinem im Wald gelegenen Therapiezentrum reist. Dort angekommen entpuppt sich die Einrichtung als kleine Kommune abgeschieden von der Zivilisation, bei der die Reporterin zusammen mit ihrem Freund Bill (Christopher Stone) wieder einen klaren Kopf bekommen möchte. Doch schnell häufen sich die Anzeichen, dass die Menschen vor Ort alles andere sind als harmlose Patienten.

Darstellerin Dee Wallace steht in einer Telefonzelle mit dem Hörer in der Hand
Journalistin Karen fungiert als Lockvogel für den Serienmörder Eddie Quist © StudioCanal

Der gelungene Start einer Horrortrash-Reihe

Im Jahr 1981 war die Zeit allem Anschein nach reif, um wieder Werwölfe in die Kinos zu bringen. Denn zu dieser Zeit erschienen gleich vier Horrorfilme mit genau dieser Thematik: John LandisAmerican Werewolf, Michael Wadleighs Wolfen, Joe Dantes Das Tier und Ein Werwolf beißt sich durch von Larry Cohen. Neben dem ausgemachten Kultfilm American Werewolf sollten Genrefans heutzutage vor allem noch Das Tier auf dem Zettel haben, der immerhin den Grundstein für eine achtteilige Reihe legte, die in den USA besser bekannt ist als The Howling. Mit nur 1,5 Millionen Dollar Budget gelang ein achtbarer Kassenerfolg von 17,9 Millionen Dollar.

Die nachfolgenden Teile landeten allesamt direkt auf dem Heimkinomarkt und schwankten in ihrer Qualität zwischen kurios-trashig und vergessenswert-belanglos. Damit sei zum Erbe von Das Tier an dieser Stelle auch genug gesagt. Der Erstling selber war trotz des überschaubaren Budgets vor allem im Effektbereich beeindruckend, auch wenn der damalige Oscar für die beste Maske an John Landis Werwolf-Film ging. Ebenso wichtig: Auf dem Regieposten nahm der zum Kult-Regisseur im Horrorbereich heranwachsende Joe Dante (PiranhasGremlins 1&2, Meine höllischen Nachbarn) Platz, der seinen typischen Stil aus Horror und Komödie einbrachte. Das Tier ist dadurch durchzogen von einer gewissen Komik, entgleitet aber nie ganz ins Alberne oder Klamaukige. Nach eigener Aussage möchte Dante so dem Publikum zuvorkommen, dass über Filme ohnehin seine Witzchen machen würde. Deshalb erledigen seine Horrorfilme dies schon selbst.

Psychologe George Waggner in einer Nahaufnahme in Das Tier
Der Psychologe George Waggner leitet eine Heilanstalt in einem abgelegenen Waldstück © StudioCanal

Die bösen Medien oder doch das böse Publikum?

Der Einstieg in Joe Dantes Das Tier fällt alles andere als genretypisch aus. Die Geschichte startet mit dem hektischen Treiben hinter den Kulissen eines Fernsehsenders, ehe die Hauptfigur Karen als Lockvogel für einen irren Serienmörder losgeschickt wird. Zusammen mit der satirisch bissigen Schlusseinstellung, die hier nicht verraten werden soll, wartet der Horrorfilm mit einer unerwarteten Medienkritik auf. Denn die Gier des Publikums nach brandheißen Neuigkeiten und reißerischen Geschichten ist so groß, dass eine Reporterin sich einem Serienkiller stellt, um aus erster Hand berichten zu können. Oder sind doch die Medien selbst das Problem, da sie die Orientierung am journalistischen Ethos aufgegeben haben und nur noch die Quote in die Höhe treiben wollen?

Nach diesem turbulenten Einstieg zieht das Drehbuch gehörig die Handbremse und verlegt sich auf klassischen Spannungsaufbau, um den Grusel langsam zu steigern. Karens neuer Lebensmittelpunkt bei der im Wald lebenden Gemeinschaft aus psychisch erkrankten Menschen hält dabei jedoch keine Überraschungen bereit. Das zunächst harmlose Treiben im ländlichen Sanatorium, was den Namen eigentlich nicht verdient, ist zu durchsichtig. Zudem verliert Das Tier neben dem Tempo auch den Fokus für seine Hauptfigur. Karen scheint ausgeliefert, machtlos und vor allem ahnungslos, während der Tanz der Werwölfe seinen Lauf nimmt. Statt eine Heldenreise durchzumachen, rückt Karen zeitweise nahezu in die Bedeutungslosigkeit, was für reichlich Leerlauf im Mittelteil sorgt.

Der Werwolf-Mythos in Das Tier

Besonders reizvoll ist bei einem Werwolf-Film die Frage, wie der Streifen mit den typischen Merkmalen und Eigenheiten des Subgenres umgeht. Dante hält sich hierbei nicht allzu sklavisch an den Mythos. Silberkugeln bringen zwar die haarigen Monster sehr gut zur Strecke. Um sich verwandeln zu können, müssen die Werwölfe aber nicht bis zum nächsten Vollmond warten, sondern können jederzeit munter ihre Gestalt ändern. Die Verwandlungen selbst werden teilweise in drastischer Überlänge regelrecht zelebriert. Fans von handgemachten Effekten bekommen also alles geboten, was das Herz begehrt.

Karen steht nachts auf der Veranda eines Waldhauses und leuchtet mit einer Taschenlampe in die Ferne.
Karen wird im Wald zunehmend misstrauisch © StudioCanal

Sinnbildlich kehrt der Werwolf das Animalisch-Unterdrückte im Menschen, egal ob Mann oder Frau, mit aller Gewalt nach außen und der ungehemmte Trieb zur Fleischeslust im doppelten Sinne wird unaufhaltbar. Dementsprechend verlegt Das Tier das Geschehen aus der zivilisierten Stadt in die ungezähmte Naturlandschaft.

Als problematisch erweist sich aber, wie offen Das Tier mit seiner Werwolf-Thematik umgeht. Die Nebenfiguren, das Journalistenpaar Chris und Terry, stellen weitere Nachforschungen über Eddie Quist an und gelangen schnell zur Erkenntnis, wie real die Werwolf-Legende doch ist. So entsteht ein enormer Wissensvorsprung für die Zuschauer:innen, zumal wir durch Karens Freund Bill auch deutlich mehr vom Werwolfleben in den Wäldern sehen dürfen. So stellt sich bald nicht mehr die Frage, was eigentlich passieren wird, sondern nur, wann es (endlich) passieren wird. Das letzte Drittel vereint schließlich alle Figuren mit einem offenen Schlagabtausch der Kreaturen, Mensch vs. Werwolf, und bietet so spät, aber absolut zufriedenstellend die Horror-Erfahrung, die zuvor leider nur sehr dosiert geliefert wurde.

Wie gelungen ist die neue 4K-Fassung?

Zum 40. Geburtstag hat StudioCanal Das Tier (unter dem Originaltitel The Howling) eine vollständige Restauration unter der Aufsicht von Joe Dante spendiert. Dabei fertigte das Produktionsstudio einen 4K-Scan des ursprünglichen 35-mm-Negativs an und entfernte Staub sowie Kratzer. Der Aufwand hat sich gelohnt: Über große Teile des Films bietet sich euch ein scharfes Bild, welches euch den Horror-Klassiker bis in kleinste Detail neu erleben lässt.

Die Zeichnungen in den Büchern des Antiquariats, die Poren in Karens Gesicht, die Kratzspuren auf Bills Rücken: All das zeigt sich in einer Schärfe, die auf die dichte Atmosphäre des Films einzahlt. Allerdings schwankt die Qualität von Szene zu Szene. Das kann zum einen an der Vergrößerung des Formats von 1,20:1 auf 1.85:1, zum anderen am Bloom-Effekt mancher Einstellungen liegen.

Nahaufnahme von Marsha Quist in dunkler Nacht
Teufelin oder Unschuldslamm? Die Patientin Marsha Quist © StudioCanal

Einen weiteren Nachteil bringt die neue Detailfülle ebenfalls mit sich. Einige praktische Effekte können ihr Alter und das geringe Budget weniger kaschieren. Gleiches gilt für diverse Einsätze von Tricktechnik, die nun deutlicher auszumachen sind. Bildfehler oder Kratzer sucht man dafür vergebens, zudem sorgt eine leichte Filmkörnung für die nötige Prise 35-mm-Nostalgie.

Die Unterstützung von High Dynamic Range und Dolby Vision kommt vorrangig der Farbgestaltung in den Anfangsszenen zugute. Satte Farbgebungen begleiten Karens Ausflug durch die nächtliche Stadt. Ihr Samtkleid erstrahlt ebenso kräftig wie die rote Neonbeleuchtung des Sex-Shops, in dem ihr Schicksal unerbittlich auf sie wartet. Durch die erdige und entsättigte Farbgebung der späteren Szenen fällt der Vorteil von HDR im Laufe des Films nur noch geringfügig ins Gewicht.

Unser Fazit zu Das Tier

Heutzutage etwas im Schatten von American Werewolf in London stehend, gehört Das Tier von Joe Dante dennoch zweifellos zu den besseren Werwolf-Horrorfilmen der Filmgeschichte. Die hervorragenden handgemachten Effekte, die vor allem bei den Verwandlungen vom Mensch zum Tier zum Einsatz kommen, wissen auch heute noch zu gefallen. Ebenso sorgt das Natursetting einer tief im Wald gelegenen Heilanstalt für eine stimmungsvolle Atmosphäre, um die Werwölfe im fahlen Mondlicht tanzen zu lassen.

Nur der Plot kommt um einige Längen nicht herum, weil sich früh der Eindruck aufdrängt, deutlich mehr als die Figuren zu wissen und geduldig auf das Unausweichliche warten zu müssen. Wenn die anfänglich etablierte Hauptfigur dann zur passiv ausgelieferten Damsel in Distress verkommt, fehlt zudem an der wichtigsten Stelle das nötige Identifikationspotenzial und eine packende Charakterentwicklung. Der blutige Showdown entschädigt dennoch allemal für einige Durchhänger in der Geschichte.

Das Tier ist am 21. Oktober 2021 als Limited 4K-UHD Steelbook Edition, Blu-ray und DVD erschienen.

Unsere Wertung:

 

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