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Dave Made A Maze (2017)

Kreativität schlägt Budget. Ein abgedroschener Spruch, dem aber reichlich Wahrheit innewohnt, wie Bill Watterson in seinem Regiedebüt Dave Made A Maze unter Beweis stellt.

Titel Dave Made A Maze
Jahr 2017
Land USA
Regie Bill Watterson
Drehbuch Steven Sears, Bill Watterson
Genre Abenteuer, Drama
Darsteller Nick Thune, Meera Rohit Kumbhani, Adam Busch, John Hennigan, Kirsten Vangsness, James Urbaniak, Rick Overton
Länge 80 Minuten
FSK ab 12 Jahren freigegeben
Verleih Pandastorm Pictures
Cover des deutschen Digibooks. | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures
Cover des deutschen Digibooks. | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures

Mit Dave Made A Maze präsentiert sich ein kurzweiliger Spaß, der trotz seiner recht kurzen Spieldauer nicht lange mit viel Tamtam abgibt. Innerhalb von Minuten ist die Prämisse umrissen und der Zuschauer weiß, um was es hier geht:

Annie kommt nach Hause und findet ein ominöses Pappgebilde im Wohnzimmer vor. Ihr Freund Dave scheint im ersten Moment verschwunden, meldet sich aber aus dem Inneren des Kartonbaus. Er habe sich verlaufen und findet den Weg nicht mehr heraus. Kurzerhand trommelt Annie einen Trupp aus Freunden und Fremden (Obdachlose, niederländische Touristen, …) zusammen, um Dave aus seinem Labyrinth zu retten. Seine Warnung, dass nichts so einfach wäre, wie es auf dem ersten Blick scheint, ignorieren sie gekonnt…

Die unscheinbare Pappkonstruktion. | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures
Die unscheinbare Pappkonstruktion. | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures

Reise ins Labyrinth

Der Einzug in Daves Kreation lässt nicht nur sein Rettungskommando staunend zurück, sondern vor allem den Zuschauer. Was hier in manueller Arbeit geschaffen wurde, ist wahrlich eindrucksvoll. Raum für Raum wird man mit neuen ausgefallenen Kreationen konfrontiert, die sich in Sachen Kreativität übertrumpfen. Dave hat sich jedoch mehr ausgedacht als nur die kindliche Faszination anregende Räumlichkeiten. Da lauern todbringende Fallen und wie schon in der griechischen Mythologie treibt ein Stier sein Unwesen in den undurchsichtigen Katakomben.

Und was für Katakomben das sind: Knappe 2800 m² Pappe wurden vom Team für den Film verbaut. Überhaupt erschlägt Dave Made A Maze mit seinem Einfallsreichtum den Zuschauer. Das Design reicht von übergroßen und begehbaren Klaviertasten über ein Origami-Bad bis hin zu einem geschickt perspektivisch in Szene gesetzten Raum. Selbst Stop-Motion und Puppenspiel halten Einzug.

Eine Fläche von fast 3000 m² muss natürlich auch erst einmal irgendwo verbaut werden und Platz finden. Da das Studio nur über begrenzten Raum verfügte, konnten zeitgleich nur zwei Sets aufgebaut werden. Hinzu kommt die knapp bemessene Drehzeit von 20 Tagen. Als Folge wurde jeweils an einem Set gefilmt, während das zweite umgebaut und für den Dreh vorbereitet wurde. Das Bällebad aus Origami beispielsweise war zu groß für den Studioraum. In der Konsequenz wurde die Szene von den Darstellern auf Knien gespielt.

Wie eingangs erwähnt: Aus finanzieller Limitierung erblühen die beeindruckendsten Ideen. Auch vor Zitaten verschiedener Filmklassiker macht der Regisseur nicht halt: 2001: Odyssee im Weltraum oder Star Wars: Episode IV – Eine neue Hoffnung gehören zu den offensichtlichsten Verbeugungen.

Ein klassisches Labyrinth sollte auch immer einen waschechten Minotaurus beherbergen. | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures
Ein klassisches Labyrinth sollte auch immer einen waschechten Minotaurus beherbergen. | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures

Dave Made A Maze – Aber nicht ohne Hintergedanken

Mit seiner anarchischen Ader erinnert Dave Made A Maze etwas an Rubber. Auch dort sorgt eine herrlich absurde Grundidee für das wenig alltägliche, teils groteske Amüsement des Zuschauers. Während Rubber in seiner Absurditäten irgendwann völlig über die Stränge schlägt (und gerade deshalb ein Meisterwerk ist!), wartet das Papp-Labyrinth mit einer Metaebene auf.

Dave, trotz seiner guten 30 Jahre, ist ein ewig Junggebliebener. Umtriebig, kann er sich nicht motivieren, irgendetwas Begonnenes auch zu beenden. Die filmische Metapher hat nach Aussage von Regisseur Watterson viele kreative Köpfe der Crew überzeugt, weil sie an das eigene Leben erinnert wurden. Angefangene schöpferische Tätigkeiten, die auf Eis gelegt wurden und zukünftig auch kein erfolgreiches Ende versprechen. Watterson spricht im Booklet sogar ganz konkret von den negativen Seiten der künstlerischen Sackgasse:

“Die Selbstzweifel, das Auskeilen, das in-sich-Kehren, die Depressionen – all das sind die Fallstricke eines kreativen Kopfes…die in unserem Film natürlich zu schwingenden Äxten, Nagelbrettern und vermenschlichten Kreissägen werden.”

Problematisch ist dabei nur, dass dieser Ansatz nach viel zu kurzer Zeit erschöpft ist und zusehends in Vergessenheit gerät. Dabei ist die Handlung sogar inspired by true events. Denn sie basiert auf der Vermischung einer Drehbuchidee von Steven Sears und einer Kindheitserfahrung Wattersons. Letzterer hatte sich als Kind eine stattliche Burg aus Bettdecken und -laken gebaut, sie kurzerhand stehen lassen und das Haus verlassen. Als seine Mutter das Konstrukt leerstehend vorfand, dachte sie kurzerhand, ihr Sohn habe sich darin verlaufen.

Auch wenn die vorhandene Substanz leider mit zunehmender Spieldauer abflacht, bereitet Dave Made A Maze reichlich Spaß. Das liegt an den sympathischen Darstellern, die die perfekte Balance zwischen gespielter Naivität und absoluter Begeisterung für das was sie tun beherrschen.

Im Labyrinth rollen auch Köpfe und...Blut "fließt". | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures
Im Labyrinth rollen auch Köpfe und…Blut “fließt”. | DAVE MADE A MAZE © Pandastorm Pictures

Pappige Edition

Bill Wattersons Regiedebüt sorgt für ein kurzweiliges Vergnügen, das insgeheim ein Loblied auf die Kreativität darstellt. So berauschend die abgedrehten Ideen schlussendlich sind, verliert der Film seine anfangs eröffnete Metapher zusehends aus den Augen. Die tiefere Aussage geht im Labyrinth verloren und die fantasievollen Räume verkommen in ihrer Aneinanderreihung zur bloßen Nummernrevue. Dank der gut aufgelegten Schauspieler bleibt man dennoch bei der Stange und möchte wissen, wie es mit Dave und Annie endet.

Dave Made A Maze erschien am 31.5.2019 von Pandastorm Pictures für den Heimkinomarkt als DVD, Blu-ray und auch als VOD. Die physischen Datenträger kommen im Digibook im Schuber daher- passenderweise aus stabiler Pappe. Neben den üblichen Extras (Deleted Scenes, Trailer, Audiokommentar, …) auf Scheibe wissen die launigen Produktionsnotizen und Anekdoten von Regisseur Watterson im Booklet zu überzeugen.

Unsere Wertung:

 

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© Pandastorm Pictures

DriesVanHegen

Name: Tobi | Alter: 28 | Bei Movic Freakz seit: Januar 2018 | Aufgabengebiete: Reviews verfassen | Am aktuellen Mainstream völlig desinteressiert, suche ich mein Glück zum großen Teil in den Nischen des vielfältigen Horrorgenres, gerne abgründig und gewalttätig. Allerdings bin ich kein tumber Schlächter, sondern lasse mich ebenso von aufwühlenden Dramen mitreißen oder werde bei dänischem Humor schwach.

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