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Death Wish

Am 8. März startet Death Wish in den deutschen Kinos. Im Remake des Charles-Bronson-Klassikers Ein Mann sieht rot begibt sich Bruce Willis auf die Jagd nach flüchtigen Verbrechern, um seine Familie zu rächen.

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TitelDeath Wish
Jahr2018
8ProduktionslandUSA
RegieEli Roth
DrehbuchJoe Carnahan
GenreAction/Thriller/Drama/Krimi
DarstellerBruce Willis, Vincent D’Onofrio, Elisabeth Shue, Dean Norris, Kimberly Elise, Camila Morrone
Länge108 Minuten
FSKab 18 Jahren
VerleihUniversum Film
Filmplakat zu "Death Wish" © Universum Film
Filmplakat zu „Death Wish“ © Universum Film

Hintergrund

Im Jahr 1974 wurde mit Ein Mann sieht rot (Originaltitel: Death Wish) der gleichnamige Roman des amerikanischen Schriftstellers Brian Garfield erstmals verfilmt. Mit Charles Bronson (Spiel mir das Lied vom Tod) in der Hauptrolle avancierte der Rachethriller schnell zu einem Kultfilm. Ganze vier Fortsetzungen wurden infolgedessen produziert. Erste Pläne zu einem Remake gehen bis in das Jahr 2006 zurück, als Sylvester Stallone ankündigte, in der Neuverfilmung sowohl Regie als auch die Hauptrolle übernehmen zu wollen. Zwölf Jahre und etliche Wechsel potenzieller Regiekandidaten später schafft es das Remake nun endlich unter der Leitung von Eli Roth (Cabin Fever, Hostel) und mit Bruce Willis (Stirb Langsam, The Sixth Sense) als Paul Kersey in die Kinos. Das Drehbuch von Joe Carnahan (Smokin‘ Aces, The Grey) nimmt dabei einige Veränderungen gegenüber der Vorlage vor (so ist Kersey im Original ein Architekt, kein Arzt), aber die grundsätzliche Prämisse ist natürlich die gleiche.




Darum geht es in Death Wish

Der Chirurg Dr. Paul Kersey (Bruce Willis) erlebt die Folgen der Gewalt auf den Straßen Chicagos jeden Tag in der Notaufnahme – bis seine Frau (Elisabeth Shue) und seine Tochter (Camila Morrone) in den eigenen vier Wänden brutal attackiert werden. Da die örtliche Polizei die Ermittlungen nicht vorantreibt und generell von der Verbrechensflut in der Stadt überfordert scheint, beschließt Paul das Gesetz kurzerhand selbst in die Hand zu nehmen. Er begibt sich auf nächtliche Streifzüge und bringt gnadenlos einen Kriminellen nach dem anderen zur Strecke. Bald schon gerät er dadurch in den Fokus der Medien und die Öffentlichkeit beginnt sich zu fragen, wer eigentlich hinter dem unbekannten Racheengel steckt.

Bruce Willis als Dr. Paul Kersey in "Death Wish" © Universum Film
Bruce Willis als Dr. Paul Kersey in „Death Wish“ © Universum Film

Solide Actionkost mit guter Portion Selbstironie

Die Familienszenen zu Beginn des Filmes wirken etwas gezwungen. Sie fühlen sich wie ein notwendiges Übel zur Charaktereinführung an, die Drehbuchautor und Regisseur rasch hinter sich bringen wollten, um dann zum eigentlichen Thema zu gelangen und Action zu liefern. Selbige ist dann solide inszeniert. Death Wish erfindet das Rad nicht neu, bietet aber Genrefans sicherlich recht anständige Kost. Ob die mitunter recht expliziten Gewaltdarstellungen wirklich notwendig waren, muss der Zuschauer für sich selbst entscheiden. Hier ist sicherlich am ehesten noch die Handschrift des Regisseurs Eli Roth zu erkennen, der mit Filmen wie Cabin Fever und Hostel bereits gezeigt hat, dass er ein Faible für Blut und Gedärm hat. An der Folterszene werden sich vermutlich die Geister scheiden, gemessen an Handlungsrahmen und Genre ist sie aber wohl noch vertretbar.

Die Entwicklung des Protagonisten vom pazifistischen Familienvater zum eiskalten Killer ist allerdings nur wenig glaubwürdig dargestellt. Ja, seine Motivation und Intention ist natürlich nachzuvollziehen, nichtsdestotrotz gilt auch hier die bereits angesprochene ‚Problematik‘, dass das Drehbuch so wirkt, als wolle man nur allzu rasch mit dem Rachefeldzug loslegen. Auch hier muss man jedoch zugestehen, dass dies angesichts des Genres wohl noch vertretbar ist. Der Film möchte gar nicht mehr sein als schlichte Actionkost. Drama und Charaktere sind da nur Mittel zum Zweck. Aus diesem Grunde macht er auch eine Sache ganz besonders richtig: Er nimmt sich nicht zu ernst! Death Wish ist insbesondere in jenen Szenen überzeugend, die augenzwinkernd mit einer gewissen Leichtigkeit inszeniert werden. Etwa wenn sich Paul Kersey mittels YouTube-Videos die Kompetenzen als Racheengel aneignet oder wenn in einer Splitscreen-Einstellung seine Arbeit als Chirurg der Reinigung seiner Waffe gegenübergestellt wird – musikalisch untermalt mit Rockmusik von AC/DC!

Das moralische Dilemma

Ein Thriller über Selbstjustiz muss sich natürlich die Frage nach der Moralität gefallen lassen. Auch Death Wish ist infolgedessen natürlich durchaus fragwürdig. Er versucht zwar das Dilemma durch eingeblendete Fernseh- und Radiodiskussionen aufzugreifen, geht dabei aber nicht allzu sehr in die Tiefe. Doch immerhin: Der Film bietet auf satirische Weise durchaus auch kritische Untertöne, insbesondere zur Problematik der Waffenkontrolle. Als Paul Kersey in ein Waffengeschäft geht, um sich über die Produkte zu informieren, kommt die junge, gut aussehende Waffenverkäuferin ins Schwärmen: „Leichter als ein neugeborenes Baby“, erzählt sie stolz mit einem Maschinengewehr in der Hand. Auf Kerseys berechtigten Einwand, dass der Erwerb solcher Waffen doch sicherlich schwierig sei, winkt die Verkäuferin nur lässig ab. Dann verweist sie auf ein bis zwei Papiere, die man bloß zu unterschreiben habe.

Nichtsdestotrotz muss man sich fragen, was für einen Eindruck Death Wish vermitteln möchte, wenn der Waffengegner Paul Kersey plötzlich keine andere Lösung mehr sieht, als zur Waffe zu greifen. Die Waffenlobby in den USA wird sich freuen. Und wenn Donald Trump angesichts wiederholter Amokläufe an Schulen ernsthaft vorschlägt, Lehrer zu bewaffnen, um diesem Problem Herr zu werden, muss sich der reflektierende Zuschauer des Films einfach (Genre hin oder her) wundern, welches Statement Death Wish innerhalb einer solchen Debatte abgeben möchte.

Rains (Dean Norris) und Jackson (Kimberly Elise) leiten die Ermittlungen in "Death Wish" © Universum Film
Rains (Dean Norris) und Jackson (Kimberly Elise) leiten die Ermittlungen in „Death Wish“ © Universum Film

Dazu zählt auch die Darstellung der Polizeiarbeit, die über eine einfache Befragung und haltlose Verdächtigungen nicht hinausgeht. Hier versäumt der Film es schlichtweg, die Schere zwischen der Wahrnehmung eines Angehörigen und den schleppenden Ermittlungen der Beamten zu thematisieren und als weiteres Dilemma aufzubauen. Die Polizei wird vielleicht nicht gänzlich als Trottelladen abgestempelt, nichtsdestotrotz wird der Eindruck fehlender Kompetenz vermittelt. Der obligatorische Doughnut wird hier zu einer Pizza, ansonsten ist die Polizei hier nicht weit vom Klischee entfernt.

Fazit

Eli Roths Death Wish-Remake ist ein allenfalls solider Actionthriller, der sich innerhalb der Konventionen seines Genres bewegt. Während das moralische Dilemma der Selbstjustiz leider nur unzureichend thematisiert wird, kann der Film vor allem in den Szenen überzeugen, an denen er sich selbst nicht sonderlich ernst nimmt. Die Handschrift des Regisseurs vermag man dabei vor allem in den übertriebenen Gewaltdarstellungen zu erkennen. Einige Figuren verhalten sich fast schon naturgemäß blöd. Auch die Entwicklung des Protagonisten wird wenig glaubwürdig nachgezeichnet. Doch wer sein Gehirn an der Kasse abgibt und die Moralbrille zu Hause lassen kann, wird möglicherweise einen halbwegs unterhaltsamen Kinoabend empfinden dürfen. Ob Death Wish allerdings angesichts aktueller politischer Debatten zur Waffenkontrolle in den USA zum richtigen Zeitpunkt erscheint, muss jeder für sich selbst entscheiden. Trotz des kurzen Versuchs einer leisen Kritik wird sich die US-Waffenlobby sicher über den Film freuen können.

Unsere Wertung:

 

 

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5 Kommentare

  • Die Kritik hat mir einen guten Eindruck gegeben, so dass ich diesen Film absolut nicht sehen möchte. Hier muss man auch nachfragen, ob Filme wirklich nur Unterhaltung sind. Denn wenn Waffengeilheit positiv dargestellt wird, ist es doch eher unterhaltsam für Waffenlobbylisten, wenn sich nach Filmbesuch jeder Entertainment-Zuschauer eine Knarre zulegen möchte.

    • Genau das dachte ich mir auch – Zeit gespart! Zu dem zweiten Punkt: Klar Filme verkörpern auch eine Ideologie, ob indirekt oder direkt also bewusst. Die Filmanalyse deckt diese übrigens gekonnt auf auf YouTube 🙂