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Demon Pond

Na, auch müde vom immer gleichen Mainstream-Einheitsbrei? Eventuell mal Lust auf eine kulturelle Horizonterweiterung? Dann bietet sich die neu erscheinende Blu-Ray von Demon Pond an. Ob sich das wohl lohnt oder schaut man lieber gewohnt?

TitelDemon Pond (OT Yasha-ga-ike)
Jahr1979
LandJapan
RegieMasahiro Shinoda
DrehbuchKyôka Izumi, Haruhiko Mimura, Tamasaburô Bandô
GenreFantasy
DarstellerGô Katô, Kôji Nanbara, Tsutomu Yamazaki
Länge129 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
Verleih Rapid Eye Movies/ Alive
Plakat Demon Pond ©1979/ 2021 Shochiku Co., Ltd

Die Inhaltsangabe von Demon Pond

Ein junger Forschungsreisender (Tsutomu Yamazaki) entdeckt einen geheimnisvollen Ort. Die Bewohner des Dorfes leiden seit Jahren unter einer schweren Dürreperiode, obwohl es in der Nähe ein Gewässer gibt. Indem sogenannten Dämonenteich soll einer Legende nach ein Drachengott leben. Wenn dieser nicht dreimal täglich durch das Läuten einer Glocke besänftigt wird, flutet er den Ort. Oberhalb der Ortschafft trifft der Forscher auf den Glöckner Akira (Gô Katô) und dessen Frau Yuri (Tamasaburô Bandô) und erkennt in ihm seinen lang vermissten Freund wieder. Zusammen möchten sie nun das Geheimnis des Teiches erkunden.

Genremix der besonseren Art

Demon Pond ist ein Film des japanischen Regisseurs Masahiro Shinoda aus dem Jahre 1979 und basiert auf einem Stück seines Landmannes Izumi Kyôka. Dieser nutzte oft mythologische Geschichten, um Gesellschaftskritik zu üben. Demon Pond bildet da keine Ausnahme und erzählt von einem unerfüllten Beziehungswunsch zwischen zwei Geisterwesen, Dorfbewohnern, die eine ökologische Krise mit einem Menschenopfer beenden wollen und von einem Naturwissenschaftler, der eine rationale Sichtweise verändern muss.

Dies zu einem stimmigen Gesamtwerk zu vermixen ist eine Herausforderung, die dem Film durchaus gelingt. Für uns gewohnte Erzähl- und Inszenierungsmuster werden dabei über den Haufen geworfen und erzeugen Kopfkratzmomente. Aber genau diese Momente machen den Film so sehenswert. Denn ohne Ankündigung wird das Genre gewechselt. Der Film ist zunächst in unserer Realität verankert, aber plötzlich werden zwei Wasserwesen lebendig und unterhalten sich mit einem Hut. Wem das noch zu normal ist, der kann sich auf den darauffolgenden Tauchgang in das titelgebende Gewässer freuen. Was hier auf die Leinwand gebannt wurde, erinnert an eine Bühnenadaption von SpongeBob Schwammkopf oder einer Power Rangers Version aus den siebziger Jahren. Die dabei eingesetzten Theaterkostüme sind kreativ gestaltet und wurden nicht aus Budget Gründen eingesetzt.

Alles nur Theater

Regisseur Masahiro Shinoda hat ein sogenanntes Kabuki filmisch umgesetzt und wollte diese Ästhetik auf die Leinwand bringen. Kabuki sind traditionale japanische Theaterstücke, die nicht unbedingt auf Dialog bauen. Viel wichtiger sind anscheinend Bühnenbilder, Musik, Tanz, Kostüme und Schauspielgesten. Dies ist auch der Grund warum Demon Pond zwischen deutlich erkennbaren, aber schön gestalteten Kulissen und großartigen Landschaftsaufnahmen wechselt. In den ersten Minuten des Films sieht man den jungen Forscher, gespielt von Tsutomu Yamazaki, durch richtige Wälder und Orte streifen, um ihn kurz danach in deutlich erkennbaren Kulissen ankommen zu lassen. Es wird sich keine Mühe gegeben, diese Künstlichkeit zu verschleiern.

Die Symbiose aus Theaterkostümen und Bühnenbild ergeben eine schön kohärente Optik. Wer mit japanischer Sagenkunst vertraut ist, wird natürlich auch die in den Designs verborgenden Symboliken erkennen und mit der Geschichte dadurch mehr anfangen können. Hinzu kommt noch, dass alles so herrlich übertrieben und theatralisch gespielt wird, weil man ja im Theater auch für die letzte Reihe spielen muss. Untermalt wird der ganze optische Wahnsinn mit einem schrägen Klangteppich.

Der Forscher an der Glocke ©1979/ 2021 Shochiku Co., Ltd

Rollenwechsel

Die weibliche Hauptrolle in Demon Pond wird von einem Mann (Tamasaburô Bandô) gespielt. Aus unserer westlichen Sichtweise könnte man dies entweder als mutigen transgender Beitrag oder aber als absurdes Stilmittel interpretieren. Die Wahrheit sieht allerdings anders aus. In der Kabuki Tradition werden ausnahmslos alle Rollen von Männern gespielt. Der Überlieferung zufolge haben bei der Entstehung der Theaterkultur im 17. Jahrhundert erotische Darstellungen von Frauen eine Rolle gespielt, die es zu unterbinden galt. Daher kommt wohl auch der Name Kabuki, denn er lehnt sich an der Bedeutung „einer Sache zugeneigt sein“ an. Wie gelungen diese weibliche Darstellung in Demon Pond ist, mag ich als Mann nicht zu beurteilen. Interessanterweise gibt es in dem Film auch Frauenrollen, die von Darstellerinnen gespielt werden. Hinter den ganzen kostümierten Irrsinn fallen natürlich alle menschlichen Figuren zurück, obwohl einige sich redlich Mühe geben mitzuhalten.

Unser Fazit zu Demon Pond

Demon Pond ist für kulturfremde Personen ein wilder Ritt. Zu Beginn ist noch alles sehr mysteriös und geheimnisvoll, um danach in einen bunten Kostümtrip (im wahrsten Sinne des Wortes) einzutauchen und in einer actionreichen Zerstörungsorgie zu enden. Leider wird man zwischendurch immer mal wieder aus dem Karneval rausgerissen und in die „echte“ Welt verbannt. Dies passt zwar zur Geschichte und ist durchaus nicht uninteressant, unterbricht aber den optischen Wahnsinn, den man nicht mehr verlassen möchte, wenn er erstmal beginnt. Als Voraussetzung muss man sich auf die Ästhetik und auf ein Filmerlebnis einlassen können, dass sich nicht den westlichen Mainstreamnormen anpasst. Je weniger man vorher weiß, umso größer wird der „Was schaue ich mir da gerade eigentlich an“ Moment. Kenner der japanischen Kultur werden hier weniger ein Aha- Erlebnis haben, verstehen aber das Geschehene und die inszenatorischen Entscheidungen natürlich besser.

Es kommt Demon Pond zugute, dass es zwar deutsche Untertitel, aber keine Synchronisation gibt. Es würde aufgrund der kulturbezogenen Optik komplett aus der Immersion herausreißen.  Auf der im Juni erscheinenden Blu-Ray des Films von Rapid Eye Movies/Alive befindet sich die 4k remastert Version von 2021, die optisch in Ordnung, aber nicht überragend ist. Das liegt vermutlich auch am Alter und dem Zustand des Ausgangsmaterials. Auf dem Datenträger befindet sich zudem noch der Film Pale Flower. Ein stilistisch und inhaltlich komplett gegenläufiger Film von Shinoda. Wer sich dem älteren japanischen Kino mal zuwenden und sich zwei komplett unterschiedlichen Werke eines Regisseurs nähern möchte, der bekommt hier definitiv ein sehr interessantes Doppelfeature.

Demon Pond ist ab dem 6. Juni 2024 auf Blu-Ray erhältlich.

Unsere Wertung:

 

 

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© 1979/ 2021 Shochiku Co., Ltd

Stefan Brüning

Stefan ist in der Nähe von Wolfenbüttel beheimatet, von Beruf Lehrer und arbeitet seit Mai 2024 bei Filmtoast mit. Seit seiner Kindheit ist er in Filme vernarrt. Seine Eltern haben ihn dankenswerterweise an Comics und Disneyfilme herangeführt. Bis zu seinem 8. Lebensjahr war es für ihn nicht nachvollziehbar, wie man Realfilme schauen kann. Aber nach der Sichtung des Films Police Academy und natürlich der Star Wars-Filme hat sich das geändert.

Natürlich waren in seiner Kindheit auch die Supernasen, die Otto- und Didifilme Pflichtprogramm, denn worüber sollte man sonst mit den Anderen reden? Deswegen mag er einige dieser Filme bis heute und schämt sich nicht dafür.

Stefan setzt sich für die Erhaltung der Filmwirtschaft ein. Sei es durch Kinobesuche, DVD/ Blu-Ray/UHD oder Streaming, je nach dem welches Medium ihm geeignet erscheint. Sein filmisches Spektrum und seine Filmsammlung hat sich dadurch in den letzten 30 Jahren deutlich erweitert, weswegen er sich nicht auf ein Lieblingsgenre festlegen kann.

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