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Diane Keaton trägt in Der Pate Epilog ein rotes Samtkleid mit einer goldenen Traubenbrosche, außerdem hat sie kurze gelockte Haare und sie lächelt. Al Pacino steht direkt neben ihr mit schwarzem Anzug und Fliege und schaut ausdruckslos in dieselbe Richtung.

Der Pate Epilog: Der Tod von Michael Corleone

Vor 30 Jahren brachte Francis Ford Coppola sein gefeiertes Gangsterepos um die Corleone-Familie mit Der Pate 3 zu Ende – mit gemischtem Zuschauer- und Kritikerecho. Anfang 2020 überraschte Coppola seine Fans mit der Ankündigung, dass er an einer neuen Schnittfassung seines Abschlussfilms arbeite. Dieser erschien nun unter dem Titel Der Pate Epilog: Der Tod von Michael Corleone. Welche Unterschiede besonders auffallen und ob er der Familiensaga ein würdigeres Finale beschert, erfahrt Ihr in unserem Review.

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TitelDer Pate Epilog: Der Tod von Michael Corleone
Jahr2020
LandUSA
RegieFrancis Ford Coppola
DrehbuchFrancis Ford Coppola, Mario Puzo
GenreThriller, Drama
DarstellerAl Pacino, Diane Keaton, Andy Garcia, Sofia Coppola
Länge158 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihUniversal Pictures
Auf dem Cover von Der Pate Epilog Der Tod von Michael Corleone ist mittig Al Pacino zu sehen, der ausdruckslos geradeaus schaut und sich die Hände reibt. Links von ihm steht Andy Garcia in einem roten Anzug und gezogener Waffe, rechts von Pacino ist Talia Shire mit strenger Zopffrisur und ernstem Blick zu sehen, neben ihr eine Rose. Unter Pacino ist Sofia Coppola in einem weißen Kleid, ebenfalls mit erntem Blick. Im Hintergrund überfärbt ein Blutfleck alle Darsteller.
Das Blu-ray-Cover von Der Pate Epilog: Der Tod von Michael Corleone © Universal Pictures

Worum geht es in Der Pate Epilog: Der Tod von Michael Corleone?

1979: Michael Corleone (Al Pacino), das Oberhaupt der Corleone-Familie, will die kriminelle Vergangenheit hinter sich lassen. Deshalb übergab er die Herrschaftsgebiete der Corleones anderen New Yorker Mafia-Clans und arbeitet an einem rechtschaffenden und legalen Familiengeschäftsmodell. Über seine Tochter Mary (Sophia Coppola) hat er eine gemeinnützige Stiftung gegründet, um verarmten Sizilianern zu helfen. Doch das Mafia-Komitee um Don Altobello (Eli Wallach) missbilligt die Pläne des Dons. Als die Vatikanbank Michael ein vielversprechendes Investitionsangebot macht, wollen die anderen Clans diese Gelegenheit für illegale Geldwäsche nutzen. Als dann auch noch Vincent Mancini (Andy Garcia), ein unehelicher Sohn des verstorbenen Bruders Santino, Schwierigkeiten macht, entbrennt ein erbarmungsloser Kampf an allen Fronten…




Der Anfang vom Ende

Im Jahr 1972 taten sich ein junger Filmemacher aus Detroit und ein New Yorker Romanautor zusammen, um das Nischengenre des italienischen Mafiafilms für ein US-Publikum zu öffnen. Heraus kam Der Pate, für viele bis heute die Mutter aller Mafiafilme. Die Geschichte um Vito Corleone, das Oberhaupt einer New Yorker Verbrecherorganisation, basiert auf dem gleichnamigen Roman des italoamerikanischen Autors Mario Puzo. Für die filmische Inszenierung nahm sich Francis Ford Coppola des Stoffs um enge Familienbande, korrupte Gesellschaftsstrukturen und gnadenlose Gewalt an. Der Filmemacher mit italienischen Wurzeln sammelte einen bunten Cast um sich, von Hollywoodgröße Marlon Brando bis zum noch unbekannten Neueinsteiger Al Pacino. Der Film stand zunächst unter keinem guten Stern, da ähnliche Filme wie Auftrag Mord von 1968 mit Kirk Douglas an den Kinokassen floppten. Am Ende konnte Der Pate jedoch sowohl Zuschauer als auch Kritiker überzeugen, was sich u.a. in elf Oscar-Nominierungen mit drei Siegen in Hauptkategorien zeigte.

Der gesamte Cast von Der Pate Epilog: Der Tod von Michael Corleone steht auf einer Treppe und posiert für ein Foto.
Der gesamte Cast von Der Pate Epilog auf einen Blick. © Universal Pictures

Pate wider Willen

Die Fortsetzung Der Pate 2 von 1974 fokussierte sich auf Michael Corleones Aufstieg zum Familienoberhaupt und zählt inzwischen wie sein Vorgänger zu den besten Filmen aller Zeiten. Das Dilemma von Michael Corleone, der widerwillig das Erbe seines Vaters Vito antritt und sich dem organisierten Verbrechen verschreibt, bestach durch seine dramaturgische Intensität und eine kongeniale Darstellung von Al Pacino. Am Ende stand Michael jedoch einsam an der Spitze einer zertrümmerten Familie. Die Geschichte schien für Francis Ford Coppola an diesem Punkt abgeschlossen. Doch finanzielle Probleme trieben den Filmemacher dazu, 1990 einen dritten Teil zu produzieren. Coppola setzt die Geschichte 22 Jahre nach den Geschehnissen von Der Pate 2 fort und zeigt einen deutlich gealterten und ruhiger gewordenen Michael Corleone. Er verfolgt den Plan, seine Familie von den kriminellen Machenschaften der Mafia zu lösen und einen rechtschaffenden Weg einzuschlagen. Jedoch stößt das Corleone-Oberhaupt hier auf massiven Widerstand des Komitees.

Der Pate Epilog – Ein notwendiger Director´s Cut?

Coppolas dritter Mafia-Streifen sorgte jedoch schon vor 30 Jahren für durchmischte Meinungen. Zuschauer und Kritiker äußerten sich enttäuscht über die Handlung, die durch die Kombination der fiktiven Corleone-Historie mit realen Ereignissen wie dem Tod von Papst Johannes Paul I. einen klaren roten Faden vermissen lässt. Auch die Darstellerleistungen blieben hinter den Erwartungen zurück, allen voran Regisseurstochter Sofia Coppola, die im Film Michael Corleones Tochter Mary spielt. Ein Wunschkind war Der Pate 3 ohnehin nie, wie Francis Ford Coppola in mehreren Interviews verriet. Umso verwunderlicher kam Anfang 2020 die Nachricht, dass er an einer neuen Schnittfassung arbeite und den Film in seinem ursprünglichen Sinn fertigstellen wolle. Der Pate Epilog liegt nun vor und die Unterschiede sind überschaubar. Den größten Anteil bilden Einstellungen und Überblenden, die ein minimal geändertes Timing erhielten und so mehr Dynamik erzeugen. Die markantesten Veränderungen betreffen jedoch die Anfangs- und die Schlussszene – mit merklichen Folgen für das Gesamtergebnis.

Andy Garcia trägt in Der Pate Epilog einen roten Morgenmantel. Er drückt einen Angreifer zu Boden und richtet seine Waffe auf eine zweite Person.
Mit dem heißblütigen Vincent (Andy Garcia) ist nicht gut Kirschen essen. © Universal Pictures

Ein Sizilianer vergisst nie

Die ursprüngliche Ordensverleihung und die Kamerafahrt über das verlassene Corleone-Anwesen in Nevada mit Rückblenden der Ermordung des geschassten Bruders Fredo wurden komplett rausgestrichen. Dafür setzte Coppola das Gespräch zwischen Michael und Erzbischof Gilday an den Anfang und schnell wird auch klar, warum. Der Fokus soll von vornerein auf Michaels Gewissenbissen und der Suche nach Vergebung für seine angeordneten Verbrechen liegen. Auch das Filmende hat Coppola angepasst. Zwar wird lediglich der biologische Tod Michaels nicht mehr gezeigt, die Szene erhält jedoch auf anderem Wege mehr emotionale Wucht. Der Regisseur platziert das Motiv der Sühne so noch prominenter im Vordergrund und schafft es tatsächlich, Der Pate Epilog dadurch stimmiger wirken zu lassen. Der neue Titel spiegelt genau Coppolas Absicht einer „Nachrede“ wider, die den metaphorischen letzten Nagel in Michaels Sarg hämmert. Insgesamt ändert das jedoch zu wenig an den anderen Problemen wie der sprunghaften Handlungsentwicklung und den schauspielerisch teils verschrobenen Darstellungen.

Andy Garcia und Al Pacino tragen in Der Pate Epilog: Der Tod von Michael Corleone beide dunkle Anzüge und sind in einem holzgetäfelten hellen Raum. Al Pacino sitzt an einem Tisch, Andy Garcia steht direkt hinter ihm und legt ihm die Hand auf die Schulter.
Vincent (Andy Garcia) und Michael (Al Pacino) reden Klartext vor dem Mafia-Komitee. © Universal Pictures

Unser Fazit zu Der Pate Epilog: Der Tod des Michael Corleone:

Kultregisseur Francis Ford Coppola nahm sich nach 30 Jahren sein Sorgenkind Der Pate 3 vor, um seine ursprüngliche Vorstellung des Films doch noch umzusetzen. Heraus kommt mit Der Pate Epilog ein Kriminalfilm, der immer noch mit den Geistern der Vergangenheit zu kämpfen hat: Durchwachsene Handlungsstränge und teils uninspiriertes Schauspiel mischen sich unter ikonische Filmmomente wie in der Oper, die an die glorreichen Tage der Pate-Trilogie erinnern. Coppolas Fokus liegt klar darauf, Michaels Leitmotiv der Suche nach Vergebung zu priorisieren. Das gelingt durch einen neuen Einstieg und eine veränderte Sichtweise des Endes. Der Film gewinnt mehr Dynamik durch viele kleine Anpassungen in Timing und Ausschnitt, die jedoch nicht über die grundlegenden Schwächen hinwegtäuschen können. Der Pate Epilog: Der Tod des Michael Corleone bleibt im Kern jedoch weiterhin ein merklich erzwungener, wenngleich guter Kriminalfilm, der sich eine Gemeinsamkeit mit Michael Corleone teilt: Beide scheitern an ihrer alles überstrahlenden Vergangenheit.

Der Film erschien von Universal Pictures am 10. Dezember 2020 auf Blu-ray

Unsere Wertung:

 

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