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Robert Lopez (Robert Downey Jr.) hockt Nathaniel Ayers (Jamie Foxx) gegenüber, welcher auf seinem Cello spielt

Der Solist

2009 wurde vom oscar-nominierten Regisseur Joe Wright ein auf wahren Begebenheiten beruhendes Drama über die Freundschaft zwischen einem schizophrenen, obdachlosen Musik-Genie und einem ehrgeizigen Kolumnisten der Los Angeles Times veröffentlicht. Trotz prominenter Besetzung erfreute sich Der Solist nie besonders großer Bekanntheit. Zurecht? Das erfahrt ihr in unserer Kritik!

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TitelDer Solist [OT: The Soloist]
Jahr2009
LandGroßbritannien, USA, Frankreich
RegieJoe Wright
DrehbuchSusannah Grant, Steve Lopez
GenreDrama, Musikfilm
DarstellerJamie Foxx, Robert Downey Jr., Catherine Keener, Tom Hollander, Lisa Gay Hamilton
Länge117 Minuten
FSKab 12 Jahren freigegeben
Verleihjustbridge entertainment GmbH

Das Bluray-Cover zu "Der Solist", auf dem Robert Downey Jr. als Robert Lopez und Jamie Foxx als Nathaniel Ayers abgebildet sind
Das Bluray-Cover von „Der Solist“ © justbridge entertainment GmbH

Worum genau geht’s in Der Solist?

Der Kolumnist der Los Angeles Times Steve Lopez (Robert Downey Jr.) entdeckt 2005 den Obdachlosen Nathaniel Ayers (Jamie Foxx), wie er auf einer ramponierten, zweiseitigen Violine vor einer Beethoven-Statue spielt. Lopez wittert einerseits eine interessante Story, andererseits hat er das Bedürfnis, dem Mann zu helfen. Bei seinen Recherchen erfährt er, dass Ayers früher Cellist an der hochangesehenen Juliard School war, jedoch aufgrund seiner Schizophrenie sein Studium abbrach, seine Familie verließ und seitdem auf der Straße lebt.




Von seiner musikalischen Begabung verlor er jedoch nichts – seine Musik ist alles, was ihm noch blieb. So spielt er jeden Tag auf den Straßen LAs Stücke von seinem großen Vorbild Beethoven. Eine gerührte Leserin von Lopez‘ Kolumne lässt dem Obdachlosen ein hochwertiges Cello zukommen und Lopez setzt alles daran, Ayers‘ Talent zu fördern und dem Mann ein normales Leben zu ermöglichen. Dem im Weg stehen jedoch immer wieder Ayers‘ heftige schizophrene Schübe. Gegen seinen Willen möchte Lopez deswegen eine Heilung durch medizinische Eingriffe hervorrufen. Die ungewöhnliche Freundschaft, die sich zwischen den beiden entwickelt, steht auf der Kippe…

Wichtige Botschaft…

Die Ereignisse trugen sich tatsächlich so zu, auch wenn der Film die ein oder andere Kleinigkeit hinzu dichtet, um spannender zu werden. Die beliebten Kolumnen des Journalisten Steve Lopez wurden anschließend zu einem Buch verarbeitet, auf welchem dieses Drama auch basiert. Außerdem waren die realen Ayers und Lopez an der Produktion des Films beteiligt. Regisseur Joe Wright (Stolz und Vorurteil, Abbitte) drehte zudem mit echten Obdachlosen als Statisten in einem Gebiet von LA, das berüchtigt für seine vielen obdachlosen Drogenabhängigen und Behinderten ist. Das verleiht seinem Film ein hohes Maß an Authentizität.

Genau in diesem dreckigen Ballungsraum namens „Skid Row“ findet auch ein Großteil der Geschichte statt. Die Polizei richtet ihren Blick schon lange nicht mehr auf diesen verwahrlosten Ort, weswegen die Kriminalitätsrate dort besonders hoch ist. Der Film verdeutlicht, dass Ayers nur einer von vielen ist, die unbedingt Hilfe benötigen. Somit rückt Der Solist nicht nur diese gesellschaftlichen Missstände ins Licht, sondern stellt durch seine im Mittelpunkt stehende Freundschaft zwischen zwei Menschen aus völlig unterschiedlichen sozialen Schichten auch ein Appell an die Nächstenliebe dar. Diese Freundschaft hält bis heute an und die Geschichte bescherte den beiden einen hohen Bekanntheitsgrad, weswegen sogar ein Treffen zwischen Ayers und Barack Obama zustande kam.

Robert Lopez und Nathaniel Ayers transportieren Nathaniels Besitz auf einem völlig überladenen Wagen, während im Hintergrund ein großes, modernes Gebäude zu sehen ist
Robert Lopez hilft seinem Freund Nathaniel Ayers, wo er nur kann © justbridge entertainment GmbH

…ohne Wucht

Nur schade, dass dieser Appell in ein Drama verpackt wird, dass recht arm an Höhenpunkten daher kommt und den Zuschauer nur selten mitreißen kann. Die Story plätschert größtenteils vor sich hin, verläuft bis auf kleine Ausnahmen recht konventionell und bleibt auch relativ vorhersehbar. Es ist zwar löblich, dass Der Solist auf ein klassisches Happy-End verzichtet (SPOILER: Ayers wird nicht von seiner psychischen Erkrankung geheilt, findet aber seinen Frieden mit seiner Schwester, Beethovens Musik und der Freundschaft zu Lopez SPOILER-ENDE), jedoch fehlen die großen packenden Momente einfach. Klar, die Geschichte wurde von der Realität geschrieben und steht fest, wie sie ist, aber eine intensivere Inszenierung hätten aus einem soliden Drama sicherlich ein gutes Drama gemacht, denn das geben die Geschehnisse auf jeden Fall her.

Auch die Intention hinter Der Solist ist unbestreitbar eine gute, doch die Höhepunkte, in denen Ayers völlig losgelöst sein Cello bedient, können vielleicht beim ersten mal noch Gänsehaut erzeugen, beim vierten mal jedoch nicht mehr. Jene Szenen dürften dann höchstens noch für diejenigen interessant sein, die selbst musikalisch aktiv sind. Zudem sind manche Moment recht plakativ geraten, etwa wenn die Kamera vom Cello spielenden Ayers wegschwenkt und sich durch einen Taubenschwarm hindurch empor bewegt. Ein gutes Drama verbindet Subtilität mit emotionaler Wucht, Der Solist will beides nicht recht gelingen.

Behutsam gespielt

All das Gemecker soll jedoch nicht den Eindruck erwecken, dass es sich hier um einen schlechten Film handelt. Darstellerisch weiß Der Solist durchaus zu überzeugen. Jamie Foxx, der selbst musikalisch aktiv ist und im Musikerdrama Ray (2004) für den Oscar ausgezeichnet wurde, lernte das Cello-Spielen tatsächlich selbst und weiß somit nicht nur in den Musik-Szenen zu überzeugen, sondern ganz besonders dann, wenn er die Schizophrenie seiner Figur darstellt. Dann nuschelt er oft ohne Punkt und Komma wirres Zeug, ist unruhig, hat Panikattacken und verliert teilweise völlig die Beherrschung. Foxx‘ Darstellung ist somit teilweise recht anstrengend, doch dahingehend auch authentisch. Aber auch seine leuchtenden Augen sprechen Bände, wenn er mal wieder über Beethoven philosophiert. Dann wird deutlich, dass sich hinter der Angst eine sensible, hochintelligente Persönlichkeit verbirgt, die Musik nicht nur spielt, sondern sie lebt. In Rückblenden wird außerdem seine Vergangenheit beleuchtet, die aber nur ansatzweise seine psychische Labilität erklären können.

Der junge Nathaniel Ayers sitzt in einer Rückblende auf dem Koffer seines Cellos, im Hintergrund ist Schnee, ein Auto und ein Gebäude erkennbar © justbridge entertainment
Ayers war als Kind schon musikalisch hochbegabt © justbridge entertainment GmbH

Ihm gegenüber liefert auch Robert Downey Jr. überzeugend ab, der zum zweiten Mal nach Zodiac (2007) einen Journalisten spielt, auch wenn seine Rolle deutlich leichter zu meistern ist als die von Foxx. Anfangs geht es seiner Figur nur um die Story, doch zunehmend ist es ihm wichtiger, diesem Menschen zu helfen – so wichtig, dass er seinen Willen über den seines Freundes stellt. Downey Jr. vermittelt dabei glaubhaft diesen Ehrgeiz, aber auch die Ängste um seinen Freund. In einer Nebenrolle als Lopez‘ Ex-Frau und Mitredakteurin ist außerdem noch Catherine Keener zu sehen.

Inszenatorische Lichtblicke

Trotz flacher Dramaturgie, hat Der Solist inszenatorisch durchaus seine Momente. Etwa, wenn er die schizophrenen Panikattacken von Ayers mittels schnellen Schnitten und ungewöhnlichen Kameraeinstellungen vermittelt und dabei durcheinander geworfene Flüsterstimmen über die Tonspur geistern lässt. So oder so ähnlich stellt man sich Schizophrenie vor; eine Angst, die zwar nicht begründet, aber vom Film spürbar gemacht werden kann. Auch deutet der Film in einer Szene an, dass Ayers Synästhesist ist: Während er träumerisch einem Orchester lauscht, verschwimmen die Bilder plötzlich zu einem bunten Gemisch, bei dem sich alle möglichen Farben sanft den Klängen des Orchesters anpassen. Ayers scheint die Töne sehen zu können. Diese und noch ein paar weiteren Szenen bleiben durchaus im Gedächtnis, für einen wirklich packenden Film ist das dennoch zu wenig.

Unser Fazit zu Der Solist

Der Solist kann seine wichtige Botschaft über den gesellschaftlichen Bodensatz leider nicht packend vermitteln und ist letztlich ein recht unspektakuläres, auf wahren Begebenheiten basierendes Drama über eine ungewöhnliche Freundschaft. Von Robert Downey Jr. und besonders Jamie Foxx überzeugend gespielt und stellenweise von Joe Wright geschickt inszeniert, fehlen einfach die großen Momente, die Gänsehaut erzeugen oder zum Nachdenken anregen könnten. Beileibe kein schlechter Film, aber zu schnell wieder vergessen, gerade angesichts dieser schwerwiegenden Thematik.

Die Veröffentlichung von justbridge entertainment, die den Film seit dem 06. April auf Blu-ray erhältlich macht, kann sich aber durchaus sehen lassen. Die Aufmachung des Menüs sowie Sound und Bild überzeugen und neben den Extras auf der Disc wie ein Making-of, unveröffentlichte Szenen, ein Kurz-Feature und dem Audio-Kommentar von Regisseur Joe Wright ist in der Verpackung noch ein 28-seitiges Booklet über die Hintergründe des Films enthalten.

Unsere Wertung:

 

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