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Böse Blicke fremder Menschen treffen den frustrierten Stillwell in Die 27. Etage

Die 27. Etage

Im Thriller Die 27. Etage bricht die Welt um Gregory Peck herum scheinbar zusammen, als er feststellen muss, dass sein Gedächtnis nicht so sattelfest ist, wie er glaubte. Ob das heute noch mitzureißen vermag, erfahrt ihr hier!

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TitelDie 27. Etage (OT: Mirage)
JahrUSA
Land1965
RegieEdward Dmytryk
DrehbuchPeter Stone, Howard Fast
GenreThriller
DarstellerGregory Peck, Diane Baker, Walter Matthau, Kevin McCarthy, Jack Weston, George Kennedy
Länge109 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Im Vordergrund, vor orangenem Hintergrund, sieht man Gregory Peck, der sich umsieht. Klein in der oberen Ecke sieht man zudem einen Mann in einem grauen Kästchen, der mit der Waffe auf ihn zielt auf dem Cover von Die 27. Etage.
Das schlichte, aber schöne BD-Cover © Koch Films

Die 27. Etage – Handlung

Bei einem Stromausfall in einem New Yorker Wolkenkratzer stakst David Stillwell (Gregory Peck) mit anderen Büroangestellten die Treppen hinunter. Hier trifft er auf eine Frau (Diane Baker), die ihn zu kennen glaubt, was er für einen Irrtum hält und verneint. Doch sein Anblick im hellen Strahl einer Taschenlampe verschreckt sie scheinbar, er sieht sie nur noch in das Untergeschoss flüchten. Vor dem Gebäude erfährt er, dass sich ein gewisser Charles Calvin zu Tode gestürzt hat.

In der Folge geschehen dem verdutzten Stillwell sonderbare Dinge: Bekannte behaupten, ihn längere Zeit nicht gesehen zu haben, es offenbaren sich tatsächlich Lücken in seiner Erinnerung. Und als er schauen will, wohin die mysteriöse Frau entfleucht ist, scheint das Untergeschoss des Hochhauses nie existiert zu haben. In seiner Wohnung wartet ein bewaffneter Mann namens Lester (Jack Weston), der ihn auffordert, seine Tasche zu nehmen und nach Haiti zu reisen. Er kann ihm nur knapp entkommen.

Weil die Polizei unwillig scheint, ihm zu helfen, engagiert er den Privatdetektiv Ted Caselle (Walter Matthau), der dem unglaublichen Fall eine Chance gibt. Shela, die entschwundene Frau vom Vortag, gibt sich ihm zu erkennen, scheint aber auch nicht willens, ihm wirklich weiterzuhelfen. Welches schlimme Geheimnis lauert im Schatten von Stillwells fehlenden Erinnerungen?

Ein Thriller, der sich “nach innen” entwickelt

Im Mitte der 60er längst nicht mehr angesagten Schwarz-Weiß gehalten, mutet Die 27. Etage anfangs nur wenig zeitgemäß an. Doch das soll sich noch als geschickter Schachzug der Produktion erweisen. Denn durch diese vermeintlich rückschrittliche Optik verstärkt sich das Gefühl der Desorientierung, das der Zuschauer zusammen mit dem Star Gregory Peck durchlebt. Zuerst sind es nur abstrakte Fingerzeige auf ein Geheimnis im Verhalten der Leute um Stillwell herum – wie die Frau, die ihn zu kennen glaubt, der Barkeeper, der ihn länger nicht gesehen haben will. In seinem vermeintlich sicheren Heim wird die Gefahr für ihn unangenehm konkret, auch wenn der Grund dafür weiterhin nebulös bleibt.

Stillwell (Gregory Peck) verharrt schweigend am Telefonhörer in Die 27. Etage.
Wer ist am anderem Ende der Leitung? © Koch Films

Fortan rennt der Protagonist immer wieder gegen Wände seiner Erinnerung, wenn er bei der Polizei anzeigen machen will oder ein Psychologe ihn untersuchen soll. Auf unerklärliche Weise scheinen die letzten zwei Jahre seines Lebens verschwunden, eine Lücke, die es zu ergründen gilt. Und da Stillwell niemanden trauen kann, nicht einmal der Frau, die sich später als Sheila vorstellt, sucht er sich Hilfe bei einem ihm vollkommen Fremden, dem Privatdetektiv Caselle.

Der erweist sich, rein investigativ, als keine große Hilfe, liefert ihm aber zumindest frische Denkansätze, die ihm helfen, sich dem Geheimnis in seinem Kopf anzunähern. Denn die Spuren, denen sie nachgehen, führen stets in Sackgassen, während die Bedrohung von Stillwells Leben durch seine Verfolger immer mehr Form annimmt. Es ist dann auch keine akribische Aufklärung, die des Rätsels Lösung bringt, sondern die Konfrontation Stillwells mit dem, was man von ihm zu erhalten hofft.

Zurückgenommene Inszenierung

Edward Dmytryk hatte die Kommunistenverfolgung in den Vereinigten Staaten am eigenen Leib zu spüren bekommen. Ende der 40er-Jahre wurde er als Kommunist denunziert und landete auf der schwarzen Liste der Studios. Er gehörte damit zu den sogenannten “Hollywood Ten”, einer Liste mit zehn Namen von Regisseuren und Autoren, die nun de facto mit einem Berufsverbot belegt wurden. Nach einem kurzen Exil in Europa und den Verlust der eigenen Existenz vor Augen gab er dem Druck nach und sagte vor dem Komitee für unamerikanische Umtriebe aus. Während andere Kollegen wie Jules Dassin (Die Ratte von Soho, Rififi) ihr Glück in Europa suchen mussten, drehte Dmytryk Klassiker wie Die Caine war ihr Schicksal (1954) und Warlock (1959).

Ein Mann mit Pistole bedroht den heimkommenden Stillwell (Gregory Peck) in Die 27. Etage.
Stillwells Leben wird bedroht © Koch Films

Dmytryks Regie in Die 27. Etage erweist sich als sehr zurückgenommen, aber dennoch effektiv. Auch die Kameraarbeit von Joseph McDonald liefert viele künstlich wirkende Bilder scheinbar austauschbarer Sets. Zusammen mit dem ruhigen, jazzigen Score von Quincy Jones, der sich wie Geplänkel immer mal wieder im Hintergrund bemerkbar macht, verstärkt es die desorientierende Wirkung des Geschehens noch.

Verwirrende Anachronismen

Dazu wirken viele Details geradezu anachronistisch. Denn während das Aussehen des Films sich betont gestrig gibt, scheint das abgebildete gesellschaftliche Leben durchaus modern und dem Geist der 60er entsprechend. Man genehmigt sich einen Drink oder zwei in der Bar, bevor es vom Stress der Arbeit zu dem des trauten Heims geht. Und schon beim Stromausfall am Anfang ziehen sich Männlein und Weiblein gleich gruppenweise in die dunklen Büros zurück, um frivolen Dingen zu fröhnen.

Das Casting von Gregory Peck (Moby Dick, Das Omen) passt hier wunderbar. Er trägt, wie immer, seinen ernsten Gesichtsausdruck derart stoisch vor, dass jede Abweichung davon zwar eine glaubhafte Emotion hervorruft, es aber immer wie eine mechanische Funktion erscheint. Das passt zu seiner Verzweiflung, wenn er auf der Suche nach seiner jüngsten Vergangenheit immer wieder in Sackgassen landet und sich schließlich nicht mehr sicher ist, wer er nun wirklich ist. Denn als jemand mit derart feststehenden moralischen Grundsätzen scheint auch er, im Vergleich mit seiner Umwelt, etwas aus der Zeit gefallen zu sein.

Sheila (Diane Baker) schaut Stillwell (Gregory Peck) an und versucht, ihn zu durchschauen in Die 27. Etage.
Was ist ihr Geheimnis, was seines? © Koch Films

Ihm gegenüber steht zum einen Diane Baker (Die Reise zum Mittelpunkt der Erde, Die Zwangsjacke) als die geheimnisvolle Sheila, die scheinbar stets versucht, auch ihn zu durchschauen. Zum anderen spielt Walter Matthau (Extrablatt, Charlie Varrick) den Schnüffler Caselle, der zwar zugibt, noch unerfahren zu sein, aber tatsächlich echtes Mitgefühl für Stillwell und seine Lage offenbart. Daneben agieren noch George Kennedy (Der Flug des Phoenix, Die nackte Kanone), Jack Weston (Thomas Crown ist nicht zu fassen, Explosion in Cuba) und Kevin McCarthy (Die Dämonischen, Reise ins Ich) in sinistren, aber eher zweckmäßigen Rollen.

Von gescheiterten Existenzen und SF-Fantastereien…

Auf den ersten Blick verweist die Geschichte, um den Mann, der verfolgt wird und nicht weiß, warum, auf den Meister der Suspense, Alfred Hitchcock. Die Kinematografie mit den auffälligen Wechseln von Licht und Schatten sowie der Vorliehbe für klare Linien offenbart eine Nähe zum Film noir, den Regisseur Edward Dmytryk vorher schon mit Filmen wie Mord, mein Liebling (1944) oder Kreuzverhör (1947) bediente. Es ist naheliegend, hier den Grund dafür zu suchen, dass Die 27. Etage noch in Schwarz-Weiß gedreht wurde. Doch wenn sich die Geschichte entspinnt und bei Stillwell wie dem Zuschauer sich die Verunsicherung breit macht, weil jedweder Erkenntnisgewinn nur dazu führt, dass neue Fragen aufgeworfen werden, wird ersichtlich, dass der Film zu den Polit-Thrillern des Paranoia-Kino zu zählen ist.

In den 50er-Jahren konnte noch gewahr sein, dass die einzige Bedrohung für die westliche Zivilisation im Ost-West-Konflikt und dem Streben des Menschen, immer zerstörungswütigere Waffensysteme zu entwickeln, zu suchen war. Die Furcht vor einem nuklearen Krieg und kommunistischer Unterwanderung oder gar Invasion spiegelten sich im fantastischen Kino jener Zeit wieder. Die Ängste des Einzelnen vor Entfremdung, Vereinsamung und wirtschaftlichen Ruin waren beliebte Themen des düsteren Film noir, der seine Protagonisten, zumeist gescheiterte Existenzen, gerne in den schattigen Gassen der Großstadt suchte.

… zum realen Schrecken des politischen Alltags

Je weiter die Erinnerung an den 2. Weltkrieg in den Hintergrund rückte, desto mehr rückten auch wieder die plakativen Feindbilder in den Hintergrund. Die Bedrohung für die westliche Zivilisation und das sich in ihr bewegende Individuum wurde diffuser. Die Angst vor einer Unterwanderung durch den Feind blieb, doch sie entwickelte sich zu etwas Abstrakteren. Man konnte Freund und Feind nicht mehr genau auseinanderhalten, jeder könnte eine Maske tragen, die seine wahren Absichten verbirgt.

Detektiv Caselle (Walter Matthau) schaut in Die 27. Etage Stillwell (Gregory Peck) fragend an, den Hut an der Stirn hochgeschoben.
Schnüffler Caselle scheint der einzige, der es wirklich gut mit Stillwell meint © Koch Films

Und diese Paranoia fand nun nicht mehr Ausdruck in Fantastereien der Science-Fiction, sondern erreichte das politische und gesellschaftliche Umfeld. Die Gefahr ging von Personen aus dem eigenen Umfeld, in sensiblen Bereichen agierenden Konzernen oder selbst staatlichen Institutionen aus. Filme wie John Frankenheimers Der Manchurian Kandidat (1962) und eben Die 27. Etage gaben die Richtung vor, aus der sich die berühmten Paranoia-Thriller der 70er, etwa Sidney Pollacks Zeuge einer Verschwörung (1974) oder Unternehmen Capricorn (1978) von Peter Hyams, entwickelten.

Unser Fazit zu Die 27. Etage

Aufgrund seiner recht einfach gehaltenen Thematik und der Erzählung, die eben so abstrakt wie möglich bleibt, kann Die 27. Etage auch heute noch fesseln. Der Thriller legt ein gutes Tempo vor und verliert sich auch nicht in Nebenschauplätzen, die Spannung wird stets hochgehalten. Für Freunde des klassischen Hollywood-Kinos gibt es neben Gregory Peck noch einige bekannte Gesichter wie eben Walter Matthau oder einen noch recht jungen George Kennedy zu entdecken. Zu einem Meisterwerk des Paranoia-Kinos fehlt dem Film aber definitiv der große Aha-Effekt am Ende, auch wenn es dennoch befriedigend daherkommt. Auch technisch gesehen kann die Blu-ray mit sehr gutem Bild und sehr klarem, verständlichem Ton sowohl in Deutsch als auch Englisch überzeugen. Für Thriller-Fans ist hier eine Empfehlung auszusprechen.

Die Blu-ray von Koch Films ist seit dem 10. September 2020 im Handel erhältich!

Unsere Wertung:

 

 

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© Koch Films

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