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Louis Brooks' Konterfei auf dem Cover von Die Büchse der Pandora

Die Büchse der Pandora

Die Büchse der Pandora von Georg Wilhelm Pabst gilt heute als später Klassiker des deutschen Stummfilms. Ob die Amerikanerin Louis Brooks uns als naive wie unglückselige Lulu uns noch heute bezaubern und rühren kann, erfahrt ihr im Folgenden.

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TitelDie Büchse der Pandora
Jahr1929
LandDeutschland
RegieGeorg Wilhelm Pabst
DrehbuchJoseph Fleisler, Ladislaus Vajda, Georg Wilhelm Pabst
GenreDrama
DarstellerLouise Brooks, Fritz Kortner, Francis Lederer, Carl Goetz, Krafft-Raschig, Alice Roberts, Michael von Newlinsky, Daisy D’Ora
Länge133 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
Verleihatlas film
Louis Brooks' Konterfei auf dem Cover von Die Büchse der Pandora
Das Mediabook-Cover von Die Büchse der Pandora © atlas film

Worum geht es in Die Büchse der Pandora?

Die leichtlebige Lulu (Louise Brooks) lässt sich in Berlin vom gut betuchten Zeitungsredakteur Dr. Schön (Fritz Kortner) aushalten. Da taucht ihr Ziehvater Schmigolch (Carl Goetz) auf und macht sie mit Rodrigo Quast (Krafft-Raschig) bekannt, der die schöne Frau als Hauptdarstellerin einer Varieté-Nummer herausbringen will. Sie befindet sich gerade auf dem Weg zu Erfolg und Ruhm, da verlobt sich Dr. Schön mit der ihm gesellschaftlich gleichgestellten Charlotte (Daisy D’Ora). Kurzerhand initiiert Lulu einen Skandal, weswegen der Redakteur sich gezwungen sieht, nun sie zur Frau zu nehmen. Doch bei der Hochzeitsfeier jagt Dr. Schön in einem Eifersuchtsanfall die betrunkenen Schmigolch und Quast mit einem Revolver aus dem ehelichen Schlafzimmer. Bei einem anschließenden Handgemenge mit Lulu löst sich ein Schuss, der den frisch gebackenen Ehemann tötet.

Lulu wird vor Gericht gestellt und wegen Totschlags zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Sie kann allerdings fliehen, da Schmigolch den Feueralarm auslöst. In der Stadtwohnung ihres toten Mannes trifft sie auf dessen Sohn Alwa (Francis Lederer). Da auch er in sie verliebt ist, flieht er mit ihr. Sie landen in einem Bordell an Bord eines Schiffes, wo der gebrochene Alwa seiner Spielsucht nachgeht. Derweil ist sie dem Betreiber Marquis Casti-Piani (Michael von Newlinsky) hilflos ausgeliefert. Als der sie an einen reichen Araber verkaufen will, scheint ihre Verehrerin Gräfin Geschwitz (Alice Roberts) ihre letzte Hoffnung…

Der Sündenfall

Die bezaubernde Louise Brooks als Lulu steht also nicht nur im Mittelpunkt dieses Films, sondern stellt dort auch einen Stern dar, um den verschiedene Trabanten kreisen. Im Laufe der Geschichte mehren sich die armen Seelen, die sich scheinbar von ihr angezogen fühlen wie die Motten vom Licht. Dabei ist keine böse Person, die vorsätzlich anderen Schaden zufügt. Ihr wurde, wie in ihrem Verhältnis zum väterlichen Gauner Schmigolch, lediglich anerzogen, immer auf ihren Vorteil bedacht zu sein. Sie ist mitnichten die durchtriebene Verführerin, sondern naiv und ichbezogen. Sie weiß um ihre Wirkung auf Männer, aber nutzt es normalerweise eher im Kleinen für sich.

„Die griechischen Götter schufen ein Weib: Pandora. Es war schön, – liebreizend, kannte betörende Schmeichelkünste…“

Dies ändert sich allerdings schlagartig, als sie im Theater Dr. Schön mit seiner Verlobten Charlotte sieht. In einem Anflug von Eifersucht handelt sie so impulsiv wie berechnend, lässt sich mit Schön von Charlotte und Alwa beim Fummeln hinter der Bühne erwischen. Damit bringt sie den feinen Herrn in Zugzwang, wobei die sich anbahnende Eheschließung jenseits jedweder Romantik stattfindet. Lulu sichert sich ihr Luxusleben und Dr. Schön manifestiert Besitzansprüche an ihr. Das wird gerade daran deutlich, dass der schicksalhafte Zwischenfall, der ihm das Leben kostet, aus Wallungen von Eifersucht seinerseits geschieht. Er glaubt, das Schmigolch ihm seine Frau streitig macht, nicht wissend, dass diese sich als Vater und Tochter sehen. Der Schuss, der dann ihr schönes Leben beendet, ist nur die zwingende Konsequenz ihrer vorherigen Impulshandlung.

Der bodenlose Abgrund

Die Verurteilung und die Flucht mit Alwa gleichen einem Abstieg in die Hölle. Mit Blick auf ihr schon angesprochenes Verhältnis zu Gauner Schigolch scheint Lulu die Gosse schon zu kennen, doch ein Abstieg ist immer viel hässlicher als ein Aufstieg. Dr. Schön ist tot, sein Sohn Alwa schnell zum menschlichen Wrack verkommen, der den Spieltisch sein neues Zuhause nennt. Hier umkreisen sie ihre Verehrer immer noch, doch sind es jetzt sie, die von ihr Geld einfordern. Alwa braucht es zum Spielen, Bordell-Betreiber Casti-Piani erpresst sie, und auch Quast, den der Prozess den guten Ruf gekostet hat, will seine Investition in Lulu zurückbezahlt bekommen. Die Männer hängen ihr jetzt wie ein Klotz am Bein und ziehen nun ihrerseits sie immer weiter runter. Ihr einziger Lichtblick ist ihre weibliche Verehrerin, die Gräfin Geschwitz, deren Werben sie aber nicht gewillt ist, vollends nachzugeben.

„… aber die Götter gaben ihm auch ein Gefäss, in das sie alles Übel der Welt einschlossen. – Die Unbesonnene öffnete die Büchse und alles Unheil kam über uns.“

Es ist jedenfalls auch nicht ganz klar, ob Lulu sich an Bord des Schiffes schon prostituiert. Einerseits muss sie irgendwie Alwa haushalten, andererseits klagt Casti-Piani darüber, dass sie ihm nichts einbringt, weswegen er sie verkaufen will. Es kann natürlich sein, dass das Zweite eine Konsequenz aus ersterem ist. Erst gegen Ende macht Pabst dies deutlich, wenn sie einen Mann anflirtet, der entgegnet, leider kein Geld zu haben. Das Erstaunliche an Lulu ist, dass sie auch in dieser Situation, ganz am Boden, immer noch unbeschwert erscheint. Sowieso verfinstert sich ihr Gesicht in Anblick ihrer Tragödie immer nur sehr kurz, um dann wieder in ein liebreizendes Lächeln zu wechseln.

Die Büchse der Pandora im filmhistorischen Kontext

Hingegen zu Kollegen wie Fritz Lang oder Friedrich Wilhellm Murnau hat Georg Wilhelm Pabst nie große, internationale Erfolge mit seinen Filmen feiern können. Dafür kamen seine Filme zu spät, die Ära der großen Stummfilme neigte sich dem Ende zu. Zudem war er auch kein Anhänger des klassischen deutschen Expressionismus, sondern gehörten der Neuen Sachlichkeit an. Seine Filme waren weniger künstlich, die Bilddramaturgie war nüchterner. Dagegen war Pabst mit seinen dynamischen Schnittfolgen seiner Zeit voraus. Dieser modernere Stil wirkte sich aber auch auf das Schauspiel und die Figurenzeichnung aus. Es war nicht mehr dem Kontrast aus Schwarz und Weiß verpflichtet, nicht nur im bildlichen Sinne. Die Darsteller agierten weniger theatralisch, was Raum ließ für nuanciertere Darbietungen und damit auch ambivalente Charaktere wie Lulu.

Aufgrund der moralisch fragwürdigen Hauptfigur, des anrüchigen Inhalts und sicherlich auch des lesbischen Charakters Geschwitz ist es kaum ein Wunder, dass Die Büchse der Pandora unter den Nationalsozialisten verboten wurde. Daraufhin war der Film für fast zwanzig Jahre von der Bildfläche verschwunden, bis in den 50er-Jahren von der Cinémathèque française eine Retrospektive von Brooks‘ Filmen abgehalten wurde. Durch euphorische Kritiken wurde Louise Brooks nun plötzlich wieder in öffentliche Gedächtnis katapultiert. Die Karriere der nur 1,57 m großen Schauspielerin war damals schon längst vorbei, denn sie hatte im Tonfilm nie Fuß fassen können. Sie nutzte aber ihre neugewonnene Popularität, um in mehreren Artikeln mit dem Filmgeschäft und Kollegen abzurechnen.

Cover, Booklet, Karten & Disks zu Die Büchse der Pandora
Der Umfang des Mediabooks in seiner ganzen Pracht © atlas film

Unser Fazit zu Die Büchse der Pandora

Trotz seiner schon beachtlichen Laufzeit von mehr als zwei Stunden gestaltet sich der Film von Georg Wilhelm Pabst als angenehm flott. Das liegt daran, dass die Schnittfolgen sehr dynamisch ausfallen, die Handlung nicht oft von Texttafeln unterbrochen wird und die Darsteller eine mitreißende Darbietung abliefern. Das ist noch immer kilometerweit von modernen Sehgewohnheiten entfernt, aber inhaltlich wie formal weit weniger angestaubt als man denken sollte. Louise Brooks allein sollte schon einen Blick wert sein. Ältere Pop-Fans kennen ihr Konterfei vielleicht noch aus dem Musikvideo von OMD zu „Pandora’s Box“, das sehr an den Film angelehnt ist.

Das Mediabook von atlas film präsentiert den Film mit gewohnt hochwertiger Ausstattung. Es ist gut verarbeitet, das Booklet gibt interessante Einsichten. Auch die Postkarten sind schnieke Goodies. Als Extra ist auf den Disks noch ein mehr als halbstündiges Interview mit Michael Pabst, dem Sohn des Regisseurs enthalten. Aus dem Bild wurde herausgeholt, was ging, das sieht wirklich gut aus. Allerdings muss man bedenken, dass der Film jahrelang faktisch in Deutschland nicht existent war und diese Fassung aus unterschiedlichen Quellen erstellt wurde. Mir bleibt nichts weiter, als eine klar Kaufempfehlung auszusprechen.

Das Mediabook von atlas film ist seit dem 15. November 2015 im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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