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Langsam spitzt sich die Lage zu in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films

Die Frau im Eis

Krimis aus dem nördlichen Teil unseres Kontinents liegen seit Jahren hoch im Kurs. Mit Die Frau im Eis schafft es der aktuelle Genre-Beitrag von Regisseur Börkur Sigthorsson nun auch ins deutsche Heimkino. Kann der unterkühlte Thriller vollends überzeugen oder wäre er im Fernsehprogramm besser aufgehoben gewesen? Kann er sich in dem hart umkämpften Genre behaupten? Diese und weitere Fragen versuchen wir in dieser Rezension zu beantworten.

TitelDie Frau im Eis (OT: Vargur)
Jahr2018
ProduktionslandIsland
RegieBörkur Sigþórsson
DrehbuchBörkur Sigþórsson
GenreKrimi, Thriller
DarstellerIngvar Eggert Sigurðsson, Anna Próchniak, Gísli Örn Garðarsson, Steinunn Ólína Þorsteinsdóttir, Marijana Jankovic, Sigurður Sigurjónsson, Baltasar Breki Samper, Sveinn Ólafur Gunnarsson, Kristín Þóra Haraldsdóttir, Rúnar Freyr Gíslason, Valur Freyr Einarsson, Aldís Amah Hamilton
Länge91 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Media
Das Blu-ray-Cover zu Die Frau im Eis © 2019 Koch Films
Das Blu-ray-Cover zu Die Frau im Eis © 2019 Koch Films

Worum geht’s in Die Frau im Eis?

Die Frau im Eis erzählt die Geschichte der beiden Brüder Erik (Gísli Örn Garðarsson) und Atli (Baltasar Breki Samper). Während Erik ein erfolgreicher Anwalt ist, agiert sein Bruder Atli mit eher zwielichtigen Geschäften und unterhält Kontakte zur kriminellen Unterwelt Islands. Als Eriks Arbeitgeber ihn für das Fehlen von 30 Millionen Euro verantwortlich macht, kommen ihm die zweifelhaften Verbindungen seines Bruders gerade recht.

Durch einen gemeinsam organisierten Drogenschmuggel will Erik die Schulden bei seinem Arbeitgeber begleichen. Dafür soll die junge Sofia, gespielt von Anna Próchniak, als Bodypacker dienen. Als Sofie jedoch auffliegt, geraten sie und das Bruderpaar in einen nicht enden wollenden Sog aus Gewalt, Korruption und Verrat.

Das ungleiche Bruderpaar Erik (l.) und Atli (r.) in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films
Das ungleiche Bruderpaar Erik (l.) und Atli (r.) in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films

Klassischer nordischer Krimi?

In jeder seiner knackigen 91 Minuten merkt man die nordeuropäische Herkunft von Die Frau im Eis. Entsättigte Farben, unterkühlter Look, leicht verschrobene Charaktere und eine stringent erzählte Kriminalgeschichte. All das sind Zutaten vieler nordischer Krimis. Leider finden die meisten dieser Krimis in Deutschland maximal in der Fernsehlandschaft Beachtung. Selten schafft es ein solcher Genre-Beitrag in unsere Kinos.

Auf dem Fantasy Filmfest 2018 konnte Die Frau im Eis bereits auf der großen Leinwand erlebt werden. Ob sich dieses Erlebnis im Kino beziehungsweise jetzt im Heimkino lohnt?

Anna Próchniak als Sofia in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films
Anna Próchniak als Sofia in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films

Kamera und Stimmung

Die Frau im Eis ist ein von vorne bis hinten bodenständiger Krimi. Die meiste Zeit soll der Zuschauer sehr nah an den Protagonisten sein, weswegen der massive Einsatz von Shaky Cam, oder zu Deutsch Wackelkamera, nicht wundert. Leider wird dieses Stilmittel ein wenig zu sehr ausgereizt. In so gut wie keiner Einstellung hält die Kamera still und das Bild bewegt sich ununterbrochen. Damit agiert die Kamera in vielen Szenen völlig diametral zur Handlung. Denn der Plot wird eher ruhig und bedacht ausgebreitet. Lediglich im letzten Viertel zieht Regisseur Börkur Sigthorsson sowohl die Spannungs- als auch die Gewaltschraube merklich an.

Im Gegensatz zu manch anderem Vertreter des Genres sticht Die Frau im Eis durch die völlige Absenz von Humor hervor. Das führt dazu, dass die düstere und fast schon melancholische Grundstimmung des Films zu keiner Zeit gebrochen wird. Ob man das gut oder schlecht findet, das kann und muss jeder für sich selbst entscheiden.

Baltasar Breki Samper als Atli in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films
Baltasar Breki Samper als Atli in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films

Der Weg zum Ziel

Auf dem Weg zum durchaus spannenden und konsequenten Finale krankt das Drehbuch und dessen Ausführung leider ein wenig unter diversen Unzulänglichkeiten. Manche der Entscheidungen, die die Figuren im Verlauf der Geschichte treffen, wirken schlicht nicht nachvollziehbar und scheinen daher reines Mittel zum Zweck, um den Film auf der gewünschten „hohen Note“ enden lassen zu können. Zudem leidet die Griffigkeit des Films unter ein paar Längen im Mittelteil und es werden eine Spur zu viele Rückblenden eingesetzt um das Verhalten der Figuren zu erklären.

An den schauspielerischen Leistungen des, zumindest in unseren Breiten, unbekannten Casts ist hingegen nichts auszusetzen. Vor allem Gísli Örn Garðarsson und Baltasar Breki Samper machen als ungleiches Bruderpaar eine gute Figur. Durch das authentische Spiel entwickelt sich zwischen den Beiden im Laufe der Geschichte eine sehr schöne Dynamik. Lediglich die deutsche Synchronisation wirkt an manchen Stellen ein wenig lustlos und unmotiviert vorgetragen. Um das nordische Flair zu komplettieren, empfehle ich daher die Originalversion mit Untertiteln.

Langsam spitzt sich die Lage zu in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films
Langsam spitzt sich die Lage zu in Die Frau im Eis © 2019 Koch Films

Mein Fazit zu Die Frau im Eis

Die Frau im Eis erzählt eine schnörkellose und gänzlich humorbefreite Kriminalgeschichte in den eisigen Gefilden Islands. Bis zum überraschenden und angenehm konsequenten Schlussakt verpasst es der Film leider, sich von seinen zahlreichen Konkurrenten im Sektor der nordischen Krimis abzusetzen. Alles in allem ein kompetenter Genre-Beitrag, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Seit dem 28. März als Blu-ray und DVD erhältlich.

Unsere Wertung:

 

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© Koch Media

Patrick Krämer

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