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Die fünf Gefürchteten

Nicht immer artet ein Western mit Bud Spencer in eine klamaukige Prügelorgie aus. Die fünf Gefürchteten ist ein durchaus ernst gemeinter Genrebeitrag. Aber kann ein US-amerikanischer Regisseur den Geist des Italowesterns einfangen?

Die fünf Gefürchteten - The Five Man Army - Langer internationaler Originaltrailer

TitelDie fünf Gefürchteten (OT: Un esercito di cinque uomini)
Jahr1969
LandItalien
RegieDon Taylor, Italo Zingarelli
DrehbuchDario Argento, Marc Richards
GenreWestern
DarstellerPeter Graves, Bud Spencer, Nino Castelnuovo, James Daly, Tetsurō Tamba, Claudio Gora, Carlo Alighiero, Giacomo Rossi Stuart, Daniela Giordano
Länge105 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihPlaion Pictures
Das Cover A des Media-Books von Die fünf Gefürchteten. © Plaion Pictures

Die Handlung von Die fünf Gefürchteten

Der mexikanische Bankräuber Luis (Nino Castelnuovo) wird in Die fünf Gefürchteten vom Dutchman (Peter Graves) beauftragt, drei Mitstreiter (Bud Spencer, James Daly, Tetsurō Tamba) zu rekrutieren, mit denen er im Auftrag mexikanischer Revolutionäre einen Armeezug kapern soll. In dem befindet sich eine halbe Million Dollar in Gold. Dass der versprochene Lohn von 1000 Dollar pro Kopf bei so einer Beute nicht allen reicht, versteht sich. Doch bevor es ans Verteilen gehen kann, muss die Five-Men-Army, so der englische Titel des Films, den schwer bewachten Zug erstmal in die Hände bekommen. Dafür hat der Dutchman einen raffinierten Plan ausgeheckt. Bei dessen Umsetzung nicht alles ganz so glatt läuft, wie erhofft.

Trotz „Dampframme“ wenig Klamauk

Bei Filmen mit Bud Spencer muss man immer damit rechnen, dass Klamauk die Handlung dominiert. Dennoch gibt es eine Reihe durchaus ernst gemeinter Filme mit ihm, schließlich hat er auch mit Partner Terence Hill zunächst etwa mit Gott vergibt, Django nie im harten Italowestern erste Spuren hinterlassen – wenn auch bereits dort mit komödiantischem Unterton. In Die fünf Gefürchteten mimt er als Mesito erneut die Dumpfbacke mit dem Dampfhammer, und auch seine berühmte „Dampframme“, der wuchtige Schlag mit der Faust von oben auf den Kopf des Gegners, darf nicht fehlen. Dennoch sollte man nicht vergessen: In dem Western von Don Taylor und Italo Zingarelli spielt er nur eine von mehreren Nebenrollen.

Die fünf Glücksritter Luis, gespielt von Nino Castelnuovo, Augustus Bennett, gespielt von James Daly, Mesito, gespielt von Bud Spencer, Samurai, gespielt von Tetsurō Tamba, und der Dutchman, gespielt von Peter Graves, kämpfen auf der Seite der Revolutionäre.
Bewaffneter Einsatz (von links): Luis (Nino Castelnuovo), Augustus Bennett (James Daly), Mesito (Bud Spencer), Samurai ((Tetsurō Tamba) und der Dutchman (Peter Graves) kämpfen auf der Seite der Revolutionäre. © Plaion Pictures

Der Film bemüht sich in weiten Teilen, dem zu seiner Entstehungszeit äußerst populären Genre des Italowesterns nahe zu kommen. Sein Problem trotz des italienischen Produzenten und angeblichen Co-Regisseur Zingarelli ist der amerikanische Regisseur. Don Taylor war ein durchaus routinierter Handwerker, der etwa mit Flucht vom Planet der Affen und Damien – Omen II gut genießbare Hollywoodkost gedreht hat. Was ihn geritten hat, sich an einer italienischen Pferdeoper zu versuchen, ist nicht überliefert.

Die fünf Gefürchteten punktet mit Morricone

Dabei bedient er sich nicht ungeschickt an den Manierismen des Genres: Gesichter in Großaufnahme, häufige Verwendung des Zooms. Auch das Setting mit seinen mexikanischen Dörfern und Kostümen, angesiedelt in der mexikanischen Revolution ist typisch. Und das Ganze wird untermalt von der Musik Ennio Morricones. Das ist insbesondere in der Szene, in der ein Revolutionär von Soldaten hingerichtet werden soll, und alle Dorfbewohner einen Trauerchoral anstimmen, der langsam von Gitarrenklängen untermalt immer weiter anschwillt, sehr effektiv. Wohl die eindringlichste Szene von Die fünf Gefürchteten. Die allerdings schnell umkippt in eine Massenschlägerei, die seltsam uninspiriert inszeniert ist.

So werden tragische Momente einer Revolution, wie sie etwa Sergio Leone in Todesmelodie virtuos in Szene gesetzt hat, zu bloßen Vehikeln einer actionbetonten Handlung. Die zudem immer wieder durch witzige Sprüche oder Verhaltensweisen aufgelockert wird, für die vorzugsweise natürlich Bud Spencer herhalten muss. „Soll ich Dir einen guten Rat geben?“ fragt ihn der Dutchman, als Mesito ihm erzählt, was er von seinem Anteil machen will. „Kauf nichts, was Du essen kannst.“ Ein Buddy-typischer Gag, denn schließlich besteht die Welt des Italowesterns nicht nur aus blauen, sondern auch aus weißen Bohnen.

Dutchman (Peter Graves), Mesito (Bud Spencer), Augustus Bennett (James Daly), Samurai ((Tetsurō Tamba) und Luis (Nino Castelnuovo).
Die Fünf-Mann-Armee (von links): Dutchman (Peter Graves), Mesito (Bud Spencer), Augustus Bennett (James Daly), Samurai ((Tetsurō Tamba) und Luis (Nino Castelnuovo). © Plaion Pictures

Die Eröffnungssequenz von Die fünf Gefürchteten ist ein typisches Rekrutierungsszenario. Das geht wahrscheinlich auf Dario Argento zurück, der vor seinen ersten eigenen Filmen an den Drehbüchern mehrerer Italowestern beteiligt war. Eine ähnliche Eröffnung gibt es in dem auch von Argento gescripteten und mit Bud Spencer in einer Nebenrolle besetzten  Heute ich… morgen Du!. Dort wird die Rekrutierung allerdings deutlich ausgiebiger und  intensiver ausgespielt. Unter Taylors Regie verkommt sie zu einer knapp gehaltenen Nummernrevue.

Italowestern als Mission impossible

Ein weiteres Problem von Die fünf Gefürchteten ist die Besetzung der Hauptrolle mit Peter Graves. Der US-Schauspieler war als TV-Star bekannt geworden, zunächst mit der Vaterfigur in Fury, dann aber vor allem mit der Hauptrollen in Kobra, übernehmen Sie (Mission: Impossible). Erste Lorbeeren als Schauspieler konnte er aber bereits 1953 mit Billy Wilders Stalag 17 ernten, bei dem er übrigens schon mit Don Taylor zusammenarbeitete, der damals neben William Holden die zweite Hauptrolle spielte. Anfang der 80er Jahre hatte er noch einmal größeren Erfolg mit den Airplane-Filmen Die unglaubliche Reise in einem verrückten Flugzeug samt Fortsetzung. Kein schlechter Darsteller, doch als Figur in einem Italowestern eine krasse Fehlbesetzung.

Luis, gespielt von Nino Castelnuovo,Samurai, gespielt von Tetsurō Tamba, Mesito, gespielt von Bud Spencer, und Augustus Bennett, gespielt von James Daly, streuten um die Verteilung der Beute.
Wem gehört die Beute? Luis, Samurai, Mesito und Augustus streiten um die Verteilung der Golddollar. © Plaion Pictures

So ist Die fünf Gefürchteten trotz all der typischen Elemente doch eher ein Heist-Movie, bei dem es um einen Millionenraub aus einem fahrenden Zug geht, als ein Western. Dabei ist dieser Raub durchaus spannend inszeniert und bietet neben typischer Zug-Action auch ein paar überraschende Wendungen. Und wenn gegen Ende die Westernmotive wieder bedeutsamer werden, ist man auch als Fan des Genres nicht unzufrieden. Zumal die gute Kameraarbeit von Enzo Barboni, der ein Jahr später mit Die rechte und die linke Hand des Teufels dem Prügel-Duo Hill-Spencer zum Durchbruch verhelfen sollte, für einige Unzulänglichkeiten im filmischen Rhythmus entschädigen kann. Die Darsteller agieren alle solide, vor allem Nino Castelnuovo als schlitzohriger Luis zeigt einmal mehr seine Vielseitigkeit. Seine dämonische Seite konnte er in Lucio Fulcis Django – Sein Gesangbuch war der Colt eindringlich unter Beweis stellen, von seinem komödiantischen Talent etwa als Hotelpage in Die Filzlaus neben Lino Ventura und Jacques Brel überzeugen.

In der Comedy-Fassung fliegen die Fetzen

Wie bei Filmen mit Bud Spencer üblich, gibt es auch zu Die fünf Gefürchteten eine der berüchtigten Comedy-Fassungen. Unter dem Titel Dicker, lass die Fetzen fliegen wird versucht, Spencers Rolle in den Mittelpunkt zu stellen. Doch auch schon in der deutschen Kinofassung wird die eigentliche Eröffnungssequenz, die in gut vier Minuten den ambivalenten Charakter von Luis vorstellt, weggelassen und mit der Rekrutierung Mesitos begonnen. In der Comedy-Fassung werden dem dann die üblichen Kalauer in den geschlossenen Mund gelegt: „Sieht ja aus wie beim alten Winnetou unterm Bett.“ Allen, denen so etwas gefällt, bietet Plaion in dem Media-Book neben der Kinofassung eben auch die Dampfhammer-Version. Angekündigt ist auch eine dritte Schnittfassung, die auf dem Rezensionsexemplar nicht enthalten war. Steht zu hoffen, dass sich dabei die unterschlagene Eröffnungssequenz befindet.

Unser Fazit zu Die fünf Gefürchteten

Die fünf Gefürchteten ist zwar mehr Heist-Movie als Italowestern, bietet aber dennoch angenehme Unterhaltung für einen verregneten Sonntagnachmittag. Die Art der Inszenierung durch den US-Regisseur Don Taylor lässt einiges an Italo-Flair vermissen, was aber durch Setting, Kameraarbeit und insbesondere die Musik Ennio Morricones teilweise aufgefangen wird. Insbesondere der Überfall auf den Zug punktet mit spannenden Momenten. Wer einen Bud-Spencer-Film erwartet, kann auf die Comedy-Fassung zurückgreifen, doch auch in der Originalversion hat der Film einige genretypische Humoreinlagen.

Die fünf Gefürchteten erscheint als Media-Book mit zwei Blu-rays in zwei Covervarianten am 27. Juni 2024. Es enthält unter anderem drei Schnittfassungen des Films und ein Booklet.

Unsere Wertung:

 

 

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© Plaion Pictures

Andreas Krasselt

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