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Die Konsequenz

Ein früher Film von Wolfgang Petersen und ein ungewöhnlicher dazu. Die Konsequenz behandelt taktvoll das Thema einer generationenübergreifenden, schwulen Liebe und setzte 1977 ein Ausrufezeichen für die LGBTQ-Community. Hier erfahrt ihr mehr.

Die Konsequenz (Trailer)

TitelDie Konsequenz
Jahr1977
LandDeutschland
RegieWolfgang Petersen
DrehbuchWolfgang Petersen, Alexander Ziegler
GenreDrama
DarstellerJürgen Prochnow, Ernst Hannawald, Werner Schwuchow
Länge100 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihEuroVideo
Jürgen Prochnow und Ernst Hannawald sind in ihren Rollen als Martin und Thomas gleich zweimal auf dem Cover vertreten. Über dem Schriftzug „Die Konsequenz”, schaut Prochnow Hannawald an, dessen Profil im Vordergrund unscharf eingestellt ist. Von beiden sieht man nur die Köpfe, im Gegensatz zu dem Bild unterhalb des Titels, auf dem oberkörperfrei nebeneinander liegen. Prochnow hat als Martin seine Hand auf Thomas (Hannawald) Brust. Beide scheinen zu schlafen.
Das Blu-ray Cover von„Die Konsequenz”. © 2022 EuroVideo Medien GmbH

Die Handlung von Die Konsequenz

Wegen der Beziehung zu einem Minderjährigen muss Schauspieler Martin ins Gefängnis. Bei den Proben zu einem Theaterstück lernt er den erst 16-jährigen Thomas kennen, Sohn des Gefängniswärters und ausschließlich zu Besuch. Jedoch funkt es auf Anhieb zwischen den beiden und es kommt zu einer gemeinsamen Nacht in Martins Zelle. Der jungen Liebe wird ein erster Strich durch die Rechnung gemacht, als daraufhin Martins Bewährung aufgehoben wird. Trotz der längeren Trennung bleiben die beiden in Kontakt und wollen ihre Beziehung nach der Entlassung fortsetzen. Doch Thomas‘ Vater ist strikt gegen die Verbindung und erwirkt Thomas‘ Einweisung in eine Erziehungsanstalt. Nun liegt es an Martin, zu warten sowie dabei zuzusehen, wie Thomas nach und nach gebrochen werden soll… .

Skandalfilm

Die Konsequenz galt bei Release als Skandal-Werk. Welches politische und menschliche Klima gegenüber Homosexuellen herrschte, wurde schon bei der Erstausstrahlung im TV offensichtlich: die Originalfassung wurde zensiert, obwohl das Drama das Prädikat „wertvoll” erhielt. Der Bayerische Rundfunk brach die Ausstrahlung gar ab.

Diese Doppelmoral und Heuchelei, um aufgeschlossen zu gelten, kommt auch gleich zu Beginn im Film zum Tragen, wenn der Anstaltsleiter, auf das junge Alter von Martins letzter Beziehung, verlauten lässt: „Und deshalb hat man sie bestraft. Nicht weil sie homosexuell sind”, woraufhin Martin sachlich kommentiert: „Ach, glauben Sie, ich hätte 2 ½ Jahre gekriegt, wenn ich mit einem Mädchen zusammen gewesen wäre?”

Unrund

Die Konsequenz ist eine Charakterstudie über zwei gequälte Existenzen, welche nach und nach mit immer mehr und weitreichenderen Ungerechtigkeit zu kämpfen haben, basierend auf dem gleichnamigen autobiografischen Roman von Schauspieler/Schriftsteller Alexander Ziegler. Er schrieb zusammen mit Petersen am Drehbuch, was einerseits die Natürlichkeit erklärt, mit welcher eine Liebe gezeigt wird, die von der Gesellschaft nicht akzeptiert wird, andererseits wirft sein Mitwirken Fragen auf, warum der Film um seine Vergangenheit und Erinnerungen dennoch so unrund geworden ist.

Es handelt sich nicht allein um eine Liebe zwischen zwei Männern, sondern zwischen einem mittelalten Mann und einen Teenager. Der Mann hat eine Vergangenheit mit minderjährigen Jungen. Der Junge ein schädliches elterliches Umfeld. Diese Dynamiken kommen keine Sekunde zum Tragen, sodass die Geschichte simpler wirkt, als dieses Thema es je zulassen dürfte. Inszeniert ist Die Konsequenz fast wie ein Theaterstück in kleinen Sets, immer fokussiert auf die Akteure und typisch deutschem Theater-Schauspiel mit lauter, deutlicher Aussprache. Da passt es, dass die Häftlinge ein Theaterstück aufführen, welches die elementaren Standpunkte und Konflikte des weiteren Films beleuchtet – „Glaube, Hoffnung, Liebe… .”

Prochnow steht in der Mitte mit dem Skript in der linken Hand und schaut seinen Mithäftling an. Dieser sitzt rechts im Bild und schaut zurück. Links steht ein weiterer Häftling mit verschränkten Armen an der Kulisse angelehnt und schaut den beiden zu. Zwischen ihm und Prochnow steht eine hüfthöhe Pflanze. Im Hintergrund sind vier Fenster erkennbar. Das zweite von links steht offen und links daneben hängt ein Kreuz.
Die Proben zum Theaterstück. © 2022 Eurovideo Medien GmbH

Es fehlt der erste Akt in Die Konsequenz

Dies ist kein Petersen-Film mit großen Actionsequenzen und riesigem Cast. Dadurch könnte Die Konsequenz eigentlich genügend Zeit plus Geduld aufbringen, sich vollständig auf die Protagonisten zu fokussieren. Das tut der Film auch, ohne uns hingegen deren Begegnung ausgiebig zu zeigen, das Fundament der Beziehung aufzubauen. Scheinbar ist es Liebe auf den ersten Blick, etabliert wird aber weder ein Grund, warum die beiden entgegen jedem Widerstand Zusammensein wollen, noch, was sie so sehr aneinander mögen. Die Konsequenz beginnt aber nicht nur inkonsequent, sondern fühlt sich, ungeachtet der kurzen Laufzeit, sogar im Verlauf gehetzt an.

Die Zeitsprünge zwischendrin irritieren stark und nachfolgende Szenen wirken dementsprechend etwas unbeholfen. Nach 20 Minuten, gefühlten zwei Dialogen, füttert Thomas Martin bereits und man fragt sich, wo das auf einmal herkommt. Für die Zuschauer:innen kennen sich die Figuren 5 Minuten. Martin wird teilweise in kein gutes Licht gerückt. Nach Herzschmerz und Trennung folgt umgehend ein Besuch in einer Schwulenbar oder er hat bereits einen neuen Partner zu Hause. Es tut sich fast das Gefühl auf, er meine es gar nicht ernst mit Thomas. Es driftet ein wenig in nicht sehr geschmackvolle Klischees ab. Ganz zu Schweigen von einer Szene, in welcher er seinen Körper kurzerhand für einen gefälschten Ausweis verkauft. Da verhält sich der Film nahezu selber homophob.

Gehetzt

Bis auf letzteren Punkt liegt das aber fast immer an dem überhasteten Tempo, welches große Lücken in der Handlung hinterlässt, die mit wenig zu viel erreichen will. Die emotionalen Momente bekommen nicht die Gravitas, die wir objektiv in solch einem Szenario erahnen. Persönlich berühren tut hier wenig. Wir lernen die Charaktere nicht gut kennen, meistens bleiben sie in ihrem Stereotyp gefangen, dürfen keinerlei Dreidimensionalität zu Tage bringen. Das Pacing trägt einen großen Anteil dazu bei, denn das Schauspiel selbst überzeugt auf ganzer Linie.

In diesem Bild von Die Konsequenz ist im Vordergrund der Hinterkopf von Hannawald zu sehen, der zu Jürgen Prochnows Profil im Hintergrund schaut.
Prochnow und Hannawald geben ein natürliches Paar ab. © 2022 Eurovideo Medien GmbH

Prochnow und Hannawald

Zumindest die Schauspieler machen aus wenig viel. Prochnow und Hannawald haben eine hervorragende Chemie und spielen mit ihren Zweifeln und Ängsten glaubwürdig ein Paar, das versucht, irgendwie zusammenzubleiben, obgleich die ganze Welt es anscheinend versucht, zu verhindern. Die intimen Augenblicke zu zweit – zärtlich, freudig, vorsichtig zwischen all der Unterdrückung – machen den Film im Alleingang sehenswert. Die außergewöhnlich stimmungsvolle Musik nebst dem kontrastreichen Schwarz-Weiß (passend zur trüben Thematik) leisten ihren Beitrag, das Schauspiel ist und bleibt indes das Verkaufsargument. Besonders Hannawald in seinem Film-Debüt trägt einen großen Anteil daran, dass es einfach fällt, dem Paar die Daumen zu drücken, zu hoffen, dass sie einen Weg finden werden. Sein jugendlich-naives Gesicht weicht bald dem Elend, aber sein Spiel bleibt unverstellt und organisch. Letztendlich versucht er nur, sein Glück zu finden und zerbricht an der Gesellschaft.

Prochnows Darbietung ist nicht minder tragend. Mit wenigen Worten kann er viel ausdrücken und lebt förmlich die Leidenschaft, welche er verkörpern soll. Kein perfekter Charakter, aber eine perfekte Performance. Diese beide lösen mit ihrer Story Wut aus, auf die Bigotterie der Autoritäten, die gesellschaftliche Realität und die Engstirnigkeit überdies von Familie oder Freunden. Dieser Kontrast zwischen Liebesgeschichte und dem Hass der Menschen macht diesen Kampf nachvollziehbar und das Innenleben der Figuren sichtbar – die Liebe, die sie empfinden wollen und die Wut, die sie stattdessen trifft und einnimmt.

Schwuchow steht rechts im Bild und schaut die Gruppe Jugendlicher an. Diese stehen in einer Reihe und die vordersten drei strecken ihre Hände hervor.
Werner Schwuchow spielt seine Macht in der Erziehungsanstalt aus. © 2022 Eurovideo Medien GmbH

Toleranz und Relevanz

Es ist eine vertraute Handlung rund um die Komplikationen, eine Beziehung mit erheblichem Altersunterschied am Laufen zu halten und doch schockierend, wenn es um die Grausamkeit des Systems, die Verfolgung, „Umerziehung“ geht und deren Konsequenz – innerer Aufruhr durch den Druck der sozialen Akzeptanz. Die Konsequenz ist mehr als ein Liebesdrama, es ist ein schmerzhaftes Stück unserer Historie und Gegenwart. Ein Plädoyer für Aufgeklärtheit, Aufgeschlossenheit und ein Abbild des damaligen Zeitgeistes bzw. ein Dokument, wie Homosexualität auf den Bildschirmen dargestellt wurde. Auch wenn wir jetzt in deutlich toleranteren Zeiten leben, hat das Drama nicht an Relevanz und Aktualität verloren. Wir wissen schlicht, dass sich ähnliche Schicksale auch heute noch weltweit wiederholen.

Unser Fazit zu Die Konsequenz

Die Konsequenz ist sowohl Drama als Coming-of-age-Film, wenn es darum geht, das erste Mal erwachsene Entscheidungen treffen zu müssen, wissend der Konsequenzen. Der Film ist melodramatisch und versucht es auch gar nicht zu verstecken. Dennoch strotzt er vor Kraft und ist ebenso hoffnungsvoll wie erschütternd. Dramaturgisch wirken einige Momente zu forciert und ganz von Klischees kann der Film auch nicht lassen. Zu gehetzt, zu viel gewollt und trotzdem äußerst konsequent, den gesellschaftlichen Druck auf zwei Menschen darzustellen, die nichts weiter wollen als zusammen sein und dem repressiven Umfeld und Konventionen standzuhalten. Die ruhigen Momente zwischen Martin und Thomas stehen repräsentativ für die wirkungsvolle Ehrlichkeit des Films. Großartig gespielt und sensibel inszeniert ist Die Konsequenz ein wichtiges, unverzichtbares Stück Filmgeschichte.

Die Konsequenz ist ab dem 09.06.22 als DVD und erstmalig auch als Blu-ray erhältlich!

Unsere Wertung:

 

 

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© EuroVideo

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