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Katherine Helmond in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films

Die phantastische Reise ins Jenseits

Die phantastische Reise ins Jenseits konnte seinerzeit im Kino nicht punkten, gilt aber inzwischen als Kultfilm. Kann der kindliche Mystery-Krimi nach einer Grusel-Mär auch uns begeistern?

TitelDie phantastische Reise ins Jenseits (OT: Lady in White)
Jahr1988
LandUSA
RegieFrank LaLoggia
DrehbuchFrank LaLoggia
GenreHorror, Krimi, Drama
DarstellerLukas Haas, Jason Presson, Alex Rocco, Len Cariou, Katherine Helmond, Karen Powell, Joelle Jacobi, Henry Harris, Tom Bower
Länge118  Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihKoch Films
Die phantastische Reise ins Jenseits Mediabook A © Koch Films
Mediabook Cover A zu Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films

Die Geschichte von Die phantastische Reise ins Jenseits

Der neunjährige Frankie Scarlatti (Lukas Haas) lebt 1962 mit seinem großen Bruder Geno (Jason Presson) und ihrem Vater Angelo (Alex Rocco) im beschaulichen Willowpoint Falls. An Halloween spielen ihm seine Freunde Donald und Louie einen Streich und sperren ihn im Schulgebäude ein. Dort hat er nachts eine Vision von einem rothaarigen Mädchen (Joelle Jacobi), das hier brutal angegriffen und ermordet wird, und einer Frau in Weiß (Karen Powell). Plötzlich taucht ein maskierter Mann auf, der dort irgendetwas sucht. Als er den Jungen entdeckt, würgt er ihn, bis ihm das Bewusstsein entschwindet.

Der Angriff hätte Frankie fast das Leben gekostet. Schon kurz darauf wird der farbige Hausmeister Willy (Henry Harris) verhaftet, dem man auch noch eine Reihe von Kindermorden anhängen will. In der Folge prasseln Wut und Hass auf Willys Familie nieder. Nur Angelo Scarlatti mag sich dem nicht anschließen, obwohl selbst sein gutmütiger Freund Phil (Len Cariou) von der Schuld des Hausmeisters überzeugt ist.

Frankie lässt der Zwischenfall indes nicht los. Das Mädchen aus seiner Vision stellt sich als Melissa Montgomery heraus, das erste Opfer des Mörders. Am Tatort in der Schule findet er einen versteckten Ring und beginnt mit eigenen Nachforschungen. Diese führen ihn zu einer Klippe hinter dem Wald, zu dem Haus der alten Amanda (Katherine Helmond)…

Lukas Haas in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films
Lukas Haas ist Frankie in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films

Eine Geisterlegende wird zum Leben erweckt

Die phantastische Reise ins Jenseits war ein Herzensprojekt von Regisseur und Autor Frank LaLoggia. Die Geschichte basierte auf einer lokalen Legende aus seiner Heimatstadt Rochester, New York, doch Geistergeschichten um die „Lady in White“ oder „Weiße Frau“ gibt es in der Folklore vieler Länder. Als Erzähler fungiert hier der erwachsene Frankie Scarlatti, ein Horror-Autor, der von einer mysteriösen Begebenheit in seiner Kindheit berichtet.

Der neunjährige Frankie ist ein Kind mit großer Fantasie und der Begabung, fantastische, auch gruselige Geschichten zu erfinden. Dementsprechend werden seine Visionen nicht ernst genommen, nicht von seinem Bruder und seinen Freunden, von den Erwachsenen schon gar nicht. Er selbst ist von den übersinnlichen Begegnungen fasziniert, nimmt die Tagträume ernst und freundet sich gar mit Melissas Geist an.

Eine ungewöhnliche Freundschaft in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films
Frankie freundet sich mit der toten Melissa an in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films

Fantasie und Technik

Frank LaLoggia realisiert diese Sequenzen auf verschiedenste Weise. Auf an Theaterbühnen erinnernden Sets lässt er mit akzentuierter Beleuchtung und ein wenig Nebel eine traumwandlerische, entrückte Atmosphäre entstehen. Die Geister erscheinen transparent ins Bild kopiert, und häufig kommt auch der Blue Screen zum Einsatz. Das wirkt heute etwas altbacken, funktioniert im Rahmen der Erzählung aber gut. Mit Kameramann Russell Carpenter (Oscar für Titanic) gelingen ihm eine Reihe von wunderschönen und auch gruseligen Szenen, die einem gewiss im Gedächtnis haften bleiben.

Alltäglicher Hass kontrastiert übersinnliche Ermittlungen

Inhaltlich räumt der Independent-Filmemacher auch dem Thema des Kleinstadt-Rassismus viel Platz ein. Es soll wohl auch die Abenteuer von Frankie etwas herausheben, bremst aber leider das fantastische Element des Öfteren ein wenig aus. Hier tritt dann meist der Vater Angelo Scarlatti in den Vordergrund, ein mitfühlender Mann, der sich sichtlich für das Verhalten seiner Mitbewohner schämt. Er ist so etwas wie das Gewissen der Gemeinde, in der sich nun Wut, Hass und Zorn auf den angeklagten Farbigen konzentrieren. Allerdings sorgt dieser Subplot später auch für einen der dramatischsten Szenen im Film. Diese ist ziemlich vorhersehbar, verfehlt ihre Wirkung aber trotzdem nicht.

Der Hauptteil der Geschichte von Die phantastische Reise ins Jenseits dreht sich natürlich um das Verhältnis des phantasiebegabten Frankie zu der ermordeten Melissa und der Frau in Weiß. Auf die Hilfe seiner Freunde Donald und Louie kann er dabei nicht zählen. Sie glauben ihm zuerst nicht, und als sie Zeuge einer vermeintlichen Geistererscheinung werden, schreckt sie das umso mehr ab. Erst als sein Bruder Geno mit ihm die Erscheinung des jungen, toten Mädchens erlebt, kann er sich der Hilfe gewiss sein, die ihm auch die Erwachsenen nicht zuteil kommen lassen können. Er ist es auch, der schließlich den entscheidenden Hinweis auf den Täter findet.

Katherine Helmond in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films
Die alte Amanda erschreckt die Kleinen in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films

Der Regisseur & sein Ensemble

Die fünf Millionen Dollar Budget für Die phantastische Reise ins Jenseits sind ohne großes Studio im Rücken aufgebracht worden. Frank LaLoggia tritt hierbei in Personalunion als Produzent, Regisseur, Autor und auch Komponist der Filmmusik auf. Eine Mehrfachbelastung, die sich im letztgenannten Part vielleicht etwas bemerkbar macht. Der Score ist zwar gefällig und unterstützt das Geschehen zumeist recht gut, düdelt an manchen Stellen aber auch mal etwas zu beliebig vor sich hin. Man merkt aber, dass er sehr viel Herzblut in das Projekt gesteckt hat und man sollte deswegen auch über die ein oder andere Unzulänglichkeit, meist technischer Natur, hinwegsehen. Er inszenierte hiernach nur noch einen TV-Film.

Der Cast, der sich hauptsächlich aus TV-Darstellern rekrutiert, macht seine Sache durchweg gut. In der Hauptrolle überzeugt der damalige junge Shootingstar Lukas Haas (Der einzige Zeuge, Inception) als fantasiebegabter Frankie, sein alleinerziehender Vater Angelo wird einfühlsam von Alex Rocco porträtiert, der ansonsten häufig auf Mafia-Rollen abonniert war (Der Pate, Find Me Guilty). Len Cariou (Blue Bloods, Bumblebee) gibt seinen besten Freund Phil, und Katherine Helmond, wohl am besten bekannt als Mona aus der RomCom Wer ist hier der Boss?, spielt die alte, furchteinflößende Amanda Harper. Als Sheriff von Willowpoint ist der für seine Nebenrollen bekannte Tom Bower (Stirb langsam 2, The Killer Inside Me) zu sehen.

Lukas Haas wird verfolgt in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films
Lukas Haas hat es eilig in Die phantastische Reise ins Jenseits © Koch Films

Unser Fazit zu Die phantastische Reise ins Jenseits

An der Qualität des Films kann es nicht gelegen haben, dass er seinerzeit im Kino dermaßen gefloppt ist. Vielleicht war er einfach nur zu verträumt und unbekümmert. Denn Frank LaLoggia erzählt hier eine spannende wie auch mitreißende Geschichte, die trotz ihres übersinnlichen Charakters sich nicht in effekthascherischen Aktionismus verliert, sondern sein Hauptaugenmerk auf die Figuren und ihr Handeln innerhalb der Zeit und der Umstände legt. Es ist einer jener Filme, die das Kind im Zuschauer ansprechen, ihn in nostalgische Melancholie wiegen. Dass die Optik mancher Szenen dabei nicht immer ganz frisch wirkt, ist zweitrangig.

Koch Films hat mit Die phantastische Reise ins Jenseits mal wieder ein Kleinod ausgegraben, das es wert ist, von Freunden fantastischer Unterhaltung wiederentdeckt zu werden. Das Mediabook kommt mit zwei schönen Motiven und bietet den Film in gleich drei Schnittfassungen. Die erste Blu-ray enthält den Director’s Cut, die heute die gängigste Version darstellt. Dazu ist in den Extras noch das Showreel zum Film zu finden, mit dem LaLoggia damals um Investoren warb. Auf der zweiten Blu-ray befinden sich die Kinofassung und der Extended Director’s Cut. Das ist ein lohnendes Paket, da fällt es leicht, Mystery-Fans dieses Mediabook ans Herz zu legen.

Das 3-Disc Mediabook zu Die phantastische Reise ins Jenseits ist ab dem 25. Juli im Handel erhältlich!

Unsere Wertung:

 

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© Koch Films

Thomas Hortian

Thomas, Jahrgang '76. Ich bin schon von kleinauf Filmfan, klapperte ab frühester Kindheit die drei Programme ab, weil meine Mutter keinen Videorekorder im Haus wollte. Ich war und bin aufgeschlossen für alles, aber mit den Jahren haben sich natürlich Vorlieben herausgebildet. Ich steh auf japanische Regisseure wie Kitano, Sabu, Miike und ganz doll Tsukamoto. Außerdem fahre ich voll auf klassische Horrorfilme der Hammer Films ab und bin Sammler italienischer Exploitation im Bereich des Giallo und Poliziesco.

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