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Schweinchen im Lieferwagen in Die Wurzeln des Glücks

Die Wurzeln des Glücks

Ihren Roman Schweinezüchten in Nazarath adaptiert die Autoren und Regisseurin Amanda Sthers (Madame) kurzerhand selbst auf die große Leinwand und liefert mit Die Wurzeln des Glücks einen tragikomischen Ensemble-Film. Gelingt ihr der Sprung ins Kino? 

TitelDie Wurzeln des Glücks (OT: Holy Lands)
Jahr2017
LandFrankreich, Belgien
RegieAmanda Sthers
DrehbuchAmanda Sthers
GenreDrama, Komödie
DarstellerJames Caan, Jonathan Rhys Myers, Rosanna Arquette, Tom Hollander, Efrat Dor, Patrick Bruel
Länge90 Minuten
FSKab 6 Jahren freigegeben
VerleihSTUDIOCANAL
Kinoplakat von Die Wurzeln des Glücks
Kinoplakat zu Die Wurzeln des Glücks © Studiocanal

Schweinezüchten in Nazareth 

Das Leben geht manchmal ungewöhnliche Weg. So auch im Fall des Juden Harry Rosenmerck (James Caan). Der ehemalige Arzt verlässt seine wohlvertraute Umgebung in New York, um in Israel fortan als Schweinezüchter zu arbeiten. Natürlich sind die unreinen Tiere im Heiligen Land nicht gerade herzlich willkommen, weshalb er dort immer wieder auf Gegenwehr stößt. Dieser Schritt löst auch bei der zurückgelassenen Familie sehr viel Unverständnis aus. Sein homosexueller Sohn David (Jonathan Rhys Meyers) hadert mit der Abweisung seinerseits, während seine Tochter Annabelle (Efrat Dor) mit Mitte Dreißig immer noch finanziell abhängig vom Elternhaus ist und nach Orientierung in ihrem Leben sucht. All diese Fäden hält bisher Harrys Ex-Frau Monica (Rosanna Arquette) zusammen, bis sie die Nachricht erhält, dass sie todkrank ist. 

Vollgepackte Romanverfilmung 

Buchverfilmungen haben es immer schwer. Gerade die Essenz der Vorlage zu vermitteln und den Vorstellungen der Leser zu entsprechen, gehört zu den großen Herausforderungen der Verfilmungen. Wie praktisch, dass sich für Die Wurzeln des Glücks die Autorin der Vorlage selbst um die Umsetzung auf die Leinwand kümmert. So versucht sie auch, den Großteil der Inhalte auf Zelluloid zu bannen und begeht damit den ersten und größten Fehler ihrer eigentlich vielversprechenden Verfilmung. Alleine der Handlungsfaden rund um Harry und seine Schweinezucht in Israel könnte einen kompletten Film füllen. Dieser Teil gehört auch zu den gelungensten und witzigsten des Films, weshalb sich auch das Marketing darauf stützt. Doch das war der Regisseurin und Autorin nicht genug. Die Familie von Harry bekommt nämlich auch Raum in diesen Film und das nicht zu knapp.

Harry (James Caan) als Schweinezüchter in Israel in Die Wurzeln des Glücks
Harry (James Caan) als Schweinezüchter in Israel © Studiocanal

Denn anders als zu erwarten, liegt nicht allein die Schweinezucht im Fokus, sondern die gesamten Probleme und Entwicklungen innerhalb der Familie Rosenmerck. So ist Die Wurzeln des Glücks ein waschechter Ensemble-Film, der sich auf all die Probleme der Familie stürzt, aber keines richtig ausspielt. Oft werden interessante und weitreichende Themen angesprochen, um diese dann einfach fallen zu lassen und nie wieder aufzugreifen. Genauso entwickeln sich aus flüchtigen und belanglosen Begegnungen Ereignisse, die lebensverändernde Änderungen mit sich bringen. Das sorgt immer wieder für reges Kopfschütteln und lässt einen roten Faden im Film gänzlich vermissen. Mit seinen ständigen Sprüngen fühlt sich Die Wurzeln des Glücks fast schon wie ein Episoden-Film an. Wirklich zu tangieren, gelingt aber kaum einem der Handlungsfäden, wodurch man irgendwann nur noch resignierend das Geschehen verfolgt. 

Versautes Drehbuch 

Ein Ensemble-Film lebt vor allem von seinen Figuren und deren Darstellern. Namhaft ist der Cast zu Die Wurzeln des Glücks auf jeden Fall und kann mit James Caan, Rosanna Arquette, Jonathan Rhys Meyers und Tom Hollander durchaus fähiges Personal aufweisen. Wirklich überzeugend davon ist aber lediglich Tom Hollander, der als Rabbi Moshe mit seiner Darstellung und Beziehung zu Harry für die humoristischsten Momente sorgt. Diese zeigen, was mit mehr Fokus möglich gewesen wäre. Doch leider ist die Entwicklung der beiden gegensätzlichen Figuren nicht wirklich nachvollziehbar und zu holprig erzählt. Generell ist die Charakterzeichnung Harrys wirr und mündet in einem Schlussplädoyer zum Fremdschämen.

David (Jonathan Rhys Meyers) ist in Die Wurzeln des Glücks sehr nachdenklich
David (Jonathan Rhys Meyers) hat mit der Ablehnung seines Vaters zu kämpfen © Studiocanal

Die anderen Figuren plätschern mit ihrer Handlung und Darstellung vor sich hin und haben es schwer, das Interesse des Zuschauers zu wecken. Denn immer, wenn einer ihrer Handlungsfäden gerade ins Rollen kommt, wird man regelrecht herausgerissen. Dieses zu voll gepackte Drehbuch kann auch die solide Inszenierung mitsamt der schönen Landschaftsaufnahmen nicht gerettet werden. So verkommt eine potenziell unterhaltsame Tragikomödie zu einem überfüllten Ensemble-Film ohne Fokus und Orientierung. 

Mein Fazit zu Die Wurzeln des Glücks 

Ein versnobter Ex-Arzt, der in Israel eine Schweinezucht betreibt, bietet so viel Potenzial für eine erfrischende Komödie mit dramatischen Spitzen. In Auszügen wird dieses auch sichtbar, doch erstickt es dann vollkommen unter dem Handlungsdickicht des vollgepackten Drehbuchs. All die Probleme der Figuren werden auch zum großen Problem für Die Wurzeln des Glücks. So orientierungs- und ziellos war selten ein Film. Wer verschenktes Potenzial begutachten und reichlich den Kopf schütteln möchte, ist hier bestens bedient.

Unsere Wertung:

 

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Onno

Als Kind in einen Topf aus VHS-Kassetten gefallen und kann seitdem nicht mehr wegschauen.

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