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Django – den Colt an der Kehle

Genrefans haben lange auf Django – den Colt an der Kehle warten müssen. Schon vor gut zwei Jahren angekündigt, schien es mit der Veröffentlichung doch nichts zu werden. Nun liegt der Streifen in einem schicken Mediabook vor. Lohnt sich der Film? Hier erfahrt Ihr mehr.

Chiedi perdono a Dio e non a me Trailer

TitelDjango – den Colt an der Kehle (OT: Chiedi perdono a Dio… non a me)
Jahr1968
LandItalien
RegieVincenzo Musolino
DrehbuchVincenzo Musolino
GenreWestern, Italowestern
DarstellerGeorgio Ardisson (aka George Ardisson), Anthony Ghidra (aka Dragomir Bojanić), Cristina Iosani, Pedro Sanchez (aka Ignazio Spalla), Luigi Pavese, Dino Strano, Giovanni Ivan Scratuglia, Franco Pesce, Tano Cimarosa, Peter Martell (aka Pietro Martellanza)
Länge88 Minuten
FSKab 16 Jahren freigegeben
VerleihExplosive Media
Das Cover des Mediabooks von Django - den Colt an der Kehle zeigt den am Boden liegenden Django mit Colt in der Hand, im Vordergrund ist eine weitere Waffe zu sehen, die auf ihn gerichtet ist.
Das Cover des Mediabooks © Explosive Media

Die Handlung von Django – den Colt an der Kehle

Die Familien der Stuarts und McDonalds sind seit Jahren verfeindet. Dennoch hatte sich einst zwischen Junior Django McDonald (George Ardisson) und dem Stuart-Töchterchen Virginia (Cristina Iosani) eine unschuldige (!) Romanze angebahnt. Soviel klassisches Shakespeare-Drama gönnte man sich gerne in den seligen Tagen des Italowesterns. Trotz der Familienfehde hatte Vater Stuart (Luigi Pavese) den McDonalds aber mal eine Menge Dollars geliehen. Um die letzte Rate zu begleichen, holt Django den Zaster von der Bank. Zurück auf der heimischen Ranch findet er seine Familie massakriert vor. Es wird Zeit für einen Rachefeldzug.

Natürlich hegt er eine bösen Verdacht gegen die Stuarts, denen er dennoch die geschuldeten Dollars zurückgibt. Doch der Mexikaner Barrica (Pedro Sanchez) bringt ihn auf die Spur der Gebrüder Smart und deren Bande, denen sich Django in der Folge mit großer Hingabe annimmt. Dass Barrica dabei einer eigenen Agenda nachgeht, versteht sich von selbst. Nachdem Django zunächst den jüngeren Jack Smart (Peter Martell) an die Himmelstür klopfen lässt, muss sich Oberschurke Dick (Anthony Ghidra) bis zum Showdown gedulden. Das wird dann gewohnt massiv bleihaltig und ergibt einen besonders hohen Bodycount. Am Ende wirft Django seinen heiß geschossenen Colt weit von sich. Er hat vom Töten genug.

Ein gefundenes Fressen für die Fans

Nach einem kurzen Aufflackern dank des Tarantino-Effekts ist in Sachen Italowestern seit einiger Zeit wieder Ruhe eingekehrt. Nur selten kommt es zu einer neuen Veröffentlichung – obwohl noch etliche Perlen des Genres darauf warten. Insofern ist das Mediabook von Django – den Colt an der Kehle ein gefundenes Fressen (nicht nur für die Geier). Doch die Fans dieser Filme sind offenbar rar gesät, und konzentrieren sich eher im Bereich von Parodien mit Terence Hill und Bud Spencer. Doch gerade die härteren Vertreter des Genres sind durchaus einen Blick wert, allein schon wegen ihrer filmhistorischen Bedeutung. Hat doch der Western All Italiana nicht nur die Pferdeoper revolutioniert.

Django, gespielt von George Ardisson, steht in Django - den Colt an der Kehle neben seinem Pferd und blickt auf die andere Straßenseite.
Pferdeoper: Django erblickt, als er sein Pferd besteigen will, auf der anderen Straßenseite seine Jugendliebe Virginia. © Explosive Media

Dabei gibt es wie in jedem Genre die unterschiedlichsten Qualitätskategorien. Über die Königsklasse braucht man wenig Worte verlieren. Da residiert ziemlich einsam Sergio Leone (Spiel mir das Lied vom Tod) und vielleicht noch der zweite Sergio namens Corbucci mit zwei weiteren Meilensteinen: dem Original-Django mit Franco Nero und Leichen pflastern seinen Weg mit Jean-Louis Trintignant. In der B-Klasse tummeln sich dann weitere Corbuccis, Filme des dritten Sergios, diesmal Sergio Sollima, und ein weites Feld anderer gelungener und teils sehr experimenteller Genrevertreter. Django – den Colt an der Kehle gehört indes zur C-Kategorie, was noch lange nicht schlecht ist.

Django – den Colt an der Kehle bietet solide Kost

Der Film von Vincenzo Musolino ist solide Genrekost mit teils ziemlich expliziten Härten. Als Django firmierte er natürlich nur in Deutschland, wo wegen des Erfolgs des Corbucci-Films gefühlt fast jedem zweiten Italowestern das Django-Prädikat aufgestempelt wurde. Im Original heißt Django eigentlich Cjamango, was immerhin ähnlich klingt. Und irgendwie ist auch Cjamango eine Art Seriencharakter, taucht der Name doch in mehreren Italowestern auf.

Musolino selbst hat nur zwei Filme inszeniert, war ansonsten als Drehbuchautor, vor allem aber als Produzent tätig. Auch Django – den Colt an der Kehle ist wie die meisten Italowestern ein Fließbandprodukt. Wobei sich der Film durch ein paar Feinheiten aus der Masse heraus hebt. Feinheiten die insbesondere in der Bildgestaltung liegen. Was dann weniger Musolino zu verdanken sein dürfte als seinem ausgezeichneten Kameramann Mario Mancini, einem Schüler Mario Bavas.

Schnatternde Ente kommentiert die Handlung

So gibt es eine ganze Reihe sorgfältig ausgeführter Kamerafahrten, die helfen, den Handlungsraum zu definieren. Oft befindet sich die Kamera dabei hinter Gegenständen wie einem Geländer, was die tiefenscharfe Spannung zwischen Vorder- und Hintergrund verstärkt. Auch legte Mancini sehr viel Wert auf Bildsymmetrie, was in fast allen Einstellungen zum Tragen kommt. Extreme Untersicht ist ein weiteres Merkmal, ebenso eine gern mal stark gekippte Kamera. Ein Effekt, der insbesondere im turbulenten Finale bis ins Extrem ausgekostet wird. Auffällig oft sind Tiere im Vordergrund zu sehen. Mal kleine, an den Füßen festgebundene Ferkel, mal schnatternde Enten, die mit ihrem Gequake die Handlung im Hintergrund ironisch zu kommentieren scheinen. Hinzu kommt die faszinierende Wüstenlandschaft beim spanischen Almeria, die auch Django – den Colt an der Kehle in den meisten Außenaufnahmen zu einem Augenschmaus werden lässt.

Die Bande der Stark-Brüder hat Django, gespielt von George Ardisson, erwischt, drei Colts sind auf seinen Kopf gerichtet.
Symmetrisch: Kameramann Mario Mancini legte viel Wert auf die sorgsame Bildgestaltung – selbst wenn Django von drei Pistolen bedroht wird. © Explosive Media

Leider verlässt sich Musolinos Genrebeitrag zu sehr auf seine Action. Es fehlt die melancholische Atmosphäre, welche die besseren Italowestern oft auszeichnet. Da hilft auch die Musik von Felice Di Stefano nicht wirklich. Abgesehen von einem recht hübschen, trompetenlastigen Deguello kann sie nur wenig überzeugen. Di Stefano ist eben kein Morricone.

George Ardisson als Django deplatziert

Problem ist auch Hauptdarsteller Georgio Ardisson. Der konnte mit seinen weit ausgeschnittenen Mundwinken, die ein ewiges Lächeln zu tragen scheinen, als Zorro und in einigen italienischen Agentenfilmen überzeugen. Als harter Westernheld in Django – den Colt an der Kehle wirkt er etwas deplatziert. Den stählernen Blick hat er zwar drauf, weshalb oft seine Augen besonders ausgeleuchtet wurden. Darstellerisch kommt er indes insbesondere in emotionalen Momenten schnell an seine Grenzen. Dragomir Bojanić aka Anthony Ghidra ist  als Oberschurke dagegen unterfordert. Der vierschrötig wirkende Serbe aus dem damaligen Jugoslawien kam mit seiner kantigen Physiognomie als wortkarger Antiheld in einigen anderen Italowestern wie Ein Loch in der Stirn oder Rocco – Ich leg Dich um sehr viel stärker rüber. Und war zudem, anders als Ardisson, ein recht guter Schauspieler.

Dick Smarts Freundin, gespielt von Lilli Lembo, eine Hure, steht auf der Treppe des Saloons.
Typisch: Frauen waren in Italowestern meist nur in typisch frauenfeindlichen Nebenrollen zu sehen, wie hier Lili Lembo als Hure. © Explosive Media

Was aber wäre ein Italowestern ohne seine Nebendarsteller. Auch hier trifft der Fan auf jede Menge bekannter Gesichter. Allen voran Ignazio Spalla als Barrica, der sich wegen seines Aussehens anders als andere italienische Darsteller kein englisches Pseudonym zulegte, sondern mit Pedro Sanchez ein spanisch klingendes. Auch hier ist er in seiner Standardrolle als mexikanisches Schlitzohr und Sidekick des Helden zu sehen. In einem bemerkenswerten Kurzauftritt darf Peter Martell (eigentlich Pietro Martellanza) beweisen, dass er auch volltrunken schießen und treffen kann. Möglich, dass er in der Szene auch tatsächlich voll war. Denn der gut aussehende und talentierte Schauspieler hätte damals eine größere Karriere hinlegen können, wäre da nicht der Schnaps gewesen. Wegen seines Alkoholproblems blieb er meist auf Nebenrollen beschränkt.

Kalauer-Synchro in Django – den Colt an der Kehle

Die deutsche Synchronisation des Films geizt mal wieder nicht mit den damals üblichen, markigen Sprüchen. Das mag manchem gefallen, andere dürften sich dann eher über den italienischen Originalton mit deutschen Untertiteln freuen. Kalauer wie „Naja, da stehen die Würmer wieder Schlange“ oder Trinksprüche wie „Spülen Sie sich die Mandeln, ist gut gegen abstehende Ohren“ können auf Dauer nerven. Die Sprecher allerdings sind auch hier gut ausgesucht, allen vorn Gert Günther Hoffmann als Django, der auch schon Franco Nero in dieser Rolle synchronisiert hatte. Hoffman war seinerzeit wohl der vielseitigste Sprecher, verlieh er doch neben Django auch so unterschiedlichen Figuren wie Lex Barkers Old Shatterhand, William Shatners Captain Kirk von der Enterprise und John Steed (Patrick Macnee) in Mit Schirm, Charme und Melone seine Stimme.

Nach dem Showdown auf einer Farm liegen in Django - den Colt an der Kehle zahllose Leichen auf dem Gelände verteilt.
Totenacker: Beim Showdown mangelt es nicht an Leichen. © Explosive Media

Bleibt nur zu sagen, dass das Mediabook von Django – den Colt an der Kehle eine echte Perle ist. Nicht nur, weil der Film in hervorragender Bildqualität erscheint, auch das Bonusmaterial hat einiges zu bieten. Wobei das Interview mit George Ardisson einen gealterten Schauspieler zeigt, dessen Selbstvertrauen seine Fähigkeiten weit überstieg. Immerhin verfügte der 2014 verstorbene Genrestar über eine Prise Selbstironie. Daneben enthält das Mediabook im Bonusbereich auch eine Rahmenhandlung des Films, die Djangos letzte Geste nach seinem Rachefeldzug etwas erklärlicher erscheinen lässt. Diese inhaltliche Klammer hat angeblich den Weg ins Kino nie gefunden. Umso erstaunlicher, dass die Inhaltsangabe auf Wikipedia damit beginnt. Sehr informativ sind dann das Booklet und der Audiokommentar.

Unser Fazit zu Django – den Colt an der Kehle

Fans von Italowestern dürfen jubeln. Django – den Colt an der Kehle ist ein solider Rachewestern der härteren Schule, wenn auch nur ein Genrevertreter der oberen Mittelklasse. Doch hat er visuell einiges zu bieten. Vor allem aber die Aufarbeitung durch Explosive Media im Mediabook lässt nicht viele Wünsche offen. Da hätte der Fan gern mehr von – schließlich gibt es noch immer einige Genreperlen zu entdecken. Und auch vom Italowestern Unbeleckte dürfen einen Blick riskieren. Diese Veröffentlichung hätte eigentlich fünf Toasts verdient. Da wir hier aber nur den Film bewerten, bleibt es bei immerhin soliden:

Unsere Wertung:

 

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