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Dogman

Mit Dogman führt uns Regisseur Matteo Garrone, bekannt für Gomorra, wieder in eine kriminelle, italienische Provinz. Im Mittelpunkt steht dieses Mal die Beziehung zwischen Hund und Herrchen.

TitelDogman
Jahr2018
ProduktionslandItalien, Frankreich
RegieMatteo Garrone
DrehbuchUgo Chiti, Maurizio Raucci, Matteo Garrone, Massimo Gaudioso
GenreDrama, Krimi, Thriller
DarstellerMarcello Fonte, Edoardo Pesce, Alida Baldari Calabria, Nunzia Schiano, Adamo Dionisi, Francesco Acquaroli, Gianluca Gobbi, Aniello Arena
Länge102 Minuten
FSK Ab 16 Jahren freigegeben
VerleihAlamode Filmdistribution
Filmplakat zu Dogman © Alamode Film
Filmplakat zu Dogman © Alamode Film

Die Handlung von Dogman – kurz und knapp

Ein Hundefriseur führt in einem italienischen Vorort einen bescheidenen Salon. Er kommt gut mit den Nachbarn zurecht, sein Familienglück scheint mit seiner kleinen Tochter perfekt zu sein. Doch als ihn ein alter Freund besucht, wird er in kriminelle Machenschaften verwickelt und sein soziales Umfeld droht sich von ihm abzuwenden.

Die Metapher von Hund und Herrchen in Dogman

Simpel betrachtet zeichnet Dogman ein gewöhnliches, ärmliches Gangstermilieu. Doch die clever zusammengesetzten Hierarchien zwischen den Figuren, geben der Handlung eine außergewöhnliche Tragweite.

Zu Beginn sehen wir den Protagonisten beim Pflegen eines wild gewordenen Hundes. Diese Szene veranschaulicht Fürsorge, den entsprechenden Familienzusammenhalt, aber auch aggressive Zustände innerhalb dieser Gemeinschaft. Der Titel Dogman steht  allerdings nicht für einen Mann, der sich um Hunde kümmert. Sondern vielmehr wie ein Mann zum Hund wird. Denn der Protagonist leidet unter dem Einfluss seines scheinbaren Freundes, der mit seinem körperlich dominanten Wesen eine Art Herrchen für ihn darstellt. Die Hauptfigur übernimmt dadurch alle Grundeigenschaften eines Hundes. Er gehorcht seinem Herrchen aufs Wort und folgt ihm bei dessen Raubzügen. Er zeigt Loyalität, verlangt nach seinem Leckerli (Geld) und wird bissig, wenn er keins bekommt. Die Analogie veranschaulicht Gegensätze, wirkt aber nie aufgezwungen. Eine einfache Handlung formt hier den maximalen Inhalt.

Selbst die großen Tiere genießen Marcellos Fürsorge © Alamode Film
Selbst die großen Tiere genießen Marcellos Fürsorge © Alamode Film

Die Figuren in Dogman

Die Hauptakteure geben Dogman zusätzliche Komplexität. Marcello (Marcello Fonte) wirkt verletzlich, zurückhaltend, feige, ist jedoch ebenso zugänglich und liebevoll. Simon (Edoardo Pesce) hingegen kann seine Emotionen nur mit Gewalt besänftigen. Seinen Mitmenschen gegenüber möchte er immer als Gewinner dastehen, indem er sie verlieren lässt. Die Nebenfiguren überzeugen ebenso, auch wenn sie keinen großen Einfluss haben, kreieren sie mit ihrer Spielweise eine glaubwürdige Gemeinschaft. Nur Marcellos Tochter (Alida Baldari Calabria) ist mit ihrer Charakterpräsentation als wohlbefindlicher Familienmensch etwas einseitig gestaltet. Schauspielerisch hält sie aber mit ihren Kollegen gut mit.

Nicht jeder hört aufs Kommando, manche werden bissig © Alamode Film
Nicht jeder hört aufs Kommando, manche werden bissig © Alamode Film

Die wunderschöne Kameraarbeit in Dogman

Es gibt viele Aussagen darüber, dass das Kino ausstirbt und mit hochproduziertem Massenbrei überschwemmt wird. Nun ja, Dogman ist der Beweis wie ein cinematisches Erlebnis auf kleinster Ebene funktioniert.

Mit reduzierter Kulisse und atemberaubender Kameraarbeit gelingt Dogman ein gewaltiges Kinoerlebnis. Der häufige Einsatz von Supertotalen verleiht der Umgebung ein trostloses Gefühl, welches Einsamkeit hervorruft. Jedoch wechselt die Kamera ebenso durchdacht in einer Nahaufnahme, wodurch eine besondere Nähe zu den Figuren entsteht. Schnitttechnisch bleibt Dogman konstant ruhig und lässt viele Trackingshots für sich sprechen. Die kontrastarme Bildgestaltung verleiht vielen Szenen (besonders Regenaufnahmen) einen dreckigen, unbehaglichen Look. Dogman bleibt bis zum Ende virtuos, ohne an Sogkraft zu verlieren.

Die bildgewaltige Kulisse wird klasse in Szene gesetzt © Alamode Film
Die bildgewaltige Kulisse wird klasse in Szene gesetzt © Alamode Film

Fazit zu Dogman – Lohnt sich das Kinoticket?

Hochgezüchtetes, europäisches Pracht-Kino der besonderen Art. Minimalistischer Einsatz von Kulisse und Handlung sorgen für einen fokussierten Blick auf wunderbar agierende Figuren, die eine bedrückende Gesellschaft zum Leben erwecken. Die sensationelle Kamera ist dabei der Rudelführer des Films. Dogman bringt Lichtspielhäuser zum Bellen. Unbedingt ansehen!

Unsere Wertung:

 

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Zuletzt aktualisiert am 10. November 2022 um 22:12 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
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© Alamode Film

Dennis Gerecke

Hallo, ich bin der Dennis und ich mag Kritiken. Eine Kritik sollte meiner Meinung nach in erste Linie ehrlich sein, um sich von der Allgemeinheit abzuheben, damit nicht nur der einfache Massengeschmack zufrieden gestellt wird. Durch den technischen Fortschritt sammelt sich heutzutage eine Masse an Filmen an und der große Anklang richtet sich hauptsichtlich auf Filme mit der teuersten Werbekampagne. Als Hobbykritiker ist es mir darum umso wichtiger den blinden Werbewahn zu unterbinden und mit mein filmischen Verständnis dem Leser oder Zuschauer einen klaren Gesamtblick zu verschaffen. Und falls meine Meinung unverständlich sein sollte, gibt es ja noch andere Kritiker da draußen, die ebenso den besten Filmgenuss für die Zuschauerschaft anstreben.
Neben meiner Filmleidenschaft habe ich auch ein Faible für Gamekultur und es wäre mein größtes Interesse dieses junge Medium gesellschaftlich zu fördern.

1 Kommentar

  • Der Film von Matteo Garrone (Gomorra) beginnt wie ein familientauglicher Abenteuerfilm mit dem Hundefrisör Marcello (Fonte) im Mittelpunkt. Er ist ein schmächtiger, liebenswerter Alleinerziehender, der seine Tochter Alida (Calabria) abgöttisch liebt. Nebenbei dealt er kleine Mengen Koks. Damit betritt er die Treppe nach unten. Simoncino (Edoardo Pesce) einer seiner Kunden, der das ganze Dörfchen terrorisiert, zwingt ihn bei einem Bruch mitzumachen. Es wird ein Thriller. Danach denkt der Kraftprotz nicht daran Marcello seinen Anteil zu geben. Alles spricht gegen ihn und weil Marcello schweigt, geht er ins Gefängnis.
    Nach einem Jahr wird er entlassen und schlägt Simoncino einen Plan vor, wie die beiden seine frei erfundenen Lieferanten ausknocken könnten. Es folgt ein Kampf auf Leben und Tod. Simoncino befreit sich kurzfristig aus einem Käfig, in den ihn Marcello versteckt hatte. Doch am Ende gewinnt der Kleine. Er versucht Simoncinos Leiche am Strand zu verbrennen, muss aber erkennen, dass niemand seine Heldentat mitbekommen hat. Niemand wird es ihm danken. Das Dorf ist wie ausgestorben. Ein offenes Ende. Stille, Einsamkeit, der Sieger ist gefangen in einem Nichts.
    Der Zuschauer kann rätseln, ob es unter Gangstern keine Loyalität gibt oder Marcello nur der übertölpelte Tölpel ist. Realisten fragen sich, wo das ganze Dorf denn hin ist? Haben ihn alle, die er beschützen wollte im Stich gelassen? Eine Ballade von zwei Losern oder nur eine Parabel Muskelkraft gegen Köpfchen? Egal, gute Unterhaltung mit einem Schuss Spannung ist es allemal.